Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1968
- Язык: немецкий
- Год: Moewig-Verlag
- Переводчик: Birgit Reß-Bohusch
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]». Краткое содержание книги:
Quellen freute sich keineswegs über den Wirbel, den er verursachte. Es war ein kluger Gedanke, sich auf Mortensens Spur zu setzen. Aber manchmal war zu viel Klugheit gefährlich. Quellen wußte, daß er Koll eingeheizt hatte. Das machte sich nie bezahlt. Und er konnte sich vorstellen, daß auch Koll Giacomin lästig gefallen war und daß nun Giacomin Kloofman verärgerte. Das bedeutete, daß Quellens kluger Vorschlag auf dem Weg durch die Instanzen überall Ärger aufwirbelte. Als Quellen jünger war und danach strebte, an die Spitze von Klasse Sieben zu gelangen, hätte er sich nichts so sehr gewünscht wie diese Beachtung. Jetzt war er Klasse Sieben, er hatte das kleine Privatapartment, das ihm alles bedeutete, und eine weitere Beförderung konnte ihm wenig einbringen. Außerdem belastete sein illegales Heim in Afrika sein Gewissen. Er wollte auf keinen Fall, daß ein Mitglied der Hohen Regierung sagte: »Dieser Quellen ist ein schlauer Bursche — finden Sie alles über ihn heraus, was Sie können.« Quellen hatte nur den Wunsch, unbeachtet zu bleiben.
Dennoch hatte er die Idee mit Mortensen nicht unterdrücken können. Er hatte seine Pflichten zu erfüllen, und sein privater Lebenswandel machte ihn in dienstlichen Dingen nur um so gewissenhafter.
Bevor Quellen an diesem Tag das Büro verließ, verlangte er nach Stanley Brogg.
Der bullige Assistent sagte sofort: »Wir haben ein weites Netz ausgespannt, Sekretär. Es ist nur noch eine Sache von Tagen oder Stunden, bis wir die Identität des Kerls kennen.«
»Gut«, sagte Quellen. »Mir ist noch eine weitere Methode eingefallen. Aber wir müssen vorsichtig zu Werk gehen, weil sie offiziell noch nicht genehmigt ist. Da ist ein Mann namens Donald Mortensen, der am vierten Mai den Zeitsprung wagen will. Sie können es in den Akten nachprüfen, die Sie mir gaben. Ich möchte, daß man ihn aufspürt. Sein Tun und seine Verbindungen sollen genau überprüft werden. Aber es muß mit äußerster Feinfühligkeit geschehen. Das kann ich nicht stark genug betonen, Brogg.«
»Schön. Mortensen heißt der Mann.«
»Mit äußerster Feinfühligkeit! Wenn der Mann merkt, daß wir ihn überwachen, kann es eine peinliche Situation für uns werden. Degradierung und Schlimmeres. Also, merken Sie sich eines: Der Mann muß völlig ahnungslos bleiben. Sonst geht es Ihnen schlecht.«
Brogg lächelte verschlagen. »Sie würden mich um ein paar Stufen strafversetzen, wenn ich einen Fehler mache?«
»Höchstwahrscheinlich.«
»Ich glaube nicht, daß Sie das wagen würden, Sekretär.«
Quellen erwiderte ruhig den Blick des Dicken. Brogg wurde in letzter Zeit aggressiv. Er genoß die Macht, die er über Quellen besaß. Seine zufällige Entdeckung der Villa in Afrika war die große Qual in Quellens Leben.
»Verschwinden Sie«, sagte Quellen. »Und denken Sie daran, daß die Sache Mortensen vorsichtig angefaßt werden muß. Es ist sehr gut möglich, daß die Hohe Regierung die Untersuchung abbrechen läßt, und dann ist keiner von uns zu beneiden.«
»Ich verstehe«, sagte Brogg. Er ging.
Quellen überlegte, ob er das Richtige getan hatte. Was geschah, wenn über Giacomin der Befehl kam, Mortensen in Ruhe zu lassen? Nun, Brogg war ziemlich schlau — zu schlau manchmal. Und wenn die Oberen seinem Plan zustimmten, blieb einfach nicht mehr genug Zeit, um die Verfolgung aufzunehmen. Quellen mußte das Projekt vorher starten.
Er hatte für den Augenblick getan, was er konnte. Flüchtig kam ihm der Gedanke, Brogg den ganzen unangenehmen Fall zu übergeben und sich nach Afrika zurückzuziehen. Aber er kam zu dem Entschluß, daß das eine Herausforderung an das Schicksal wäre. So verschloß er sein Büro und ging nach unten, um das nächste Schnellboot zu seinem Klasse-Sieben-Apartment zu nehmen. Er wußte, daß er in den nächsten Wochen nur hin und wieder für ein paar Stunden nach Afrika entfliehen konnte. Er wurde in Appalachia festgehalten, bis die Krise mit den Zeitreisen vorüber war.
Als Quellen in sein Apartment zurückkam, entdeckte er, daß seine Lebensmittelvorräte am Schwinden waren. Und da er die nächste Zeit hier verbringen mußte, beschloß er, sie aufzustocken. Manchmal gab Quellen seine Bestellung per Telefon auf, aber heute nicht. Er befestigte das Schild Privat über seiner Tür und begab sich per Flugrampe zu seinem Lebensmittelladen.
Während er nach unten fuhr, bemerkte er einen blassen Mann in einer losen purpurnen Tunika, der die Rampe in entgegengesetzter Richtung nach oben kam. Quellen kannte ihn nicht, aber das war kein Wunder. In dem Menschengewühl von Appalachia lernte man nicht viele Leute näher kennen, nur ein paar Nachbarn und Angestellte wie den Ladenbesitzer des Apartmenthauses.
Der blasse Mann sah Quellen neugierig an. Er schien mit seinen Blicken etwas sagen zu wollen. Quellen hatte bei der Begegnung ein unbehagliches Gefühl. Bei seiner Arbeit hatte er genug über Leute erfahren, die Fremde auf den Straßen belästigten. Da gab es die übliche Annäherung aus sexuellen Gründen, aber auch die, bei der einem irgendeine höllische Droge in die Adern gepumpt wurde. Andere Leute injizierten einem aus Sadismus Krebserreger. Und dann gab es noch die Geheimagenten, die eine Molekülsonde so im Körper des Opfers anbrachten, daß sie von jedem Ort aus jedes Wort mithören konnten, das man sprach. Solche Dinge waren alltäglich.
»Lesen Sie das«, murmelte der bleiche Mann.
Er schob sich an Quellen heran und drückte ihm eine gefaltete Notiz in die Hand. Quellen konnte die Berührung nicht vermeiden. In diesem kurzen Moment hätte ihm der Fremde alles antun können. Vielleicht verwandelte sich schon in diesem Augenblick sein Knochenmark in Brei. Aber es schien, als wollte der Mann wirklich nur für etwas werben. Als er fort war, entfaltete Quellen den kleinen Zettel und las ihn:
Das war alles. Sofort trat Quellens kriminalistischer Spürsinn in Aktion. Wie die meisten Gesetzesbrecher im öffentlichen Dienst war er äußerst streng in der Verfolgung anderer Gesetzesbrecher, und irgend etwas an dieser kleinen Notiz roch nach Illegalität. Hatte dieser Lanoy eine Art Stellenvermittlung? Aber das war doch Sache der Regierung. Quellen drehte sich hastig um. Er dachte daran, den blassen Mann zu verfolgen. Aber er sah nur noch einen Zipfel der purpurnen Tunika. Dann war der Fremde verschwunden.
Keine Arbeit? Fragen Sie nach Lanoy.
Quellen fragte sich, wer Lanoy war und welches Wundermittel er feilbot. Er entschloß sich, Leeward oder Brogg mit der Untersuchung der Angelegenheit zu beauftragen.
Er verstaute den Zettel sorgfältig in seiner Tasche und betrat den Laden. Die bleiverkleidete Tür schwang zurück, um ihn einzulassen. Roboter glitten an den Regalen auf und ab, füllten Waren nach oder erledigten Bestellungen. Der rotgesichtige kleine Mann, der den Laden führte — eigentlich unnötig, aber welche Hausfrau ließ sich schon gern von einem Roboter bedienen? — begrüßte Quellen mit ungewöhnlicher Liebenswürdigkeit.
»Oh, der Herr Kriminalsekretär! Sie haben uns schon lange nicht mehr die Ehre gegeben, Herr Kriminalsekretär. Ich fragte mich schon, ob Sie umgezogen seien. Aber das ist doch unmöglich, nicht wahr? Sie hätten mir sicher Bescheid gesagt, wenn man Sie befördert hätte.«
»Ja, natürlich, Greevy. Ich war in letzter Zeit nicht viel hier. Eine Menge Nachforschungen.« Quellen runzelte die Stirn. Er wollte nicht, daß man überall über seine lange Abwesenheit erfuhr. Schnell und mit fahrigen Bewegungen nahm er den Katalog und begann die Nummern abzulesen. Konservendosen, Pulverkonzentrate, Grundnahrungsmittel. Er übergab seine Liste einem Roboter, während der Ladenbesitzer wohlwollend zusah.