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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Es ist mir egal, wer du bist«, antwortete Kelysar nach einer kurzen Pause. »Ich habe dich nicht gerufen. Du bist gekommen, weil du Hilfe brauchst, und die werde ich dir geben. Aber deshalb werde ich dich nicht anders behandeln als jeden anderen, der an meine Tür klopft, um Hilfe zu erbitten. Von einem großmäuligen Grünschnabel lasse ich mir nichts vorschreiben, auch wenn er der mißratene Sohn eines Fürsten ist. Wie alt bist du?«

»Achtzehn«, antwortete Torian automatisch. Er war so perplex, daß er für einen Augenblick sogar seinen Zorn vergaß. Abgesehen von seinem Vater hatte noch niemand so mit ihm zu reden gewagt, und zweifellos wäre es niemandem sonst gut bekommen. Aber schon im nächsten Moment schoß die Wut darüber in ihm hoch, wie ein kleines Kind behandelt zu werden. Er riß sein Schwert hervor und drückte die Spitze gegen Kelysars Kehle; so fest, daß die Klinge die Haut ritzte und ein Blutstropfen hervorquoll. »Ich sehe, du hast mich noch nicht ganz verstanden«, sagte er hart. »Ich werde dir wohl erst Manieren beibringen müssen.«

Torian drückte noch fester zu, doch die Klinge traf auf keinen Widerstand mehr. Verblüfft starrte er auf den leeren Platz vor sich, wo der Alte gerade noch gestanden hatte. Ein leises Kichern ertönte hinter ihm und ließ ihn herumfahren. Grinsend stand Kelysar in der anderen Ecke des Raumes und rieb sich seine knochigen Hände. »Dummkopf«, rief er kichernd, »komm nur her.«

Wutentbrannt sprang Torian auf ihn zu und hieb mit dem Schwert nach ihm, doch wieder traf seine Klinge nur Luft. Als er abermals herumfuhr, stand Kelysar wieder an seinem alten Platz.

»Das ... das ist Zauberei!« keuchte Torian.

Wieder kicherte der Greis. »Nicht ganz, aber nenn es meinetwegen so. Und jetzt setz dich endlich hin, damit ich deine Wunde versorgen kann, oder verschwinde von hier. Meine Geduld ist nicht unerschöpflich.«

Am liebsten hätte Torian wirklich auf der Stelle kehrtgemacht und wäre aus der Hütte gestürmt, aber statt dessen steckte er nach einem Moment des Zögerns sein Schwert in die Scheide zurück und setzte sich. Was um alles in der Welt ging hier vor? hämmerte es in seinen Gedanken. Das alles mußte ein schlechter Traum sein. Er würde gleich aufwachen, sich verwirrt in seinem Zimmer umschauen und feststellen, daß alles nur ein verrückter Alptraum gewesen war.

Der Alte schlurfte zu der Truhe, öffnete sie und kramte darin herum. Torian sah eine Vielzahl von vergilbten Papierrollen, Büchern, Gefäßen in allen denkbaren Formen und vieles mehr. Schließlich trat Kelysar mit zwei halbwegs sauberen Tüchern und einem kleinen Tontöpfchen an den Tisch. Wortlos säuberte er mit dem einen Lappen Torians Arm. »Das sieht nicht besonders gut aus«, murmelte er. »Es war gut, daß du gekommen bist, sonst würde sich die Wunde entzünden. Jetzt wird es etwas weh tun.« Er tauchte einen Finger in das Tontöpfchen und strich eine fremdartig riechende Salbe auf die Wundränder. Torian biß die Zähne zusammen. Die Salbe brannte wie Feuer, aber schon nach wenigen Sekunden ließ der Schmerz nach und wich einer angenehm kribbelnden Wärme. Zum Schluß band Kelysar das andere Tuch um den Arm. »Mehr kann ich nicht für dich tun«, sagte er. »Morgen spätestens ist die Wunde verheilt. Und jetzt geh.«

Torian erhob sich und trat auf die Tür zu. Dabei entdeckte er eine Papierrolle, die vor der Kiste auf dem Boden lag. Offenbar war sie Kelysar unbemerkt herausgefallen. Er bückte sich danach, hob sie hoch und rollte sie auseinander. Es handelte sich um eine Landkarte, doch war sie in geheimnisvollen Farben gemalt, und noch während er daraufstarrte, schienen die Linien vor seinen Augen zu verschwimmen.

»Was ist das?« fragte er erstaunt.

Mit einem Schrei sprang Kelysar auf ihn zu und riß ihm das Papier aus der Hand. »Gib das her!« keuchte er. »Der Tempel der verbotenen Träume ist nichts für einen Narren wie dich.« Er verstaute die Karte unter seinem Gewand und gestikulierte wild mit den Händen. »Jetzt geh schon, verschwinde endlich, und ich rate dir, für dich zu behalten, was du gesehen hast. Es könnte sein, daß du meine Hilfe noch einmal brauchst, vielleicht schneller, als du glaubst. Wir werden uns wiederbegegnen, schon sehr bald, und wir werden sehen, ob du dann immer noch so hochmütig bist.«

Achselzuckend verließ Torian die Hütte. Es war das erste Mal, daß er vom Tempel der verbotenen Träume hörte, aber gerade durch das sonderbare Verhalten des Greises prägte sich der Name unauslöschlich tief in seinem Gedächtnis ein. Mit einem unwilligen Kopfschütteln verscheuchte Torian die Erinnerungen an die Vergangenheit. Er wollte sich nicht an seine Jugend erinnern und daran, was für ein kindischer Narr er damals gewesen war; jetzt sowenig wie in den vergangenen vier Jahren. Und doch gelang es ihm niemals, die Erinnerung ganz abzuschütteln. Sie ließ sich für eine Weile verdrängen, doch kehrte sie immer wieder zurück; sie folgte ihm mit der Beharrlichkeit eines Spürhundes und wartete nur auf einen unachtsamen Moment, um wieder über ihn herzufallen und ihn zu quälen.

Fröstelnd zog Torian seinen Umhang fester um die Schultern und starrte in die niedergebrannten Reste des Lagerfeuers, dessen Glut der Wind nur noch gelegentlich zum Aufflackern brachte. Das bißchen Holz, das sie in dieser unwirtlichen Einöde am Westrand der Staubwüste gefunden hatten, war längst aufgebraucht, kaum daß es gereicht hatte, das Feuer einmal richtig zu nähren, und er wußte, daß es sinnlos war, nach weiterem Brennmaterial zu suchen. Sie hatten alles verbrannt, was sie im Umkreis von drei-, vierhundert Metern gefunden hatten: jeden Busch mitsamt den Wurzeln ausgerissen, jede Flechte und sogar jeden Grashalm, und mühsam ein Feuer entfacht. Jetzt gab es hier nur noch Sand. Staubfeinen, scheuernden Sand, der ihnen das Atmen zur Qual machte, und Rauhreif, der sich wie ein Teppich aus unzähligen im Mondlicht funkelnden Silbersplittern über die Wüste ausgebreitet hatte.

Nicht, daß das winzige Feuer viel genutzt hätte, dachte Torian bitter. Aber die Flammen hatten ihnen wenigstens die Illusion von Wärme vermittelt.

Er blinzelte müde. Der eisige Wind erfüllte die Wüste mit einem leisen Rascheln, das wie ein leiser Chor wimmernder Stimmen erklang. Er trug den Geruch von Schnee und Frost mit sich und kroch fast mühelos durch Torians Kleidung; selbst nach seiner mittlerweile vierstündigen Wache trieb er ihm noch Tränen in die Augen und schlug wie mit unzähligen winzigen Krallen nach seinem Gesicht.

Die Staubwüste schien sich keinen Deut darum zu kümmern, daß es dem Kalender nach erst Anfang Herbst war. Bei Tage herrschte immer noch Hochsommer, wenn es auch hier, an den Ausläufern der Wüste, nicht ganz so unerträglich heiß war wie in ihrem Herzen. Dafür herrschte nachts bereits die eisige Kälte des Winters.

Grimmig schüttelte Torian den Kopf. Bei der Erschaffung dieses Teils der Welt mußten wirklich eine Reihe ziemlich gravierender Fehler unterlaufen sein, und er kannte eine ganze Menge Leute, die diese Meinung teilten.

Er schloß die vor Müdigkeit brennenden Augen und wünschte sich nichts sehnlicher, als für ein paar Stunden zu schlafen. Seine Wache war längst vorbei, er hätte Garth wecken und sich selbst hinlegen können, aber er wußte, daß er in dieser Nacht keinen Schlaf finden würde; sowenig wie in der Nacht zuvor. Ein paarmal war er in einen leichten Schlummer gesunken, doch stets nach ein paar Minuten von Alpträumen gequält wieder aufgeschreckt. Etwas von den Schrecken, denen er in der Schattenburg begegnet war, schien sich in seinen Gedanken eingenistet zu haben und ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Er war Ch’tuon begegnet, dem finsteren Dämonengott der Schwarzen Magier. Eine Kreatur aus einer fremden, für Menschen tödlichen Welt, die Verkörperung aller menschlichen Ängste, das gestaltgewordene Grauen. Auch wenn Ch’tuon ihnen nicht feindlich gesonnen gewesen war, so war Torian allein durch die Begegnung mit der Kreatur beinahe geistig zerbrochen, und selbst jetzt wurde er in seinen Träumen noch von namenlosem Schrecken heimgesucht.

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