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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Ich kenne einen Heiler, hier ganz in der Nähe«, fuhr Marubur fort. »Er kann sich um Eure Verletzung kümmern.«

Torian runzelte die Stirn. »Ein Heiler? Hier in der Gegend?« Er blickte sich demonstrativ um. Alles, was er hier sah, waren die Wiesen des Talkessels und die sanften Ausläufer der Berge. Abgesehen von Burg Conn am einen und Burg Pa’an am anderen Ende des Tales gab es im Umkreis von mehr als einem Tagesritt keine menschliche Siedlung.

»Zumindest war Kelysar einmal Heiler«, verbesserte Marubur. »Er hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen und ist etwas ...«, er stockte kurz, »etwas sonderbar geworden.«

»Was heißt sonderbar?« fragte Torian, bewußt den Tonfall des Norks nachahmend.

Marubur zuckte in einer fast menschlichen Geste mit den Schultern. »Das kann man schlecht beschreiben. Soll ich Euch zu ihm bringen? Es dauert wirklich nur wenige Minuten.«

Torian überlegte kurz. Eigentlich wollte er Pa’an so schnell wie möglich erreichen. Schon jetzt konnte er es kaum erwarten, Lyn endlich wiederzusehen. Andererseits würde er mit seinen schmutzigen Kleidern sicherlich nicht den besten Eindruck machen. Bei diesem sonderbaren Einsiedler würde er sich nicht nur verbinden lassen, sondern auch säubern können. Dazu kam, daß er ganz einfach neugierig auf diesen Kelysar geworden war.

»Also gut«, stimmte er zu.

Marubur nickte zufrieden und stieg ebenfalls auf sein Pferd. Sie ritten ein kurzes Stück den Weg entlang, dann deutete der Nork auf einen fast unsichtbaren Trampelpfad, der Torian noch nie zuvor aufgefallen war und den er ohne Marubur gewiß auch dieses Mal wieder übersehen hätte. Sie drangen in das Gebüsch ein, bis das Unterholz so dicht geworden war, daß sie die Pferde zurücklassen und zu Fuß weitergehen mußten. Der Pfad schlängelte sich in sanften Windungen durch das Gehölz, kreuzte Tierwechsel und wurde manchmal so schmal, daß Torian ihn allein sicherlich schon mehrmals aus den Augen verloren und sich verlaufen hätte. Der Boden war hart und uneben; immer wieder griffen knotige Wurzelfinger nach seinen Füßen und ließen ihn straucheln. Mehrmals wäre er fast gestürzt, wenn Marubur nicht rechtzeitig zugegriffen und ihn aufgefangen hätte. Dennoch steigerte dies seinen Zorn auf den Nork eher noch. Marubur war ihm in diesem Gelände deutlich überlegen, und Torian haßte es, ausgerechnet vor einem Sklaven seine Schwäche zeigen zu müssen. Da half es auch nichts, wenn er sich sagte, daß der Kampf ihn geschwächt hatte. Allmählich fragte er sich, ob dieser Abstecher wirklich eine gute Idee gewesen war.

Etwas stimmte mit diesem Gehölz nicht, wenn er auch nicht wußte, was ihn beunruhigte. Dies schien eine fremde Welt zu sein, ganz anders als die, aus der er stammte. Es fiel ihm schwer, sich vorzustellen, daß sie nur wenige Meilen von Burg Conn und nur ein paar Dutzend Schritte von dem Weg entfernt waren, den er schon Hunderte von Malen entlanggeritten war. Hier waren sie Eindringlinge, die nicht hierher gehörten; er noch stärker als sein Begleiter. Die Umgebung schien ihnen ihre Ablehnung und Feindschaft geradezu entgegenzuschreien. Der Wind säuselte wie eine leise, warnende Stimme in den Blättern. Das Unterholz wurde immer dichter und ragte wie eine düstere Wand aus ineinander verwobenen Schatten ringsum auf. Torian hatte jetzt fast das Gefühl, als würden die Zweige wie böse, von Intelligenz beherrschte Wesen nach ihm schlagen, um ihn zu vertreiben.

Unsinn, schalt er sich ärgerlich. Seit wann hatte er Angst vor ein paar Büschen?

Als wäre dieser Gedanke ein Stichwort, endete in diesem Moment das Gestrüpp, und sie erreichten eine kleine Lichtung, mit einem Haus in der Mitte.

Torian schluckte. Was er vor sich sah, konnte man kaum als Hütte bezeichnen, geschweige denn als Haus, in dem ein Mensch leben konnte. Es war ein grober Verschlag, aus morschen Brettern und Latten notdürftig zusammengefügt, die Ritzen mit Moos und Grasbüscheln verstopft. Eine Tür – konnte man dieses halbverfaulte Brett wirklich Tür nennen? – wurde geöffnet, und ein weißhaariger Greis trat heraus. Sein Gesicht war von tiefen Falten gezeichnet, und sein Blick flackerte irr. Er reichte Torian kaum bis zur Brust und trug nur ein schmutziges, zerrissenes Leinengewand, aber trotzdem hatte der Mann etwas an sich, das Torian schaudern ließ. Einen Moment musterte er sie, dann fragte er mit einer unangenehm schrillen Stimme: »Was wollt ihr hier, dummes Gesindel?«

Torian wollte schon aufbrausen, doch Marubur legte ihm in einer vertraulichen Geste, die unter anderen Umständen Torians Zorn erweckt hätte, die Hand auf den Arm und bedeutete ihm auf diese Art zu schweigen. Dann trat er auf den Greis zu und breitete die Arme aus. »Erkennst du mich nicht, Kelysar? Ich bin es, Marubur.«

»Einer von euch Norks sieht für mich wie der andere aus«, murmelte der Greis, doch etwas in seinem Blick änderte sich und zeigte, daß er den Nork sehr wohl erkannte. »Also sagt schon, was ihr wollt, oder verschwindet wieder und laßt mich in Ruhe. Ich bin damit beschäftigt, die Sterne zu zählen, also haltet mich nicht unnötig auf.«

Unwillkürlich richtete Torian den Blick zum wolkenfreien, blauen Himmel auf und begann zu begreifen, was Marubur mit sonderbar gemeint hatte.

»Dieser Mann ist Torian Carr Conn, der Sohn Fürst Limahrts«, erklärte der Nork. »Er ist verletzt und braucht deine Hilfe.«

Einige Sekunden lang herrschte Schweigen, dann drehte sich der Alte um und schlurfte in die Hütte zurück. »Also gut, kommt rein«, brummte er.

Marubur wollte ihm folgen, doch diesmal hielt Torian ihn zurück. »Das gefällt mir nicht«, sagte er. »Dieser Ort gefällt mir nicht, die Hütte gefällt mir nicht, und dieser Kerl gefällt mir schon gar nicht. Wer ist dieser Narr, daß er nicht einmal weiß, wie er den Sohn seines Fürsten zu grüßen und zu behandeln hat?«

»Ihr dürft nicht zu streng über ihn urteilen, Herr. Sein Geist ist verwirrt. Deshalb habe ich niemals von ihm erzählt, und ich hätte Euch auch jetzt nicht hergeführt, wenn Ihr nicht verletzt wärt. Aber ich versichere Euch, daß er viel von der Heilkunst versteht.«

»Das hoffe ich für dich«, stieß Torian hervor. Einen Moment starrte er den Nork noch zornig an, dann ließ er ihn los und trat auf den Verschlag zu. Marubur folgte ihm nicht, sondern blieb auf der Lichtung stehen.

Der Türsturz war so niedrig, daß sich Torian bücken mußte, um nicht mit dem Kopf anzustoßen. Im Inneren der Hütte herrschte schattiges Halbdunkel. Es gab nur ein winziges Fenster, durch das kaum genug Licht dafür hereinfiel, die spartanische Einrichtung zu erkennen. Erst als sich Torians Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah er ein einfaches Strohlager, eine Feuerstelle, eine klobige Kiste und einen wackeligen, mit mehr gutem Willen als handwerklichem Können gezimmerten Tisch mit einem ebenso wackeligen Stuhl.

Der Heiler schaute Torian an und deutete mit einer knappen Handbewegung auf den Stuhclass="underline" »Setz dich.«

Torian trat auf ihn zu und legte in einer drohenden Geste, bei der er sich dem alten Mann gegenüber gleichzeitig merkwürdig lächerlich vorkam, die Hand auf den Knauf des Schwertes. »Merk dir eines, Kerl«, sagte er eisig. »Du solltest deine Zunge besser hüten, sonst wirst du sie bald verlieren. Ich bin nicht irgendein dahergelaufener Bursche, mit dem du umspringen kannst, wie es dir beliebt, sondern der Sohn Fürst Limahrts, und als solcher verlange ich auch behandelt zu werden. Du hast mich mit Herr anzureden, hast du das verstanden?«

Der Greis schaute ihn ungerührt an, und wie schon zuvor lag etwas in seinem Blick, das Torian mit Unbehagen erfüllte. Er fühlte sogar ein sonderbares Gefühl der Demut und Achtung vor dem Heiler, das ihm bislang völlig unbekannt gewesen war.

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