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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Du hast recht, Vater. Warlon wird sich damit abfinden müssen, daß er nur der Zweitgeborene ist«, stimmte Torian mit einem triumphierenden Seitenblick auf seinen Bruder zu. Als er sah, wie sich Limahrts Gesicht bei diesen Worten wie gewohnt verfinsterte, fügte er rasch hinzu: »Lassen wir das Thema. Ich wollte eigentlich über etwas anderes mit dir sprechen. Als wir gestern von den Norks überfallen wurden, führte mich Marubur zu einem alten Mann, einem ehemaligen Heiler, der als Einsiedler einige Meilen von der Burg entfernt in dem kleinen Gehölz am Weg nach Pa’an haust.« Er stockte und hatte auf einmal Mühe, sich an das zu erinnern, was er sagen wollte. Es fiel ihm plötzlich schwer, sich zu konzentrieren. Eine unsichtbare Hand schien mit Schattenfingern in seinem Gehirn zu wühlen und seine Gedanken durcheinanderzuwerfen. Von irgendwoher glaubte er ein leises Lachen zu hören. Die Luft kam ihm mit einem Mal stickig und verbraucht vor, und er hatte das Gefühl, nicht mehr richtig atmen zu können. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn.

»Was hast du?« fragte Limahrt ungeduldig. »Warum sprichst du nicht weiter?«

Mühsam kämpfte Torian gegen den fremden Einfluß an. »Dieser Heiler ... er hat meine Wunde versorgt«, brachte er stockend hervor. Allmählich fiel ihm die Konzentration wieder leichter. »Aber dabei hat er mich gleichzeitig in unverschämter Weise beschimpft.«

»Und du konntest dich natürlich nicht einmal gegen einen alten Mann zur Wehr setzen, wie?« warf Warlon höhnisch ein. »Dafür brauchst du wohl eine Hundertschaft Soldaten?«

»Gegen jemanden, der magische Kräfte besitzt, hätte auch jeder andere eine schlechte Figur abgegeben. Aber wir dürfen diese Beleidigungen nicht auf uns sitzenlassen. Gib mir nur ein paar Männer, Vater, und ich schaffe diesen Kelysar in Ketten hierher, damit er seine Worte bereuen und Demut lernen kann.«

Erwartungsvoll blickte er seinen Vater an. Limahrt hielt den Kopf gesenkt und schien so in Gedanken versunken, daß er die Worte offenbar nicht einmal gehört hatte. Erst nach einigen Sekunden hob er den Kopf. »Ein Heiler, der magische Kräfte beherrscht, sagst du? Und das hier, in unmittelbarer Nähe Conns? Du bist sicher, dir nichts eingebildet zu haben?«

Torian nickte.

»Die Sache interessiert mich«, sprach Limahrt weiter. »Außerdem wird mir etwas frische Luft gut tun. Ich selbst werde dich zusammen mit zehn Soldaten begleiten und mir diesen Heiler ansehen.«

»Aber das ist nicht nötig«, begann Torian, doch Limahrt bedeutete ihm mit einer Handbewegung, daß sein Entschluß feststand.

»Und ich komme auch mit«, verkündete Warlon. Torian verdrehte ergeben die Augen, wagte aber nicht zu widersprechen, und so brachen sie kaum eine halbe Stunde später auf.

Nach den Unwettern der vergangenen Tage zeigte sich das Wetter an diesem Tag von der schönsten Seite. Die Sonne schien von einem wolkenfreien, blauen Himmel herab und ließ fast vergessen, daß der Herbst bereits Einzug hielt.

Marubur hatte auf Limahrts Befehl, sie zu dem Heiler zu bringen, nur genickt und Torian dabei einen seltsamen Blick zugeworfen, eine Mischung aus Trauer und unerklärlicher Heiterkeit. Limahrt, Warlon und der Nork ritten an der Spitze der kleinen Kolonne. Torian war etwas zurückgefallen; nicht nur, weil er sich dadurch die dummen Kommentare seines Bruders ersparte, sondern auch, weil er Marubur möglichst aus dem Weg gehen wollte. Er bedauerte bereits, überhaupt von Kelysar erzählt zu haben, und fühlte sich dem Nork gegenüber merkwürdig schuldig. Marubur hatte ihn zu dem Heiler geführt, weil die Wunde versorgt werden mußte und weil er Vertrauen zu Torian hatte. Auch wenn die Beschimpfungen des Heilers ihn nach wie vor ärgerten, mußte Torian sich selbst gegenüber eingestehen, daß manche der Äußerungen Kelysars berechtigt waren. Aber jetzt war es zu spät, noch etwas zu ändern.

Erst als sie das Gehölz erreichten, schloß er zur Spitze auf. »Hier irgendwo muß der Trampelpfad beginnen«, sagte er.

»Dort vorne«, ergänzte Marubur und deutete mit der Hand voraus. »Aber er wird nicht mehr da sein.«

»Natürlich nicht«, spottete Warlon. »Wahrscheinlich ist er über Nacht zugewuchert. Oder war er vielleicht niemals da?«

Limahrt bedeutete ihm mit einer Handbewegung zu schweigen und wandte sich an den Nork. »Was soll das bedeuten?« fragte er.

Unbehaglich rutschte Marubur auf seinem Sattel herum. »Kelysars Geist ist zwar etwas verwirrt, aber er vermag sich zu schützen. Er war einmal ein berühmter Heiler und beherrscht viele Künste.«

»Wahrscheinlich ist er ein so begnadeter Künstler, daß er den Weg zu seiner Hütte einfach zugemalt hat«, warf Warlon ein. Torian krampfte die Hände um den Sattelknauf. Die unerträglich dummen Bemerkungen Warlons reizten ihn zur Weißglut, und nur mit Mühe konnte er sich beherrschen. Noch nie hatte er so deutlich gespürt, daß er seinen Bruder haßte, vor allem weil er wußte, daß der Spott immer dazu diente, ihn vor Fürst Limahrt lächerlich zu machen. Er mußte Warlon widerwillig zugestehen, daß dieser mit Worten mindestens ebensogut umzugehen verstand wie er selbst mit seinem Schwert.

Mißmutig ließ er seinen Blick über die grün-braune Wand zu ihrer Rechten gleiten. Von dem Pfad war nichts zu sehen, aber im Grunde überraschten ihn Maruburs Worte nicht einmal. Eine leise, hartnäckige Stimme hatte ihm schon die ganze Zeit über zugeflüstert, daß er keinen Erfolg haben würde.

Das Gefühl unwirklicher Bedrohung, das er auf dem Weg zur Hütte verspürt hatte, Kelysars furchtloses Verhalten, seine Fähigkeit zu verschwinden, um an einem anderen Ort wieder aufzutauchen – alles fügte sich zu einem Bild zusammen, zu dem möglicherweise auch Torians Schwierigkeiten gehörten, von dem Heiler zu erzählen. Er hatte bislang kaum darüber nachgedacht, doch jetzt erschien es ihm nur logisch. Auch wenn Kelysar im Kopf etwas wirr war, hatte er nicht den Eindruck eines Idioten gemacht.

Er schaute zu Marubur hinüber, doch der Nork wich seinem Blick aus. Sein Gesicht zeigte keinerlei Regung.

Zweimal ritten sie das Gehölz der Länge nach ab, ohne auch nur die kleinste Lücke im Gebüsch zu entdecken. Warlons Gesicht verzerrte sich mit jeder verstreichenden Sekunde mehr zu einer Maske des Spotts. Die toten Norks waren inzwischen weggeschafft worden, aber getrocknete Blutspuren wiesen noch auf den Kampf hin. Torian schloß die Augen und versuchte sich genau an den Weg vom Vortag zu erinnern. Es ging ihm längst schon nicht mehr darum, Kelysar wirklich zu finden. Er wollte aber seinem Bruder beweisen, daß er sich nichts eingebildet hatte, denn auch Fürst Limahrt zeigte allmählich immer deutlicheren Unmut.

»Es war hier irgendwo«, sagte er und deutete mit den Händen auf ein Gebiet von etwa einem Dutzend Schritte. »Hier begann der Trampelpfad.«

»Also gut«, entschied Limahrt. »Wir sind nicht unbedingt auf einen Pfad angewiesen.« Mit einem Ruck drehte er sich zu den Kriegern um. »Durchsucht das Gebüsch.«

Die Männer kamen seinem Befehl unverzüglich nach. Sie stiegen von den Pferden, zogen ihre Schwerter und begannen auf das Unterholz einzuschlagen. Schon um Warlon nicht die ganze Zeit sehen zu müssen und die Wut auf seinen Bruder abzureagieren, half Torian selbst mit. Die Zweige und Äste waren aber unerwartet zäh und elastisch, so daß sie nur mühsam vorankamen. Schon bald lief ihm der Schweiß übers Gesicht, und sein Schwert schien doppelt so schwer geworden zu sein. Dennoch entstanden nach und nach schmale Breschen, durch die sie tiefer in das Gehölz eindrangen.

Nach einer Weile trat Torian zurück, und ein Soldat nahm seinen Platz ein. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Sie hatten nichts gefunden, nicht einmal einen der vielen Tierwechsel, die ihm beim letzten Mal aufgefallen waren. Irgend etwas stimmte nicht mit diesem Wald, der ihm falsch vorkam, aber auf eine ganz andere Art als am Vortag. Das Gebüsch um sie herum schien von verzerrten Schatten und vager, huschender Bewegung erfüllt zu sein. Zudem war es totenstill um ihn herum. Es herrschte eine Stille, die auch durch die Schwerthiebe der Krieger und das Brechen der Äste nicht durchbrochen, sondern eher noch betont wurde. Es war gespenstisch, ein passenderer Ausdruck fiel Torian dafür nicht ein.

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