Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Auch in unserem Familiengrüppchen ging es warm, wenn auch ein bisschen lebhaft zu. Ian war unterwegs, um neues Holz zu holen, und die kleine Maggie klammerte sich an ihre Mutter, so dass ihr älterer Bruder gezwungen war, anderswo Zuflucht und Körperwärme zu suchen.
»Ich stecke dich gleich kopfüber in den Kessel, wenn du nicht aufhörst, mir gegen die Eier zu stoßen«, teilte Jamie seinem Neffen mit, der sich heftig auf dem Schoß seines Onkels wand. »Was ist denn los – hast du Ameisen in der Unterhose?«
Diese Frage wurde mit einer Kichersalve aufgenommen, gefolgt von dem Versuch, sich am Bauch seines Aufpassers zu vergraben. Jamie tastete im Dunklen um sich und grabschte absichtlich ungeschickt nach den Armen und Beinen seines Namensvetters, dann schlang er die Arme um den Jungen und wälzte sich plötzlich auf ihn, was dem kleinen Jamie einen verblüfften Aufschrei des Entzückens entlockte.
Jamie hielt seinen Neffen mit einer Hand am Boden fest, während er blind am Boden umhertastete. Mit einem zufriedenen Laut packte er eine Handvoll nasses Gras, stützte sich auf, um es dem kleinen Jamie in den Halsausschnitt zu stopfen, und aus dem Kichern wurde schrilles Quieken, das jedoch nicht minder entzückt war.
»Das reicht«, sagte Jamie und wälzte sich von der kleinen Gestalt hinunter. »Jetzt kannst du deine Tante ein bisschen ärgern.«
Gehorsam krabbelte der kleine Jamie, immer noch kichernd, auf Händen und Knien zu mir herüber und kuschelte sich auf meinem Schoß in die Falten meines Umhangs. Er saß so still, wie es einem knapp Vierjährigen möglich ist – alles in allem also nicht besonders still –, und ließ sich von mir das Grasknäuel aus dem Hemd ziehen.
»Du riechst gut, Tante Claire«, sagte er und stieß mir freundlich den schwarzen Lockenschopf gegen das Kinn. »Wie etwas zu essen.«
»Oh, danke«, sagte ich. »Heißt das, du hast schon wieder Hunger?«
»Aye. Gibt es Milch?«
»Ja.« Ich kam gerade eben mit ausgestreckten Fingern an den Tonkrug. Ich schüttelte ihn, beschloss, dass so wenig darin war, dass es sich nicht lohnte, einen Becher zu holen, und hielt dem kleinen Jungen den Krug so an den Mund, dass er trinken konnte.
Vorübergehend ganz auf die Nahrungsaufnahme konzentriert, hielt er still, und sein kleiner, kräftiger Körper ruhte schwer auf meinem Oberschenkel, während er mit dem Rücken an meinem Arm lehnte und die Pummelhändchen fest um den Krug legte.
Die letzten Milchtropfen gluckerten aus dem Krug. Der kleine Jamie entspannte sich unvermittelt und stieß einen kleinen Rülpser der Sättigung aus. Ich konnte die Hitze spüren, die er ausstrahlte, diesen plötzlichen Temperaturanstieg, der bei kleinen Kindern verrät, dass sie gleich einschlafen werden. Ich schlang ihn in ein Stück meines Umhangs und wiegte ihn langsam, vor und zurück, während ich leise die Melodie des Liedes auf der anderen Seite des Feuers mitsummte. Die kleinen Verdickungen seiner Rückenwirbel zeichneten sich rund und hart wie Murmeln unter meinen Fingern ab.
»Ist er eingeschlafen?« Der größere Jamie ragte neben meiner Schulter auf, und der Feuerschein fing sich im Griff seines Dolches und im Kupferglanz seines Haars.
»Ja«, sagte ich. »Zumindest zappelt er nicht mehr, also muss er schlafen. Es ist so, als hätte ich einen großen Schinken auf dem Schoß.«
Jamie lachte, dann verstummte er ebenfalls. Ich konnte seinen festen Arm spüren, der den meinen streifte, und die Wärme seines Körpers drang mir durch Plaid und Schultertuch.
Ein Lufthauch wehte mir eine Haarsträhne ins Gesicht. Ich strich sie zurück und stellte fest, dass der kleine Jamie recht hatte; meine Hände rochen nach Lauch und Butter und dem Stärkegeruch geschnittener Kartoffeln. Im Schlaf war er erstaunlich schwer, und es war zwar schön, ihn zu halten, doch er schnitt mir die Blutzufuhr im linken Bein ab. Ich wand mich ein wenig, um ihn mir auf den Schoß zu legen.
»Nicht bewegen, Sassenach«, erklang Jamies Stimme leise neben mir. »Nur einen Moment, a nighean donn – halt still.«
Ich erstarrte gehorsam, bis er mich an der Schulter berührte.
»Danke, Sassenach«, sagte er mit einem Lächeln in der Stimme. »Du hast so schön ausgesehen mit dem Feuer im Gesicht und dem Haar im Wind. Ich wollte es mir einprägen.«
Da wandte ich mich ihm zu und lächelte ihn über den Körper des Kindes hinweg an. Die Nacht war dunkel und kalt und voller Menschen, doch hier, wo wir saßen, war nichts als Licht und Wärme – und wir beide.
Kapitel 33
Hüter deines Bruders
Nachdem Fergus die Dinge eine Weile schweigend beobachtet hatte, war auch er zu einem Teil des Haushalts geworden und bekleidete nun gemeinsam mit Rabbie MacNab die Position eines Stalljungen.
Rabbie war zwar ein oder zwei Jahre jünger als Fergus, aber er war genauso groß wie der schmale Franzosenjunge, und sie wurden schnell unzertrennliche Freunde, außer wenn sie sich stritten – was zwei- bis dreimal täglich vorkam – und dann versuchten, sich gegenseitig umzubringen. Nachdem eine dieser Auseinandersetzungen eines Morgens in eine regelrechte Prügelei ausgeartet war, die wie eine Walze durch die Molkerei tobte und der zwei Töpfe Sahne zum Opfer fielen, legte Jamie Hand an.
Mit einer Miene geduldigen Ingrimms hatte er die beiden Missetäter am Kragen ihrer dünnen Hälschen gepackt und sie in die Zurückgezogenheit der Scheune mitgenommen, wo er, wie ich vermutete, seine letzten eventuellen Skrupel in Bezug auf körperliche Bestrafung überwand. Als er aus der Scheune kam, schüttelte er den Kopf und schnallte sich den Gürtel wieder um, ehe er mit Ian aufbrach, um durch das Tal nach Broch Mordha zu reiten. Die Jungen waren einige Zeit später zum Vorschein gekommen, sichtlich kleinlaut und – im Leid vereint – einmal mehr die besten Freunde.
Sie waren sogar so kleinlaut, dass sie dem kleinen Jamie erlaubten, sie zu begleiten, während sie ihre Arbeit erledigten. Als ich später am Morgen aus dem Fenster schaute, sah ich sie zu dritt auf dem Hof mit einem Ball aus Stoffresten spielen. Es war ein kalter, nebeliger Tag, und der Atem der Jungen stieg in sanften Wölkchen auf, während sie unter lauten Rufen umhergaloppierten.
»Einen schönen kräftigen Jungen hast du da«, sagte ich zu Jenny, die ihren Nähkorb nach einem Knopf durchsuchte. Sie hob den Kopf, sah, wohin mein Blick gerichtet war, und lächelte.
»Oh, aye, Jamie ist ein guter Junge.« Sie trat zu mir ans Fenster und blickte auf das Spiel hinaus.
»Er ist das Spiegelbild seines Vaters«, stellte sie liebevoll fest, »aber ich glaube, er wird um einiges breitschultriger werden. Ich schätze, er wird so kräftig wie sein Onkel; siehst du seine Beine?« Wahrscheinlich hatte sie recht; mit fast vier war er noch rundlich und kompakt wie ein Kleinkind, doch seine Beine waren lang und sein kleiner Rücken breit und gut bemuskelt. Er hatte die langen, eleganten Knochen seines Onkels und diese Ausstrahlung seines größeren Namensvetters, als sei er aus zäherem und elastischerem Stoff als bloßem Fleisch und Blut gemacht.
Ich sah, wie sich der kleine Junge auf den Ball stürzte, ihn zielsicher auffing und ihn so fest warf, dass er an Rabbie MacNabs Kopf vorbeiflog. Mit Gebrüll rannte Rabbie los, um ihn zurückzuholen.
»Er hat noch etwas anderes mit seinem Onkel gemeinsam«, sagte ich. »Ich glaube, er wird vielleicht auch Linkshänder.«
»O Gott!«, sagte Jenny und betrachtete ihren Sprössling mit gerunzelter Stirn. »Ich hoffe es nicht, aber du könntest recht haben.« Sie schüttelte den Kopf und seufzte.
»Himmel, wenn ich daran denke, was für Schwierigkeiten Jamie dadurch hatte! Alle haben mit Gewalt versucht, es ihm abzugewöhnen, von meinen Eltern bis zum Schulmeister, aber er war immer schon stur wie ein Esel und ließ sich nicht davon abbringen. Zumindest alle außer Ians Vater«, fügte sie nachträglich hinzu.
»Er fand es nicht falsch, Linkshänder zu sein?«, fragte ich neugierig, denn ich wusste ja, dass Linkshändigkeit nach der vorherrschenden Meinung dieser Zeit bestenfalls Pech und schlimmstenfalls ein Symptom dämonischer Besessenheit war. Jamie schrieb – unter Schwierigkeiten – mit rechts, weil er in der Schule regelmäßig geschlagen worden war, wenn er mit der Linken nach dem Stift gegriffen hatte.