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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Sie schüttelte den Kopf. „Leroy wird mich nicht wieder belästigen. Es gibt keinen Grund, die Sache an die große Glocke zu hängen.“

Ich bewundere Jans Haltung. Und ich kann hier genausogut zugeben, daß ich Jan selbst ebenfalls bewundere. Was das betrifft, bin ich in meinen Hörbriefen bisher ein wenig flüchtig gewesen. Einerseits deshalb, weil ich nur ganz allmählich entdeckt habe, wie interessant ein Mädchen wie Jan in Wirklichkeit ist und wie anziehend auch in physischer Hinsicht und so. Andererseits deshalb — nun, verzeih mir, Lorie —, weil mir immer mulmig dabei zumute war, mit dir über mein Liebesleben zu diskutieren. Nicht etwa, weil es mich verlegen machte, dich an solchen Dingen teilhaben zu lassen, sondern weil ich fürchte, dich damit zu verletzen.

Nun, jetzt ist’s raus. Doch vielleicht lösche ich all dies aus dem Würfel, bevor ich ihn dir gebe.

Was ich dir zu sagen versuche ist folgendes: Ich möchte bestimmte Aspekte des Lebens, die dir aufgrund deiner physischen Verfassung verschlossen sind, nicht ansprechen. Wie Liebe und Heirat und so etwas. Es ist schon schlimm genug, daß ich ein körperlich aktives Leben führe, herumgehen und allerlei Dinge tun kann und du nicht. Aber du bist auch von all den gesellschaftlichen und emotionalen Aspekten ausgeschlossen — wie etwa sich zu verabreden oder zu verlieben oder eine zeitbegrenzte oder permanente Ehe einzugehen —, und mir ist unbehaglich zumute, dich an all dies zu erinnern, indem ich über meine eigenen Abenteuer mit Mädchen spreche. Und die sind umfangreich und zahlreich genug, trotz der Ansicht Mutters, in meinem Alter sollte ich mich ernsthafter nach einer dauerhaften Partnerin umsehen.

Ist das nicht großartig? Wie taktvoll ich dir erkläre, warum ich dir bestimmte Dinge nicht sagen möchte — wie ich mir so große Mühe gebe, dir zu erklären, daß ich dich nicht an Dinge erinnern möchte, an die ich dich trotzdem dauernd erinnere. Prima. Sobald ich einen etwas umständlicheren Weg gefunden habe, dir zu verdeutlichen, warum ich mich in solchen Dingen so unklar ausdrücke, werde ich diese Stelle im Würfel ganz bestimmt löschen.

Weißt du, warum ich jetzt interessierter an Jan bin, als ich es zu Beginn dieser Expedition war?

Nein, du Neunmalkluge, nicht deswegen, weil ich nach all diesen Wochen in arge Bedrängnis gerate. Sondern deshalb, weil sie mir letzte Woche erzählt hat, daß sie zum Teil nichtmenschlich ist. Ihre Großmutter war eine Brolagonianerin.

Irgendwie macht sie das ungewöhnlicher. Und begehrenswerter, als wenn sie nur eine gewöhnliche Schwedin wäre. Ein wenig Exotik hat mich schon immer fasziniert.

Brolagonianer sind humanoide Aliens, wie du weißt. Sie haben eine glänzende, graue Haut und mehr Zehen und Zähne als wir. Sie sind eine von rund sechs oder sieben Fremdrassen in der Galaxis, die sich aufgrund einer fast genau parallel verlaufenden Evolution erfolgreich mit dem Homo sapiens kreuzen können. Um eine erfolgreiche Vereinigung möglich zu machen, sind zahlreiche DNA-Manipulationen und andere Gentechniken erforderlich, aber es kann bewerkstelligt werden, und es ist bewerkstelligt worden, trotz der Agitation der Liga für Rassenreinheit und anderer reaktionärer Gruppen.

Jan entstammt einer langen Ahnenreihe von Diplomaten. Ihr Großvater war vor sechzig Jahren unser Botschafter auf Brolagon, und er verliebte sich dort in ein einheimisches Mädchen. Sie heirateten und hatten vier Kinder, und eins von ihnen war Jans Vater. Der seinerseits eine Schwedin ehelichte. Doch die brolagonianischen Gene sind nun für immer in der Familie.

Jan zeigte mir einige Merkmale ihres gemischten Blutes. Ich muß schamhaft eingestehen, daß sie mir vorher überhaupt nicht aufgefallen sind.

„Ich habe dunkle Augen“, sagte sie. „Statt blaue, die den blonden Haaren entsprächen. So außergewöhnlich ist das aber eigentlich nicht. Dies hingegen schon.“ Sie öffnete ihre Sandalen. Sie hatte sechs Zehen an jedem Fuß. Reizende Zehen noch dazu. Aber sechs. „Außerdem habe ich vierzig Zähne“, fuhr sie fort. „Du kannst sie zählen, wenn du mir nicht glaubst.“

„Ich glaube dir auch so“, sagte ich, als sie mir ein dentales Gähnen zeigte.

„Meine inneren Organe sind ebenfalls ein wenig verschieden. Ich habe keinen Dickdarm. Das kannst du mir ebenfalls glauben. Der brolagonianische Verdauungsvorgang unterscheidet sich von deinem. Ich besitze auch das brolagonianische Muttermal; es ist genetisch dominant und tritt bei allen Brolagonianern auf, auch bei Mischlingen. Es ist ein recht hübsches Muttermal, eine Art geometrisches Muster in einem ungewöhnlichen Farbton, und wenn ich jemals auf einem von Brolagonianern beherrschten Planeten in Schwierigkeiten geraten sollte, dann brauche ich nur dieses Muttermal zu zeigen — es ist ebenso gut wie ein brolagonianischer Paß.“

„Kann ich es sehen?“ fragte ich.

„Sei kein Lüstling. Es befindet sich an einer peinlichen Stelle.“

„Ich bin nur aus rein wissenschaftlicher Neugier interessiert. Außerdem gibt es keine peinlichen Stellen, nur peinliche Leute. Ich wußte nicht, daß du so prüde bist.“

„Bin ich auch nicht“, sagte Jan. „Aber ein Mädchen muß ein bißchen sittsam sein.“

„Warum?“

„Gemeiner Kerl!“ sagte sie, aber es klang nicht sehr ärgerlich.

Also konnte ich ihr Muttermal nicht sehen.

Aber es macht mich froh zu wissen, daß sie eins hat. Vielleicht hältst du mich für extravagant, aber ich bin sehr angetan von der Neuigkeit, daß Jan nicht ganz menschlich ist. Es erscheint mir so langweilig, sich nur auf die Mädchen der eigenen Spezies zu beschränken.

Natürlich ist sie noch immer schrecklich in Saul Shahmoon verliebt. Zumindest behauptet sie das. Ich bin mir nicht sicher, ob sie es ernst meint. Ich küßte sie, nur als wissenschaftliches Experiment. Um herauszufinden, ob ein Mädchen, das zu einem Viertel Brolagonianerin ist, auf exotische Weise küßt.

Ich habe überhaupt nichts Brolagonianisches an ihrer Art zu küssen entdeckt. Und in Anbetracht der Tatsache, daß sie nach wie vor an ihrer unerwiderten Liebe zu Saul leidet, war sie sogar mit erstaunlichem Enthusiasmus bei der Sache. Vielleicht verliert sie die Geduld mit ihm. Vielleicht hat die Tätschelei mit Leroy heute morgen ihren Geschlechtstrieb zeitweilig erschüttert. Vielleicht…

Ich werde all dieses Zeug ganz bestimmt löschen, bevor sich Lorie den Wüfel anhört. Ich spreche in diesem Augenblick nur noch zu mir selbst. Und diese Methode ist so gut wie jede andere, um seine Gefühle und Empfindungen und all die anderen Dinge eines Tages zu ordnen, an dem man nicht nur eine bedeutende wissenschaftliche Entdeckung gemacht, sondern sich darüber hinaus zumindest ein wenig in einen ungewöhnlichen und attraktiven weiblichen Sonderling verliebt hat. Doch ich möchte es Lorie nicht noch schwerer machen, indem ich ihr diese kleinen Streiflichter einer archäologischen Romanze zeige. Wie schrecklich es doch sein muß, für sein ganzes Leben lang in einem Krankenzimmer eingesperrt zu sein, mit einer Million verschiedener Überwachungsinstrumente, deren Sensoren an die Haut geklebt oder direkt mit dem Nervensystem verbunden sind, und zu wissen, man kann nie aufstehen, küssen oder geküßt werden, zu einer Verabredung gehen, heiraten, eine Familie haben, nichts! Sie hat ihre Telepathie… aber reicht das aus? Dies alles wird gelöscht.

Heiliger Strohsack! Mirrik galoppiert gerade heran. Er muß vor einigen Stunden mit dem Graben aufgehört haben und zum Mexiko-Stern-Wäldchen gegangen sein, um sich ein wenig zu erfrischen, denn er ist so voll, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen habe. Mit Donnergetöse kommt er dahergerannt, mit glänzendem, schweißnassen Körper, und er brüllt etwas, bei dem es sich vermutlich um dinamonianische Poesie handelt. In diesem Augenblick stampft er direkt vor dem Laboratorium eine Art Kriegstanz. Ich gehe besser rüber und führe ihn weg, bevor…

Oh, nein!

Er geht ins Laboratorium hinein! Ich kann es dort drüben poltern und krachen hören!

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