Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie wählte eine große, prächtige Pflanze am Rand des Feldes aus und zielte sorgfältig mit der Gabel auf ihre Wurzeln. Er hielt den Atem an, stellte den Fuß auf die Kante der Gabel und stieß zu. Die Zinken glitten langsam in die feuchte braune Erde.
Auch ich hielt den Atem an. An diesem Experiment hing einiges mehr als Sir Walter O’Bannion Reillys Ruf. Oder auch der meine.
Jamie und Ian hatten bekräftigt, dass die Gerstenernte in diesem Jahr zwar geringer ausfiel als normal, dass sie aber für die Bedürfnisse der Bewohner von Lallybroch ausreichte. Ein weiteres schlechtes Jahr würde die mageren Getreidereserven allerdings erschöpfen. Für ein Gut in den Highlands war Lallybroch wohlhabend, doch das bedeutete nur im Vergleich mit anderen Höfen in der Gegend etwas. Es war gut möglich, dass der erfolgreiche Kartoffelanbau im Lauf der nächsten beiden Jahre den Ausschlag dafür geben würde, ob die Menschen in Lallybroch hungerten oder reichlich hatten.
Jamie drückte mit der Ferse zu, dann stützte er sich auf den Stiel der Forke. Rings um die Pflanze bröckelte die Erde, und mit einem plötzlichen, heftigen Pop hob sich die Kartoffelpflanze, und die Erde gab ihre Schätze preis.
Unter den Zuschauern erhob sich ein allgemeines »Ah!« beim Anblick der Vielzahl brauner Kugeln, die an der entwurzelten Pflanze hingen. Ian und ich sanken auf die Knie und buddelten im losen Erdreich nach Kartoffeln, die von der Mutterpflanze abgetrennt worden waren.
»Es hat funktioniert!«, sagte Ian immer wieder, während er eine Kartoffel nach der anderen aus dem Boden zog. »Sieh dir das an! Siehst du, wie groß sie ist?«
»Ja, und schau dir die hier an!«, rief ich begeistert aus und schwang eine Kartoffel, die doppelt so groß war wie meine Faust.
Schließlich hatten wir die Früchte unserer Musterpflanze in einem Korb liegen; gut zehn anständige Kartoffeln, etwa fünfundzwanzig faustgroße Exemplare und eine Reihe kleinerer Knollen, die etwa so groß wie Golfbälle waren.
»Was meinst du?« Jamie betrachtete unsere Sammlung fragend. »Sollten wir den Rest im Boden lassen, damit die kleinen noch mehr wachsen? Oder jetzt ernten, ehe die Kälte kommt?«
Ian tastete zerstreut nach seiner Brille, dann fiel ihm ein, dass Sir Walter drüben am Zaun lag, und er gab den Versuch auf. Er schüttelte den Kopf.
»Nein, ich glaube, so ist es richtig«, sagte er. »Im Buch steht, die kleinen hebt man auf und nimmt sie im nächsten Jahr als Saatkartoffeln. Davon werden wir eine Menge brauchen.« Er grinste mich ebenso glücklich wie erleichtert an. Das dichte, strähnige braune Haar fiel ihm in die Stirn, und er hatte einen Schmutzstreifen auf der Wange.
Eine der Bauernfrauen bückte sich über den Korb und betrachtete den Inhalt. Zögernd streckte sie den Finger aus und stupste eine der Kartoffeln an.
»Ihr sagt, das isst man?« Sie runzelte skeptisch die Stirn. »Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sie in der Mühle zerkleinern soll, um Brot oder Porridge daraus zu machen.«
»Nun, ich glaube, man soll sie auch gar nicht mahlen, Mistress Murray«, erklärte Jamie höflich.
»Och, aye?« Die Frau warf einen tadelnden Blick auf den Korb. »Was macht man denn sonst damit?«
»Nun, man …«, begann Jamie, dann hielt er inne. Mir kam – genau wie zweifellos auch ihm – der Gedanke, dass er zwar in Frankreich Kartoffeln gegessen hatte, dass er jedoch noch nie bei der Zubereitung dabei gewesen war. Ich lächelte verstohlen, während er die schmutzverkrustete Kartoffel in seiner Hand hilflos betrachtete. Ian starrte sie genauso an; anscheinend äußerte sich Sir Walter nicht dazu, wie man Kartoffeln in der Küche verarbeitete.
»Man röstet sie.« Wieder war Fergus rettend zur Stelle. Er tauchte unter Jamies Arm auf und schmatzte beim Anblick der Kartoffeln mit den Lippen. »Man legt sie in die Glut des Feuers und isst sie mit Salz. Butter ist auch gut, wenn Ihr sie habt.«
»Die haben wir«, sagte Jamie sichtlich erleichtert. Er drückte Mrs. Murray die Kartoffel in die Hand, als hätte er es eilig, sie loszuwerden. »Man röstet sie«, teilte er ihr entschlossen mit.
»Man kann sie auch kochen«, meldete ich mich zu Wort. »Oder sie mit Milch zu Brei stampfen. Oder sie braten. Oder zerkleinern und in die Suppe geben. Eine sehr vielseitige Knolle, die Kartoffel.«
»Das meint das Buch auch«, murmelte Ian voller Genugtuung.
Jamie sah mich an, und sein Mundwinkel verzog sich zu einem Lächeln.
»Du hast mir gar nicht erzählt, dass du kochen kannst, Sassenach.«
»Ich würde es ja auch nicht unbedingt als Kochen bezeichnen«, sagte ich, »aber eine Kartoffel bekomme ich vermutlich hin.«
»Gut.« Jamie warf einen Blick auf die Gruppe der Pächter und ihrer Frauen, die die Kartoffeln mit skeptischen Mienen von Hand zu Hand gehen ließen. Er klatschte laut in die Hände, um sie auf sich aufmerksam zu machen.
»Wir essen hier am Feld«, sagte er zu ihnen. »Tom und Willie, holt uns Brennholz für ein Feuer, und Mrs. Willie, wenn Ihr so freundlich wärt, Euren großen Kessel zu holen? Aye, danke, einer der Männer wird Euch tragen helfen. Du, Kincaid …« Er wandte sich einem der jüngeren Männer zu und wies mit der Hand auf die kleine Gruppe von Katen unter den Bäumen. »Sag allen Bescheid – es gibt Kartoffeln zum Abendessen!«
Und so überwachte ich mit Jennys Hilfe die Zubereitung einer Cock-a-leekie-Suppe aus zehn Krügen Milch aus der Molkerei, drei Hühnern aus dem Stall und vier Dutzend großen Lauchstangen aus dem Gemüsegarten, dazu Bratkartoffeln für den Herrn und die Bauern von Lallybroch.
Die Sonne war hinter den Horizont gesunken, als das Essen fertig war, doch der Himmel leuchtete noch und war mit Streifen aus Rot und Gold überzogen, die aus dem dunklen Geäst des Kiefernhains auf dem Hügel emporstießen. Zwar begegneten die Bauern dem neuen Lebensmittel mit leisem Zögern, doch die Feierstimmung – unterstützt von einem in weiser Voraussicht gestifteten Fässchen Whisky – besiegte die Skepsis, und bald war der Boden am Rand des Kartoffelfeldes mit Speisenden übersät, die sich spontan dort eingefunden hatten und über die Schälchen auf ihren Knien gebeugt dasaßen.
»Was meinst du, Dorcas?«, hörte ich eine der Frauen zu ihrer Nachbarin sagen. »Schmeckt ein bisschen komisch, oder?«
Die Angesprochene nickte und schluckte, ehe sie antwortete.
»Aye, das stimmt. Aber der Herr hat schon sechs Stück gegessen, und noch haben sie ihn nicht umgebracht.«
Die Reaktion der Männer und Kinder war um einiges begeisterter, vermutlich aufgrund der großen Mengen Butter, die es zu den Kartoffeln gab.
»Männer würden auch Pferdeäpfel essen, wenn man sie mit Butter auftischen würde«, antwortete Jenny auf einen Kommentar in dieser Richtung. »Männer! Ein voller Magen und ein Fleckchen zum Hinlegen, wenn sie betrunken sind, das ist alles, was sie vom Leben wollen.«
»Ein Wunder, dass du es mit Jamie und mir aushältst«, spottete Ian, der sie hörte, »wenn du eine derart schlechte Meinung von Männern hast.«
Jenny zeigte abwinkend mit der Suppenkelle auf ihren Mann und ihren Bruder, die Seite an Seite neben dem Kessel auf dem Boden saßen.
»Och, ihr zwei seid ja keine Männer.«
Ians feine Augenbrauen fuhren hoch, und Jamies buschigere rote Exemplare folgten ihrem Beispiel.
»Ach nein? Was sind wir denn dann?«, wollte Ian wissen.
Jenny wandte sich ihm lächelnd zu, und ihre weißen Zähne blitzten im Feuerschein auf. Sie tätschelte Jamie am Kopf und drückte Ian einen Kuss auf die Stirn.
»Ihr seid meine«, sagte sie.
Nach dem Abendessen fing einer der Männer an zu singen. Ein anderer holte eine Holzflöte hervor und begleitete ihn mit leisen, aber durchdringenden Tönen in der kalten Herbstnacht.
Es war zwar kühl, aber nicht windig, und es war gemütlich, in Schultertücher oder Decken gehüllt in kleinen Familiengrüppchen um das Feuer zu sitzen. Nach dem Kochen war es noch einmal angefacht worden, und die Flammen schlugen jetzt eine deutliche Schneise in die Dunkelheit.