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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Eine Stunde später. Mirrik hat ein ziemliches Durcheinander angerichtet, aber daran verliert im Augenblick niemand einen Gedanken. Denn es hat sich herausgestellt, daß die Maschine, die ich gefunden habe, noch immer funktionsfähig ist. Sie stellt eine Art Filmprojektor dar.

Der genau in diesem Augenblick eine Milliarde Jahre alte Bilder von den Erhabenen und ihrer Zivilisation zeigt.

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6. September 2375

Higby V

Mirrik hat das Glück eines Narren. Normalerweise hätten die Kapriolen des gestrigen Nachmittags sein Schicksal besiegelt. Statt dessen ist er dadurch auf verrückte Art und Weise zu einem Helden geworden, denn jetzt vergeben ihm alle seine vergangenen Sünden.

Es sah nach einer Katastrophe aus, als er ins Laboratorium geschneit kam. Beim Laboratorium handelt es sich zunächst einmal um eine kleinere Aufblashütte, die als Arbeitsplatz eingerichtet ist, und sie bietet nicht die räumlichen Voraussetzungen für das Herumtollen eines betrunkenen Dinamonianers. Als ich hinzukam, versuchte Mirrik gerade, sich auf die Hinterbeine aufzurichten, was für ein Geschöpf mit der Statur eines Rhinozeros ein hoffnungsloses Unterfangen ist. Mit jedem plumpen Satz wischte er Gegenstände von Tischen und zerschmetterte sie. Dr. Horkkk war an die Decke der Blashütte gekrabbelt und klammerte sich dort erschrocken fest. 408b saß oben auf dem Computer. Dr. Schein hatte einen der kleinen Laser gepackt und hielt ihn wie eine tödliche Waffe in der Hand. Und Pilazinool schraubte hastig seine Beine wieder an und bereitete sich zur Selbstverteidigung vor. Mirrik versuchte lautstark zu erklären, daß er im Mexiko-Stern-Wäldchen eine tiefgründige, geistige Erfahrung gemacht hatte. „Ich habe Einblick gehabt in wirkliche Weisheit!“ brüllte er. „Ich habe die Offenbarung gesehen!“

Er wirbelte herum, und sein Schwanz schleuderte meine Erhabenen-Kugel zu Boden.

Sie prallte zurück. Sie gab ein protestierendes, durchdringendes Knirschen von sich.

Und sie schaltete sich ein. Mirrik hatte einen festgeklemmten Schalter gelöst.

Zunächst wußten wir das nicht. Wir konnten nicht verstehen, was geschah. Mirriks gewaltiges Hinterteil war plötzlich grün anstatt so blau wie sonst, und auf seiner Haut begannen Bilder zu erscheinen und sich zu bewegen. Das war völlig rätselhaft. Doch einen Augenblick später begann ich zu begreifen, daß er als Leinwand für projizierte Abbildungen diente und daß die Bilder aus der Kugel stammten.

Dann erweiterte sich der Projektionsbereich und umfaßte das ganze Laboratorium. Seltsame und bizarre Gestalten glitten über die Wände, flossen auseinander und wieder zusammen. Beängstigende Szenerien schimmerten in der Luft.

„Raus hier!“ befahl Dr. Schein. „Alle raus! Schnell!“

Durch die Art und Weise, wie er dies sagte, gewann ich den Eindruck, irgend etwas drohe zu explodieren. Mirrik muß das ebenfalls angenommen haben, denn er wandte sich um und floh in vollem Galopp. Wir anderen folgten ihm, bis auf Dr. Schein, Dr. Horkkk und Pilazinool, der die Tür des Laboratoriums hinter uns zuknallte und verriegelte. Draußen bildeten wir wie benommen eine kleine Gruppe und versuchten zu verstehen, was passiert war. Mirrik war dadurch sogar wieder nüchtern geworden. Er schwankte umher, ließ sich zu Boden fallen, schüttelte den Kopf und klopfte mit den Stoßzähnen.

Eine Stunde später durften wir wieder ins Laboratorium hinein.

„Hier ist er!“ rief Dr. Schein aus, als ich eintrat. „Der Entdecker höchstpersönlich!“ Dann kam Mirrik herein und sah sich ein wenig schüchtern um. „Und dort ist derjenige, der sie eingeschaltet hat!“

So wurde mir schließlich doch noch ein wenig Anerkennung zuteil. Und ich vermute, man verzieh mir auch die überstürzte Hast, mit der ich die Kugel aus dem Boden geholt hatte. Auch Mirrik wurde für sein berserkerartiges Betragen amnestiert. Wer wollte jemandem noch etwas nachtragen, in einem solchen Augenblick?

Die Kugel lag auf einer Werkbank, in jenem Teil des Laboratoriums, wo man die Inschriftsknoten aufgestapelt hatte. Sie war ganz rund und sah mehr nach einer Art Skulptur als einer Maschine aus… bis auf die Kontrollapparaturen auf der einen Seite. In den glatten Bereichen zwischen den herausragenden Hebeln und Tasten und Knöpfen konnte ich mein eigenes Spiegelbild sehen, verzerrt und in die Länge gezogen, als betrachtete ich mich in einem Zerrspiegelkabinett.

Dr. Schein hatte alle zur Vorführung bestellt. In seinem Gesicht lag dieser Dies-ist-eine-GROSSE-Sache-Ausdruck. Der nervöse kleine Dr. Horkkk schien ganz aus dem Häuschen zu sein. Pilazinool hatte sich nicht nur demontiert, wie es in aufregenden Augenblicken seine Angewohnheit war, sondern er hatte sich auch verkehrt wieder zusammengesetzt, mit der linken Hand am rechten Arm und so weiter. Ich brauchte eine Weile, um herauszufinden, warum er so seltsam aussah.

Auf ein Zeichen von Dr. Schein hin trat 408b lässig vor. Seine Augen zwinkerten in rascher Folge, jeweils drei auf einmal, und das bedeutete, daß es im Innern des bellatrixanischen Gehirns wirklich auf Hochtouren arbeitete. Es nickte ruckartig, öffnete und schloß seinen Schnabel einige Male und sagte dann schließlich: „Ich kann nur sehr wenig erklären, da ich nur sehr wenig verstehe. Das Gerät, das Sie vor sich sehen, funktioniert als ein Projektor, verfügt aber über keine sichtbaren Linsen oder Objektive, und ein Bildschirm oder eine Leinwand als Projektionsfläche für die Bilder ist ebenfalls nicht notwendig. Auch über die Energiequelle können wir nur Mutmaßungen anstellen. Eingeschaltet wird die Kugel mit diesem Hebel…“ — es berührte einen kleinen Knauf — „… den wir nur durch Zufall entdeckten. Verdunkeln Sie den Raum, bitte.“ 408b ergriff eine Filmkamera und benutzte einige seiner Tentakel dazu, sie einzustellen und in Betrieb zu setzen. „Da wir weder wissen, wie lange die Kugel in Funktion bleiben wird, noch, ob wir sie dazu veranlassen können, eine der uns gezeigten Szenen zu wiederholen, werden wir eine komplette Filmaufzeichnung anfertigen — jedesmal, wenn wir sie benutzen.“

Es betätigte den Knauf.

Grünlicher Schein drang aus der Kugel hervor. Die Lichtzone dehnte sich aus, bis sie eine zwanzig Meter durchmessende Sphäre umfaßte und damit praktisch den ganzen Bereich des Laboratoriums ausfüllte, in dem wir uns befanden. Plötzlich sahen wir Gestalten, die sich auf der Oberfläche der Lichtsphäre bewegten.

Erhabene.

Was wir nun zu sehen bekamen, war ein 360-Grad-Film, und wir saßen im Innern des Projektionsbereiches. Die Kugel zeigte uns fünf oder sechs verschiedene Sequenzen, wobei jede einzelne sich ein wenig mit der Nachbarszene überlappte. Während wir uns umdrehten, verschwanden einige Sequenzen und wurden durch andere ersetzt. Einige aber blieben stabil. Es war wirklich mühsam, alles in sich aufzunehmen, denn es geschah so viel zugleich. In den ersten fünf Minuten drehte und drehte ich mich auf meinem Platz und wollte alles auf einmal betrachten. Ich war verzweifelt darüber, daß eine Szene verschwand, während ich noch versuchte herauszufinden, was es mit einer anderen auf sich hatte. Ich beneidete die Wissenschaftler nicht, die aus all diesem schlau werden müssen. Aber wenigstens würde die Kamera mit dem Weitwinkelobjektiv, die direkt neben der Kugel angebracht war, das ganze Durcheinander rundherum festhalten. Weißt du, die einzige Möglichkeit, mit einer Informationsschwemme fertig zu werden, besteht darin, eine Aufzeichnung aller eintreffenden Daten anzufertigen und die einzelnen Posten dann Stück für Stück unter die Lupe zu nehmen, mit deiner dir eigenen Datenverarbeitungs-Geschwindigkeit.

Nach kurzer Zeit hörte ich auf, mich zu drehen und konzentrierte mich auf das Betrachten jeder einzelnen Sequenz — trotz der Frustration darüber, alles andere, was vor sich ging, zu verpassen. Ich werde versuchen, einige der Bilder zu beschreiben, die ich gesehen habe.

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