Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Wäre er nicht vorher schon davon überzeugt gewesen, hätte er spätestens jetzt alle Hoffnung verloren, daß sie Kelysar oder auch nur seine Hütte finden würden. Und er war beinahe froh darüber. Limahrts Befehl war völlig sinnlos, und selbst wenn er es wirklich wollte — was Torian insgeheim bezweifelte —, hätte ihnen auch Marubur nicht helfen können. Der Nork hatte ihn am Vortag auf Wegen, die ihm wahrscheinlich selbst fremd gewesen waren, zu Kelysar führen können, weil der Heiler es gewollt hatte. Torian verstand nur wenig von Magie, doch glaubte er zu begreifen, daß ihnen ein Vorgehen mit brutaler Gewalt nichts nutzte, so wenig, wie es irgend etwas genutzt hätte, das Gehölz niederzubrennen. Vielleicht schaute Kelysar ihnen sogar auf irgendeine Art zu und schüttete sich aus vor Lachen über ihre Bemühungen.
Erst nach fast einer Stunde brach Limahrt die erfolglose Suche ab. Schweigend und nachdenklich kehrte Torian mit den anderen zur Burg zurück. Als er am Nachmittag noch einmal allein hinausritt, waren selbst die von den Soldaten in das Unterholz geschlagenen Breschen so spurlos verschwunden, als hätte es sie nie gegeben. »Das ist Wahnsinn«, murmelte Garth zum wiederholten Mal. Zwei Stunden waren inzwischen vergangen. Sein Gesicht zeigte nicht mehr die gleiche entschiedene Ablehnung wie zuvor, doch das konnte daran liegen, daß er nur des Streitens müde war, aber innerlich noch genauso stur an seiner Überzeugung festhielt.
Torian lehnte sich ein wenig zurück und genoß die ersten wärmenden Strahlen der Sonne, die über der Wüste aufging und die Schatten – und ganz langsam auch die Kälte – der Nacht vertrieb. Seine Haut prickelte, doch es war ein angenehmes Gefühl.
Nach einigen Sekunden wandte er den Blick wieder Shyleen zu. Ihr Gesicht wirkte leblos, wie aus Stein gehauen. Sie schien überhaupt nicht zuzuhören, sondern mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Aber obwohl sie die ganze Zeit über kein Wort gesagt und mit keiner Regung zu erkennen gegeben hatte, was sie dachte, wußte Torian, daß sie auf seiner Seite war. Natürlich, schließlich ging es ja auch um sie. Aber ebenso natürlich war es, daß sie ihm nicht helfen würde, Garth zu überreden, weil sie wußte, daß es nichts nutzen würde. Dies war eine Angelegenheit, die er allein mit Garth regeln mußte.
»Du weißt, daß es die einzige Möglichkeit ist«, sagte Torian. Auch er hatte bereits aufgehört, mitzuzählen, wie oft er dies eine Argument schon variiert hatte, seit er von Kelysar und dem Tempel der verbotenen Träume erzählt hatte und davon, daß Shyleen dort möglicherweise geheilt werden könnte. Schon wieder drehte sich das Gespräch im Kreis, und inzwischen klang der Satz selbst in seinen eigenen Ohren hohl und abgedroschen. »Vor allem bleibt uns nicht mehr die Zeit, nach einer anderen Lösung zu suchen«, fügte er hinzu. »Wir können natürlich auch noch ein paar Tage weiterreden und weiterhin jeder auf seinem Standpunkt beharren.«
»Trotzdem wäre es glatter Selbstmord, wegen der Spinnerei eines halbverrückten Greises nach Scrooth zu laufen. Mit Pferden hätten wir vielleicht noch eine kleine Chance, aber nicht zu Fuß. Und selbst wenn es uns wider aller Wahrscheinlichkeit gelingen sollte, deinen komischen Eremiten lebend zu erreichen, ist noch lange nicht gesagt, daß er uns verrät, wo dieser Tempel der verbotenen Träume liegt – sofern es ihn überhaupt gibt, was ich stark bezweifle. Und dann scheinen unsere Schwierigkeiten ja erst richtig anzufangen.«
Nach der fruchtlosen Debatte der letzten Stunden hätte Torian nun eigentlich auf einen besseren — oder zumindest anderen — Vorschlag des Diebes drängen müssen, aber er verzichtete darauf. Statt dessen starrte er nur verdrossen zu Boden, nahm etwas Sand auf und ließ ihn durch die Finger gleiten. Garth hatte recht, mit jedem Wort sogar, und doch konnten sie keinen anderen Ausweg versuchen als den, den Torian ihnen vorgeschlagen hatte.
Er hatte sich während der vergangenen Wochen und auch schon während der davorliegenden Jahre, während der er sich in das scroothische Heer geflüchtet hatte, bemüht, jeden Gedanken an seine Herkunft zu verdrängen. Jetzt aber rief er sich das Gesicht Kelysars ganz bewußt in Erinnerung. Er wußte, daß es den Tempel der verbotenen Träume gab, vielleicht einfach, weil er es wissen wollte, aber er wußte ebensogut, daß er Garth nicht davon überzeugen konnte.
»Der Tempel existiert«, sagte Shyleen plötzlich. Überrascht blickte Torian auf, aber fast gleichzeitig schlug seine Überraschung in Zorn um. Zwei Stunden lang hatte Shyleen geschwiegen und sie munter diskutieren lassen, als ginge sie das alles überhaupt nichts an, und nun plötzlich bestätigte sie ganz lapidar, daß es den Tempel wirklich gab.
»Woher willst du das wissen?« fragte Garth scharf. Mißtrauen flackerte in seinem Blick. »Du lügst nicht zufällig ein wenig, um mich zu dieser Schwachsinnsidee zu überreden?«
Ungerührt schluckte Shyleen die Beschuldigung. »Gerade um diesen Verdacht gar nicht erst aufkommen zu lassen, habe ich bislang nichts gesagt«, erwiderte sie. »Ich war lange genug Tempeldienerin Ch’tuons, und während dieser Zeit habe ich manches gehört, auch über den Tempel. In ihm soll das Geheimnis der Unsterblichkeit verborgen liegen, aber es heißt, daß er für Menschen nicht zu erreichen wäre.«
»Das behauptete man auch von der Schattenburg, und trotzdem sind wir hineingekommen«, sagte Torian. So sehr er sich über Shyleens langes Schweigen ärgerte, so sehr bewunderte er im stillen auch ihre Geduld und ihr Geschick. Sie hatte genau den richtigen Zeitpunkt abgepaßt, ihr Wissen preiszugeben. Garths Entschlossenheit war während der zermürbenden Diskussion geschwunden, und alles weitere konnte nur noch ein Rückzugsgefecht sein. »Wenn wir von Kelysar erfahren, wo der Tempel liegt, dann kommen wir auch irgendwie hinein.« Torian schwieg einige Sekunden lang und schaute Garth nur an. »Was ist nun mit dir? Hilfst du uns, oder willst du allein weiter?«
Einige Minuten lang blieb der Dieb in Gedanken versunken und starrte zu Boden. Dann plötzlich stand er wortlos auf, raffte seine wenigen Habseligkeiten zusammen und stapfte los, ohne sich noch einmal umzudrehen. Nach Westen, den Bergen Scrooths entgegen. Shyleen und Torian mußten sich beeilen, um ihn einzuholen.
Sie überschritten die Grenze, als sich die Schatten der Abenddämmerung bereits wieder über das Land senkten. Die ganze Zeit über hatten sie kaum miteinander gesprochen, sondern nur ihren Gedanken nachgehangen. Torian versuchte, die Empfindungen in sich aufzuspüren, die er sich von der Rückkehr nach Scrooth erhofft hatte, doch es gelang ihm nicht. Der Schritt über die Grenze war nur einer von vielen tausend Schritten an diesem Tag, nichts, was ihn innerlich auch nur im geringsten berührte. Vielleicht lag es an den Umständen der Rückkehr, die er sich so bestimmt nicht vorgestellt hatte. Vielleicht aber auch daran, daß die Grenze eben doch nur eine willkürlich auf den Karten gezogene Linie war, die in Wahrheit keine tiefe Bedeutung hatte. Jedenfalls war an ihr bestimmt nicht das, was er hatte sehen wollen.
Ihm fiel auf, daß Garth ein Stück zurückgeblieben war und ihnen mißmutig hinterherstarrte, und so ging er ebenfalls langsamer, bis der Dieb ihn eingeholt hatte. Garth reagierte nicht darauf. Schweigend gingen sie eine Weile nebeneinanderher, bis Torian schließlich Garth unvermittelt ansprach.
»Warum haßt du Shyleen eigentlich so?« fragte er leise.
Überrascht schaute Garth ihn an. »Sie hassen?« fragte er und runzelte die Stirn. Dann schüttelte er den Kopf. »Wie kommst du bloß darauf? Weil ich gegen dieses Unternehmen bin, das angeblich ihre einzige Rettung sein kann?«