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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Da er die Stadt und ihre Menschen so bestaunte, wurde Rand völlig davon überrascht, daß der Karren in eine Seitenstraße abbog, die wohl schmaler war als die Prachtstraße dort draußen, aber immer noch doppelt so breit wie jede Straße in Emondsfeld. Bunt ließ das Pferd anhalten und drehte sich um. Er sah die beiden Jungen zögernd an. Der Verkehr war hier weniger dicht, und die Menge teilte sich und umging den Karren, ohne abzureißen.

»Was verbirgst du unter deinem Umhang? Ist es wirklich das, was Holdwin behauptet hat?«

Rand war gerade dabei, sich die Satteltaschen auf die Schulter zu laden. »Was meint Ihr damit?« Auch seine Stimme klang fest. Sein Magen verknotete sich, und er stieß sauer auf, doch die Stimme klang fest und sicher.

Mat unterdrückte mit einer Hand ein Gähnen, doch die andere schob er unter seinen Mantel — Rand wußte, daß er den Dolch aus Shadar Logoth ergriff -, und in seinen Augen unter dem um den Kopf gebundenen Schal stand ein harter, gehetzter Blick. Bunt vermied es, Mat anzusehen, als wisse er, daß sich in der verborgenen Hand eine Waffe befinde. »Ach, nichts, schätze ich. Aber seht mal, wenn ihr gehört habt, daß ich nach Caemlyn fahre, dann wart ihr lang genug da, um auch den Rest zu hören. Wenn ich hinter einer Belohnung hergewesen wäre, hätte ich irgendeine Ausrede gebraucht, um in die Gans und Krone zu gehen und mit Holdwin zu sprechen. Aber ich kann eben Holdwin nicht sehr gut leiden und schon gar nicht seinen Freund, überhaupt nicht. Es scheint, ihr seid ihm wichtiger als... irgendwas anderes.«

»Ich weiß nicht, was er will«, sagte Rand. »Wir haben ihn noch nie zuvor gesehen.« Das konnte sogar der Wahrheit entsprechen; er konnte einen Blassen nicht vom anderen unterscheiden.

»Na ja. Also, wie ich sagte, ich weiß von nichts, und ich denke, ich will auch gar nichts wissen. Es gibt schon genug Schwierigkeiten für uns alle, ohne daß ich noch nach weiteren suche.«

Mat suchte seine Sachen langsam zusammen, und Rand war schon unten auf der Straße, bevor er herunterkletterte. Rand wartete ungeduldig. Mat wandte sich steif vom Karren ab, preßte sich Bogen und Köcher und die Deckenrolle an die Brust und führte leise Selbstgespräche. Unter seinen Augen lagen tiefe Schatten.

Rands Magen knurrte, und er verzog das Gesicht. Hunger und dazu ein saurer Geschmack vom Magen her ließen ihn fürchten, daß er sich übergeben müsse. Mat sah ihn nun erwartungsvoll an. Wohin nun? Was tun?

Bunt beugte sich herunter und winkte ihn näher zu sich. Er ging hin, auf nähere Auskünfte über Caemlyn hoffend.

»Ich würde es verstecken... « Der alte Bauer unterbrach sich und sah sich mißtrauisch um. Menschen schoben sich zu beiden Seiten des Karrens vorbei, aber abgesehen von ein paar Flüchen im Vorübergehen, weil sie den Weg blockierten, achtete niemand auf sie. »Trag das nicht mehr«, sagte er, »verstecke es oder verkaufe es. Gib's weg. Das rate ich dir. Sachen wie das ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, und ich glaube, gerade das willst du vermeiden.«

Plötzlich richtete er sich auf, schnalzte seinem Pferd mit der Zunge zu und fuhr langsam die belebte Straße hinunter, ohne noch ein Wort zu sagen oder sich umzublicken. Ein mit Fässern beladener Wagen rumpelte auf sie zu. Rand sprang aus dem Weg, kam ins Stolpern, und als er sich wieder umsah, waren Bunt und sein Karren außer Sicht.

»Was machen wir nun?« wollte Mat wissen. Er leckte sich über die Lippen und betrachtete mit weit aufgerissenen Augen all die Menschen, die sich vorbeidrängten, und die Gebäude, die bis zu sechs Stockwerken hoch über der Straße aufragten. »Wir sind in Caemlyn, aber was machen wir nun?« Er hatte die Hände von den Ohren genommen, aber sie zuckten, als wolle er sie gleich wieder darüberlegen. Ein Summen lag über der Stadt, das tiefe, gleichmäßige Dröhnen von Hunderten von Läden, in denen Menschen arbeiteten, und von vielen Tausenden von Gesprächen. Für Rands Ohren klang es, als befänden sie sich in einem riesigen Bienenstock, in dem es andauernd summte. »Selbst wenn sie hier sind, Rand, wie können wir sie dann in diesem Durcheinander finden?«

»Moiraine wird uns finden«, sagte Rand bedächtig. Das Ausmaß der Stadt lastete schwer auf seinen Schultern. Er wollte am liebsten fliehen, sich vor all diesen Menschen und dem Lärm verstecken. Trotz Tams Lehre konnte er das Nichts nicht heraufbeschwören; seine Augen saugten die Stadt immer wieder in die Vorstellung hinein. So konzentrierte er sich statt dessen auf seine nähere Umgebung und ignorierte alles Ferne. Wenn man nur eine einzige Straße betrachtete, schien es ihm beinahe wie Baerlon. Baerlon, der letzte Ort, an dem sie sich noch alle in Sicherheit glaubten. Niemand ist mehr in Sicherheit. Vielleicht sind sie alle tot. Was dann?

»Sie sind am Leben! Egwene lebt!« sagte er nachdrücklich. Mehrere Passanten blickten ihn mit gerunzelter Stirn an. »Vielleicht«, sagte Mat. »Vielleicht. Was wird, wenn Moiraine uns nicht findet? Wenn uns niemand findet, außer den... den... « Er schauderte und war nicht in der Lage, das Wort auszusprechen. »Darüber denken wir nach, wenn es soweit ist«, sagte Mat mit fester Stimme. »Falls es dazu kommt.« Im schlimmsten Fall würden sie Elaida aufsuchen müssen, die Aes Sedai im Palast. Aber eher würde er nach Tar Valon gehen. Er wußte nicht, ob sich Mat noch an das erinnerte, was Thom von den Roten Ajah erzählt hatte — und von den Schwarzen — aber er erinnerte sich ganz gewiß. Sein Magen hob sich dabei. »Thom sagte, wir sollten eine Schenke finden, die Der Königin Segen heißt. Dahin gehen wir zuerst.«

»Wie denn? Wir können uns mit dem, was wir haben, nicht einmal gemeinsam ein Essen bestellen.«

»Wenigstens können wir dort mit der Suche anfangen. Thom glaubte, wir könnten dort Hilfe finden.«

»Ich kann nicht... Rand, sie sind überall.« Mat senkte den Blick auf die Pflastersteine und schien zu schrumpfen, als versuche er, sich vor den Leuten zurückzuziehen, die sie umgaben. »Wo immer wir auch hingehen, sie sind dicht hinter uns oder warten schon auf uns. Sie werden auch in Der Königin Segen sein. Ich kann nicht... Ich... Nichts kann einen Blassen aufhalten.«

Rand packte Mat mit einer Faust beim Kragen. Er bemühte sich sehr, ihn nicht spüren zu lassen, daß die Faust zitterte. Er brauchte Mat. Vielleicht lebten die anderen noch — Licht, bitte! — aber jetzt gerade gab es nur Mat und ihn. Der Gedanke daran, allein weiterzumachen... Er schluckte schwer, und sein Speichel schmeckte sauer.

Er sah sich hastig um. Niemand schien Mats Bemerkung über den Blassen gehört zu haben. Die Menge drückte sich, in eigene Sorgen versunken, an ihnen vorbei. Er näherte sein Gesicht dem Mats. »Wir haben es soweit geschafft, klar?« fragte er in einem heiseren Flüsterton. »Sie haben uns noch nicht gefangen. Wir können auch den ganzen Weg schaffen, wenn wir nicht einfach aufgeben. Ich werde jedenfalls nicht aufgeben und wie ein Schaf auf der Schlachtbank warten. Ich nicht! Also? Bleiben wir hier stehen, bis wir verhungert sind? Oder bis sie kommen und deine Reste in einen Sack stecken?«

Er wandte sich von Mat ab. Die Fingernägel hatte er in die Handflächen geschlagen, doch seine Hände zitterten immer noch. Plötzlich war Mat an seiner Seite. Er ging mit gesenktem Blick nebenher, und Rand atmete langgezogen aus.

»Tut mir leid, Rand«, murmelte Mat.

»Vergiß es«, sagte Rand.

Mat blickte gerade oft genug auf, um zu vermeiden, Leute anzurempeln. Dabei sprudelte er mit lebloser Stimme heraus: »Ich kann nicht aufhören, mir vorzustellen, daß ich die Heimat niemals wiedersehen werde. Ich will nach Hause. Lach mich aus, wenn du willst; das macht mir nichts. Was würde ich nicht dafür hergeben, wenn mich jetzt meine Mutter irgendeines Streiches wegen ausschimpfen würde. Das drückt die ganze Zeit schwer auf meinen Geist — wie ein heißes Gewicht. Von lauter Fremden umgeben, nicht zu wissen, wem man trauen kann, wenn überhaupt jemandem... Licht, Zwei Flüsse ist so weit weg, daß es genausogut auf der anderen Seite der Welt liegen könnte. Wir sind allein und wir kommen niemals mehr heim. Wir werden sterben, Rand.«

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