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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Stück für Stück erlangte Rand die Auskünfte, die er brauchte. Zuerst waren die Angaben nur sehr vage, etwa ›ungefähr in dieser Richtung‹ und ›dort drüben irgendwo‹. Je näher sie jedoch kamen, desto eindeutiger wurden die Richtungsangaben, bis sie schließlich vor einem breiten Steingebäude standen, über dessen Eingang ein Schild im Wind knarrte. Ein Mann war darauf zu sehen, der vor einer Frau mit rotgoldenem Haar und einer Krone kniete. Eine ihrer Hände ruhte auf seinem gebeugten Haupt. Der Königin Segen.

»Bist du dir auch sicher?« fragte Mat.

»Natürlich«, sagte Rand. Er holte tief Luft und stieß die Tür auf. Der Schankraum war groß und mit dunklem Holz getäfelt. Feuer in zwei Kaminen erwärmte ihn. Eine Bedienung fegte den Boden, obwohl er sauber war, und eine andere polierte in der Ecke Kerzenhalter. Beide lächelten die zwei Neuankömmlinge an, bevor sie sich wieder ihrer Arbeit zuwandten.

Nur an wenigen Tischen saßen Gäste, aber so früh am Tag war ein halbes Dutzend Männer schon eine ganze Menge, und wenn auch niemand besonders glücklich über Mats und sein Eintreten zu sein schien, so wirkten sie doch sauber und nüchtern. Der Geruch nach Rinderbraten und frisch gebackenem Brot trieb aus der Küche herein, und Rand lief das Wasser im Mund zusammen.

Der Wirt war fett, wie er mit Freude feststellte; ein Mann mit rosafarbenem Gesicht und einer gestärkten weißen Schürze. Das ergraute Haar war zurückgekämmt, um einen kahlen Fleck zu verbergen, der jedoch nicht ganz bedeckt war. Seine scharfen Augen betrachteten sie von Kopf bis Fuß, die staubigen Kleider und die Bündel und die abgetragenen Stiefel, aber er lächelte sofort und auf sehr nette Art und Weise. Er hieß Basel Gill.

»Meister Gill«, sagte Rand, »ein Freund von uns riet uns, hierher zu kommen. Thom Merrilin. Er... « Das Lächeln des Wirts verflog. Rand sah Mat an, doch der war zu sehr damit beschäftigt, die Düfte aus der Küche in sich einzusaugen, als daß er etwas anderes bemerkt hätte. »Stimmt etwas nicht? Ihr kennt ihn doch?«

»Ich kenne ihn«, sagte Gill kurz angebunden. Er schien im Moment mehr an dem Flötenbehälter an Rands Seite interessiert als an sonst etwas. »Kommt mit!« Er deutete mit einer Kopfbewegung nach hinten. Rand rüttelte Mat kurz, um ihn aus seinem Schmachten zu reißen, und folgte dem Wirt. Er fragte sich, was da los sei.

In der Küche blieb Meister Gill stehen und sprach mit der Köchin, einer rundlichen Frau, die das Haar zu einem Knoten am Hinterkopf zusammengebunden hatte und beinahe Pfund für Pfund ein Gegenstück zum Wirt darstellte. Sie rührte weiter in ihren Kochtöpfen herum, während der Wirt redete. Die Düfte waren so köstlich -zwei Tage Hunger lieferten eine gute Sauce für beinahe alles Eßbare, aber hier roch es ebenso gut wie in der Küche von Frau al'Vere -, daß Rands Magen vernehmlich knurrte. Mat beugte sich, Nase voraus, über die Töpfe. Rand stieß ihn an; Mat wischte sich schnell über das Kinn. Ihm war wirklich das Wasser aus dem Mund gelaufen.

Dann führte sie der Wirt hastig aus dem Hinterausgang. Im Stallhof blickte er sich um, ob auch wirklich niemand in der Nähe war, und dann wandte er sich Rand zu. »Was ist in dem Behälter, Junge?«

»Thoms Flöte«, sagte Rand bedächtig. Er öffnete den Kasten, als werde es helfen, die mit Gold und Silber verzierte Flöte vorzuzeigen. Mats Hand kroch unter seinen Mantel.

Meister Gill sah Rand unverwandt an. »Ja, ich erkenne sie. Ich habe ihn oft genug damit spielen sehen, und es gibt wohl kaum eine zweite von der Art außerhalb eines Königshofes.« Das freundliche Lächeln war wie weggeblasen, und sein Blick war mit einem Mal messerscharf. »Wie bist du dazu gekommen? Thom würde eher seinen Arm hergeben als diese Flöte.«

»Er hat sie mir gegeben.« Rand nahm Thoms gebündelten Umhang vom Rücken und legte ihn am Boden ab. Er entfaltete das Bündel gerade soweit, um die farbigen Flicken und das Ende des Harfenbehälters zu zeigen. »Thom ist tot, Meister Gill. Wenn er ein Freund von Euch war, dann tut es mir leid. Er war auch meiner.«

»Tot, sagst du? Wie ist das geschehen?«

»Ein... ein Mann versuchte, uns zu töten. Thom gab mir das in die Hand und befahl uns wegzurennen.« Die Flicken flatterten wie Schmetterlinge im Wind. Rands Kehle war wie zugeschnürt. Er faltete sorgfältig den Umhang zusammen. »Wir wären tot, wenn er nicht gewesen wäre. Wir wollten zusammen nach Caemlyn. Er sagte uns, wir sollten hierher, zu Eurer Schenke, kommen.«

»Ich glaube erst, daß er tot ist«, sagte der Wirt bedächtig, »wenn ich seinen Leichnam sehe.« Er stieß mit dem großen Zeh gegen das Bündel und räusperte sich laut. »Nee, nee, ich glaube schon, daß ihr beobachtet habt, was immer es zu sehen gab, aber ich glaube einfach nicht, daß er tot ist. Er ist schwerer zu töten, als ihr glaubt, der alte Thom Merrilin.«

Rand legte eine Hand auf Mats Schulter. »Es ist schon gut, Mat. Er ist ein Freund.«

Meister Gill sah Mat an und seufzte. »Ich denke, das bin ich.«

Mat richtete sich langsam auf und verschränkte die Arme vor der Brust. Er beobachtete den Wirt immer noch mißtrauisch, und in seiner Wange zuckte ein Muskel.

»Er wollte nach Caemlyn, sagt ihr?« Der Wirt schüttelte den Kopf. »Das ist der letzte Ort auf der Welt, von dem ich annahm, daß Thom ihn besuchen werde, außer vielleicht noch Tar Valon.« Er wartete, bis ein Stallbursche vorbeigegangen war, und senkte auch dann noch die Stimme. »Ich nehme an, ihr habt Probleme mit den Aes Sedai.«

»Ja«, antwortete Mat zur gleichen Zeit, als Rand sagte: »Wie kommt Ihr darauf?«

Meister Gill lachte trocken auf. »Ich kenne den Mann doch. Er wird sich in diese Art von Schwierigkeiten geradezu hineinstürzen, besonders um ein paar Jungen in eurem Alter zu helfen... « Der Glanz der Erinnerungen verschwand aus seinen Augen, und sein Blick wurde zurückhaltender. »Nun, äh... ich will ja keine Anschuldigungen vorbringen, wirklich, aber... äh... ich nehme an, keiner von euch kann... äh... also, was ich sagen will, ist... äh... welche Probleme habt ihr nun eigentlich mit Tar Valon, falls ihr mir die Frage verzeiht?«

Rands Haut prickelte, als ihm klar wurde, was der Mann da annahm. Die Eine Macht. »Nein, nein, nichts dergleichen! Das schwöre ich. Uns hat sogar eine Aes Sedai geholfen. Moiraine war... « Er biß sich auf die Zunge, aber der Gesichtsausdruck des Wirts änderte sich nicht.

»Ich bin froh, das zu hören. Nicht, daß ich für die Aes Sedai sehr viel übrig hätte, aber lieber sie, als... die andere Seite.« Er schüttelte bedächtig den Kopf. »Man spricht zuviel von solchen Dingen, seit Logain hierhergebracht wurde. Ich wollte euch nicht kränken, das versteht ihr doch sicher, aber... na ja, ich mußte doch sichergehen, nicht wahr?«

»Wir nehmen Euch das nicht übel«, sagte Rand. Mats Gemurmel konnte alles bedeuten, aber der Wirt nahm es als Zustimmung zu dem, was Rand gesagt hatte.

»Ihr zwei seht schon so aus, als wärt ihr in Ordnung, und ich glaube, daß ihr Freunde von Thom wart — seid -, aber die Zeiten sind schlecht, und die Tage mühsam. Ich schätze, ihr könnt nicht zahlen? Nein, ich habe es auch nicht erwartet. Es gibt von nichts genug, und was es gibt, ist unwahrscheinlich teuer. Also gebe ich euch Betten -nicht die besten, doch warm und trocken — und etwas zu essen, aber mehr kann ich nicht versprechen, so leid mir das tut.«

»Ich danke Euch«, sagte Rand mit einem fragenden Blick zu Mat hinüber. »Das ist mehr, als ich erwartet habe.« Wen betrachtete er als ›in Ordnung‹, und warum sollte er eigentlich mehr versprechen?

»Na ja, Thom ist ein guter Freund. Ein alter Freund. Ein Hitzkopf, der manchmal die schlimmsten Sachen ausgerechnet der Person an den Kopf wirft, bei der er das nicht tun sollte, aber trotzdem ein guter Freund. Wenn er nicht kommt... also, dann werden wir uns schon was überlegen. Am besten, ihr erwähnt nichts mehr davon, daß euch eine Aes Sedai hilft. Ich bin ein treuer Anhänger der Königin, aber es gibt gerade jetzt in Caemlyn viele, die sowas in die falsche Kehle bekommen könnten, und damit meine ich nicht nur die Weißmäntel.«

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