Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Der Wirt schluckte, nickte hastig und kehrte hinter seinen Tresen zurück.
»Zwei Goldstücke«, stieß Shyleen empört hervor. »Dafür kann man ja zehn ganze Schweine kaufen.«
»Fragt sich nur wo«, gab Torian zurück. »Er hat recht, Gold kann man nicht essen. Außerdem ist es ja nicht unser Geld. Garth, du wirst deine Künste wohl wieder einmal unter Beweis stellen müssen. Hoffentlich haben diese Kerle wirklich genug Geld dabei.« Er verstummte, als der Wirt die Weinkrüge vor sie hinstellte, und sprach erst weiter, als der Dicke sich wieder entfernt hatte. »Soll er sich freuen, ein paar Dummköpfe zum Ausnehmen gefunden zu haben. Wer gut zahlt, dem werden auch eher ein paar Macken zugestanden.«
»Wie weit ist es von hier bis zu diesem Kelysar?« fragte Garth leise, damit niemand seinen tremonischen Akzent hörte.
»Die Pferde sahen nicht gerade edel aus«, fügte Shyleen hinzu. »Alte Schindmähren, aber immer noch besser als gar keine.«
»Etwa vier Tagesritte mit guten Tieren«, erwiderte Torian nach kurzem Überlegen. »Wir werden uns schon irgendwo welche besorgen. Die Gegend hier ist einsam, und wenn wir die großen Straßen meiden, müßten wir gut vorankommen.«
»Dein Wort in Ch’tuons Ohr«, seufzte Garth. »Ich halte das Ganze immer noch für ausgesprochene Idiotie. Noch können wir zurück.«
Niemand antwortete ihm, und Garth schien auch nicht damit gerechnet zu haben, denn er murmelte nur noch etwas Unverständliches vor sich hin und trank einen großen Schluck Wein. Auch Torian trank. Der Wein war schwer und süß und würde ihm auch ohne das Schlafkraut, das sich möglicherweise darin befand, rasch zu Kopf steigen. Es war besser, wenn er sich trotz seines Durstes etwas zurückhielt. Außerdem hatte ihm das Grinsen des Wirtes ganz und gar nicht gefallen. Es war durchaus möglich, daß sich der gierige Fettwanst überlegt hatte, daß drei Fremde, die so bereitwillig zwei Goldstücke verschenkten, vermutlich noch einiges Gold mehr bei sich trugen, um das man sie im Rausch mühelos erleichtern konnte.
Als er ein paar Minuten später einen weiteren Schluck trank, wurde die Tür wuchtig aufgestoßen. Torian verschluckte sich fast, als er die roten Umhänge und blitzenden Silberhelme scroothischer Uniformen sah. Sein Schrecken wuchs mit jeder Sekunde, in der ein Soldat nach dem anderen die Schenke betrat. Erst der neunte schloß die Tür hinter sich. Torian zog die Kapuze noch etwas tiefer in die Stirn und legte Garth rasch die Hand auf den Arm, bevor sich der hitzköpfige Dieb zu einer Unbesonnenheit hinreißen ließ.
»Ganz ruhig«, zischte er. »Wir tun so, als wäre nichts. Wenn wir jetzt überhastet aufbrechen, erregen wir nur Aufsehen.« Garth nickte abgehackt, aber der angespannte Ausdruck wich nicht von seinem Gesicht. Mißtrauisch blinzelte er in Richtung der Soldaten. Diese warfen ihnen nur einige knappe Blicke zu, setzten sich dann an den größten Tisch — und den am weitesten entfernten, wie Torian erleichtert registrierte – und brüllten lautstark nach dem Wirt, der beinahe augenblicklich hinter seinem Tresen hervorgeschossen kam.
»Verdammt, jetzt wird es brenzlig«, flüsterte Shyleen. »Wenn wir wie geplant die Pferde klauen, haben wir die ganze Meute im Genick, sobald man den Diebstahl entdeckt.«
»Ich war ja von Anfang an dagegen«, fügte Garth resignierend hinzu.
Torian antwortete nicht, sondern beobachtete die Soldaten nur weiterhin unauffällig. Es waren kräftige Männer, die zudem noch kampferfahren aussahen, nicht die halbwüchsigen Burschen, die in letzter Zeit bevorzugt an der Front verheizt wurden. Falls es Ärger gab, sahen die Chancen alles andere als gut aus. Dazu kam, daß die Soldaten bereits ordentlich angeheitert waren und ein blondhaariger Hüne immer wieder begehrlich zu Shyleen herüberschaute.
Gerade der Blick des Blonden ließ ihn seine Meinung ändern. »Wir verschwinden doch besser«, sagte er, aber gerade in diesem Moment kam der Wirt wieder auf sie zugewatschelt und stellte drei mit Fleisch und Brot wohlgefüllte Holzteller vor sie hin. Torian fluchte lautlos, und als der Wirt ihnen auch noch mit dem freundlichsten Lächeln der Welt einen guten Appetit wünschte, hätte er ihm das Grinsen am liebsten aus dem Gesicht geprügelt. Statt dessen begann er damit, Fleischfetzen aus dem Braten zu reißen und sich in den Mund zu stopfen. Es schmeckte nicht einmal schlecht, aber der immer lüsternere Blick des blonden Soldaten verdarb ihm trotz seines Hungers den Appetit.
Garth stand auf und verließ das Gasthaus. Kaum eine halbe Minute später kam er wieder herein. Er ging dicht am Tisch der würfelnden Männer vorbei, stolperte und hielt sich kurz an einem der Männer fest. Nicht durch Zufall war es der, der am wohlhabendsten aussah. Einige grinsten über den scheinbar betrunkenen Burschen, der nicht einmal mehr gerade gehen konnte. Garth murmelte eine Entschuldigung und kehrte an ihren Tisch zurück. Er hatte den Mann höchstens eine Sekunde lang berührt, aber als er sich setzte und kurz die Faust öffnete, lag eine Goldmünze auf seinem Handteller. »Der Kerl hatte noch wesentlich mehr Geld, aber wenn seine ganze Börse verschwunden wäre, hätte er es vielleicht zu früh gemerkt«, flüsterte Garth. »Also habe ich sie ihm wieder in die Tasche gesteckt.«
Torian rang sich ein flüchtiges Lächeln ab. Die Fingerfertigkeit des Diebes würde ihm wohl immer ein Rätsel bleiben. Garth war nicht ohne Grund über die Grenzen Tremons hinaus als Meisterdieb berüchtigt.
Lautes Lachen schallte vom Tisch der Soldaten zu ihnen herüber. »Wirklich verdammt langweilig hier ohne Frauen«, rief einer der Männer. Als Torian hinüberschaute, sah er, wie der blonde Soldat aufstand und einige schon recht unsichere Schritte in Shyleens Richtung machte, dann aber von einem Kameraden zurückgehalten wurde. »Laß den Unsinn. Du weißt, daß wir keinen Ärger machen sollen.« Mit einem widerwilligen Brummen ließ sich der Blonde auf seinen Stuhl zurückfallen, wobei er fast hintenüber gekippt wäre, wie Torian schadenfroh beobachtete.
»Wirt!« rief er laut, stopfte sich einen letzten Bissen Fleisch in den Mund, spülte mit einem Schluck Wein nach und stand auf. Er warf dem heranwatschelnden Wirt die beiden Goldmünzen zu, der sie geschickt auffing und sich spöttisch verbeugte.
Auf dem Weg zur Tür mußten sie an dem Tisch der Soldaten vorbei, was Torian gar nicht gefiel. Garth und er nahmen Shyleen in die Mitte, trotzdem packte der Blonde nach ihrem Arm und hielt sie fest. »Warum willst du denn schon gehen, Süße?« fragte er grinsend. »Setz dich doch lieber ein Weilchen zu uns.«
Torian schlug seinen Arm zur Seite und trat ihm gleichzeitig den Stuhl unter dem Körper weg, so daß der Soldat unsanft zu Boden stürzte. Mit der anderen Hand schob er seinen Umhang etwas zur Seite und schloß die Finger drohend um den Griff des Schwertes. »Laß das Mädchen in Ruhe!« befahl er scharf.
Mit zornrotem Gesicht sprang der Soldat auf und packte nach seinem eigenen Schwert. Er hatte es noch nicht halb aus der Scheide gezerrt, als Torian ihm die Spitze seiner Klinge an die Brust setzte. »Ich will keinen Ärger«, sagte er. »Also mach besser auch keinen.« Dabei ließ er seinen Blick rasch über die Gesichter der anderen Soldaten gleiten. Keiner machte Anstalten, dem Blonden zu helfen, im Gegenteil, die meisten schienen alles für einen köstlichen Spaß zu halten und lachten aus voller Kehle. Shyleen und Garth hatten bereits die Tür erreicht. Torian ließ seine Klinge tiefer sinken, zerschnitt seinem Gegner blitzschnell den Gürtel und sprang zurück. Der Soldat wollte ihm folgen, stolperte über seine plötzlich herabrutschenden Hosen und schlug in voller Länge hin.
Noch bevor er sich wieder aufrappeln konnte, hatte Torian mit den Gefährten die Schenke bereits verlassen. Aufatmend sog er die frische Nachtluft ein. Dann folgte er den Freunden zum Stall.