Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Wie bist du nur an einen solchen Bruder gekommen?« flüsterte sie. »Er ist einfach widerlich.«
Torian grinste und drohte ihr scherzhaft mit dem Finger. »Es würde ihn sehr betrüben, das zu hören, denn er denkt ganz anders über dich. Außerdem, wie sprichst du denn über meine Familie? So etwas sagt man nicht, man denkt es höchstens.«
»So wie du?«
Er zuckte vielsagend mit den Schultern. Fast eine Woche hatte er Lyn nicht mehr gesehen, und er hatte wahrhaftig keine Lust, mit ihr über seinen Bruder zu sprechen. Sein Verhältnis zu Warlon hatte sich in den vergangenen Wochen beständig verschlechtert und in dem Spott über die angebliche Begegnung mit Kelysar einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Seither waren sie sich so weit irgend möglich aus dem Weg gegangen, doch er hatte auch so bemerkt, daß Warlon hinter seinem Rücken munter weiterspottete und den Eindruck zu erwecken versuchte, der zukünftige Fürst sei nicht ganz richtig im Kopf. Ohne Lyn wäre Torian wahrscheinlich nicht einmal zu dieser Feier gekommen, und fast bedauerte er sogar, daß sie die Einladung nicht abgelehnt hatte. Es machte alles nicht gerade einfacher, daß sich Warlon auch noch in dieselbe Frau verliebt hatte – wenn es auch in diesem Kampf keinen Zweifel über den Sieger geben konnte. Irgendwie mußte er das ganze Problem lösen, auf die eine oder andere Art. Und ihm blieb nicht mehr viel Zeit, alles zu einem einigermaßen guten Ende zu führen, das hatten ihre Worte ihm bewußt gemacht.
»Bitte, warte einen Moment«, sagte er. Verwundert schaute sie ihn an. »Es wird nur ein paar Minuten dauern«, fügte er hinzu. »Ich habe eine Überraschung für dich.« Sie runzelte die Stirn noch ein wenig mehr, sagte aber nichts. Mit großen Schritten eilte er auf das Portal zu. Die halb erstaunten, halb belustigten Blicke der anderen Gäste beachtete er nicht einmal. Er ging erst langsamer, als er einen Trakt der Burg erreicht hatte, zu dem die Gäste keinen Zutritt hatten. Was war plötzlich los mit ihm? Er hatte sich diesen Moment Hunderte Male in Gedanken ausgemalt, und doch fühlte er sich jetzt so unsicher wie selten zuvor in seinem Leben. Der Entschluß war ganz spontan entstanden, wenngleich er die Entscheidung schon vor langer Zeit gefällt hatte. In seinem Zimmer angekommen, trat er ans Fenster, starrte einige Sekunden in die beginnende Abenddämmerung hinaus und versuchte, Ruhe in seine Gedanken zu bringen. Dann öffnete er ein Schrankfach und nahm ein kleines Kästchen heraus, das er in einer Tasche seiner Uniform verschwinden ließ.
Lyn tanzte gerade mit einem der Höflinge, als er in den Ballsaal zurückkehrte. Ungeduldig wartete er, bis die Musikanten ihr Lied beendet hatten und sie auf ihn zukam. »Laß uns in den Garten gehen«, bat er. »Ich muß mit dir reden. Allein.«
Sie nickte.
Die Sonne war bereits zu einem Drittel hinter den Bergen versunken, so daß die Gipfel wie kleine, spitze Zähne um den glühenden Ball aussahen. Der Himmel leuchtete in einem hellen Rot, das den Bäumen und Büschen im Garten sonderbare Farben und Formen verlieh. Schweigend gingen die beiden auf den verwinkelten Wegen zwischen den Hecken und Blumenbeeten nebeneinanderher. Ohne sich dessen bewußt zu sein, schlug Torian den Weg zu seinem Lieblingsplatz ein, einem marmornen Springbrunnen in einem abgelegenen Teil des Gartens, der zum größten Teil von einer alten, mächtigen Trauerweide überschattet wurde.
»Schön ist es hier«, sagte Lyn leise, als sie auf der Einfassung des Brunnens Platz genommen hatten. Sie tauchte eine Hand ins Wasser und schleuderte aufblitzende Tropfen von ihren Fingern. Dann wurde sie schlagartig ernst. »Du hast mich wohl kaum hierhergeführt, nur um mir den Brunnen zu zeigen. Was ist los?«
»Ich möchte dir etwas schenken«, erwiderte Torian ebenso leise. Er hatte das Gefühl, den Zauber des Augenblicks durch lautes Reden zu zerstören. Die untergehende Sonne ließ Lyns Haar wie Gold aufleuchten und zauberte tanzende Schatten auf ihr Gesicht. Sie erschien Torian begehrenswerter als je zuvor. Verlegen räusperte er sich. So oft er sich diesen Moment vorgestellt hatte, so oft hatte er sich auch die passenden Worte zurechtgelegt, doch nicht ein einziges davon fiel ihm jetzt mehr ein. Er holte das kleine Kästchen aus der Tasche und öffnete es. »Dieser Ring gehörte meiner Mutter. Sie schenkte ihn mir auf... auf ihrem Totenbett.« Er griff nach Lyns Hand und streifte ihr den Ring vorsichtig auf einen Finger. Der goldgefaßte Diamant daran funkelte, als wäre er von einem inneren Feuer erfüllt. Erwartungsvoll schaute Torian sie an. »Gefällt er dir nicht?« fragte er, als er sah, wie ernst Lyns Gesicht war.
»Doch, er... er ist wunderschön«, antwortete sie stockend.
»Aber ich verstehe nicht –«
»Es war der Verlobungsring meiner Mutter. Er befindet sich seit Urzeiten im Besitz unserer Familie.«
»Soll das heißen —«
»Ja. Wie lieben uns, warum also sollten wir nicht heiraten, solange wir es noch können?«
»Was meinst du damit, solange wir es noch können?«
»Es wird Krieg geben«, sagte er traurig. »Sehr bald. Und wenn diese Narren da drinnen es auch nicht wahrhaben wollen — dieses Land wird nicht mehr dasselbe sein, sobald der erste Soldat seinen Fuß über die Grenze nach Tremon setzt. Ich möchte dich nicht heiraten, während Scrooth um uns herum in Schutt und Asche sinkt. Wir haben schon viel zu lange gewartet.«
Einige Sekunden lang herrschte Schweigen. Torian glaubte ein Rascheln in den Büschen hinter sich zu hören und fuhr herum, aber er konnte nichts entdecken. Wahrscheinlich war es nur der Wind.
»Ich ... Das kommt alles so überraschend für mich«, sagte Lyn schließlich stockend. »Hast du schon mit meinem Vater gesprochen?«
»Nein, aber ich werde es gleich tun. Er wird nichts gegen diese Hochzeit haben, im Gegenteil. Er weiß, daß wir uns lieben, und auch alle äußeren Umstände sprechen für mich. In ein paar Jahren werde ich Fürst sein. Wir sind eine angesehene und reiche Familie. Er wäre ein Narr, wenn er nicht seine Einwilligung geben würde.« Erneut hörte Torian ein leises Rascheln in den Büschen, und wieder schob er es auf den Wind oder ein kleines Tier. Er stand auf. »Am besten spreche ich gleich mit ihm«, sagte er.
Lyn versuchte nicht, ihn zurückzuhalten.
In dieser Nacht lag Torian lange wach. Seine Gedanken befanden sich in Aufruhr, und er fand keine Ruhe. Er lag angezogen auf seinem Bett, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, und starrte zur Decke hinauf, an die das Mondlicht verwirrende Muster malte. Er fühlte sich berauscht wie lange nicht mehr, und es lag nur zum geringsten Teil an dem übermäßig genossenen Wein.
Das Gespräch mit Fürst Kronos, Lyns Vater, war nur kurz gewesen. Wie erwartet hatte der Fürst keine Einwände gegen die Hochzeit gehabt. Er hatte die Zuneigung seiner Tochter zum künftigen Herrscher über Burg Conn schon lange erkannt und insgeheim gefördert, weil er hoffte, daß diese Hochzeit den Zusammenhalt ihrer beider Familien noch weiter festigen würde. Das gestand er freimütig ein, als der Wein im Laufe des Abends seine Zunge lockerte. Außer ihnen wußte bislang nur Fürst Limahrt von der Verlobung. Man würde sie erst am nächsten Morgen bekanntgeben. Die meisten Gäste übernachteten auf Burg Conn, so daß ein feierlicher Rahmen gewahrt blieb.
Torian wußte nicht, wie lange er noch wach im Bett lag und zur Decke emporstarrte, als die Tür seines Zimmers unvermittelt aufgerissen wurde und Marubur hereingestürmt kam. Torian schluckte den scharfen Tadel hinunter, der ihm auf der Zunge lag, als er erkannte, wie aufgeregt der Nork war. »Was ist geschehen?« fragte er statt dessen nur.
»Der Fürst«, stieß Marubur hervor. »Euer Vater ... er wurde ermordet.«
Torian sprang auf. »Was redest du?« keuchte er. »Du sprichst irre.«
»Nein, Herr, es stimmt. Ich machte meinen üblichen Rundgang durch die Burg, als ich eine vermummte Gestalt aus dem Gemach Eures Vaters huschen sah. Dann hörte ich ein Stöhnen, und als ich in das Gemach trat, sah ich, wie der Fürst starb. Jemand hat ihm einen Dolch in die Brust gestoßen.« Marubur atmete tief durch, bevor er hinzufügte: »Den Schlangendolch.«