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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Aber eine Liebesaffäre?

Leroy ist eifersüchtig auf seine Phantasie. Er ist einer dieser nervösen Junggesellen, die den Frauen krampfhaft nachjagen — meistens ohne viel Glück —, und seine Erfolgsaussichten bei Jan sind gleich Null. Sie hält ihn — ziemlich treffend — für einen Widerling. Da er das nicht als Erklärung für seinen mangelnden Erfolg bei ihr akzeptieren kann, hat er eine bessere gefunden: Ich sei jünger und schlanker und dünner als er, und deshalb sei Jan in ihrer nachpubertären Oberflächlichkeit mir zugefallen.

Die Art, wie er seinen Verdruß mir gegenüber zum Ausdruck bringt, besteht darin, mich in die Seite und die Rippen zu knuffen und zu sagen: „Ihr beiden hattet ein paar feurige Stunden letzte Nacht, eh? Darauf wette ich! Du bist wirklich ein biologischer Artist, eh, mein Jungchen?“

„Nun mach mal halblang, Leroy“, antworte ich. „Jan und ich haben nicht die gleiche Wellenlänge.“

„Und das behauptest du auch noch mit einem ehrlichen Gesicht. Aber du kannst mich nicht an der Nase herumführen. Wenn du sie zurückbringst, hat sie diesen erhitzten und aufgeregten Ausdruck im Gesicht — und ein Mann von Welt wie ich weiß dann sehr gut, was ihr getrieben habt.“

„Für gewöhnlich unterhalten wir uns über die Funde des Tages.“

„Aber natürlich! Natürlich!“ Er senkt seine Stimme. „Hör mal, Tommy, ich kann dir keinen Vorwurf machen, wenn du deiner Leidenschaft soweit wie möglich freien Lauf läßt, aber hab’ doch auch ein Herz! Es gibt noch andere Männer bei dieser Expedition, und Frauen sind knapp.“ Ein plumpes Zwinkern. „Macht es dir etwas aus, wenn ich sie in einer der kommenden Nächte hinter die Felsen abschleppe?“

Ja, das bin ich, Tom Rice, der egoistische junge Mann, der das Frauenmonopol an sich gerissen hat! Hättest du dir das vorstellen können? Es gibt keine taktvolle Möglichkeit, Leroy zu erklären, daß er selbst sein schlimmster Feind ist, was seine bisherige Beziehung zu Jan angeht, daß ihn Jan vielleicht sogar ein wenig erdulden könnte, wenn er nicht so gierig und besessen und lüstern und vulgär wäre. Es ist ganz gewiß nicht so, daß ich all ihre Zuneigung für mich beanspruche, denn meine Beziehungen zu Jan sind die von Bruder zu Schwester, was immer Leroy auch denken mag.

Nun… mehr oder weniger jedenfalls…

Sie ist noch immer ganz verrückt nach Saul Shahmoon, und es macht mich ganz verlegen zuzugeben, daß sie die meiste Zeit hindurch, wenn ich mit ihr allein bin, darüber spricht, wie wundervoll Saul sei, und wie schrecklich es sei, daß er ihr nicht zugetan ist. Sie preist seinen scharfen Verstand, seine einfache Eleganz, sein weiches, attraktives, südländisches Aussehen, seine kühle, selbstbeherrschte Art und all seine anderen Tugenden. Sie klagt über seine eigenartige Besessenheit in Hinsicht auf die Philatelie, die ihn zu beschäftigt hält, als daß er sich verlieben könnte, und sie bittet mich um Rat, wie sie ihn am besten für sich gewinnen kann. Ehrlich!

Und Leroy Chang ist weiterhin davon überzeugt, Jan und ich feierten Orgien hinter den Felsen…

Vielleicht unternehme ich bei unserem nächsten Streifzug einen Versuch in dieser Richtung, wer weiß? Ich meine, was gibt es schon zu verlieren, wenn Leroy mit seinen Andeutungen und Anspielungen unseren Ruf bereits befleckt hat? Sie ist ein attraktives Mädchen. Und ich habe für diese Expedition kein Keuschheitsgelübde abgelegt. Außerdem geht es mir ziemlich auf die Nerven, dauernd ihre Lobeshymnen auf die Herrlichkeiten eines Saul Shahmoon anzuhören.

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5. September 2375

Higby V

Heute morgen habe ich ganz persönlich etwas von größter Wichtigkeit entdeckt. Und wäre deshalb fast rausgeworfen worden. Wir wissen noch immer nicht genau, um was es sich bei meinem Fund handelt, aber wir wissen, er ist bedeutend. Möglicherweise die bedeutendste Sache in der bisherigen Erhabenen-Archäologie. Folgendes ist geschehen… Nach dem Frühstück gingen fünf von uns zur Fundstelle, um mit der Ausgrabung weiterzumachen: Jan, Leroy Chang, Mirrik, Kelly und ich. So wie die Dinge zur Zeit liegen ist ein Fünf-Mann-Team groß und leistungsfähig genug. Die anderen hielten sich im Laboratorium auf, untersuchten Artefakte, datierten, erstellten Computeranalysen und waren mit anderen Arten von Routinearbeiten beschäftigt.

Wir sind nun ziemlich tief im Hügel und haben einen beträchtlich größeren Zugang zu dem Gebiet, in dem die Erhabenen ihr Lager hatten. Überall sind Artefakte verstreut. Wir haben bereits mehr als hundert Inschriftsknoten und einen großen Karton voller Plaketten und Rätselkästen zusammen. Aber alles nur gewöhnliche Gegenstände. Nur einfach mehr als sonst.

Es war ein kühler, regnerischer Morgen. So wie immer. Wir drängten uns unter dem Wetterschild zusammen und begannen mit der Arbeit. Zunächst schaufelte Mirrik die Zuschüttung beiseite, mit der wir abends üblicherweise die tatsächliche Ausgrabungsschicht bedeckten. Dann kam Kelly mit ihren Unterdruck-Bohrkernen zum Einsatz. Unserer Arbeitsaufteilung entsprechend stieg ich in die Grube hinein, um die Grabung zu leiten; Kelly kauerte über mir und bohrte nach meinen Anweisungen den Fels an. Mirrik stand neben mir und baggerte den Schutt mit seinen Stoßzähnen zur Seite. Jan bediente die Kamera und hielt alles in drei Dimensionen fest. Und Leroy trug in seiner Eigenschaft als Senior-Archäologe dieses Teams alle Vorgänge in ein Verzeichnis ein.

Eine Stunde lang verlief die Arbeit ergebnislos. Dann stießen wir auf eine Schicht aus weichem, rosafarbenen Sandstein, in der eine ganze Menge Rätselkästen eingebettet waren. Wenn man hart und intensiv genug arbeitet, dann wird man manchmal zu einer Art Maschine, und man bewegt sich in einem automatischen, mechanischen Rhythmus. Kelly, Mirrik und ich arbeiteten auf diese Weise. Ich suchte die Stelle aus, Kelly bohrte, Mirrik räumte beiseite. Dadurch wurde ein Artefakt freigelegt, das Jan fotografierte, Leroy verzeichnete und ich vorsichtig aufhob und in die Sammelkiste legte. Zeigen, bohren, wegräumen; fotografieren, verzeichnen, aufheben. Zeigen, bohren wegräumen; fotografieren, verzeichnen, aufheben. Zeigen bohren wegräumen…

Irgend etwas Seltsames leuchtete mir aus dem Sandstein entgegen.

Es war eine hell glänzende, gewölbte Metallmasse. Aufgrund des geringen Krümmungswinkels der Wölbung schätzte ich, daß es eine Kugel mit einem Durchmesser von mindestens einem Meter war. Sie bestand aus einer der üblichen goldfarbenen Legierungen, die die Erhabenen für größere Apparaturen verwendeten. An einigen Stellen war ihre Oberfläche glatt, an anderen mit zentimeterhohen Vorsprüngen bedeckt.

„Setz den Bohrer hier an, Kelly!“ rief ich. „Wollen doch mal sehen, was wir hier gefunden haben!“

Ich wies ihr den Weg zum Rand des eingebetteten Artefakts. Sie bohrte es geschickt und feinfühlig frei, enthüllte ein paar weitere Zentimeter, dann ein bißchen mehr und noch ein bißchen. Mit den Fingern kratzte ich den Sand weg, scharrte ihn einfach zur Seite. Leroy achtete überhaupt nicht darauf, womit wir beschäftigt waren. Er war fleißig dabei, die Übersicht zu erstellen. Oder er versuchte vielleicht, Jan biologisch näherzukommen. Jedenfalls hielten sich beide ein ganzes Stück über mir am Rand der Grube auf, und ich war zu sehr ins Graben vertieft, um eine Pause einzulegen und festzustellen, ob Leroy eine bestimmte Anweisung für mich hatte.

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