Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Nicht nur. Es ist nicht besonders schwer zu erkennen. Du sprichst kaum mit ihr und schaust sie dauernd nur feindselig an, wenn sie es nicht merkt. Zumindest, wenn du glaubst, daß sie es nicht merkt. Aber es fällt ihr auf, auch wenn sie nichts sagt.«
Garth lachte: sehr leise und rauh und ohne die geringste Spur von Humor. »Du täuschst dich«, murmelte er. »Wenn ich dagegen bin, daß wir uns wegen einer verschwindend kleinen Chance hier abschlachten lassen, so hat das ganz andere Gründe. Shyleen hassen? Das genaue Gegenteil ist richtig, Torian, und gerade das macht alles so schwierig. Ich liebe sie.«
Diesmal schaut Torian überrascht auf und starrte den Freund einige Sekunden lang verständnislos an. Dann plötzlich begriff er.
Shyleen war dem Äußeren nach eine schöne und begehrenswerte Frau. Er hatte selbst eine Weile gebraucht, um herauszufinden, daß er ihr gegenüber nur rein freundschaftliche Gefühle hegte. Aber das war nur ihr äußerer Schein. Es war schwer zu erkennen, was sie wirklich dachte und fühlte, doch er war sich beinahe sicher, daß sie das Wort Liebe höchstens vom Hörensagen kannte. Vielleicht lag es an ihrer Herkunft, daran, daß in ihren Adern kein menschliches Blut floß. Vielleicht lag es auch einfach nur an ihrer Erziehung zur Tempelpriesterin, die bewußt darauf ausgerichtet gewesen war, alle Gefühle in ihr abzutöten. Sie war emotional ein Eisblock, und das wußte auch Garth. Wenn er sie wirklich liebte, so war es eine Liebe ohne jede Hoffnung.
Mit einem Mal wurde Torian vieles klar. Verlegen scharrte er mit den Füßen im Sand und trat einige Steine zur Seite. Er wußte nicht, was er sagen sollte. Jedes Wort wäre ihm hohl vorgekommen. Dies war etwas, bei dem er Garth nicht helfen konnte. Als er nach kurzer Zeit wieder aufblickte, sah er, daß der Dieb längst wieder in seine Grübeleien versunken war. Torian ging schneller, bis er Shyleen wieder erreicht hatte. »Was ist mit ihm?« fragte sie.
Er zuckte nur die Schultern. »Er schmollt«, erwiderte er ausweichend. Obwohl ihm das Schweigen schwerfiel, wollte er nichts von dem preisgeben, was er gerade gehört hatte. Etwas anderes beschäftigte ihn ebenfalls schon die ganze Zeit, aber er wußte nicht, wie er es richtig ausdrücken sollte. »Du bist bislang erst um ein paar Jahre gealtert«, begann er schließlich. »Wie lange ... ich meine, wieviel —«
»Wieviel Zeit mir noch bleibt?« vollendete Shyleen den Satz. »Sprich es ruhig aus. Ich kann dir ohnehin keine Antwort geben, denn ich weiß es selbst nicht. Ein paar Wochen, vielleicht zwei Monate, würde ich schätzen.«
Torian konnte sein Erschrecken nicht ganz verbergen. Er hatte nicht geglaubt, daß es so schnell gehen würde. Vergeblich versuchte er sich vorzustellen, was er empfinden würde, wenn er wüßte, daß er nur noch ein paar Wochen zu leben hätte, wenn nicht ein mittleres Wunder geschähe. Es gelang ihm nicht, aber plötzlich bewunderte er Shyleens Stärke.
»Wenn du so rasch alterst, mußt du wesentlich älter sein, als ich bislang geglaubt habe«, fuhr er nach ein paar Minuten fort.
»Wie alt bist du?«
»Möchtest du das wirklich wissen?«
»Sonst hätte ich wohl kaum gefragt«, entgegnete Torian unwirsch. »Wieviel sind es? Achtzig Jahre? Hundert?«
»Nicht ganz«, erwiderte sie spöttisch, aber ihr Spott wirkte nicht echt. Er begriff, daß sie nur ihre Unsicherheit dahinter zu verbergen versuchte, und mit einem Mal war er nicht mehr sicher, ob er die Antwort wirklich hören wollte. »Es sind etwa vierhundert Jahre. Dreihundertzweiundneunzig, um genau zu sein.«
»Oh«, sagte Torian.
Und dann sagte er für eine ganze Weile nichts mehr.
Zwei Stunden nach Sonnenuntergang erreichten sie einen Gasthof an der Straße nach Scrooth. Torian war zwar noch nie in der Schenke gewesen, aber vor Jahren einmal daran vorbeigeritten, und er hatte die Gefährten hierhergeführt, weil er hoffte, daß sie hier Pferde finden würden, ohne gleich in eine Stadt zu müssen. Außerdem hatten sie am Morgen ihre letzten Streifen gedörrtes Fleisch gegessen und unterwegs nur einige Beeren gefunden, so daß ihre Mägen immer vernehmlicher knurrten.
»Ich sehe im Stall nach«, flüsterte Shyleen und tauchte in der Dunkelheit unter. Ein paar Sekunden später kehrte sie bereits zurück. »Sechs Pferde. Was machen wir nun? Nehmen wir die Pferde und versuchen, irgendwo anders etwas zu essen zu stehlen, oder essen wir erst hier einen Happen?«
»Außer vielleicht von Steckbriefen dürfte mich hier eigentlich niemand kennen«, überlegte Torian. »Sechs Reiter, dazu vielleicht noch einige Zecher, die zu Fuß gekommen sind. Die Gefahr ist hier nicht größer als irgendwo anders, sogar kleiner, als wenn wir eine Speisekammer ausplündern.« Er schlug seine Kapuze hoch und zog sie weit in die Stirn. »Wagen wir es.«
»Einen Moment mal«, sagte Garth und hielt ihn am Arm zurück. »Allmählich glaube ich, daß ihr euch nach dem Galgen geradezu sehnt. Keine zehn Pferde bringen mich in diese Rattenfalle hinein.«
»Schade«, seufzte Torian mit gespielter Bekümmerung. »Ich hatte mich schon so auf ein paar Krüge Wein und einen leckeren, saftigen Braten gefreut. Aber wenn du absolut nicht willst, können wir natürlich auch weiter ...«
»So war das nun auch wieder nicht gemeint«, unterbrach Garth hastig und schnalzte genießerisch mit der Zunge. »Wir können ja zumindest noch mal über die Sache reden. Vielleicht lasse ich mich doch noch überzeugen.«
Keine zehn Sekunden später stieß der Dieb als erster die Holztür auf und trat ein. Shyleen folgte ihm, und Torian ging als letzter. Hastig schaute er sich* um. Nur zehn Gäste hielten sich in der Schenke auf. Sie saßen grölend in zwei Gruppen zusammen, die restlichen Tische waren frei. Einige gelangweilte Blicke trafen die Ankömmlinge. Vier der Männer waren am Würfeln und schienen überhaupt nicht wahrzunehmen, was um sie herum vorging. Nichts deutete auf eine Gefahr hin.
Sie setzten sich an einen Ecktisch, von dem aus sie den ganzen Schankraum gut überblicken konnten, aber selber kaum gesehen wurden. Hinter dem Tresen wurde eine Tür geöffnet, und ein rundlicher kleiner Mann mit schütter gewordenem Haar trat an ihren Tisch.
»Drei Krüge guten Wein und einen ebensoguten Braten«, bestellte Torian, ohne aufzublicken. Mochte der Wirt ihn für einen seltsamen Kauz halten, daß er nicht einmal hier drinnen seinen Umhang ablegte, das war immer noch besser, als ein unnötiges Risiko einzugehen.
Der Wirt lachte, als hätte er einen besonders guten Witz gemacht. Einige der anderen Zecher schauten zu ihnen herüber. Torian sah, wie sich Garth neben ihm spannte. »Was ist daran so lustig?« fragte er barsch. Er hob nun doch etwas den Kopf, um den Wirt ansehen zu können, drehte sein Gesicht aber gleichzeitig aus dem Lichtschein der Petroleumlampe auf dem Tisch.
»Nichts für ungut, Freunde«, brummte der Wirt und strich sich mit der Hand über den feisten Nacken. »Ihr kommt wohl nicht aus dieser Gegend, wie? Sonst wüßtet ihr, daß ein guter Braten in dieser Gegend nicht zu kriegen ist. Vor ein paar Jahren, da konnte ich meinen Gästen noch vorsetzen, was immer sie wollten. Aber durch den Krieg hat sich vieles verändert. Die Soldaten haben jedes Stück Vieh...«
»Also gut«, unterbrach Torian den Redefluß und holte eine Goldmünze aus der Tasche, wohlweislich verschweigend, daß es seine einzige war. »Wieviel?«
Ein gieriger Glanz trat in die Augen des Wirtes und zeigte ihm, daß er das ganze Gesülze richtig verstanden hatte. »Welch ein Glück, daß uns einige Schweine entlaufen sind, bevor die Soldaten kamen. Hinterher konnten wir die Tiere wieder einfangen. Aber Ihr werdet verstehen, daß ich für jeden Braten mindestens ein Goldstück verlangen muß. Gold kann man nämlich nicht essen, wißt ihr?« Erwartungsvoll blickte er sie an.
Torian wechselte einen knappen Blick mit Garth. Der Dieb schaute zu den anderen Zechern hinüber und nickte zögernd und fast unmerklich. »Ich hatte nicht vor, das Haus zu kaufen«, sagte Torian grob. »Zwei Goldstücke für alles zusammen, und das ist schon das Zehnfache zuviel. Wir sind weit geritten, und es macht uns auch nichts aus, noch eine weitere Stunde bis Coar zu reiten, wo wir mit Sicherheit etwas zu essen bekommen«, fügte er unmißverständlich hinzu. »Und zwar zu einem vernünftigen Preis.«