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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Mat schnaubte. »Wenn's nach mir ginge, dann könnten die Raben jede Aes Sedai direkt nach Shayol Ghul befördern!«

»Hüte deine Zunge!« fauchte Meister Gill. »Ich sagte, ich liebe sie nicht gerade, aber ich habe nicht gesagt, daß ich ein Narr bin und glaube, sie steckten hinter allem Schlechten. Die Königin unterstützt Elaida, und die Garde steht zur Königin. Das Licht helfe uns, damit sich das nicht ändert. Jedenfalls sind in letzter Zeit einige Gardesoldaten so weit gegangen, daß sie Leute, von denen sie hörten, wie sie etwas gegen die Aes Sedai sagten, ziemlich rauh behandelt haben. Nicht im Dienst, dem Licht sei Dank, aber es ist trotzdem geschehen. Ich kann keine Gardesoldaten außer Dienst gebrauchen, die meinen Schankraum auseinandernehmen, weil sie euch eine Lektion erteilen wollen, und ich kann keine Weißmäntel gebrauchen, die jemanden dazu anstiften, einen Drachenfang an meine Tür zu malen. Wenn ihr also wollt, daß ich euch helfe, dann behaltet eure Gefühle für die Aes Sedai für euch, ob sie nun gut oder schlecht sind.« Er schwieg nachdenklich und fügte dann hinzu: »Vielleicht ist es am besten, wenn ihr auch Thoms Namen nicht erwähnt, wo ihn irgend jemand anders außer mir hören kann. Einige Gardesoldaten haben ein gutes Gedächtnis, und die Königin ebenfalls. Man muß ja kein Risiko eingehen.«

»Hatte Thom Schwierigkeiten mit der Königin?« fragte Rand ungläubig, und der Wirt lachte.

»Also hat er euch doch nicht alles erzählt. Warum hätte er das auch tun sollen? Andererseits weiß ich auch nicht, warum ihr das wissen müßt. Es ist nicht gerade ein Geheimnis. Glaubt ihr, daß jeder Gaukler so selbstbewußt ist wie Thom? Na ja, vielleicht schon, aber ich habe mir immer gedacht, daß Thom noch eine Extraportion Selbstbewußtsein abbekommen hat. Er war nicht immer Gaukler, müßt ihr wissen; es war nicht immer so, daß er von Dorf zu Dorf zog und die Hälfte der Zeit unter Hecken schlief. Es gab eine Zeit, da war Thom Merrilin der Hofbarde hier in Caemlyn und bekannt an jedem Königshof von Tear bis Maradon.«

»Thom?« fragte Mat.

Rand nickte bedächtig. Er konnte sich Thom am Hof der Königin vorstellen — mit seinem höfischen Benehmen und seinen großartigen Gesten.

»Das war er«, sagte Meister Gill. »Es war nicht lange nach dem Tod von Taringail Damodred, da... tauchten die Sorgen über seinen Neffen auf. Es gab Leute, die behaupteten, Thom stünde der Königin näher, als die guten Sitten gestatteten. Aber Morgase war eine junge Witwe, und Thom in seinen besten Jahren, und ich sehe es so, daß die Königin tun kann, was sie will. Aber sie ist ganz schön launisch, unsere gute Morgase, und er ging, ohne ihr etwas zu sagen, als er erfuhr, in welchen Schwierigkeiten sich sein Neffe befand. Das gefiel der Königin überhaupt nicht. Es gefiel ihr auch nicht, daß er sich in Angelegenheiten der Aes Sedai einmischte. Ich kann auch nicht behaupten, daß ich es richtig fand, Neffe hin oder her. Als er jedenfalls zurückkehrte, sagte er ihr einige unfeine Dinge ins Gesicht. Sachen, die man einer Königin nicht sagt. Sachen, die man keiner Frau mit Morgases Temperament sagt. Elaida hatte etwas gegen ihn, weil er versuchte, sich in die Angelegenheit mit seinem Neffen einzumischen, und in der Klemme zwischen der Laune der Königin und der Feindseligkeit Elaidas verließ Thom Caemlyn einen halben Schritt vor einer Reise ins Gefängnis oder sogar vor der Axt des Henkers. Soweit ich weiß, besteht das Urteil immer noch.«

»Wenn das vor so langer Zeit war«, sagte Rand, »erinnert sich vielleicht niemand mehr daran.«

Meister Gill schüttelte den Kopf. »Gareth Bryne ist Generalhauptmann der Garde der Königin. Er kommandierte persönlich die Gardesoldaten, die auf Befehl Morgases Thom in Ketten zurückbringen sollten, und ich zweifle daran, daß er jemals vergessen wird, wie er mit leeren Händen zurückkehrte und herausfand, daß Thom bereits wieder im Palast gewesen und schon wieder weg war. Und die Königin vergißt grundsätzlich überhaupt nichts. Habt ihr je eine Frau kennengelernt, die vergißt? Meine Güte, Morgase war vielleicht wütend! Ich schwöre euch, die ganze Stadt ging einen Monat lang auf Zehenspitzen, und alle flüsterten nur. Viele andere Gardesoldaten sind auch alt genug, um sich noch daran zu erinnern. Nein, am besten behandelt ihr Thom genauso als Geheimnis wie eure Aes Sedai. Kommt, ich hole euch etwas zu essen. Ihr seht aus, als kauten eure Mägen schon an eurem Rückgrat herum.«

36

Das Muster wird gewebt

Meister Gill führte sie an einen Ecktisch im Schankraum und ließ ihnen von einer der Bedienungen Essen bringen. Rand schüttelte den Kopf, als er die Teller sah. Ein paar dünne Scheiben Rindfleisch in Fleischsauce, ein Löffel voll Gemüse mit Senfsauce und auf jedem noch zwei Kartoffeln. Sein Kopfschütteln war enttäuscht und schicksalsergeben, aber nicht ärgerlich. Nicht genug von allem, hatte der Wirt gesagt. Er nahm Messer und Gabel zur Hand und fragte sich, was wohl geschähe, wenn nichts mehr übrig wäre. So gesehen wirkte sein halbvoller Teller wie ein Festmahl. Der Gedanke ließ ihn schaudern.

Meister Gill hatte einen Tisch gewählt, der sich ein gutes Stück von allen anderen Gästen entfernt befand, und er setzte sich mit dem Rücken zur Ecke, von wo aus er den ganzen Raum beobachten konnte. Niemand konnte ihnen nahe genug kommen, um zu hören, was sie sagten, ohne daß er es gesehen hätte. Als die Bedienung fortging, sagte er leise: »Also, warum erzählt ihr mir jetzt nicht von euren Schwierigkeiten? Wenn ich helfen soll, dann muß ich auch wissen, was da auf mich zukommt.«

Rand sah Mat an, aber der betrachtete ärgerlich seinen Teller, als sei er wütend auf die Kartoffel, die er gerade schnitt. Rand holte tief Luft. »Ich verstehe es eigentlich selbst nicht«, begann er.

Er hielt die Geschichte bewußt einfach und ließ die Trollocs und die Blassen aus. Wenn ihm jemand Hilfe anbot, konnte er ihm schlecht erzählen, daß es eigentlich um Legenden ging. Aber er hielt es auch nicht für fair, die Gefahr zu untertreiben und jemanden hineinzuziehen, wenn sie selbst keine Ahnung hatten, auf was sie sich da einließen. Einige Männer waren hinter ihm und Mat her und auch hinter ein paar ihrer Freunde. Diese Männer erschienen, wenn man sie am wenigsten erwartete, und sie waren von tödlicher Gefährlichkeit und wollten ihn und seine Freunde töten oder noch Schlimmeres... Moiraine behauptete, einige von ihnen seien Schattenfreunde. Thom traute Moiraine nicht ganz, blieb aber bei ihnen, wie er sagte, wegen seines Neffen. Sie waren während eines Angriffs getrennt worden, als sie versucht hatten, Weißbrücke zu erreichen, und dann, in Weißbrücke, starb Thom und rettete sie dabei vor einem weiteren Angriff. Und es hatte noch mehr Versuche gegeben. Er wußte, daß seine Erzählung Lücken hatte, aber er tat sein Bestes, nicht mehr zu sagen, als ungefährlich war.

»Wir sind einfach weitergegangen, bis wir Caemlyn erreichten«, erklärte er. »Das hatten wir ursprünglich so geplant. Caemlyn und dann Tar Valon.« Er rutschte unruhig auf der Stuhlkante hin und her. Nachdem sie das alles so lange geheimgehalten hatten, war es schon eigenartig, jemandem auch nur soviel zu erzählen. »Wenn wir auf diesem Kurs bleiben, werden uns die anderen früher oder später auch finden können.«

»Falls sie noch leben«, murmelte Mat in seinen Teller hinein.

Rand sah Mat nicht einmal an. Irgend etwas brachte ihn dazu hinzuzufügen: »Es könnte Euch in Schwierigkeiten bringen, wenn Ihr uns helft.«

Meister Gill winkte mit einer fetten Hand ab. »Ich kann nicht behaupten, daß ich mich nach Schwierigkeiten sehne, aber es wären auch nicht gerade die ersten. Kein verdammter Schattenfreund wird es fertigbringen, daß ich Thoms Freunden den Rücken zukehre. Eure Freundin aus dem Norden — nun, wenn sie nach Caemlyn kommt, werde ich das erfahren. Es gibt Leute hier, die genau beobachten, wer kommt oder geht, und das spricht sich dann herum.«

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