Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand zögerte und fragte dann: »Was ist mit Elaida?«
Auch der Wirt zögerte und schüttelte schließlich den Kopf. »Ich glaube nicht. Vielleicht, wenn es zwischen euch und Thom keinen Zusammenhang gäbe. Sie bekäme es heraus, und was geschähe dann mit euch? Kann man nicht sagen. Vielleicht würdet ihr euch in einer Zelle wiederfinden, vielleicht in einer noch schlimmeren Lage. Man sagt, sie könne Dinge fühlen, die geschehen sind, die noch geschehen werden. Man sagt, sie könne erkennen, was ein Mann zu verbergen versucht. Ich weiß es nicht, aber ich würde es nicht riskieren. Wenn Thom nicht wäre, könntet ihr euch an die Garde wenden. Sie würden schnell genug mit Schattenfreunden fertigwerden. Aber selbst wenn ihr das mit Thom den Gardesoldaten verschweigen könntet, würde Elaida davon erfahren, sobald ihr nur Schattenfreunde erwähnt, na ja, und dann seid ihr wieder am gleichen Punkt angelangt.«
»Nicht die Garde«, stimmte ihm Rand zu. Mat nickte lebhaft, während er eine volle Gabel in den Mund steckte und ihm die Sauce das Kinn hinunterlief.
»Das Problem ist nun mal, daß ihr euch im Netz der Politik verfangen habt, und Politik ist wie ein nebliger Sumpf voll Schlangen.«
»Wie ist es mit...«, begann Rand, aber der Wirt verzog plötzlich das Gesicht. Sein Stuhl knarrte unter seinem Gewicht, als er sich aufrichtete.
Die Köchin stand in der Küchentür und wischte sich die Hände an der Schürze ab. Als sie sah, daß der Wirt aufmerksam geworden war, winkte sie ihn zu sich und verschwand dann wieder in der Küche.
»Ich könnte genausogut mit ihr verheiratet sein«, seufzte Meister Gill. »Sie findet Sachen zum Reparieren, bevor ich überhaupt weiß, daß etwas kaputt ist. Wenn nicht gerade der Abfluß verstopft ist oder der Wasserhahn tropft, dann sind es die Ratten. Ich halte meine Schenke sauber, müßt ihr wissen, aber da sich so viele Leute in der Stadt aufhalten, sind auch die Ratten überall. Bringt viele Menschen auf engem Raum zusammen, und ihr bekommt auch Ratten, und in Caemlyn sind sie plötzlich zu einer Landplage geworden. Ihr werdet kaum glauben, wieviel eine gute Katze, eine Spitzenjägerin, heutzutage kostet. Euer Zimmer ist oben im Speicher. Ich werde den Mädchen sagen, welches es ist. Jede von ihnen kann es euch zeigen. Und macht euch keine Sorgen wegen der Schattenfreunde. Ich kann nicht viel Gutes über die Weißmäntel sagen, aber sie und dazu die Garde sorgen dafür, daß diese Art von schmutzigen Gestalten sich hier in Caemlyn nicht zeigen wird.« Sein Stuhl knarrte wieder, als er ihn zurückschob und aufstand. »Ich hoffe nur, es ist nicht schon wieder der Abfluß.«
Rand wandte sich wieder seinem Teller zu, aber er sah, daß Mat aufgehört hatte zu essen. »Ich dachte, du hättest Hunger«, sagte er. Mat starrte weiter seinen Teller an und schob ein Stück Kartoffel mit der Gabel im Kreis herum. »Du mußt essen, Mat. Wir brauchen unsere Kraft, wenn wir Tar Valon erreichen wollen.«
Mat stieß ein leises, bitteres Lachen aus. »Tar Valon! Die ganze Zeit war es Caemlyn. Moiraine wird in Caemlyn auf uns warten. Wir werden Perrin und Egwene in Caemlyn finden. Alles wird gut, wenn wir nur Caemlyn erreichen. Also, hier wären wir, und nichts ist in Ordnung. Keine Moiraine, kein Perrin, niemand. Jetzt heißt es, alles wird gut, wenn wir nur Tar Valon erreichen.«
»Wir sind am Leben«, sagte Rand in schärferem Ton, als er beabsichtigt hatte. Er atmete tief durch und bemühte sich, seinen Ton zu mäßigen. »Wir sind am Leben. Soweit ist alles in Ordnung. Und ich gedenke, am Leben zu bleiben. Ich will herausfinden, warum wir so wichtig sind. Ich gebe nicht auf.«
»All diese Menschen, und jeder davon könnte ein Schattenfreund sein. Meister Gill versprach, uns ganz schnell zu helfen. Welche Art von Mann hat für Aes Sedai und Schattenfreunde nur ein Achselzucken übrig? Das ist nicht natürlich. Jeder normale Mensch wurde uns sagen, wir sollten abhauen, oder... oder... oder irgendwas.«
»Iß!« sagte Rand sanft und beobachtete Mat, bis dieser begann, auf einem Stück Rindfleisch herumzukauen.
Er ließ die Hände neben dem Teller auf dem Tisch ruhen. Er drückte sie auf die Tischplatte, um sie am Zittern zu hindern. Er hatte Angst. Nicht wegen Meister Gill natürlich, aber es gab auch ohne ihn schon genug Gründe. Diese hohe Stadtmauer wurde einen Blassen nicht aufhalten. Vielleicht sollte er dem Wirt doch davon berichten. Aber selbst wenn Gill es ihnen glaubte, wurde er immer noch bereit sein, ihnen zu helfen, wenn er dachte, ein Blasser könne sich in Der Königin Segen zeigen? Und die Ratten. Vielleicht fühlten sich Ratten dort besonders wohl, wo es viele Menschen gab, aber er erinnerte sich an den Traum, der keiner war, damals in Baerlon, und an das Brechen eines kleinen Rückgrats. Manchmal benützt der Dunkle König Aasfresser als Augen, hatte Lan gesagt. Raben, Krähen, Ratten...
Er aß, doch als er fertig war, konnte er sich nicht an den Geschmack auch nur eines Bissens erinnern.
Eine Serviererin — es war diejenige, die bei ihrem Eintreten die Leuchter poliert hatte — führte sie zu dem Zimmer am Dachboden hinauf. In der schrägen Außenwand befand sich ein vorgezogenes Mansardenfenster. Auf jeder Seite des Fensters stand ein Bett, und neben der Tür waren Haken zum Aufhängen von Kleidung angebracht. Das Serviermädchen mit den dunklen Augen zupfte ständig an ihrem Rock herum und kicherte jedesmal, wenn sie Rand ansah. Sie war hübsch, doch er wußte, wenn er irgend etwas in dieser Richtung zu ihr sagte, würde er sich nur zum Narren machen. Er wünschte, so wie Perrin mit Mädchen umgehen zu können und er war froh, als sie hinausging.
Er erwartete einen Kommentar von Mat, aber sobald sie draußen war, warf sich Mat auf eines der Betten, immer noch in den Stiefeln und mit Umhang, und wandte sein Gesicht der Wand zu. Rand hängte seine Sachen auf und beobachtete Mats Rücken. Er glaubte zu sehen, daß Mat die Hand unter dem Mantel hatte und wieder den Griff des Dolches umklammerte.
»Wirst du nur hier herumliegen und dich verstecken?« fragte er schließlich.
»Ich bin müde«, brummelte Mat.
»Wir müssen Meister Gill noch einiges fragen. Vielleicht kann er uns sogar sagen, wie wir Egwene und Perrin finden. Sie könnten bereits in Caemlyn sein, falls sie ihre Pferde nicht verloren haben.«
»Sie sind tot«, sagte Mat zu der Wand.
Rand zögerte und gab es dann auf. Er schloß leise die Tür hinter sich und hoffte, daß Mat auch wirklich schlafen würde.
Unten konnte er allerdings Meister Gill nirgendwo finden. Der Blick aus den Augen der Köchin sagte ihm, daß auch sie nach ihm suchte. Eine Weile lang setzte sich Rand in den Schankraum, aber er ertappte sich dabei, daß er jeden eintretenden Gast, jeden Fremden — der ja alles sein konnte — mißtrauisch anstarrte, besonders in dem Moment, da er ihn nur als in einen Umhang gehüllten, schwarzen Umriß im Lichtviereck der Tür erkennen konnte. Ein Blasser im Schankraum wäre wie ein Fuchs im Hühnerstall.
Ein Gardesoldat kam von der Straße aus herein. Der Mann in der roten Uniform blieb gleich an der Tür stehen und musterte kühl diejenigen im Raum, die offensichtlich von außerhalb kamen. Rand sah auf den Tisch hinunter, als der Blick des Gardesoldaten auf ihn fiel. Als er wieder aufblickte, war der Mann weg.
Das Stubenmädchen mit den dunklen Augen kam mit einem Arm voll Handtüchern an ihm vorbei. »Das machen sie gelegentlich«, sagte sie mit verschwörerischem Unterton im Vorübergehen. »Nur um aufzupassen, daß es keine Schlägereien und so gibt. Sie behüten die guten Untertanen der Königin, wirklich. Ihr müßt Euch keinerlei Sorgen machen.« Sie kicherte.
Rand schüttelte den Kopf. Nicht, weswegen er sich hätte Sorgen machen müssen. Na ja, der Gardesoldat war ja wenigstens nicht herübergekommen, um ihn zu fragen, ob er Thom Merrilin kenne. Ach, er war schon genauso schlimm wie Mat. Er schob seinen Stuhl zurück.