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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Dr. Horkkk gab ein gurgelndes Geräusch von sich. Dieser Schachzug gefiel ihm gar nicht.

Als die verbale Schlacht schließlich zu Ende ging, kam eine vernünftige Entscheidung heraus. Wir alle — und die Kugel — bleiben so lange auf Higby V, bis die geplante Dauer der Ausgrabungsarbeiten vorüber ist. Aber um der Sicherheit willen werden wir jeweils einige Kopien von den Filmaufnahmen der Kugelprojektionen anfertigen und sie an Bord des monatlichen Transporters zur Zivilisation schicken. Jan und mir wurde der Auftrag erteilt, eine Pressemitteilung über die Kugel zu schreiben, die dann so schnell wie möglich via TP-Kommunikationsnetz weitergegeben werden soll. Wir werden die Mitteilung heute abend zu Papier bringen.

Der Arbeitsplan wird ein wenig abgeändert. Pilazinool, 408b und Dr. Horkkk werden von allen Aufsichtspflichten bei der Ausgrabungsstelle befreit und befassen sich statt dessen praktisch die ganze Zeit über damit, die von der Kugel projizierten Szenen zu betrachten und über die Bedeutung der Bilder zu rätseln. Wir hoffen, wir erhalten dadurch einige Hinweise, die uns zu anderen bedeutenden Entdeckungen führen. Das bedeutet, die Verantwortung, die Grabarbeiten zu überwachen, wird Dr. Schein und Leroy Chang zufallen, denn Saul ist vollauf damit beschäftigt, die Artefakte im Laboratorium zu datieren. Und daß der größte Teil der tatsächlichen Ausgrabungsarbeiten in der Grube von unseren beiden Spezialgräbern, Mirrik und Kelly, und den drei Lehrlingen ausgeführt werden muß: Steen, Jan und deinem lieben Brüderchen.

Essenszeit jetzt. Das Wetter draußen ist scheußlich: Es regnet mal wieder.

Ich fühle mich noch immer wie benommen von den Bildern, die von der Kugel projiziert worden sind. Jene herabhängenden Häuser… die seltsamen Gebräuche… vor allem aber, die Gesichter von Erhabenen gesehen zu haben. Habe ich ihre Augen erwähnt? Drei sind es, und sie stehen dicht beisammen. Kalt. Funkelnd. Sie betrachten einen aus diesen Projektionsszenen, und man möchte sich am liebsten irgendwo verkriechen. Dieser Ausdruck kühler Intelligenz… das Gefühl, einem Wesen ins Gesicht zu sehen, das hunderttausend Jahre alt ist. Es ist schrecklich, dem Blick eines Erhabenen zu begegnen, der einen über eine so breite Zeitkluft hinweg trifft. Was war es für eine Rasse? Wo erwarben sie die Fähigkeiten, die sie so groß werden ließen, noch bevor sich die anderen Völker der Galaxis zu entwickeln begonnen hatten? Wie gelang es ihnen, ihre Zivilisation über all die Hunderte von Millionen Jahren funktionsfähig zu erhalten? (Hunderte von Millionen Jahren! Jene uralten Ägypter und Cro-Magnons lebten in einer Zeit, die nur ein Augenzwinkern zurückliegt — mit solchen Maßstäben haben wir es zu tun!)

Und damit genug der tiefschürfenden philosophischen Betrachtungen. Dein aufgeweckter und tiefsinniger Bruder hat Hunger. Bis später, Ende.

Schlafenszeit, fünf Stunden später, am gleichen Abend.

Nach dem Essen haben Jan und ich einige Stunden damit verbracht, die Pressemitteilung zu formulieren. Eigentlich hat sie das alles geschrieben, obwohl man mir nachsagt, ich könnte gut mit Worten umgehen und so weiter. Ich habe die Zeit damit vertrödelt, indem ich einige Skizzen entwarf und sie dann wieder zerknüllte. Dann klemmte sie sich dahinter und schrieb ohne die geringste Schwierigkeit ein professionell klingendes Statement herunter. Dieses Mädchen ist mächtig auf Zack. Morgen fahren wir in die Stadt und geben die Mitteilung den TP-Leuten, und ich hoffe, diese Kuh von Marge Hotchkiss hat dienstfrei.

Alle anderen haben den Abend im Laboratorium verbracht. Als wir fertig waren, sind Jan und ich hinübergegangen. Schach ist hier jetzt altmodisch geworden. Wie heute besteht die allabendliche Unterhaltung darin, die von der Kugel projizierten Bilder zu betrachten. Heute abend waren einige neue zu sehen, ebenso verblüffend wie die anderen. Offenbar hat das Ding in seinem Innern eine unbegrenzte Anzahl von Filmrollen oder was auch immer. Ich hoffe, wir lassen es nicht heißlaufen.

7

10. September 2375

Higby V

Beinah hätten es Jan und ich nicht geschafft, die Pressemitteilung abzuschicken. Irgendein blöder Dussel hatte vergessen, die Batterie des Elektrorenners aufzuladen, den wir benutzten, um zwischen der Stadt und unserem Lager zu pendeln. Wir waren noch zwölf Kilometer von der Stadt entfernt, als der Motor ein leises Seufzen von sich gab und sich dann ausschwieg. Ich öffnete die Haube und versuchte, männliche Kompetenz zu zeigen, aber ich konnte überhaupt nichts tun, und das wußten wir beide. „Die Batterie ist leer!“ rief mir Jan zu. „Verschwende keine Zeit damit, am Motor herumzubasteln.“

„Was machen wir jetzt? Den Rest des Weges zu Fuß gehen?“

„Es fängt an zu regnen“, sagte sie. „Welch nette Überraschung!“

„Wir bleiben am besten hier. Vielleicht kommt jemand vorbei.“

Wir warteten eine halbe Stunde, ganz allein im Zentrum der Leere. Ich nutzte meine große Chance nicht aus, mich ein wenig mehr um die körperliche Seite meiner Beziehung zu Jan zu kümmern. Einerseits, weil der endlose graue Regenguß, der auf diesem Planeten das charakteristische Wetter darstellt, meine Leidenschaft ganz erheblich abgekühlt hatte. Und andererseits: Selbst wenn ich zufällig in der Stimmung gewesen wäre — ich wollte mich nicht mit Dingen beschäftigen, die das Risiko mit sich gebracht hätten, einen vorbeikommenden Wagen nicht zu bemerken und somit zu verpassen. Der Verkehr auf dieser Straße ist nicht so dicht, als daß gestrandete Reisende es sich leisten könnten, einen möglichen Retter vorbeiziehen zu lassen. Hauptsächlich jedoch wegen dieser seltsamen und altmodischen Einstellung, die plötzlich über mich kam: daß es schlechtes Benehmen sei, eine möglicherweise ziemlich ernste Romanze in einem am Rand einer matschigen Straße liegengebliebenen Renner zu beginnen. Nicht daß Higby V irgendwo angenehmere Umgebungen aufzuweisen hätte — ich empörte mich vielmehr über die Unanständigkeit im allgemeinen. Manchmal kann ich ziemlich verstockt sein. Ich glaube, das weißt du.

Anstatt also wollüstig übereinander herzufallen, saßen wir keusch und züchtig Seite an Seite und unterhielten uns. Es kommt mir erst jetzt in den Sinn, daß Jan meinen plötzlichen Puritanismus vielleicht nicht geteilt hat, aber jetzt ist es zu spät, um den Fehler wiedergutzumachen. Wir sprachen hauptsächlich darüber, wie wir zur Archäologie gekommen sind. Sie fragte mich danach, und ich sagte: „Weil ich die Vorstellung verabscheue, irgend etwas könnte verschwendet werden. Ich meine, daß irgend etwas, was für jemanden einmal wichtig und bedeutend und wertvoll war, einfach vergraben liegt und vergessen worden ist. All diese Dinge möchte ich bergen, auf daß sie erneut für irgend jemanden wichtig sind… und sie sich somit nicht vernachlässigt vorkommen.“

Und ich erzählte ihr die Geschichte von der verlorenen Statuette.

Erinnerst du dich, Lorie? Wie könntest du es vergessen haben! Wir waren sechs Jahre alt. Vater hatte sich auf einem Planeten aufgehalten, an dessen Namen ich mich nicht mehr entsinne — im Epsilon-Eridani-System —, und dort eins seiner Immobiliengeschäfte abgewickelt. Und er brachte uns zwei von dort stammende Statuetten als Spielzeuge mit, eine für dich, und eine für mich. Es waren Darstellungen von Haustieren jenes Planeten; sie bestanden aus einer Art Porzellan und fühlten sich so außerordentlich weich und geschmeidig an, daß man sie gar nicht mehr loslassen wollte, hatte man sie erst einmal berührt. Du hast deine Statuette in der Nähe deines Bettes im Krankenhaus aufbewahrt, und ich trug meine in meiner Tasche bei mir. Außer wenn ich zu Bett ging: Dann stand sie auf dem Nachtschränkchen, so daß ich sie auch des Nachts sehen und anfassen konnte. Ich liebte dieses kleine Porzellantier mehr als alles andere, was ich besaß, und dann, eines Tages, nahm Vater mich mit, damit ich beim Bau eines neuen Gebäudes zusehen konnte, das er in Alaska errichtete. Ich stand auf diesem Balkon und blickte zum Fundament hinab, mit der Statuette in der Hand, und dann nieste ich oder so, und sie fiel hinunter. Ich begann zu schreien und bat Vater, sie mir zurückzuholen, doch die Baumaschinen waren zu schnell. In den nächsten fünf Minuten schütteten sie Tonnen von Beton in das Loch. „Sag ihnen, sie sollen sie ausgraben!“ verlangte ich von Vater. „Das Haus gehört dir. Du kannst ihnen das befehlen. Ich will sie zurück!“ Er lachte und sagte, es würde Tausende von Krediteinheiten kosten, unter all dem Beton nach meinem Spielzeug zu suchen, und ob ich wollte, daß er soviel Geld verschwende? Außerdem, sagte er, würden in einer Million Jahren Archäologen hierher kommen und die Ruinen dieses Gebäudes untersuchen und mein Spielzeug finden und in einem Museum ausstellen. Ich wußte nicht, was ein Archäologe war, und ich wollte nicht, daß man meine Statuette in einer Million Jahren ausgrub. Ich wollte sie sofort zurück, und in meinem Wutanfall gebärdete ich mich so wild, daß sie mich fortbringen und mir ein Medikament geben mußten, um mich zu beruhigen. Und als du hörtest, was passiert war, hast du gesagt: „Gut, wenn Tom seine Statuette nicht mehr hat, dann will ich meine auch nicht mehr.“ Und du hast deine Krankenschwester gebeten, sie einem anderen kleinen Mädchen zu geben, und sie erfüllte deine Bitte. Was eine deiner ganz typischen, mitfühlenden und geschickten Reaktionen war, denn ich war wie verrückt vor Neid, daß du dein Spielzeug noch hattest und meins verlorengegangen war. Ich vermute, eine gewöhnliche, gutherzige Schwester hätte ihrem Bruder einfach ihr eigenes Spielzeug gegeben, aber du hast dich nie auf gewöhnliche Weise verhalten. Und was du getan hast, war genau richtig: Mit einem Ersatz für meinen Verlust wäre ich nicht zufrieden gewesen, aber daß du deine Statuette nun ebenfalls nicht mehr hattest, das nahm dem ganzen Vorfall irgendwie den Schmerz.

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