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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Wenn du nichts dagegen hast, daß ich frage«, sagte er und räusperte sich dabei, »warum willst du denn... äh, so sehr nach draußen gehen? Ich selbst wünschte, ich hätte nie meine Heimat verlassen.«

»Natürlich, um alles zu sehen«, sagte Loial, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. »Ich las die Bücher, all die Berichte der Reisenden, und in mir begann es zu brennen. Ich mußte das alles selbst sehen und nicht nur davon lesen.« Seine blassen Augen leuchteten auf, und die Ohren stellten sich auf. »Ich habe jeden Fetzen über das Reisen studiert, den ich finden konnte — über die Kurzen Wege und die Gebräuche in den Ländern der Menschen und über die Städte, die wir nach der Zerstörung der Welt für euch Menschen bauten. Und je mehr ich las, desto sicherer wußte ich, daß ich nach draußen mußte, an die Orte, wo wir einst gewesen waren, und ich mußte die Haine einmal selbst sehen.« Rand blinzelte. »Die Haine?«

»Ja, die Haine. Die Bäume. Nur einige der Großen Bäume, die in den Himmel ragen, um die Erinnerungen des Stedding frisch zu halten.« Sein Stuhl ächzte, als er nach vorn rutschte und mit den Händen gestikulierte. In einer hielt er noch immer das Buch. Seine Augen leuchteten noch mehr als zuvor, und die Ohren zitterten beinahe. »Meist benutzten sie die Bäume, die in dem jeweiligen Land und an dem Ort wuchsen. Man kann das Land nicht gegen sich selbst zwingen. Nicht lange jedenfalls, und das Land wird sich dagegen auflehnen. Man muß die Vision dem Land anpassen, nicht das Land der Vision. In jedem Hain wurden alle Arten von Bäumen gepflanzt, die an jenem Ort wuchsen und gediehen, alles sorgfältig abgewogen und jeder von ihnen so gepflanzt, daß er die anderen ergänzte, um auf diese Art das beste Wachstum zu erreichen, aber auch, damit die Ausgewogenheit in Auge und Herz singt. Ah, das Buch erzählte von Hainen, die unsere Ältesten gleichzeitig zum Lachen und Weinen brachten, Haine, die in der Erinnerung auf ewig grünen werden.«

»Was war mit den Städten?« fragte Rand. Loial warf ihm einen fragenden Blick zu. »Die Städte. Die von den Ogiern gebaut wurden. Hier, zum Beispiel. Caemlyn. Ogier haben doch Caemlyn gebaut, nicht wahr? Die Geschichten behaupten es.«

»Den Stein bearbeiten... « Seine Schultern hoben sich in einem massiven Achselzucken. »Das war nur etwas, das wir in den Jahren nach der Zerstörung lernten, im Exil, als wir immer noch versuchten, das Stedding wiederzufinden. Es ist eine schöne Sache, glaube ich, aber trotzdem nicht das Wahre. Man kann versuchen, was man will — und ich habe gehört, daß die Ogier, die diese Städte bauten, sich wirklich alle erdenkliche Mühe gaben -, aber man kann Stein nicht zum Leben erwecken. Ein paar arbeiten immer noch mit Stein, aber nur, weil ihr Menschen die Gebäude so oft in euren Kriegen beschädigt. Es gab eine Handvoll Ogier in... äh... Cairhien wird es jetzt genannt... , als ich durchkam. Glücklicherweise kamen sie von einem anderen Stedding, also wußten sie nichts von mir, aber sie mißtrauten mir trotzdem, weil ich noch so jung und doch schon allein draußen war. Ich denke, es war gut, daß ich keinen Grund hatte, mich dort weiter aufzuhalten. Siehst du: Auf jeden Fall war das Bearbeiten von Stein etwas, daß uns von Gewebe des Großen Musters aufgezwungen wurde, während die Haine uns aus den Herzen erwuchsen.«

Rand schüttelte den Kopf. Die Hälfte der Geschichten, mit denen er aufgewachsen war, waren soeben auf den Kopf gestellt worden. »Ich wußte nicht, Loial, daß Ogier an das Muster glauben.«

»Natürlich glauben wir daran. Das Rad der Zeit webt das Muster der Zeitalter, und Leben sind die Fäden, aus denen es gewoben wird. Niemand kann sagen, wie der Faden des eigenen Lebens ins Muster hineingewoben wird oder wie der Faden eines Volkes verwoben wird. So erlebten wir die Zerstörung der Welt und das Exil und den Stein und die Sehnsucht, und schließlich gab es uns das Stedding zurück, bevor wir alle starben. Manchmal glaube ich, ihr Menschen seid so, weil eure Fäden so kurz sind. Sie müssen ja beim Weben richtig herumhüpfen. O nein, jetzt habe ich wieder etwas angerichtet. Die Ältesten sagten, ihr Menschen mögt es nicht, wenn man euch daran erinnert, welch kurze Zeit ihr lebt. Ich hoffe, ich habe deine Gefühle nicht verletzt.«

Rand lachte und schüttelte den Kopf. »Überhaupt nicht. Ich glaube, es würde Spaß machen, so lange wie du zu leben, aber ich habe noch nie wirklich darüber nachgedacht. Ich schätze, wenn ich so lange lebe wie der alte Cenn Buie, dann ist das genug für jedermann.«

»Ist er ein sehr alter Mann?«

Rand nickte nur. Er war nicht bereit, zu erklären, daß Cenn Buie nicht ganz so alt war wie Loial.

»Also«, sagte Loial, »vielleicht habt ihr Menschen ein so kurzes Leben, aber ihr fangt so viel damit an! Immer hüpft ihr herum und seid so umtriebig. Und ihr habt die ganze Welt dafür zur Verfügung. Wir Ogier sind an unser Stedding gebunden.«

»Du bist nun aber draußen.«

»Für eine Weile, Rand. Aber schließlich muß ich zurückkehren. Die Welt gehört euch, euch und eurer Art. Das Stedding gehört mir. Draußen geht es zu sehr drunter und drüber. Und so viel ist anders als das, wovon ich gelesen habe.«

»Na ja, die Dinge ändern sich mit den Jahren. Jedenfalls einige.«

»Einige? Die Hälfte der Städte, von denen ich gelesen habe, existiert nicht einmal mehr, und der größte Teil der übrigen trägt einen anderen Namen. Nehmt zum Beispiel Cairhien. Der richtige Name der Stadt lautet Al'cair'rahienallen, Hügel des Goldenen Sonnenaufgangs. Man erinnert sich dort nicht einmal mehr daran, trotz des Sonnenaufgangs auf ihrem Banner. Und der dortige Hain! Ich bezweifle, daß man sich seit den Trolloc-Kriegen überhaupt darum gekümmert hat. Jetzt stellt er nur irgendeinen weiteren Wald dar, in dem man Brennholz hackt. Die Großen Bäume sind alle weg, und niemand erinnert sich an sie. Und hier? Caemlyn ist immer noch Caemlyn, aber sie ließen die Stadt direkt über den Hain hinwegwachsen. Hier, wo wir sitzen, befinden wir uns nicht einmal eine Viertelmeile von seinem Mittelpunkt entfernt, oder von der Stelle, wo sich der Mittelpunkt befinden sollte. Kein einziger Baum ist übriggeblieben. Und ich war weder in Tear noch in Illian. Veränderte Namen und keine Erinnerungen. In Tear findet man nur eine Weide für die Pferde, wo sich der Hain einst befand, und in Illian ist der Hain nun ein Park des Königs, wo er seine Hirsche jagt, und keiner darf ihn ohne seine Erlaubnis betreten. Es hat sich alles geändert, Rand. Ich fürchte sehr, daß es überall das gleiche sein wird, wohin ich auch gehe. Alle Haine verschwunden, alle Erinnerungen vergangen, alle Träume gestorben.«

»Du darfst nicht aufgeben, Loial! Ihr könnt niemals aufgeben! Wenn ihr aufgebt, seid ihr schon so gut wie tot.« Rand sank auf seinen Stuhl zurück und schob sich ganz nach hinten, soweit er nur konnte, und sein Gesicht lief rot an. Er erwartete, daß ihn der Ogier auslachen würde, aber statt dessen nickte Loial ernst.

»Ja, so ist eure Rasse eingestellt, nicht wahr?« Die Stimme des Ogiers veränderte sich, als zitiere er etwas. »Bis der Schatten vergangen, bis das Wasser dahin, in den Schatten hinein mit gefletschten Zähnen, mit dem letzten Atemzug noch den Trotz hinausschreiend, am letzten Tag noch dem Sichtblender ins Angesicht spuckend.« Loial neigte erwartungsvoll den zerzausten Kopf, aber Rand hatte keine Ahnung, was er von ihm erwartete.

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