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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Er fand nicht nur das aufgestapelte Holz, sondern auch eine kleine Feuerstelle, wenige Schritte von der Hütte entfernt. Als er die Scheite aufgeschichtet und mit etwas Reisig zum Brennen gebracht hatte, trat Kelysar auch schon zu ihm. In der Hand hielt er einen Fisch, der mindestens vier Pfund wiegen mußte und ungefähr doppelt so breit war wie der ganze Bach. Torian beschloß, sich über nichts mehr zu wundern, was er hier erlebte.

Schweigend beobachtete er, wie Kelysar den Fisch zubereitete und briet, und auch während des Essens sprachen sie kein Wort. Dann aber konnte Torian seine Neugier nicht länger bezwingen. »Du weißt, was auf Burg Conn geschah?«

»Ja. Dein Bruder hat den Fürsten umgebracht und dir die Schuld zugeschoben. Mittlerweile sucht man dich überall im Land.«

»Warlon wird nicht eher ruhen, bis er mich gefunden hat. Solange ich hierbleibe, bist auch du nicht sicher.«

Kelysar lächelte und schüttelte den Kopf. »Unsinn, Junge. Sagen wir es anders herum: Du bist sicher, solange du hierbleibst. Niemand findet den Weg zu mir, wenn ich es nicht will. Und ich glaube nicht, daß ich Besuch von deinem Bruder bekommen möchte.« Er kicherte leise.

»Nachdem ich zum ersten Mal hier war, bin ich am nächsten Tag mit einigen Soldaten zurückgekommen«, murmelte Torian. »Ich war wütend, weil du mich so herablassend behandelt hast. Wir haben überall gesucht, doch wir konnten den Pfad nicht finden.«

»Ich weiß. Du mußt lernen, dein Temperament zu zügeln. Ich habe dich behandelt wie jeden anderen auch, aber du wolltest etwas Besseres sein. Es gibt niemals einen Grund, andere Menschen herablassend zu behandeln, auch wenn sie schwächer sind – das wollte ich dir zeigen. Damals hattest du die Macht deines Vaters hinter dir — in Zukunft hast du sie gegen dich. Also lerne, dich zu beherrschen, sonst wirst du keine Woche dort draußen überleben.«

Torian verzog das Gesicht. Er hatte sich keine Predigt anhören, sondern etwas über das Gehölz in Erfahrung bringen wollen. »Dieser Pfad«, unternahm er einen neuen Anlauf. »Wie kommt es, daß er so spurlos verschwinden kann? Und die Büsche...«

»Sie sind schön, nicht wahr?« unterbrach ihn Kelysar in einem Tonfall, der deutlicher als seine Worte zeigte, daß er nicht weiter über dieses Thema sprechen wollte. Wieder schwiegen sie eine Weile, bis der Heiler unvermittelt fragte: »Was willst du nun tun?«

Torian zuckte die Achseln. »Warten, bis ich wieder ganz bei Kräften bin. Und dann wird Warlon für alles bezahlen. Ich werde um mein Erbe kämpfen!«

»Unsinn«, sagte Kelysar ruhig. »Vergiß es. Einen solchen Kampf wird es nicht geben. Dein Bruder ist längst als neuer Fürst anerkannt. Er hatte mehr als eine Woche Zeit, seine Macht zu festigen und auszubauen. Niemand zweifelt mehr daran, daß alles so gewesen ist, wie er gesagt hat, und er hat mächtige Freunde. Du bist überall als Vatermörder verschrien und verhaßt. Aber selbst wenn es nicht so wäre und ein Teil des Volkes dir glauben würde – willst du einen blutigen Bürgerkrieg anstiften und Hunderte Menschen in den Tod schicken, nur um dich an einem einzigen zu rächen? Genügt es dir nicht, daß ein Krieg gegen Tremon bevorsteht?«

»Aber ich kann Warlon doch nicht einfach so davonkommen lassen«, begehrte Torian auf. »Er hat meinen Vater umgebracht – und meine Braut. Soll er zum Lohn die Fürstenkrone erhalten?«

»Er hat sie bereits«, korrigierte Kelysar und fuhr mit sanfterer Stimme fort: »Ich weiß, wie dir zumute ist, aber du kannst nichts mehr ändern, sondern mußt an dich selbst denken. Es geht dir doch nicht wirklich um Gerechtigkeit, sondern nur darum, deinen Haß zu stillen. Willst du ebenso werden wie dein Bruder, nur daß du sagen kannst, er hätte angefangen? Was wäre das für ein Leben? Haß und Gewalt rufen nur neuen Haß und neue Gewalt hervor, wenn niemand diesen Kreis durchbricht. Es ist schon zuviel Blut geflossen; einmal muß Schluß sein.«

Torian schwieg eine Weile. »Es wäre nicht richtig«, sagte er dann. »Ich kann nicht einfach so die Augen verschließen und meiner Wege gehen, als wäre nichts geschehen. Wenn schon nicht meinem Vater, so bin ich es wenigstens Lyn schuldig, ihren Tod zu rächen. Alles andere käme mir wie ein Verrat an ihr vor.«

»Nichts und niemand kann sie dir zurückgeben, und es hilft ihr kein bißchen, wenn du sie rächst«, widersprach Kelysar, und diesmal klang ungeduldiger Zorn in seiner Stimme. »Wenn du aber wirklich gegen deinen Bruder ankämpfen willst, könnte es sein, daß du Lyn sehr bald wieder gegenüberstehst – falls du an die Götter und ein Weiterleben nach dem Tode glaubst. Also denk ein paar Tage über meine Worte nach und versuch, dir ein neues Leben aufzubauen.«

»Aber –«

»Kein Aber«, unterbrach Kelysar und stand auf. »Die Sonne geht unter. Wir sollten schlafen gehen.«

Torian gab es auf. Der Heiler vermochte mit Worten mindestens ebensogut umzugehen wie Warlon. Wenn er nichts sagen wollte, würden wohl nicht einmal die für ihre Grausamkeit berüchtigten tremonischen Folterknechte etwas aus ihm herausbekommen.

Während der nächsten Tage schonte sich Torian so weit wie möglich und ließ seine Wunden richtig ausheilen. Er konnte sich zwar fast schmerzfrei bewegen, aber er fühlte sich noch schwach, und nur langsam kehrten seine Kräfte zurück. Im gleichen Maße begann er, die Dornenbarriere nicht nur als Schutz, sondern auch als Gefängnis zu betrachten, obwohl er wußte, daß er noch nicht stark genug war, ohne den Schutz des Heilers zu überleben. Er würde keinen Tagesritt durchstehen, geschweige denn eine Flucht vor den Häschern seines Bruders oder gar einen Kampf gegen sie. Also fand er sich vorläufig mit seinem einsiedlerischen Leben ab. Er dachte oft an Lyn und lernte, ihren Tod als Tatsache hinzunehmen. Der Gedanke tat weh, doch er konnte den Schmerz auch ohne die Hilfe des Heilers ertragen. Kelysar hatte recht, er mußte versuchen, die Vergangenheit abzuschütteln und sich ein neues Leben aufzubauen, so schwer es ihm auch fiel. Torian hatte sich die Worte wieder und wieder durch den Kopf gehen lassen und eingesehen, daß Rache wirklich niemandem half. So schloß er den Haß tief in seinem Inneren ein und versuchte ihn zu vergessen.

Von Zeit zu Zeit gelang es ihm, Kelysar Bruchteile seines Wissens zu entlocken. So erfuhr er, daß es erwartungsgemäß zum Krieg gegen Tremon gekommen war, und daß sich die Norks überall in Scrooth erhoben, um gegen die Sklaverei zu kämpfen. Nur wenn er die Rede auf das Gehölz oder Kelysars Kräfte brachte, wechselte der Heiler sofort das Thema.

Nach sechs Tagen beschloß Torian, auf eigene Faust etwas herauszufinden. Er war beinahe sicher, daß Kelysar nicht ganz so selbstlos handelte, wie er vorgab, sondern irgend etwas mit ihm vorhatte, und Torian ahnte, daß es nichs Angenehmes war. Wenn es ihm gelang, von hier zu entkommen, würde er sich in die Söldnerlisten eintragen lassen. Es gab viele Torians, und bei der Armee würde niemand lange nach seinem vollständigen Namen oder seiner Herkunft fragen. Irgendwann würde es ihm dann vielleicht gelingen, dorthin zu fliehen, wo niemand ihn kannte und er frei leben konnte.

Zuvor aber mußte er erst einmal von hier weg, und das bedeutete, daß er ein Druckmittel gegen Kelysar brauchte. Er erinnerte sich noch an die heftige Reaktion des Greises, als er beim ersten Besuch die Karte entdeckt hatte. Vielleicht ergab sich hier ein Anhaltspunkt. Er wartete, bis Kelysar die Hütte verließ. Jeden Tag verschwand der Heiler für ein paar Stunden spurlos, ohne jemals zu sagen, wohin er ging und was er tat. Gewissensbisse plagten Torian, dem alten Mann seine Hilfe und sein Vertrauen dadurch zu vergelten, daß er heimlich herumschnüffelte, aber er tröstete sich damit, daß Kelysar ihm auch nicht ausdrücklich verboten hatte, sich umzusehen. Nach kurzem Zögern trat er an die große Truhe. Sie war verriegelt, aber nicht abgeschlossen. Er zog den kleinen Riegel am Scharnier zurück und klappte den Deckel auf.

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