Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Oh! mein Kind, mein armes Kind! rief dieBaronin, auf ihren Stich! zurücksinkend und ihr Schluchzen in ihrem Taschentuche erstickend.
Villefort kam wieder zu sich, er fühlte, daß er, um den mütterlichen Sturm abzuwenden, der sich über seinem Haupte sammelte, bei Frau Danglars den Schrecken, den er selbst fühlte, wirken lassen mußte.
Siebegreifen, wenn sich die Sache so verhält, sagte er, ebenfalls aufstehend und sich derBaronin nähernd, um leiser mit ihr zu sprechen, Siebegreifen, dann sind wir verloren! Dieses Kind lebt, es weiß jemand, daß es lebt, es ist jemand imBesitze unseres Geheimnisses, und da Monte Christo von einem Kinde spricht, das an einer Stelle vergraben worden sein soll, wo dieses Kind nicht war, sobesitzt er dieses Geheimnis.
Gott! gerechter Gott! rächender Gott! Villefort antwortete nur durch eine Art von Röcheln.
Doch dieses Kind, mein Herr, dieses Kind? versetzte hartnäckig die Mutter.
Oh! wie habe ich es gesucht! erwiderte Villefort, die Hände ringend; wie oft habe ich es in meinen langen, schlaflosen Nächten gerufen! Wie oft habe ich mir einen königlichen Reichtum gewünscht, um einer Million Menschen eine Million Geheimnisse abzukaufen und das meinige darunter zu finden! Eines Tages endlich, als ich zum hundertsten Male den Spaten nahm, fragte ich mich auch zum hundertsten Male, was der Korse mit dem Kinde habe tun können? Ein Kind setzt einen Flüchtigen in Verlegenheit; vielleicht hatte er es, als er wahrnahm daß es noch lebte, in den Fluß geworfen.
Unmöglich! rief Frau Danglars; man ermordet einen Menschen aus Rache, aber man ertränkt nicht ein Kind mit kaltemBlute.
Vielleicht hatte er es zu den Findelkindern gebracht.
Oh! ja, ja, mein Kind ist dort.
Ich lief in das Hospiz und erfuhr, daß man in eben dieser Nacht, in der Nacht vom 20. September, ein Kind dort niedergelegt hatte; es war in die Hälfte einer absichtlich zerrissenen Serviette von feiner Leinwand eingewickelt. Diese Hälfte der Serviette zeigte die Hälfte einerBaronenkrone und denBuchstaben H.
So ist es, so ist es! rief Frau Danglars, alle meine Wäsche war so gezeichnet. Herr von Nargonne warBaron, und ich heiße Herminie. Ich danke Gott, mein Kind war nicht tot! — Nein, es war nicht tot. –
Und Sie sagen mir das! Sie sagen es, ohne zubefürchten, ich werde vor Freude sterben! Wo ist es? Wo ist mein Kind?
Villefort zuckte die Achseln und erwiderte: Weiß ich es? Glauben Sie, wenn ich es wüßte, ließe ich Sie alles dies durchmachen? Nein, ach! nein, ich weiß es nicht. Eine Frau war ungefähr sechs Monate zuvor, um das Kind zurückzufordern, mit der andern Hälfte der Serviette gekommen. Die Frau hatte alle vom Gesetze vorgeschriebenen Garantien geliefert, und man gabes ihr.
Sie hätten sich nach dieser Frau erkundigen, sie entdecken müssen.
Und glauben Sie, ich hätte das nicht getan? Ich schützte eine Kriminaluntersuchung vor und ließ durch alles, was die Polizei an geschickten Spürhunden, an gewandten Agentenbesitzt, Nachforschungen anstellen. Man fand ihre Spurbis Chalons; in Chalons hat man sie verloren.
Frau Danglars hatte jeden einzelnen Umstand dieser Erzählung mit einem Seufzer, mit einer Träne, mit einem Schreibegleitet.
Und das ist alles? sagte sie, und hierbei ließen Sie esbewenden?
Oh! nein, erwiderte Villefort, ich habe nie aufgehört, zu suchen, mich zu erkundigen, nachzuforschen. Erst seit ein paar Tagen ließ ich ein wenig nach. Heute aber will ich mit mehrBeharrlichkeit und Schärfe als je wieder anfangen, und es wird mir gelingen, denn es ist nicht das Gewissen, was mich antreibt, sondern die Furcht.
Der Graf von Monte Christo weiß nichts, entgegnete Frau Danglars, sonst würde er Sie nicht sobevorzugen und zu gewinnen suchen, wie er dies tut.
Oh! dieBosheit der Menschen ist sehr tief, denn sie ist tiefer, als die Güte Gottes. Haben Sie die Augen dieses Mannes wahrgenommen, während er mit uns sprach? — Nein.
Haben Sie ihn zuweilen genauerbetrachtet?
Er ist allerdingsbizarr, mehr nicht; nur ist mir aufgefallen, daß er von dem ganzen kostbaren Mahle, das er uns vorgesetzt hat, nicht das geringsteberührte.
Ja! ja! bestätigte Villefort. Ich habe dies ebenfallsbemerkt. Wenn ich gewußt hätte, was ich jetzt weiß, würde ich auch nichtsberührt haben; ich hätte geglaubt, er wolle uns vergiften. Und Sie hätten sich getäuscht, wie Sie sehen.
Ja wohl; doch glauben Sie mir, dieser Mensch hat andere Pläne. Deshalbwollte ich Sie sehen, deshalbbat ich Sie um eine Unterredung, deshalbwollte ich Sie vor aller Welt undbesonders vor ihm warnen. Sagen Sie mir, fuhr Villefort, seine Augen noch schärfer alsbis jetzt auf dieBaronin heftend, fort, Sie haben mit niemand von unserer Verbindung gesprochen?
Niemals mit irgend einem Menschen.
Sie verstehen mich, ich sage mit niemand? sagte Villefort liebevoll; verzeihen Sie mir diese dringende Frage, nicht wahr, mit niemand auf der ganzen Welt?
Oh! ja, ja, ich verstehe sehr gut, sagte dieBaronin errötend, niemals, ich schwöre es Ihnen.
Sie haben nicht die Gewohnheit, am Abend aufzuschreiben, was am Morgen vorgefallen ist? Sie führen kein Tagebuch?
Nein! Ach! vom Leichtsinn fortgerissen, vergesse ich selbst mein vergangenes Leben.
Sie träumen nicht laut, soviel Sie wissen?
Ich habe den Schlaf eines Kindes; erinnern Sie sich dessen nicht mehr?
Purpur stieg in das Gesicht derBaronin, undBlässe übergoß Villeforts Antlitz.
Es ist wahr, sagte er so leise, daß man es kaum hörte.
Nun? fragte dieBaronin.
Nun! ich sehe, was ich zu tun habe, versetzte Villefort; ehe acht Tage vergehen, weiß ich, wer Herr von Monte Christo ist, woher er kommt, wohin er geht, und warum er in unserer Gegenwart von Kindern spricht, die man in seinem Gartenbegräbt.
Villefort sprach diese Worte mit einem Tone, der den Grafen hätte schaudern lassen, wenn er ihn hätte hören können. Dann drückte er die Hand, die ihm dieBaronin nur mit Widerstreben gab, und geleitete sie achtungsvollbis an die Tür.
Ein Sommerball
An demselben Tage, ungefähr zu der Stunde, wo Frau Danglars die Unterredung mit dem Staatsanwalt hatte, lenkte eine Kalesche in die Rue du Helder ein, fuhr durch das Tor von Nr. 27 und hielt im Hofe an.
Nach einem Augenblick öffnete sich der Kutschenschlag, und Frau von Morcerf stieg, auf den Arm ihres Sohnes gestützt, aus. Kaum hatte Albert seine Mutter in ihre Wohnung zurückgeleitet, als er seine Pferde verlangte und sich nach den Champs‑Elisées zu dem Grafen von Monte Christo führen ließ.
Der Graf empfing ihn mit seinem gewöhnlichen Lächeln. Es war seltsam; nie schien man einen Schritt im Herzen oder Geiste dieses Mannes vorwärtszutun. Wer sich, so zu sagen, den Zugang zu seinem Vertrauen erzwingen wollte, fand eine eherne Mauer. Morcerf, der mit geöffneten Armen auf ihn zulief, ließ, als er ihn anschaute, trotz seines freundschaftlichen Lächelns, die Arme wieder sinken und wagte es kaum, ihm die Hand zu reichen.
Monte Christoberührte sie wie immer, ohne sie zu drücken.
Hierbin ich wieder, lieber Graf, sagte Albert. Ichbin erst vor einer Stunde von Treport zurückgekehrt, und mein ersterBesuch gehört Ihnen.
Das ist sehr liebenswürdig, sagte Monte Christo gleichmütig.
Nun, was gibt es Neues in Paris? Wie war Ihr Fest in Auteuil?
Oh, nichts weiter, ein einfaches Diner, Herr von Danglars und Andrea Cavalcanti…
Ihr italienischer Fürst?
Wir wollen nicht übertreiben, Herr Andrea gibt sich nur den Titel eines Grafen. — Er ist es also nicht? — Weiß ich es? Er gibt sich, ich gebe ihm, man gibt ihm diesen Titel; ist das nicht, als ober ihn hätte? — Sie sind ein seltsamer Mann! Nun, Herr Danglars hat alsobei Ihnen zu Mittag gespeist?
Ja. Mit dem Grafen Andrea Cavalcanti, dem Marquis seinem Vater, mit Frau Danglars, Herrn und Frau von Villefort, reizenden Leuten, Herrn Debray, Maximilian Morel und dann noch mit wem… warten Sie… ah! mit Herrn von Chateau‑Renaud. — Man hat von mir gesprochen?