Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
Dr. Schein tauchte auf, erfaßte die Lage und sprang zu uns in die Grube herab.
Die seltsame, berserkerartige Besessenheit, die uns überwältigt hatte, löste sich in dem Augenblick auf, als er auf der Bildfläche erschien. Kelly ließ ihren Bohrer sinken, Mirrik kroch von der Kugel fort, und ich richtete mich auf und wischte mir den Schweiß von der Stirn.
„Was haben wir denn hier?“ fragte Dr. Schein freundlich.
„Ein… äh, Artefakt, Sir…“ murmelte ich.
„Höchst ungewöhnlich. Höchst ungewöhnlich. Aber warum deshalb die Eile?“
„Ich weiß nicht, Sir. Wir wurden einfach… mitgerissen…“
„Nun, wir wollen doch aber nicht mitgerissen werden, oder? Wir müssen nach einem systematischen Verfahren vorgehen, wie Dr. Horkkk bereits sagte. Ich verstehe Ihre Begeisterung, aber dennoch…“ Er runzelte die Stirn. „Wer führt das Verzeichnis bei dieser Schicht?“
„Leroy Chang“, antwortete ich.
„Wo ist er?“
Ich wußte nicht, was ich darauf sagen sollte, also sagte ich gar nichts. Ich starrte zu Jan hinauf, und sie lächelte grimmig. Ihre Kleidung war ein bißchen zerknittert, und sie war durchnäßt von ihrer Flucht durch den Regen, aber sie blinzelte mir zu. Wie ich bereits erwähnte: Jan kann sehr gut auf sich selbst aufpassen.
„Wo ist Professor Chang?“ wiederholte Dr. Schein.
„Er hat die Fundstelle vor etwa zehn Minuten verlassen“, gab ich zurück Dr. Schein sah sich verwirrt um, dann tat er diesen Umstand mit einem Achselzucken ab und hob das Verzeichnis auf. „Dann lassen Sie uns jetzt weitermachen“, sagte er. „Ich führe die Aufsicht. Beenden Sie die Freilegung der Kugel… in aller Ruhe.“
Unter den aufmerksamen Blicken aller anderen und einem Dr. Schein, der das Tempo bestimmte, brachten wir die Arbeit auf fachgerechtere Weise zu Ende. Ich war verlegen und fühlte mich schuldig für die verrückte Hast, und als Dr. Horkkk in die Grube hüpfte, um die Kugel näher zu betrachten, brachte ich es nicht fertig, ihm in die Augen zu sehen. Es dauerte eine weitere halbe Stunde, die Kugel aus dem Gestein herauszulösen. Pilazinool, Dr. Schein und Dr. Horkkk diskutierten an Ort und Stelle über den Fund. Sie waren sich darin einig, es mit einer Art Maschine der Erhabenen zu tun zu haben, aber sie wußten genausowenig wie ich, welchem Zweck sie gedient hatte. Niemand beglückwünschte mich dafür, den seit der Entdeckung der ersten Lagerstätte von Erhabenen-Artefakten wichtigsten Fund auf diesem Gebiet gemacht zu haben. Ich selbst bin auch nicht gerade stolz auf mich, wenn ich an die idiotische Art und Weise denke, mit der ich die Ausgrabungsarbeit vorangetrieben habe.
Als die Konferenz vertagt wurde, hob Mirrik die Kugel ehrfurchtsvoll mit seinen Stoßzähnen an — sie sei so schwer wie ein Mensch, behauptet er — und trug sie ins Laboratorium. Das war vor drei Stunden. Dr. Schein, Dr. Horkkk und Pilazinool sind während der ganzen Zeit drüben gewesen. 408b ist ebenfalls bei ihnen. Saul Shahmoon geht ein und aus. Jedesmal, wenn er wieder herauskommt, macht er einen aufgeregteren Eindruck als vorher, aber er verrät überhaupt nichts und sagt nur, bisher habe man noch nichts Bestimmtes herausgefunden.
Mirrik, Kelly, Steen Steen und Leroy Chang sind zur Ausgrabungsstelle zurückgekehrt. Leroys Gesicht ist ein bißchen verbeult, und er scheint ziemlich sauer darüber zu sein, wie die Dinge gelaufen sind. Jan und ich sind beauftragt worden, bis zum Nachmittag alles aufzuräumen, sie in ihrer Hütte und ich in meiner.
Das ist eine großartige Belohnung dafür, einen bedeutenden Fund gemacht zu haben, nicht wahr?
Zwei Stunden später. Die Konferenz im Laboratorium dauert noch immer an. Ich würde zu gern wissen, was dort drüben vor sich geht, aber wenn sie Lehrlinge dabeihaben wollten, dann hätten sie uns gerufen. Saul ist eine ganze Zeitlang nicht mehr herausgekommen. Die Gräber sind noch bei der Arbeit, aber sie haben nichts Ungewöhnliches mehr entdeckt. Wenn wir sie ließen, würden Kelly und Mirrik die ganze Nacht weitergraben. Als ich mit dem Aufräumen fertig war, ging ich zur anderen Aufblashütte, um mit Jan zu sprechen.
Sie war weniger an einer Diskussion über die seltsame, uralte Kugel interessiert als daran, über Leroy Chang und sein unschickliches Verhalten zu sprechen. Ich würde sagen, so sind die Mädchen eben, aber damit beleidigte ich dich wahrscheinlich, und außerdem bin ich mir dessen nicht ganz sicher.
„Du hast gesehen, wie er an mir herumgetätschelt hat“, warf mir Jan vor. „Warum hast du nicht irgend etwas unternommen?“
„Mir ist nicht aufgefallen, daß er dich ernsthaft bedrängte.“
„Ernsthaft? Hätte es überhaupt noch ernsthafter sein können? Er hat mir praktisch die Kleidung vom Leib gerissen!“
„Der gute, alte Leroy. Er kennt sich wirklich damit aus, wie man ein Mädchen rumkriegt.“
„Sehr witzig. Angenommen, er hätte mich vergewaltigt…“
„Er kam dir nicht nahe genug, um das zu bewerkstelligen, oder?“
„Nein. Ich danke dir vielmals. Während ich um Hilfe geschrien habe, warst du unten in der Grube nur wie verrückt am Graben.“
„Weißt du“, gab ich zurück, „man sagt, eine Vergewaltigung sei eigentlich nicht möglich, es sei denn, das Opfer kooperiert. Ich meine, die Frau muß sich nur verteidigen, und wenn sie über normale Körperkraft verfügt und es sich bei ihrem Angreifer nicht gerade um eine Art Supermann handelt, dann sollte sie in der Lage sein, ihn abzuwehren. Wenn es also zu einer Vergewaltigung kommt, dann deshalb, weil die Frau entweder vor Angst gelähmt ist oder sie insgeheim vergewaltigt werden möchte. Übrigens kann ich mich nicht daran erinnern, dich schreien gehört zu haben.“
„Ich finde deine Sandkasten-Psychologie nicht sonderlich überzeugend“, sagte Jan. „Ich weiß nicht, woher du diese blöde Theorie hast, aber du kannst mir glauben, so einfach ist es nicht. Wie die meisten Männer hast du nicht die blasseste Ahnung davon, wie eine Frau solche Dinge sieht.“
„Ich vermute, du bist schon ein paarmal vergewaltigt worden, so daß du alles darüber weißt.“
„Können wir das Thema wechseln? Ich kann mir einige hunderttausend Dinge vorstellen, über die ich lieber mit dir sprechen würde. Und um deine Frage zu beantworten: Nein, ich bin nicht vergewaltigt worden, und ich habe auch kein Verlangen danach, danke vielmals.“
„Wie hast du Leroys Absicht vereitelt?“
„Ich hab’ ihm ins Gesicht geschlagen. Es war keine Ohrfeige. Es war ein Schlag. Dann hab’ ich getreten.“
„Und er gab auf. Was meine Theorie beweist, daß…“
„Wir wollten das Thema wechseln.“
„Du hast zuerst von Vergewaltigung zu sprechen begonnen“, sagte ich.
„Ich will dieses Wort nicht mehr hören!“
„In Ordnung.“
„Und ich meine noch immer, es war gemein von dir, einfach weiterzugraben, als Leroy mich zu… attackieren begann.“
„Ich bitte um Entschuldigung. Ich war ganz besessen von dem, was ich tat.“
„Was war dieses Ding überhaupt?“
„Das würde ich selbst gern wissen“, sagte ich. „Sollen wir zum Laboratorium rübergehen, um zu sehen, ob sie inzwischen eine Antwort auf diese Frage gefunden haben?“
„Lieber nicht. Wir würden sie nur stören.“
„Wahrscheinlich hast du recht.“
„Es geht mir nicht darum, jetzt unbedingt herumzunörgeln, Tom“, sagte sie. „Es ist nur so, daß Leroy mir einen Schrecken eingejagt hat. Und als mir niemand zu Hilfe kam…“
„Willst du dich bei Dr. Schein über ihn beschweren?“