Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Nachdem dieser zehn Minuten gewartet hatte, schlug es zehn Uhr; beim fünften Schlage öffneten sich die Türen, und Lord Wilmore erschien.
Lord Wilmore war ein Mann, mehr groß als klein, mit dünnem, rotemBackenbarte, weißer Gesichtsfarbe undblonden, gräulich werdenden Haaren. Er war auf echt englisch‑bizarre Weise gekleidet, das heißt, er trug einenblauen Frack mit goldenen Knöpfen und einem hohen, gesteppten Kragen, wie sie 1811 Mode waren, eine weiße Weste und Hosen von Nankin, die drei Zoll zu kurz waren, aber durch Stege von demselben Stoffe verhindert wurden, bis an die Knie zurückzuweichen. Sein erstes Wortbeim Eintritt war: Sie wissen mein Herr, daß ich nicht Französisch spreche?
Ich weiß wenigstens, daß Sie es nicht gern sprechen, antwortete derBote des Herrn Polizeipräfekten.
Doch Sie können es sprechen, versetzte Lord Wilmore, denn wenn ich es auch nicht spreche, so verstehe ich es doch.
Und ich, sagte derBesuch, das Idiom wechselnd, spreche leicht genug Englisch, um eine Unterredung in dieser Sprache führen zu können. Tun Sie sich also keinen Zwang an, mein Herr.
Oh! rief Lord Wilmore mit jenem Tone, der nur den reinsten Eingeborenen Großbritanniens angehört.
Der Abgeordnete des Polizeipräfekten übergabLord Wilmore seinBeglaubigungsschreiben. Dieser las es mit englischem Phlegma… Als er damit zu Ende war, sagte er englisch: Ichbegreife, ichbegreife sehr gut.
Nunbegannen die Fragen.
Es waren ungefähr dieselben, die man dem AbbéBusoni vorgelegt hatte. Da jedoch Lord Wilmore als Feind des Grafen von Monte Christo nicht mit derselben Zurückhaltung antwortete, wie der AbbéBusoni, so wurden sie vervielfacht. Er erzählte von der Jugend Monte Christos, der, seinerBehauptung nach, in einem Alter von zehn Jahren in den Dienst eines der kleinen indischen Fürsten getreten war, die mit Englandbeständig im Streite liegen; hier traf ihn Wilmore seiner Aussage nach zum ersten Male, und sie kämpften gegeneinander. Und in eben diesem Kriege wurde Zaccone zum Gefangenen gemacht, nach England geschickt und auf die Pontons gebracht, von wo er schwimmend entfloh. Hierauf folgten seine Reisen, seine Zweikämpfe, seine Leidenschaften; es kam der Aufstand in Griechenland, und er diente in den Reihen der Hellenen. Während er in ihren Diensten war, entdeckte er eine Silbermine in den Gebirgen Thessaliens; doch er hütete sich, mit irgend jemand davon zu sprechen. Nach der Schlachtbei Navarin, und nachdem sich die griechische Regierungbefestigt hatte, verlangte er von König Otto ein Privilegium zur Ausbeutung dieser Miene, das ihmbewilligt wurde. Daher rührte sein Vermögen, das sich nach der Ansicht Lord Wilmores auf einebis zwei Millionen Einkünftebelaufen mochte, ein Vermögen, das nichtsdestoweniger versiegen konnte, wenn seinBergwerk versiegte.
Doch wissen Sie, warum er nach Frankreich gekommen ist?
Er will in Eisenbahnen spekulieren, sagte Lord Wilmore; und als geschickter Chemiker und nicht minder ausgezeichneter Physiker hat er einen Telegraphen erfunden, dessen praktische Ausbeutung er im Auge hat.
Wieviel gibt er ungefähr jährlich aus? fragte der Abgeordnete des Polizeipräfekten.
Oh! höchstens 5bis 600 000 Franken, er ist geizig. Offenbar ließ der Haß den Engländer so sprechen; er wußte nicht, was er dem Grafen zum Vorwurf machen sollte, und warf ihm Geiz vor.
Wissen Sie etwas von seinem Hause in Auteuil?
Sie fragen, warum er es gekauft hat? — Ja.
Der Graf ist ein Spekulant, der sich in Versuchen und Utopien zu Grunde richten wird. Erbehauptet, es gebe in Auteuil, in der Gegend des von ihm erkauften Hauses, eine Mineralquelle, die den ersten französischen Wassern gleich komme. Er will aus seiner Erwerbung einBadehaus machen. Bereits hat er zweibis dreimal seinen ganzen Garten umgewühlt, und weil er dieberühmte Quelle nicht finden konnte, so werden Sie sehen, daß erbinnen kurzem alle Häuser kauft, die an das seinige grenzen. Da ich ihm grolle und hoffe, daß er sich mit seiner Eisenbahn, mit seinem elektrischen Telegraphen oder seinerBäderspekulation zu Grunde richten wird, so folge ich ihm, um mich an seiner Niederlage zu weiden, die früher oder später eintreten muß.
Und warum grollen Sie ihm? fragte derBesuch.
Ich grolle ihm, antwortete Lord Wilmore, weil erbei einem Aufenthalte in England die Frau eines meiner Freunde verführt hat.
Doch wenn Sie feindselig gegen ihn gesinnt sind, warum suchen Sie sich nicht an ihm zu rächen?
Ich habe michbereits dreimal mit ihm geschlagen, das erste Mal auf Pistolen, das zweite Mal mit dem Degen, das dritte Mal auf Säbel.
Und was war der Erfolg dieser Duelle?
Das erste Mal zerschmetterte er mir den Arm, das zweite Mal durchstieß er mir die Lunge, und das dritte Malbrachte er mir diese Wundebei. Der Engländer schlug einen Hemdkragen zurück, der ihmbis an die Ohren ging, und zeigte eine anscheinend ziemlich frische Narbe.
Deshalbbin ich sein Feind, wiederholte der Engländer, und er wird sicherlich nur von meiner Hand sterben.
Doch es scheint mir, Sie schlagen nicht den rechten Weg ein, um ihn zu töten, bemerkte der Fremde.
Ao! rief der Engländer, ich gehe jeden Tag zum Schießen, und Grisier kommt alle zwei Tage zu mir.
Das war alles, was der Fremde wissen wollte, oder es war vielmehr alles, was der Engländer zu wissen schien. Der Agent stand auf und entfernte sich, nachdem er Lord Wilmore gegrüßt hatte, der ihm mit englischer Steifheit und Höflichkeit vergalt.
Als Lord Wilmore hörte, daß sich die Tür nach der Straße wieder hinter dem Fremden schloß, kehrte er in sein Schlafzimmer zurück, wo er in einer Sekunde seineblonden Haare, seinen rotenBackenbart, seine falsche Kinnlade und seine Narbe verlor, um die schwarzen Haare und die matte Gesichtsfarbe des Grafen von Monte Christo wieder anzunehmen.
Allerdings war es Herr von Villefort und keinBote des Polizeipräfekten, der in die Wohnung des Staatsanwaltes zurückkehrte. Dieser fühlte sich durch diesen doppeltenBesuch, der ihm wenigstens nichtsBeunruhigendes eröffnet hatte, ein wenigbeschwichtigt. Die Folge davon war, daß er zum erstenmal seit dem Fest in Auteuil in der nächsten Nacht sich eines friedlichen Schlafes erfreute.
Der Ball
Es waren die heißesten Julitage angebrochen, als der Sonnabend erschien, an dem derBall des Herrn von Morcerf stattfinden sollte. Es schlug zehn Uhr abends. In den unteren Sälen des Hotels hörte man die Musik rauschen, währendblendende, scharfe Lichtstreifen durch die Öffnungen der Läden drangen.
Der Garten war in diesem Augenblick einem DutzendBedienten überlassen, denen die Gebieterin des Hauses denBefehl gegeben hatte, hier das Abendessen herzurichten. Manbeleuchtete die Alleen des Gartens mit farbigen Lampen und stellte mit feinem Verständnis Kerzen undBlumen in großer Zahl auf die Tafel.
In dem Augenblick, als die Gräfin von Morcerf, nachdem sie ihre letztenBefehle gegeben hatte, zurückkehrte, begannen sich ihre Salons, mit Gästen zu füllen, die sowohl diebezaubernde Gastfreundschaft der Gräfin, als die ausgezeichnete Stellung des Grafen anlockte; denn man war zum voraus gewiß, dieses Fest würdebei Mercedes' gutem Geschmacke manches Neue und Schönebringen.
Frau Danglars, die infolge derbekannten Ereignisse eine tiefe Unruhe empfand, wollte nicht zu Frau von Morcerf gehen, doch am Morgenbegegnete siebei ihrer Ausfahrt Herrn von Villefort, der ihr zurief: Nicht wahr, Sie gehen zu Frau von Morcerf?
Nein, antwortete Frau Danglars, ichbin zu leidend.
Sie haben unrecht, entgegnete Villefort mit einembezeichnendenBlicke. Es wäre gut, man sähe sie dort.
Ah! Sie glauben? fragte dieBaronin. Dann gehe ich.
Und ihr Wagen fuhr in entgegengesetzter Richtung weiter. Frau Danglars strahlte, als sie erschien, nicht nur durch ihre eigene Schönheit, sondernblendete auch durch Luxus. Sie trat durch eine Tür in dem Augenblick ein, wo Mercedes durch die andere eintrat.