Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Na also, da haben wir ja vernünftige Pferde«, sagte Garth, rieb sich zufrieden die Hände und deutete auf die Pferde der Soldaten. »Diese Kerle werden mir ja fast sympathisch.« Er band drei Tiere mit dem scroothischen Wappen auf den Satteltaschen los und drückte Shyleen und Torian die Zügel in die Hand. Sie führten die Pferde aus dem Stall, und Torian wollte gerade aufsteigen, als ihn eine Hand an der Schulter packte und hart herumwirbelte.
Vor ihm stand der blonde Hüne. Sein vom Wein gerötetes Gesicht war von Haß verzerrt, und seine Klinge befand sich nur noch eine Handbreit von Torians Hals entfernt.
»Das wirst du büßen«, stieß er zornbebend hervor. »Du hast mich vor meinen Freunden lächerlich gemacht und ...« Erst in diesem Moment fiel sein Blick auf die Pferde. »Bei Ch’tuon, das sind doch uns...«
»Ch’tuon gibt es nicht mehr«, unterbrach ihn Torian mit gespieltem Ernst. Gleichzeitig duckte er sich unter dem Schwert hindurch und versetzte dem Soldaten einen harten Tritt in den Magen, der ihn mit dem Oberkörper nach vorne klappen ließ. Torian riß sein Knie hoch und rammte es ihm mit aller Kraft unters Kinn. »Reitet vor!« rief er den Gefährten zu und wandte sich sofort wieder seinem Gegner zu. Der Hüne taumelte benommen zurück. Sein Unterkiefer war gebrochen und hing schief herab, aber Wut und der berauschende Wein gaben ihm die Kraft, seine Schmerzen zu ignorieren.
Sein Schwert zuckte hoch, und Torian konnte sich nur mit einem raschen Sprung in Sicherheit bringen. Sofort schlug der Soldat wieder zu, und abermals gelang es Torian nur um Haaresbreite, dem Hieb auszuweichen. Er kam nicht einmal dazu, sein eigenes Schwert zu ziehen. Immer rascher kamen die Schläge des Soldaten. Torian mußte alle Kraft und Konzentration darauf verwenden, ihnen auszuweichen. Er hatte seinen Gegner ganz gewaltig unterschätzt, und im Kampf gegen einen nüchternen Mann hätte ihn dieser Fehler schon längst das Leben gekostet. So gelang es ihm mit einem bizarren Tanz immer wieder, der Klinge gerade noch rechtzeitig auszuweichen. Er merkte nicht einmal, wie ihm die Kapuze vom Kopf rutschte.
Dafür merkte es der Soldat. Ungläubiges Staunen glitt plötzlich über sein Gesicht. »Dich kenne ich doch«, keuchte er. Der gebrochene Kiefer ließ seine Worte zu einem fast unverständlichen Gebrabbel werden. »Du bist...« Für einen Sekundenbruchteil war er unaufmerksam, doch diese Zeit reichte Torian. Er sprang vor, umklammerte die Waffenhand des Soldaten und riß ihm mit einem heftigen Ruck das Schwert aus den Fingern. Er drehte die Waffe herum und wollte den Soldaten mit der flachen Seite bewußtlos schlagen, doch im gleichen Moment warf dieser sich nach vorne. Die Klinge glitt beinahe sanft über seine Kehle und trennte ihm den Kopf von den Schultern. Der sonst eher karge Festsaal von Burg Conn hatte sich in ein Lichtermeer aus Tausenden von Kerzen verwandelt. Der Strom der Gäste riß nicht ab, und obwohl bereits mehr als hundert Besucher eingetroffen waren, wirkte der riesige Saal noch fast leer. Einige Dutzend Diener – Menschen, keine Norks, wie Warlon ausdrücklich angeordnet hatte – eilten mit Tabletts voller Gläser zwischen den Gästen hin und her, Gaukler vollführten ihre Spaße an der Stirnwand des Raumes. Dort war auch ein Podest für die Musikanten errichtet.
Gelangweilt beobachtete Torian das Treiben. Von Zeit zu Zeit wurde er angesprochen, doch er gab nur knappe Antworten und brach jedes Gespräch schnell wieder ab. Dies war Warlons Geburtstagsfeier, und Warlon hatte die Gäste eingeladen. Torian mochte die Leute nicht, und er gab sich auch keine Mühe, seine Abneigung zu verbergen. Die Frauen waren ihm zu herausgeputzt mit all ihrem protzig zur Schau gestellten Schmuck und die Männer nicht mehr als überhebliche Höflinge, die wie aufgeblasene Gockel herumspazierten, gelegentlich eine schlüpfrige Bemerkung fallenließen und über ihre eigenen dummen Witze am lautesten lachten.
Nein, dachte Torian zynisch, wenn dies die herrschende Schicht Scrooths darstellte, dann durfte er sich über den unaufhaltsamen Niedergang des Landes wirklich nicht wundern. Und wenn dies die Gesellschaft war, zu der er seinem Geburtsrecht zufolge eines Tages gehören würde, dann sollte er sich vielleicht noch einmal ernsthaft überlegen, auf die Fürsienkrone zu verzichten. Möglicherweise war es wirklich nur ein Versehen der Götter, daß er und nicht Warlon der Erstgeborene war. Warlon jedenfalls paßte entschieden besser in diese Runde, und er fühlte sich hier ganz offensichtlich so wohl wie eine Fliege auf einem frischen Pferdeapfel. Torian versuchte sich vorzustellen, wie einer dieser Wichtigtuer an der Spitze des scroothischen Heeres in eine Schlacht zog, und konnte nur mit Mühe ein Grinsen unterdrücken.
»Was habt Ihr?« hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich. Er schrak aus seinen Gedanken auf und drehte sich um. Eine glutäugige, dunkelhaarige Schönheit war zu ihm getreten. Sie war so mit Gold und Rubinen behangen, daß Torian sich einen Moment ernsthaft fragte, warum sie unter der Last nicht schlichtweg zusammenbrach. Mit einem koketten Augenaufschlag sah sie zu ihm hoch und verbarg ihr Gesicht halb hinter einem Fächer. »Gefällt Euch das Fest nicht, Prinz Torian?« fragte sie mit rauchiger Stimme.
Er seufzte lautlos. »Natürlich gefällt es mir. Seht Ihr nicht, wie ich mich amüsiere?«
»Ich hatte eher einen anderen Eindruck. Die ganze Zeit steht Ihr mit gelangweiltem Gesicht in irgendeiner Ecke herum.« Wieder schwenkte sie kokett ihren Fächer und beugte sich in einer genau einstudierten Bewegung ein wenig vor, so daß der ohnehin tiefe Ausschnitt ihres Kleides noch weiter auseinanderklaffte und Torian ungehinderten Einblick bis fast zu ihren Fußspitzen gestattete.
Er schluckte. Sein Hals wurde plötzlich trocken, und er spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach. Dieses verdammte – aber leider auch verdammt hübsche – Luder! »Sie haben mich durchschaut«, gab er widerstrebend zu und hüstelte. »Es sind viel zuviele hübsche Frauen im Saal, so daß ich nicht weiß, mit welcher ich zuerst tanzen soll.«
»Wie wäre es denn mit mir? Ich habe noch keinen Galan für heute abend.« Ihre Stimme war eine einzige Lockung und sagte mehr als ihre Worte.
»Ich fürchte, Ihr würdet anschließend eine Woche nicht mehr stehen können«, gab er zurück. »Ich bin nicht gerade der beste Tänzer.«
»Dann könnten wir vielleicht einen Spaziergang im Garten machen?« schlug sie unschuldig vor. »Ihr seht ziemlich blaß aus, Prinz. Etwas frische Luft wird Euch guttun.«
Wieder stöhnte Torian innerlich auf. Dieses raffinierte Biest war wirklich eine Sünde wert. Er ließ seinen Blick durch den Raum wandern und atmete erleichtert auf, als er Lyn am Eingang entdeckte. Im gleichen Moment verlor die glutäugige Schönheit an seiner Seite jeden Reiz für ihn. »Entschuldigt mich, ich habe gerade jemanden gesehen, den ich unbedingt begrüßen muß«, sagte er, ließ sie achtlos stehen und eilte zum Eingang.
Lady Lyn von Pa’an sah phantastisch aus in ihrem weißen Ballkleid; nicht wie ein Mensch, sondern wie eine Fleisch und Blut gewordene Göttin. Goldenes Haar fiel ihr in sanften Locken über die Schultern bis zur Hüfte und umschmeichelte ihr zartes, fast zerbrechlich aussehendes Gesicht. Sie lächelte, und ihre dunklen Augen schienen noch stärker zu strahlen, als sie Torian sah. Er sank vor ihr auf die Knie, ergriff ihre Hand und küßte sie. Seine Uniform war bewußt schlicht gehalten, da er nicht in einem vor Gold und Silber nur so strotzenden Prunkgewand umherstolzieren wollte wie Warlon, aber jetzt kam er sich Lyn gegenüber klein und unbedeutend vor. Er schaute ihr noch einen Moment tief in die Augen, dann wandte er sich ihren Eltern und dem anderen Gefolge von Burg Pa’an zu, um alle zu begrüßen.
Als er sich wieder umwandte, verbeugte sich Warlon gerade übertrieben formvollendet vor Lyn und bat sie um den ersten Tanz. Hilfesuchend schaute sie zu ihm herüber. Mit zwei Schritten war Torian bei ihr, trat seinem Bruder nicht ganz so versehentlich, wie es aussah, auf den Fuß und griff nach Lyns Hand. »Bedaure, aber diesen Tanz hat sie mir bereits versprochen. Du kannst währenddessen ja deine Gäste begrüßen, wie es die Etikette vorschreibt. Schließlich ist es deine Geburtstagsfeier.« Ohne sich weiter um Warlon zu kümmern, führte er Lyn zur Tanzfläche in der Mitte des großen Festsaales.