Nach all den Jahrmilliarden
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- Год: Moewig
- ISBN: 3-8118-3601-3
- Переводчик: Andreas Brandhorst
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:
Ha! Was bei den Erhabenen ganz und gar nicht der Fall ist! Diese Kugel, die ich gefunden habe, hat uns eine Million mal mehr über sie erzählt, als wir vorher wußten: darüber, wie sie aussahen und sich bewegten, über die Art ihrer Städte, ein wenig von ihren Gebräuchen. Und es scheint sich bei ihnen ganz und gar nicht um einfache und schlichte Leute gehandelt zu haben. Sie machen einen vollkommen fremdartigen Eindruck; sie scheinen noch weitaus fremdartiger zu sein als die Shilamakka oder Dinamonianer oder Thhhianer oder irgendeines der anderen fremden Völker, denen wir heute begegnen können. Es mag schwierig für uns sein, die dinamonianische Theologie oder die Marotte der Shilamakka zu begreifen, völlig gesunde Körperglieder mit Maschinenteilen zu ersetzen, aber dennoch können wir uns mit diesen Aliens auf einer allgemeinen Basis verständigen. Ich glaube, mit den Erhabenen hätten wir uns niemals verständigen können. Auch dann nicht, wenn sie nicht durch eine Kluft von einer Milliarde Jahre von uns getrennt wären. Der Grund dafür ist nicht allein ihre gewaltige technologische Überlegenheit. Ihre Denkweise bliebe uns immer unverständlich.
Erinnere dich nur mal an die verschiedenen Kulturen auf der Erde, bevor Kommunikationssatelliten und Raketenfähren dafür sorgten, daß sich die Lebensweise jedes einzelnen an die aller anderen anglich. Denk an die Weltanschauungen der Eskimos, Polynesier und Beduinen, an die der amerikanischen Präsidenten und Pueblo-Indianer und Tibeter. Sie haben nicht sonderlich viel miteinander gemeinsam. Tatsächlich sind sie sogar ziemlich unterschiedlich, und doch sind das alles Bewohner des gleichen Planeten. In Ordnung, letztendlich starben sie alle aus oder vermischten sich und wurden zu „Terranern“, doch jetzt waren wir Teil einer Galaxis voller anderer intelligenter Völker, und jedes von ihnen hat eine andere Kultur und unterscheidet sich sehr von uns… und so weiter. Breite Kluften zwischen den Bewohnern des gleichen Planeten und noch breitere zwischen denen von verschiedenen Welten… doch all diese Abrunde sind überbrückbar.
Aber der größte Abgrund von allen scheint zwischen den Erhabenen und uns zu bestehen. Vergiß meine romantischen Vorstellungen darüber, daß sie noch irgendwo leben und wir sie finden. Ich möchte sie überhaupt nicht mehr finden. Ich glaube, es wäre ziemlich erschreckend, käme es zu einer Begegnung.
Nachdem wir die Bilder der Kugel eine Stunde lang betrachtet hatten, schaltete 408b den Projektor ab, und wir diskutierten. Das bedeutet, daß wir elf uns alle zusammensetzten und zu interpretieren versuchten, was wir gerade gesehen hatten. Jan suchte sich sorgfältig einen Platz, der möglichst weit von Leroy Chang entfernt war, doch Leroy schien sich größte Mühe damit zu geben, sie nicht einmal anzublicken. Offenbar fühlte er sich nicht wohl in seiner Haut und war noch nervöser als sonst. Ich vermute, er fürchtete, Jan könnte aufstehen und ihn als Vergewaltiger brandmarken. Und als stümperhaften Vergewaltiger obendrein. (Frage: Wann ist ein Mann abscheulicher: Wenn er einer Frau gegenüber erfolgreicher seinen Willen durchsetzt, oder wenn er ein so farbloser Nichtsnutz ist, daß er die Sache verpfuscht? Mach dir nicht die Mühe, eine Antwort zu finden.) Dr. Schein fungierte als Vorsitzender. „Es ist offensichtlich“, sagte er, „daß sich der ganze Bereich der Erhabenen-Archäologie von einem Augenblick zum anderen verändert hat. Zum ersten Mal wissen wir nun etwas darüber, wie ihre Lebensweise beschaffen war. Als Resultat von Tom Rices hervorragender Entdeckung.“
Ich errötete artig und nickte, um den Beifall einer Vielzahl von Bewunderern anzuerkennen.
Dr. Horkkk löschte das Feuer meines Stolzes zum Teil, indem er sagte: „Lassen Sie mich hinzufügen, daß dieses großartige Artefakt als Resultat einer rücksichtslosen Ausgrabungstechnik beinahe zerstört worden wäre.“
Ich blickte beschämt zu Boden, und aus Mangel an einer sinnvolleren Beschäftigung zählte ich meine Zehen. In seiner eleganten und vernichtenden Art und Weise führte Dr. Horkkk einige weitere Kritikpunkte an, und ich versuchte unterdessen, im Boden zu versinken. Jan, die direkt neben mir saß, flüsterte: „Laß dich von ihm nicht ins Bockshorn jagen. Du hast sie gefunden. Und du hast sie nicht zerstört.“ Ich sollte noch hinzufügen, daß sich Jan dazu entschlossen hatte, neben mir zu sitzen anstatt neben Saul Shahmoon. Interessant. Versucht sie, seine schlummernde Eifersucht zu wecken, oder beginnt sich zwischen Jan und mir etwas abzuspielen?
Als Dr. Horkkk damit fertig war, mir das Fell über die Ohren zu ziehen, sagte 408b: „Es ist fraglich, ob dieses Gerät tatsächlich Bilder von der Lebensweise jener Geschöpfe zeigt. Vielleicht stellt die Kugel ein Unterhaltungsinstrument dar und projiziert nur Phantasieszenen.“
„Ein guter Hinweis“, sagte Dr. Schein. „Aber ich kann mich dieser Auffassung nicht anschließen.“
Pilazinool nahm eine Hand ab und winkte damit, um das Wort zugeteilt zu bekommen. „Auf der Grundlage einer raschen Analyse“, sagte das Maschinenwesen, „bezweifle ich, daß 408b recht hat. Ich habe den Eindruck, wir haben es hier mit einer authentischen Darstellung des Lebens der Erhabenen zu tun. Ich kann nicht sagen, welchen Zweck diese Kugel einst erfüllt hat, aber ich bin davon überzeugt, bei jenen Bildern handelt es sich um echte Szenen des Alltagslebens, wie Dr. Schein zum Ausdruck brachte.“
Dr. Schein strahlte. 408b faltete verärgert seine Tentakel zusammen. Mirrik, Saul Shahmoon und Kelly trugen ihre Auffassungen mehr oder weniger gleichzeitig vor. Nach all den Dingen, die Dr. Horkkk über mich gesagt hat, hatte ich nicht den Schneid, meine Klappe aufzureißen, aber insgeheim stimme ich Pilazinool und Dr. Schein zu.
„Es stellt sich nun folgende Frage“, sagte Dr. Schein. „Sollen wir die Kugel zu einer detaillierten Analyse der in ihr enthaltenen Bilder an Zentralgalaxis schicken, oder sollen wir sie hierbehalten, damit sie uns während der noch verbleibenden Zeitspanne unserer Ausgrabungsarbeiten anleiten kann?“
„Hierbehalten“, sagte Pilazinool.
„An Zentralgalaxis schicken“, sagte Dr. Horkkk.
Eine ganze Zeitlang beratschlagten wir darüber. Und es stellte sich folgendes heraus: Dr. Horkkk war so von der Kugel gefesselt, daß er vorschlug, die Expedition an diesem Punkt abzubrechen, zur Zivilisation zurückzukehren und fort alle Anstrengungen auf den Versuch zu konzentrieren, aus den projizierten Bildern neue Erkenntnisse zu gewinnen. Leroy Chang unterstützte diese Anregung. Ich glaube, Leroy sucht nach irgendeinem Vorwand, Higby V nach dem Fiasko mit Jan verlassen zu können.
„Das erscheint mir zu überstürzt“, sagte Steen Steen. „Warum sollten wir die Fundstelle jetzt verlassen, obwohl wir dicht vor noch erstaunlicheren Entdeckungen stehen könnten?“
Die erste vernünftige Bemerkung, die ich überhaupt von ihm/ihr gehört habe.
„Solange wir und die Kugel hierbleiben“, gab Dr. Horkkk zurück, „riskieren wir, daß sie verloren gehen oder zerstört werden könnte. Es ist unsere Pflicht, sie sicher zu einem zivilisierten Planeten zu bringen.“
Dr. Schein, der in seiner sanften Art mörderisch sein kann, lächelte seinem thhhianischen Rivalen freundlich zu und sagte: „Dr. Horkkk, vielleicht sind Sie und Professor Chang geneigt, diese Expedition zu verlassen und die Kugel zu einer sicheren Welt zu transportieren, während wir anderen die Arbeit weiterführen?“