Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torian öffnete den Mund, aber im gleichen Moment fiel ihm die Antwort auf seine Frage von selbst ein. Seine Kehle war wie zugeschnürt.
Nach Garths verständnislosem Stirnrunzeln zu schließen, begriff dieser nicht so schnell.
»Ch’tuon war der Quell für die Kräfte der Magier«, erklärte Shyleen stockend. »Durch ihn wurden sie unsterblich. Wir haben der Kreatur geholfen, in ihre eigene Welt zurückzukehren. Dadurch wirkt aber auch ihre Magie nicht mehr.«
Garth verstand immer noch nicht. »Und?«
»Sie sterben«, sagte Torian leise. »Sie altern, Garth. Alle Magier Caracons altern seit Ch’tuons Verschwinden mit ungeheurer Schnelle.«
»Und was hat das mit Shyleen zu tun?« fragte Garth, nicht mehr ganz so verständnislos wie bisher, aber immer noch nicht wirklich begreifend. Vielleicht wollte er es auch einfach nicht verstehen. Doch Shyleen schwieg.
»Sie ist die Tochter eines Magiers«, antwortete Torian an ihrer Stelle. Torian ritt an diesem Tag nicht mehr nach Pa’an. In seinen Gedanken herrschte Aufruhr, wenn er auch nicht wußte, wieso ihn die Begegnung mit Kelysar so verwirrt hatte. Schließlich war dieser nur ein närrischer Greis, der ein paar Zauberkunststückchen beherrschte.
Trotzdem legte sich Torians Verwirrung nicht, auch nicht, als er zusammen mit Marubur das Gehölz längst wieder verlassen und sich auf den Heimweg nach Conn gemacht hatte. Schweigend ritten sie nebeneinander her, und je weiter sie sich von der Hütte des Alten entfernten, desto unwahrscheinlicher kam Torian das Erlebte vor.
Als sie die Burg erreichten, verschwand er schnell in sein Zimmer und versuchte, Ruhe in seine aufgewühlten Gedanken zu bringen, ohne daß es ihm wirklich gelang. Er ging früh schlafen an diesem Abend, und als er am nächsten Morgen erwachte, erschien ihm alles noch unwahrscheinlicher als tags zuvor. Wäre nicht der Verband an seinem Arm gewesen, hätte er wirklich an einen Traum geglaubt. Doch seine Verwirrung hatte sich gelegt. Er ärgerte sich über sich selbst, daß er sich so hatte zum Narren machen lassen. Heißer Zorn stieg in ihm auf, als er sich an die Beleidigungen des Alten erinnerte. Wenn Kelysar ihn für einen mißratenen Fürstensohn hielt, dann sollte er auch erfahren, wozu ein solcher fähig war. Der Alte hatte ja selbst gesagt, daß sie sich bald wiedersehen würden; nun ja, dann würde dieses Wiedersehen allerdings anders ausfallen, als er es sich gedacht hatte.
Hastig kleidete Torian sich an und eilte in den Speisesaal der Burg hinunter. Sein Vater saß bereits an der langen Tafel und hatte mit dem Frühstück begonnen. Dunkle Ringe lagen unter Limahrt Carr Conns Augen, und sein breitflächiges Gesicht zeigte eine ungesunde, graue Farbe – ein Zeichen, daß er auch in der vergangenen Nacht – wie in so vielen, seit Torians Mutter vor knapp einem Jahr gestorben war – zuwenig geschlafen und zuviel getrunken hatte. Auch die Falten, die sich trotz seiner erst vierzig Jahre in sein Gesicht eingekerbt hatten, schienen wieder eine Spur tiefer geworden zu sein. Er sah aus, als litte er an einer unheilbaren Krankheit, die ihn langsam von innen her aufzehrte, und so war es auch. Er hatte den Verlust seiner Frau nicht verwinden können, und wenn er auch immer noch auf dem Thron von Conn saß, so war diese Bürde doch längst zu schwer für ihn geworden. Er war nur noch ein menschliches Wrack, kaum noch etwas war von seiner früheren Stärke und Lebenslust geblieben.
Noch bevor sich Torian gesetzt hatte, wurde die Tür wieder geöffnet, und Warlon trat ein. Obwohl Torian und er Brüder waren, waren sie doch so unterschiedlich, wie zwei Menschen es nur sein können. Warlon schien das zwanzig Jahre jüngere Ebenbild seines Vaters zu sein. Er besaß die gleiche bullige Statur, das gleiche grobschlächtige Gesicht und die gleichen blonden Haare wie Limahrt, während Torian fast völlig nach seiner Mutter schlug. Sein Haar war dunkel und sein Gesicht weicher geschnitten, außerdem war sein Körper schlank und durchtrainiert. Aber die Unterschiede beschränkten sich nicht nur auf Äußerlichkeiten. Während Warlon rauschende Feste liebte und sich mit der Geschicklichkeit eines Intriganten auf höfischem Parkett zu bewegen vermochte, waren Torian alle Förmlichkeiten zuwider. Zwar war er der Erstgeborene, aber Limahrt ließ keine Gelegenheit aus, ihm zu zeigen, daß ihm Warlon als Thronfolger lieber gewesen wäre.
»Marubur und ich sind gestern in einen Hinterhalt von Nork-Rebellen geraten«, wandte sich Torian ohne Begrüßung an seinen Vater.
Limahrt nickte fahrig und schob sich ein Stück Brot in den Mund. »Ich habe schon davon gehört und einige Reiter ausgeschickt, dieses Gesindel zu vertreiben«, sagte er kauend.
»Wenn du dich beeilst, kannst du sie noch einholen und dich als Feldherr mit Ruhm bekleckern«, mischte sich Warlon grinsend ein.
Torian warf ihm einen bösen Blick zu, ging aber nicht auf die Bemerkung ein und wandte sich wieder an seinen Vater. »Das sind nicht nur ein paar harmlose Rebellen«, widersprach er. »Sie sind gut ausgebildete und bewaffnete Krieger, und sie werden von Tremon unterstützt. Die Tremonen haben den Norks die Freiheit versprochen, und seither lehnen sich immer mehr von ihnen gegen uns auf. Mehr als ein Dutzend unserer eigenen Sklaven sind bereits geflohen, ohne daß wir sie wieder einfangen konnten.«
Limahrt machte eine wegwerfende Handbewegung.
»Du bildest dir etwas ein. Sie sind als Sklaven geboren und werden es immer bleiben, auch wenn sie ihre Ketten abstreifen. Sollen sie fliehen. Auf die paar kommt es nicht an, und keiner wird mehr weglaufen, wenn wir härtere Strafen androhen. Zu einer ernsthaften Gefahr werden die doch nie. Sie sind halbintelligente Tiere und haben weder gelernt zu denken noch mit dem Verstand zu kämpfen, vom Entwerfen taktischer Schlachtpläne ganz zu schweigen.«
Torian schüttelte heftig den Kopf. Er wußte, daß die Norks mehr waren als nur halbintelligente Tiere. Vielleicht waren sie das einmal gewesen, doch sie hatten von den Menschen gelernt, mehr, als sein Vater wahrhaben wollte. Marubur war das beste Beispiel dafür. Er war intelligent und hatte während seiner Ausbildung gelernt, seine Intelligenz zu nutzen. Manchmal, wenn sich Torian mit ihm unterhielt und ihn nicht direkt anschaute, mußte er sich erst in Erinnerung rufen, daß er mit einem Nork und keinem Menschen sprach. Im stillen hegte er von Zeit zu Zeit sogar den Verdacht, daß sich Marubur insgeheim über ihn amüsierte.
»Vielleicht können sie wirklich nicht so selbständig denken wie frei geborene Wesen«, fuhr er nach einer kurzen Pause fort. »Aber sie sind auf dem besten Wege, es zu lernen. Und wenn sie es sich nicht selbst beibringen, dann sind die Tremonen ihre Lehrmeister. Ziemlich gute Lehrmeister zudem. Vielleicht wird es sogar zum Krieg kommen.«
»Vermutlich schon in den nächsten Wochen«, mischte sich Warlon wieder ein. Seine Augen zeigten bei diesen Worten einen triumphierenden Glanz, der Torian überhaupt nicht gefiel. »Ich habe in letzter Zeit mit einigen sehr einflußreichen Leuten gesprochen. Langsam scheint man auch am Königshof aufzuwachen. Wir haben uns von den Tremonen schon viel zuviel gefallen lassen. Nun werden wir den Bastarden endlich alle Demütigungen heimzahlen.«
»Wo hast du denn diese schöne Rede gehört?« fragte Torian spöttisch. »Diesen kindischen Unsinn meinst du doch hoffentlich nicht ernst?«
»Und ob ich das ernst meine!« rief Warlon aufgebracht und sprang auf. »Du warst schon immer ein Schwächling, was die Politik betrifft. Geh ruhig weiter in den Wald, um dich mit den Würmern und Vögeln zu unterhalten, statt dich auf deine zukünftige Rolle als Fürst vorzubereiten. Du hast ja keine Ahnung, wie es im Land wirklich aussieht, und wenn du einmal die Macht übernehmen solltest, wird es ...«
»Genug«, donnerte Limahrt und schlug mit der flachen Hand so fest auf den Tisch, daß das Geschirr zu tanzen begann. Die beiden Brüder zuckten erschrocken zusammen. Es war lange her, daß Torian seinen Vater so energisch erlebt hatte. Ein wenig von seiner alten Tatkraft war wieder in ihm erwacht, erlosch aber ebenso schnell wieder. »Genug«, sagte Limahrt noch einmal, wesentlich leiser und kraftloser als beim erstenmal. »Ich dulde es nicht, daß meine Söhne in meinem Haus darüber streiten, was nach meinem Tode sein wird.«