Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
„Ja“, antwortete der Ingenieur. „Natürlich ist der Bericht keine zuverlässige Rechengrundlage, aber wenn das Mädchen einigermaßen richtig geschätzt hat, muß irgendwie ein ganzer Satz Feststofftriebwerke gezündet haben. Das entspricht vier g vierzig Sekunden lang — oder einer Beschleunigung von über einem Sekundenkilometer. Allerdings wissen wir trotzdem noch nicht, wo sich das Schiff befindet, bis wir dort sind und es anpeilen können; der Kurs läßt sich nicht berechnen, weil wir keine Ahnung haben, in welcher Richtung das Ding beschleunigt hat. Aber mir wäre wohler, wenn der Bathyskaph etwas weiter von Tenebra entfernt wäre.“
Raeker fragte absichtlich nicht nach dem Grund dafür, aber Aminadabarlee erkundigte sich sofort.
„Warum?“
Der Ingenieur warf ihm einen abschätzenden Blick zu und entschloß sich, lieber bei der Wahrheit zu bleiben.
„Weil eine Beschleunigung von eineinhalb Sekundenkilometern in vielen Richtungen dazu führen kann, daß das Schiff in eine Kreisbahn eintritt, die auf der Planetenoberfläche endet“, erklärte er dem Drommianer offen.
„Wieviel Zeit bleibt bis zur Landung?“ wollte Rich wissen.
„Dafür bin ich nicht zuständig. Das muß erst berechnet werden, während wir unterwegs sind. Aber meiner Schätzung nach müßte die Landung innerhalb von Stunden erfolgen.“
„Warum sind Sie dann überhaupt noch hier?“ fragte Aminadabarlee wütend. „Warum werden keine Rettungsmaßnahmen eingeleitet?“
„Ich habe schon alles veranlaßt“, antwortete der Ingenieur ruhig. „Eine Pinasse wird eben startklar gemacht und fliegt in einigen Minuten ab. Begleiten Sie uns, Doktor Raeker?“
„Ich würde Ihnen nur im Weg sein“, wehrte Raeker ab.
„Für mich gilt wahrscheinlich das gleiche“, meinte Rich, „doch wenn Sie genügend Platz haben, möchte ich mitkommen. Ich will Sie aber nicht bei der Arbeit behindern.“
„Bleiben Sie lieber hier“, empfahl ihm Sakiiro. „Wir lassen die Verbindung mit der Vindemiatrix nicht abreißen, damit Sie ständig informiert sind.“ Er rannte hinaus.
Aminadabarlee hatte offensichtlich ebenfalls mitfliegen wollen, aber nachdem Rich zurückgeblieben war, konnte er nicht mehr darauf bestehen. Er machte seiner Erbitterung Luft, indem er bemerkte: „Man muß schon ein völlig vertrottelter Mensch sein, um an einem noch nicht fertiggestellten Schiff Triebwerke anzubringen.“
„Der Bathyskaph ist aber bereits fertig — ihm fehlt nur noch die letzte Überprüfung“, antwortete ein anderer Ingenieur gelassen. „Die Feststofftriebwerke dienen nicht nur zur Landung, sondern auch zum Start. Übrigens sollten sie noch gar nicht betriebsbereit gemacht worden sein, und wir müssen sie erst untersuchen, um festzustellen, wodurch die Zündung erfolgt ist. Vorläufig ist es nur Zeitverschwendung, wenn wir darüber diskutieren, wer an der ganzen Sache schuld ist.“
Der Ingenieur starrte den Drommianer feindselig an, aber Rich trat rechtzeitig zwischen die beiden.
Raeker bewunderte die Geschicklichkeit, mit der der Diplomat den wütenden Aminadabarlee beruhigte, obwohl der andere eben noch vor Zorn sprachlos gewesen war.
Raeker hätte die Unterhaltung zwischen Rich und dem Drommianer gern verfolgt, aber er hatte genügend mit dem Funkgerät zu tun. Die beiden Kinder hatten gehört, was der Ingenieur gesagt hatte, obwohl sie die Wahrheit nicht völlig begriffen hatten, und Raeker mußte jetzt sein Bestes tun, um sie wieder aufzumuntern. Begreiflicherweise waren die Kinder vor Schreck fast gelähmt, aber das Mädchen fing sich nach überraschend kurzer Zeit wieder. Raeker wußte nicht, ob ihre Gelassenheit nur gespielt war, aber trotzdem stieg sein Respekt vor ihr noch mehr.
Unterdessen war die Pinasse gestartet, und als die Minuten langsam verstrichen, faßten die Besatzungen der drei Schiffe wieder neue Hoffnung. Falls der Bathyskaph sich nicht in einer Kreisbahn befand, die auf Tenebra endete, bestand selbstverständlich keine Gefahr; Nahrungsmittel und Sauerstoff waren reichlich vorhanden. Raeker schätzte, daß die Aussichten für einen anderen Kurs etwa drei zu eins standen, denn schließlich gab es nur vier mögliche Richtungen.
Der Elektronenrechner der Pinasse berechnete laufend neue Kurse; als schlimmste Möglichkeit ergab sich, daß der Bathyskaph innerhalb von fünfundvierzig Minuten in die Planetenatmosphäre eintreten würde. Wenn dies nach einhundertdreißig Minuten noch nicht der Fall gewesen war, würde das Ereignis nicht mehr eintreten.
Siebenundsechzig Minuten nach der ersten Beschleunigung berichtete Easy von einer weiteren. Unterdessen hatte selbst Aminadabarlee begriffen, was die Tatsache bedeutete. Die Pinasse hatte sich dem Planeten so weit wie möglich genähert, aber trotzdem war den beiden Kindern damit nicht im geringsten geholfen. Die Ingenieure konnten den Sender des Bathyskaphen anpeilen und seine Position ungefähr bestimmen; aber sie konnten trotzdem keinen Kollisionskurs innerhalb der Planetenatmosphäre berechnen.
Vorläufig stand nur fest, daß ein Rendezvousmanöver frühestens zu einem Zeitpunkt durchführbar war, an dem der Bathyskaph bereits in die Atmosphäre eingetreten war — aber dann ließen sich die Raketentriebwerke wegen des hohen Außendrucks nicht mehr verwenden. Sakiiro meldete dieses Ergebnis an die Vindemiatrix und wandte sich dann sofort an Easy Rich, bevor Aminadabarlee sprechen konnte.
„Miß Rich, bitte hören Sie mir aufmerksam zu. Die augenblickliche Beschleunigung wird in den nächsten Minuten wesentlich stärker werden. Ich möchte, daß Sie sich in dem Pilotensitz anschnallen und Ihren Begleiter nach Möglichkeit ebenfalls auf einem Sitz unterbringen.“
„Er paßt aber auf keinen Sessel“, antwortete das Mädchen.
„Aber er ist an vier g gewöhnt“, warf Rich von der Vindemiatrix aus ein.
„Wahrscheinlich muß er mehr aushalten; aber in diesem Fall ist es nicht so schlimm. Er soll sich einfach auf den Boden legen. Hören Sie, Miß Rich…“
„Nennen Sie mich Easy, das spart Zeit.“
„Sagen Sie mir, was Sie auf dem Instrumentenbrett vor sich erkennen.“
„Nicht allzuviel. Die Lichtschalter befinden sich links oben — ich kann die Beschriftung lesen. In der Mitte sehe ich den Kontrollschalter für die Luftschleuse neben der Wählscheibe; dann kommen ungefähr zwanzig An/AusSchalter, mit deren Beschriftung ich nichts anfangen kann…“ Saki nickte, als das Mädchen zu Ende gesprochen hatte.
„Ausgezeichnet. In der Mitte der Schalttafel finden Sie aber nicht nur den Kontrollschalter, sondern auch zwei weitere mit der Aufschrift AERO. Diese beiden müssen auf AUS stehen. Der kleinere Hebel darunter muß nach oben zeigen. Stimmt alles?“
„Alles, Sir.“
„Schön, dann können Sie sich jetzt anschnallen. Der Autopilot des Schiffes steht jetzt mit dem Roboter auf Tenebra in Funkverbindung. Wir wollen es mit einer Landung ohne Triebwerke versuchen, weil das Risiko dabei geringer ist. Sie brauchen keine Angst zu haben, Easy — der Bathyskaph ist speziell für dieses Manöver konstruiert. Haben Sie noch Fragen?“
„Nein. Ich bin angeschnallt, und ›Mina‹ liegt ausgestreckt auf dem Deck.“
„Ausgezeichnet. Legen Sie jetzt den Schalter mit der Aufschrift SUCHE um. Hoffentlich werden Sie nicht leicht luftkrank; in den nächsten Minuten müssen Sie wahrscheinlich einiges aushalten.“
Sakiiro in der Pinasse und die Männer in der Nachrichtenzentrale der Vindemiatrix beobachteten gespannt, wie das Mädchen den Schalter umlegte. Zu ihrer Überraschung zeigten die Auswirkungen sich nicht sofort; sie hatten erwartet, daß Easy in den Sitz gedrückt werden würde. Aber das Mädchen schien den Andruck kaum wahrzunehmen.
„Ich spüre etwas“, berichtete Easy. „Das Schiff schwankt … Tenebra ist jetzt an Backbord zu erkennen … ich bin schwerer geworden … der Bug zeigt nach unten — falls ich nicht mit dem Rücken zur Flugrichtung sitze.“