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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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„Hier entlang“, sagte ich zu Kelly. „Folge der Kurve. Siehst du? Setz den Bohrer hier unten an und dann…“

Kelly nickte. Sie machte einen gespannten und sehr aufgeregten Eindruck, und wenn ein Androide nervös wird, dann muß das schon einen besonderen Grund haben. Sie umfaßte beide Griffe des Gerätes und begann, sich von der Seite her hineinzubohren. Der Bohrkopf stieß auf eine große Sandsteinmasse und zersplitterte sie gründlich. Ich wollte den Schutt wegräumen, doch Mirrik meinte: „Das ist zuviel für dich, Tom. Geh zur Seite.“ Und er schob seine Stoßzähne in die Öffnung und schleuderte eine halbe Tonne Erdreich davon.

Zeigen, bohren, wegräumen. Zeigen, bohren, wegräumen. Ich war in Schweiß gebadet. Kelly konnte nicht schwitzen, aber auch sie schien erhitzt zu sein und zu glühen. Zehn Minuten lang machten wir hektisch und verbissen weiter, bis die Hälfte der Kugel freigelegt war. Ich konnte eine Schalttafel mit einer Vielzahl von Knöpfen und Tasten ausmachen.

Das war nicht die richtige Art und Weise, etwas Wichtiges auszugraben. Wir drei arbeiten mit überstürzter Hast, denn die Aufregung, einen bedeutenden Fund zu machen, hatte uns mitgerissen; wir waren nicht willens oder nicht in der Lage, vorsichtiger zu Werke zu gehen. Ich kann nicht für Mirrik und Kelly sprechen, aber ich gebe zu, daß ich die Ausgrabung dieser mysteriösen Kugel zu Ende bringen wollte, bevor einer der Senior-Archäologen mich dabei unterbrechen konnte. Ein unehrenhaftes Motiv! Und eine große Dummheit und die Zurschaustellung kolossaler Ignoranz darüber hinaus, denn ein unwissender Lehrling wie ich hätte die ganze Sache leicht vermasseln und sich damit die Verdammung der ganzen Innung einhandeln können.

Ich habe an all diese Dinge gedacht. Aber wir arbeiteten dennoch wie besessen weiter. Zeigen, bohren, wegräumen. Zeigen, bohren, wegräumen. Zeigenbohrenwegräumen. Zeigenbohrenwegräumen. Zeigenbohrenwegräumen.

Ich legte eine Pause ein, um Atem zu schöpfen, und sah hinauf. Leroy und Jan achteten nicht auf uns. Sie waren damit beschäftigt, sich körperlich näherzukommen. Zumindest Leroy, der in seiner zurückhaltenden Art und Weise die Hand auf Jans… äh, Hüfte gelegt hatte… und mit der anderen nach den Magnetknöpfen ihrer Bluse grapschte. Er versuchte, seinen Mund auf ihren zu pressen, und sie wehrte ihn mit geballten Fäusten ab. Die ganze Angelegenheit sah nach einer Vergewaltigungsszene im Film aus. Ich hätte jetzt ritterlich sein, mit einem Satz zum Grubenrand hinaufspringen, „Laß sie los, du Schuft!“ schreien und ihm alle Zähne einzeln aus dem grinsenden Maul schlagen müssen. Doch ich sagte mir folgendes: a) Jan kann sehr gut auf sich selbst aufpassen, und b) während Leroy sich mit ihr abplagt, kann er sich nicht in das einmischen, mit dem wir hier beschäftigt sind. Deshalb war ich unritterlich. Schande! Schande!

Sie bohrte ihm die Faust in die Magengrube. Leroys Gesicht lief purpurfarben an. Er faltete sich zusammen und warf sein Verzeichnis in die Grube. Jan nahm die Beine in die Hand und lief durch den Regen davon. Leroy folgte ihr und rief Worte wie: „Jan! Jan! So laß mich doch erklären!“

„Wir sind ungestört“, sagte ich zu Kelly und Mirrik. „Graben wir weiter!“

Also gruben wir weiter, unbehindert. Kelly bohrte nun unterhalb der Kugel, und ich überprüfte sie vorsichtig und versuchte, sie aus ihrer Einbettung freizurütteln. Aber es klappte nicht. Mirrik gab ihr ebenfalls einen behutsamen Stoß. Daraufhin neigte sie sich ein wenig zur Seite, verblieb ansonsten aber an Ort und Stelle. Wir konnten sehen, daß es sich um ein Prachtexemplar von Artefakt handelte, so groß, daß ich es kaum mit den Armen umspannen konnte, und an der einen Seite mit allerlei Kontrolleinrichtungen bedeckt. Weitere fünf Minuten, schätzte ich, und wir hatten die Kugel freigelegt.

„Warte“, sagte Mirrik. „Ich glaube, genau in diesem Augenblick sollte ich für den Erfolg unserer Arbeit beten.“

Mirrik machte das oft. Er ist sehr religiös, weißt du. Als Paradoxist verehrt er die gegensätzlichen Kräfte des Universums, und er platzt immer dann mit Gebeten heraus, wenn diese Kräfte besänftigt werden müssen, was ziemlich oft der Fall ist. Kelly zog ihren Bohrer zurück, und Mirrik kniete sich demütig in der Grube nieder, faltete seine riesigen Beine unter seinem massigen Körper zusammen und lehnte seine Stoßzähne an die Kugel. Er begann, in Dinamonianisch zu seufzen und zu stöhnen. Später bat ich ihn, mir das Gebet zu übersetzen, und er nannte mir diese Version:

„O Herr der Konfusionen und des Kummers, steh uns bei.

O Du, dessen Sein wir bezweifeln, bezweifle uns nicht gerade jetzt.

O Regent des Unregierbaren, o Schöpfer des Unschöpfbaren,

o Sprecher der Wahrheit, der Du lügst, laß unseren Geist wachsam sein und unsere Augen scharf.

O enthülltes Mysterium, o tugendhafte Schlechtigkeit,

o Dunkelheit im Licht, tröste uns und führe uns und geleite uns.

Laß uns keine Fehler machen.

Auf daß wir kein Bedauern empfinden.

Sei nun bei uns wie am ersten und am letzten aller Tage.

Du Hüter von Schicksalen und Zerschmetterer von Mustern,

gib uns Deine Gnade,

denn im Haß liegt die Liebe, in Blindheit liegt

Sehen, in Falschheit liegt Aufrichtigkeit.

Amen. Amen. Amen.“

Du stimmst sicher mit mir überein, daß dies eine seltsame Art von Gebet ist. Und eine seltsame Art von Religion ebenfalls. Das Problem mit den Fremden besteht darin, daß sie dazu neigen, so fremdartig zu sein. Aber ich habe Mirrik darum gebeten, mir an einem der nächsten Tage den Paradoxismus zu erklären, und vielleicht macht er das.

Als er sein Gebet beendet hatte, schob er sich zurück, bohrte seine Stoßzähne unter die große Kugel, gab ein enthusiastisches Ächzen von sich und stieß zu. Die Kugel zitterte ein wenig. Er stieß erneut zu. Die Kugel zitterte stärker.

„Her mit dem Bohrer!“ schrie ich. „Kratz einfach diese kleine Steinkruste weg, und wir haben’s geschafft!“

Mit einer Art von glücklichem Wahnsinn, der uns drei am Boden der Grube erfaßt hatte, zerrten wir, gruben mit den Stoßzähnen und bohrten. Wir behinderten uns gegenseitig, rangen um den besten Platz und grapschten nach der Kugel, was zusammen ein idiotisches Bild erster Güteklasse ergab. Wir glaubten, die Kugel nun freizubekommen, doch sie war fester eingebettet, als wir angenommen hatten, und wir waren erschreckend nahe daran, sie zu beschädigen in unserer verrückten Hast, sie freizulegen.

Plötzlich sagte eine frostige und dünne und wütende Stimme:

„Was macht ihr da? Ihr Idioten! Ihr Vandalen! Ihr Verbrecher!“

Ich sah hinauf. Dr. Horkkk starrte zu mir herunter. Seine Augen waren rot unterlaufen vor Zorn und fünfmal so groß wie sonst. Er gestikulierte mit allen seinen Armen zugleich und hüpfte auf drei Beinen herum, während er sich mit dem vierten selbst heftige Tritte versetzte: ein Verhalten, das bei den Bewohnern von Thhh helle Aufregung zum Ausdruck bringt. Sowohl sein Eß- als auch sein Sprechmund waren vor Wut weit aufgesperrt.

„Wir haben diese Kugel gefunden“, erklärte ich, „und jetzt versuchen wir, die Sandsteinschicht beiseite zu schaffen, und…“

„Ihr werdet alles zugrunde richten! Dummköpfe! Mörder!“

„Nur noch einen Augenblick, Dr. Horkkk, dann haben wir’s geschafft.“

Du mußt wissen, daß während meiner Diskussion mit Dr. Horkkk Mirrik und Kelly und ich unsere Bemühungen, die Kugel freizulegen, fortsetzten. Womöglich noch eiliger und hastiger, als hinge das Schicksal des Universums davon ab, ob wir die Kugel innerhalb der nächsten zwei Minuten aus dem Gestein herausholten. Dr. Horkkk kreischte und schrie und sprang herum. Ich hörte ihn undeutlich sagen: „… oder ich werde Sie alle drei rauswerfen!“

Andere Gesichter starrten nun in die Grube hinab. Ich warf einen Blick über die Schulter und erkannte Pilazinool, 408b, Saul Shahmoon und Jan. Halb verrückt vor Zorn, konfiszierte Dr. Horkkk Pilazinools Bein und zeigte damit auf uns, während er sich mit einem Schwall von Worten ereiferte, bei denen es sich, wie ich vermute, um die thhhianische Sprache handelte. Pilazinool versuchte ihn zu beruhigen.

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