Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Der Abbé richtete die großeBrille zurecht, die nicht nur seine Augen, sondern auch, seine Schläfebedeckte, setzte sich wieder undbedeutete dem Fremden durch ein Zeichen, er möge sich ebenfalls setzen.
Ich höre Sie, mein Herr, sagte der Abbé mit scharf italienischem Akzente.
Die Sendung, die ich übernommen habe, mein Herr, sagte derBesuch, jedes seiner Worte so langsam aussprechend, als hätten sie Mühe aus dem Munde zu gehen, gereicht sowohl dem zum Vertrauen, der sie vollzieht, wie dem, bei dem sie vollzogen wird.
Der Abbé verbeugte sich.
Ja, mein Herr, fuhr der Fremde fort, Ihre Redlichkeit ist dem Herrn Polizeipräfekten so wohlbekannt, daß er alsBeamter von Ihnen eine Sache erfahren will, bei der die öffentliche Sicherheitbeteiligt ist, in deren Namen ichbei Ihnen erscheine. Wir hoffen, Herr Abbé, daß wederBande der Freundschaft, noch menschliche Rücksichten Sie veranlassen werden, der Justiz die Wahrheit zu verbergen.
Vorausgesetzt, daß die Dinge, die Sie zu erfahren wünschen, in keinerBeziehung dieBedenklichkeiten meines Gewissensberühren. Ichbin Priester, und die Geheimnisse derBeichte, zumBeispiel, müssen mir und der Gerechtigkeit Gottes und nicht mir und der menschlichen Gerechtigkeit vorbehaltenbleiben. Oh, seien Sie unbesorgt, Herr Abbé, sagte der Fremde, jedenfalls werden wir Ihr Gewissen nichtbelasten.
Bei diesen Worten drückte der Abbé auf seiner Seite auf den Lichtschirm nieder und hobihn auf der andern Seite, so daß das Gesicht des Fremden völligbeleuchtet wurde, das seinige aber ganz im Schattenblieb.
Verzeihen Sie, Herr Abbé, sagte der Abgeordnete des Polizeipräfekten, dieses Licht ist höchst schmerzhaft für meine Augen.
Der Abbé drückte den grünen Pappendeckel nieder.
Sprechen Sie nun!
Ich komme zur Sache. Sie kennen ohne Zweifel den Grafen von Monte Christo?
Sie meinen Herrn Zaccone?
Zaccone… heißt er denn nicht Monte Christo?
Monte Christo ist der Name eines Gutes, oder vielmehr eines Felsens und kein Familienname.
Wohl, es mag sein; streiten wir nicht über Worte, und da Herr von Monte Christo und Herr Zaccone derselbe Mensch ist, so wollen wir von Herrn Zaccone sprechen; kennen Sie ihn? — Genau. — Wer ist er? — Er ist der Sohn eines reichen Reeders in Malta. — Ja, ich weiß, das sagt man; doch Siebegreifen, die Polizei kann sich nicht mit einem ›man sagt‹begnügen!
Wenn aber, versetzte der Abbé mit sehr freundlichem Lächeln, dieses man sagt die Wahrheit ist, so muß sich die ganze Welt damitbegnügen, und die Polizei ebenfalls.
Sind Sie dessen, was Sie sagen, gewiß?
Obich dessen gewißbin!
Bemerken Sie wohl, mein Herr, ich, setze durchaus keinen Zweifel in Ihre Glaubwürdigkeit. Ich frage Sie: Sind Sie Ihrer Sache gewiß?
Hören Sie, ich habe Herrn Zaccone, den Vater, gekannt und habe mit dem Sohne, als er noch ein Kind war, wohl zehnmal auf den Werften gespielt.
Doch dieser Grafentitel?…
Sie wissen, so was läßt sich kaufen.
Doch diese Reichtümer, welche, wie man sagt, ungeheuer sind…
Oh! was dasbetrifft, erwiderte der Abbé, ungeheuer, das ist das richtige Wort.
Wieviel glauben Sie, daß erbesitzt?
Oh! er hat gewiß 200 000 Franken Rente.
Ah! das läßt sich hören, versetzte der Fremde, aber man sprach von drei, von vier Millionen Rente!
Oh, das ist nicht glaublich!
Und Sie kennen seine Insel Monte Christo?
Gewiß: jeder, der von Palermo, von Neapel oder Rom nach Frankreich reist, kennt diese Felseninsel, weil er sie im Vorüberfahren sehen muß.
Und warum hat der Graf diese Felsen gekauft?
Gerade, um Graf zu sein. Um in Italien Graf zu werden, bedarf man auch einer Grafschaft.
Sie haben ohne Zweifel von den Jugendabenteuern des Herrn Zaccone sprechen hören?
Ah! hier fängt die Ungewißheitbei mir an, denn hier habe ich meinen Kameraden aus dem Gesichte verloren.
Sie sind nicht seinBeichtvater?
Nein, mein Herr? ich glaube, er ist Lutheraner.
Wie? Lutheraner?
Ich sage, ich glaube; ich weiß es nicht genau. Übrigens war ich der Ansicht, in Frankreichbestehe Freiheit des Kultus.
Allerdings, auchbeschäftigen wir uns in diesem Augenblick nicht mit seinem Glauben, sondern mit seinen Handlungen; im Namen des Herrn Polizeipräfekten fordere ich Sie auf, zu sagen, was Sie davon wissen.
Er gilt für einen sehr wohltätigen und menschenfreundlichen Mann. Unser heiliger Vater, der Papst, hat ihn, eine Gunst, die er kaum Fürstenbewilligt, zum Ritter des Christusordens für die großen Dienste ernannt, die er den Christen im Orient geleistet; er hat so fünfbis sechs Großkreuze für Dienste erhalten, die von ihm den Fürsten oder den Staaten erwiesen worden sind.
Und er trägt sie? — Nein, doch er ist stolz darauf; er sagt, er liebe mehr die den Wohltätern der Menschheit geltendenBelohnungen, als die, welche man den Zerstörern der Menschen zubilligt. — Weiß man, daß er Freunde hat? — Ja, denn es sind alle die seine Freunde, die ihn kennen. — Doch hat er gar keinen Feind? — Einen einzigen. — Wie heißt er? — Lord Wilmore. — Wo ist er? Kann er mir Auskunft geben? — Kostbare. Er war zu gleicher Zeit mit Zaccone in Indien und wohnt, glaube ich, jetzt irgendwo in der Chaussée d'Antin.
Sie stehen schlecht mit diesem Engländer?
Ich liebe Zaccone, und er haßt ihn; unser Verhältnis ist darum nicht dasbeste.
Mein Herr Abbé, glauben Sie, der Graf von Monte Christo sei je in Frankreich gewesen, vor der Reise, die er jetzt nach Paris gemacht hat?
Nein, mein Herr, er ist nie hier gewesen, denn er hat sich vor sechs Monaten an mich gewendet, um die erforderliche Auskunft zu erhalten. Da ich meinerseits nicht wußte, wann ich in Paris sein würde, so wies ich ihn an HerrnBartolomeo Cavalcanti.
Sehr gut, mein Herr; ich habe Sie nur noch eines zu fragen und fordere Sie im Namen der Menschheit, der Ehre und der Religion auf, mir ohne Umschweife zu antworten.
Sprechen Sie, mein Herr!
Wissen Sie, in welcher Absicht Herr von Monte Christo ein Haus in Auteuil kaufte?
Gewiß, denn er hat es mir gesagt. Um daraus ein Hospiz für Geisteskranke nach Art dessen zu machen, das derBaron von Pisari in Palermo gegründet hat.
Kennen Sie dieses Hospiz?
Ich habe davon gehört; es soll eine herrliche Anstalt sein. Hierauf grüßte der Abbé den Fremden, wie ein Mensch, der zu verstehen geben will, es sei ihm nicht unangenehm, eine unterbrochene Arbeit wiederaufnehmen zu können.
Begriff derBesuch das Verlangen des Abbés, oder war er mit seinen Fragen zu Ende… er stand ebenfalls auf. Der Abbébegleitete ihnbis zur Tür, und der Fremde entfernte sich.
Der Wagen führte ihn geradeswegs zu Herrn von Villefort.
Eine Stunde nachher kam der Wagen abermals heraus, und diesmal wandte er sich nach der Rue Fontaine‑Saint‑George, bei Nr. 5 hielt er an. Hier wohnte Lord Wilmore. Der Fremde hatte Lord Wilmore schriftlich um eine Zusammenkunft gebeten, die dieser auf zehn Uhrbestimmte. Als der Abgesandte des Polizeipräfekten zehn Minuten vor zehn Uhr ankam, antwortete man ihm, Lord Wilmore, die Pünktlichkeit und Genauigkeit in Person, sei noch nicht zurückgekehrt, aber er werde sicher Punkt zehn Uhr erscheinen.
Der Besuch wartete im Salon. Dieser Salon hatte nichts Merkwürdiges und war wie alle Salons in einem Hotel garni. Ein Kamin mit zwei schönen Porzellanvasen, eine Pendeluhr mit einem Amor, der seinenBogen spannt; ein Spiegel, auf jeder Seite dieses Spiegels ein Kupferstich, eine Tapete in Grau: das war der Salon des Lord Wilmore.
Er wurde durch Kugeln von geschliffenem Glasebeleuchtet, die nur ein mattes Licht verbreiteten, das ausdrücklich für die schwachen Augen des Abgeordneten des Herrn Polizeipräfektenberechnet zu sein schien.