Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Was denn sonst? Sitzt dort im Palast wie eine Spinne. Ich bin ein treuer Anhänger der Königin — keiner wird das Gegenteil behaupten -, aber das ist einfach falsch. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sagen, Elaidas Einfluß auf die Königin sei zu stark. Ich nicht. Und was die Narren betrifft, die behaupten, Elaida sei in Wirklichkeit die Königin, nur eben nicht dem Namen nach...« Er spuckte in die Nacht hinein. »Das halte ich von ihnen. Morgase ist keine Marionette, die am Faden irgendeiner Hexe aus Tar Valon tanzt.«
Noch eine Aes Sedai. Falls... wenn Moiraine nach Caemlyn kam, würde sie möglicherweise zu ihrer Aes-Sedai-Schwester gehen. Falls es aber zum Schlimmsten käme, könnte ihnen diese Elaida vielleicht helfen, nach Tar Valon zu kommen. Er sah Mat an, und Mat — als habe er den Gedanken laut ausgesprochen — schüttelte den Kopf. Er konnte Mats Gesicht nicht erkennen, aber er wußte, daß es abweisend aussah.
Bunt redete weiter. Er ließ die Zügel klatschen, wenn sein Pferd langsamer ging, aber ansonsten ruhten seine Hände auf den Knien. »Ich bin ein treuer Anhänger der Königin, wie ich schon sagte, aber manchmal sagen selbst Narren etwas Wahres. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Es muß sich einiges ändern. Dieses Wetter — die Saat geht nicht auf, Kühe geben keine Milch mehr, Kälber und Lämmer werden tot geboren oder mit zwei Köpfen. Die blutigen Raben warten nicht einmal mehr ab, daß etwas stirbt. Die Menschen haben Angst. Sie suchen nach einem Schuldigen. Der Drachenzahn taucht auf den Türen von einigen Leuten auf. Dinge kriechen durch die Nacht. Scheunen brennen ab. Kerle wie dieser Freund von Holdwin jagen den Leuten Angst ein. Die Königin muß etwas unternehmen, bevor es zu spät ist. Das seht ihr doch auch so, oder?«
Rand gab einen nichtssagenden Laut von sich. Es klang, als hätten sie noch mehr Glück gehabt, als er schon glaubte, nachdem er diesen alten Mann und seinen Karren gefunden hatte. Wenn sie auf das Tageslicht gewartet hätten, wären sie vielleicht nicht weiter als bis zum letzten Dorf gekommen. Dinge, die durch die Nacht kriechen. Er richtete sich auf und blickte über die Seitenwand des Karrens hinweg in die Nacht hinein. In der Schwärze schienen sich Schatten und Umrisse zu winden. Er ließ sich zurückfallen, bevor ihn seine Einbildung davon überzeugen konnte, da draußen sei etwas.
Bunt sah das als Zustimmung an. »Richtig. Ich bin ein treuer Anhänger der Königin, und ich stelle mich gegen jeden, der versucht, ihr Schaden zuzufügen, aber recht habe ich trotzdem. Nehmt nur zum Beispiel die Lady Elayne und den Lord Gawyn. Da könnte sich etwas ändern, was niemandem schadet, aber vielleicht etwas Gutes bewirkt. Sicher, ich weiß, daß wir es in Andor immer so gehalten haben. Man schickt die Tochter-Erbin nach Tar Valon, um bei den Aes Sedai zu lernen, und den ältesten Sohn schickt man mit zu den Behütern. Ich glaube auch an Traditionen, ganz bestimmt, aber ihr seht ja, wohin uns das letztes Mal geführt hat. Luc ist in der Fäule gestorben, noch bevor er zum Ersten Prinz des Schwertes gesalbt werden konnte, und Tigraine verschwand -weggelaufen oder tot -, als es Zeit für sie wurde, den Thron zu übernehmen. Das steckt uns immer noch in den Knochen.
Es gibt welche, die behaupten, sie sei noch am Leben, wißt ihr, und daß Morgase gar nicht die rechtmäßige Königin sei. Verdammte Narren. Ich denke noch daran, was damals geschah. Ich erinnere mich, als sei es erst gestern gewesen. Keine Tochter-Erbin zur Hand, um den Thron zu besteigen, als die alte Königin starb, und jedes Haus in Andor intrigierte und kämpfte um die Nachfolge. Und dann Taringail Damodred. Man konnte kaum glauben, daß er seine Frau verloren hatte, so scharf war er darauf herauszufinden, welches Haus gewinnen wurde, damit er wieder heiraten und doch noch Prinzgemahl werden konnte. Na ja, er hat es geschafft, aber warum Morgase ausgerechnet ihn... ach, kein Mann kann eine Frau verstehen, und eine Königin ist gleich in doppelter Hinsicht eine Frau, mit einem Mann und mit dem Land verheiratet. Er hat jedenfalls bekommen, was er wollte, wenn auch nicht so, wie er es wollte. Bezog Cairhien in seine Intrigen mit ein, bevor er es geschafft hatte, und ihr wißt, was daraus geworden ist. Der Baum wurde gefällt, und über die Drachenmauer kamen Aiel mit schwarzem Schleier. Na ja, er ließ sich wenigstens auf ehrliche Weise umbringen, nachdem er Elayne und Gawyn zeugte, also hat alles mal ein Ende. Aber warum sollte man sie nach Tar Valon schicken? Es wird Zeit, daß die Menschen nicht mehr den Thron von Andor und die Aes Sedai in einem Atemzug nennen. Wenn sie schon irgendwo anders hin müssen, um zu lernen, was nötig ist, nun, dann hat Illian doch genauso gute Bibliotheken wie Tar Valon, und dort bringen sie Lady Elayne genauso viel über das Regieren und Intrigieren bei, wie es die Hexen könnten. Keiner versteht mehr vom Intrigieren als die Illianer. Und wenn die Garde Lord Gawyn nicht genug über die Kriegführung beibringen kann, tja, dann gibt es ja in Illian auch Soldaten. Und, was das betrifft, in Schienar und Tear auch. Ich bin ein treuer Anhänger der Königin, aber ich sage, hört auf, mit Tar Valon zu verkehren. Dreitausend Jahre sind genug. Zu lang. Königin Morgase kann uns ohne Hilfe des Weißen Turms führen und die Dinge in Ordnung bringen. Ich sage euch, das ist eine Frau! Bei ihr ist jeder Mann stolz darauf, vor ihr niederzuknien und ihren Segen zu erhalten. Ha, einmal... «
Rand kämpfte gegen den Schlaf an, nach dem sein Körper verlangte, aber das rhythmische Knarren und Schwanken des Karrens schläferte ihn ein. So schlummerte er mit dem Klang von Bunts Stimme im Ohr. Er träumte von Tam. Zuerst saßen sie an dem großen Eichentisch im Haus und tranken Tee, während Tam ihm von Prinzgemahlen und Tochter-Erbinnen und der Drachenmauer und Aielmännern mit schwarzem Schleier erzählte. Das Schwert mit dem Reiherzeichen lag zwischen ihnen auf dem Tisch, aber sie blickten es beide nicht an. Plötzlich war er im Westwald und zog die provisorische Bahre durch die mondhelle Nacht. Als er sich umblickte, saß Thom mit überschlagenen Beinen auf der Bahre und nicht sein Vater, und er jonglierte im Mondschein.
»Die Königin ist mit dem Land verheiratet«, sagte Thom, während Bälle in leuchtenden Farben im Kreis herum tanzten, »aber der Drache... der Drache ist eins mit dem Land, und das Land ist eins mit dem Drachen.«
Rand sah weiter hinten einen Blassen kommen. Sein schwarzer Umhang hing unbeweglich im Wind herunter, und das Pferd schob sich lautlos wie ein Geist zwischen den Bäumen hindurch. Zwei abgeschlagene Köpfe hingen am Sattelhorn des Myrddraal. Blut rann aus ihnen und lief in dunklen Strömen an der kohlrabenschwarzen Schulter des Reittieres herab. Es waren Lan und Moiraine, die Gesichter zu schmerzverzogenen Grimassen verzerrt. Der Blasse zog beim Reiten eine Handvoll Leinen hinter sich her. Jede Leine war an den gebundenen Händen eines derer befestigt, die hinter den lautlosen Hufen mit verzweifelten Gesichtern herrannten: Mat und Perrin. Und Egwene.
»Nicht sie!« schrie Rand. »Das Licht verbrenne Euch, aber ich bin es, nach dem Ihr sucht, und nicht sie!«
Der Halbmensch gestikulierte, und Flammen verschlangen Egwene. Ihr Fleisch wurde zu Asche geröstet, die Knochen zerbröckelten rußgeschwärzt.
»Der Drache ist eins mit dem Land«, sagte Thom, der immer noch ungerührt jonglierte, »und das Land ist eins mit dem Drachen.«
Rand schrie... und öffnete die Augen.
Der Karren rumpelte die Straße nach Caemlyn entlang, angefüllt mit der Nacht und der Süße lange verschwundenen Heus und schwachem Pferdegeruch. Auf seiner Brust saß eine Gestalt, die schwärzer als die Nacht war, und Augen, schwärzer als der Tod, blickten in seine.
»Du gehörst mir«, sagte der Rabe, und der scharfe Schnabel hackte in sein Auge. Er schrie, als ihm das Auge aus dem Kopf gerissen wurde.
Mit einem Schrei aus tiefster Kehle fuhr er hoch und schlug beide Hände vors Gesicht. Der Karren wurde vom Licht des frühen Morgens übergossen. Betäubt sah er seine Hände an. Kein Blut. Kein Schmerz. Der Rest des Traums verflog bereits, doch das... Vorsichtig berührte er sein Gesicht und schauderte.