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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Doch Herr von Villefort sagte dies, ohne selbst daran zu glauben. Das Schrecklichste für ihn war nicht die Enthüllung, denn er konnte leugnen oder sich sogar verantworten. Wenig kümmerte ihn das» Mene, tekel, upharsin«, das plötzlich inblutigenBuchstaben an der Wand erschien; aber esbekümmerte ihn, daß er den Körper nicht kannte, dem die schreibende Hand angehörte.

In dem Augenblick, wo er sich selbst zuberuhigen suchte und sich, statt der politischen Zukunft, die er in seinen ehrgeizigen Träumen zuweilen in der Ferne erblickt hatte, aus Furcht, diesen seit langer Zeit schlummernden Feind zu wecken, eine auf die Freuden des häuslichen Herdesbeschränkte Zukunft ausmalte, erscholl das Geräusch eines Wagens im Hofe. Dann hörte er auf seiner Treppe den Gang einerbetagten Person und Schluchzen und Wehklagen.

Er stieß schnell den Riegel seiner Tür zurück, undbald trat eine alte Dame ein, ohne angemeldet zu sein, ihren Schal auf dem Arm und ihren Hut in der Hand haltend. Unter ihren weißen Haaren trat eine Stirn, matt wie vergilbtes Elfenbein, hervor, und ihre Augen, in deren Ecken das Alter tiefe Runzeln gegraben hatte, verschwandenbeinahe unter der Anschwellung vom Weinen.

Oh! mein Herr, sagte sie, oh! mein Herr, welch ein Unglück, ich werde auch sterben; oh! ja, ich sterbe sicherlich ebenfalls.

Und sie sank in den Lehnstuhl, welcher der Tür zunächst stand, undbrach in ein Schluchzen aus.

DieBedienten, die auf der Schwelle standen und nicht weiter zu gehen wagten, schauten Noirtiers alten Diener an, der, als er das Geräusch vernahm, aus den Zimmern seines Herrn herbeilief. Villefort stand auf und ging auf seine Schwiegermutter zu, denn sie war es.

Mein Gott! was ist denn vorgefallen? fragte er, wasbeugt Sie so sehr nieder? Begleitet Sie Herr von Saint‑Meran nicht?

Herr von Saint‑Meran ist tot, sagte die alte Marquise, ohne Einleitung, ohne Ausdruck und mit einer Art von Stumpfsinn.

Villefort wich einen Schritt zurück, schlug seine Hände aneinander und stammelte: Tot?… So gestorben, so plötzlich gestorben?

Vor acht Tagen, sagte Fran von Saint‑Meran, stiegen wir nach Tische miteinander in den Wagen. Herr von Saint‑Meran war seit einiger Zeit leidend; doch der Gedanke, unsere liebe Valentine wiederzusehen, machte ihn mutig, und er wollte, trotz seiner Schmerzen, abreisen. Sechs Stunden von Marseille wurde er aber, nachdem er seine gewöhnlichen Pillen verschluckt hatte, von einem so tiefen Schlafe ergriffen, daß es mir ganz unnatürlich vorkam. Plötzlich schien sich sein Gesicht zu röten und die Adern seiner Schläfe heftiger als gewöhnlich zu schlagen. Da jedoch die Nacht eingebrochen war und ich nichts mehr sah, so ließ ich ihn schlafen; bald stieß er einen dumpfen, schmerzhaften Schrei aus, wie ein Mensch, der im Traume leidet, und warf mit einer ungestümenBewegung seinen Kopf zurück. Ich ließ den Postillon halten, rief laut den Namen meines Gatten, wollte ihn an meinem Flacon mit flüchtigen Salzen riechen lassen, aber alles war vorbei, er war tot, und ich kam mit seinem Leichnam in Aix an.

Villefort stand ganz verwundert und mit offenem Munde vor der alten Dame.

Sie ließen ohne Zweifel einen Arzt rufen?

Auf der Stelle; doch es war, wie gesagt, zu spät.

Allerdings; aber er vermochte doch wenigstens zu erkennen, an welcher Krankheit der arme Marquis gestorben war?

Mein Gott, ja! Er sagte mir, es scheine ein Schlagfluß gewesen zu sein.

Und was taten Sie sodann?

Herr von Saint‑Meran äußerte stets, wenn er fern von Paris sterben sollte, so wünsche er, daß man seinen Körper in die Familiengruftbringe. Ich ließ ihn in einenbleiernen Sarg legen und reiste ihm um ein paar Tage voran.

Oh Gott! arme Mutter! sagte Villefort, solche Sorgen, nach einem solchen Schlage und in Ihrem Alter!

Gott hat mirbis zum Ende Kraft verliehen; überdies hätte er sicherlich für mich getan, was ich für ihn getan habe. Es ist wahr, seitdem ich ihn dort verließ, komme ich mir wie wahnsinnig vor. Ich kann nicht mehr weinen: wohl sagt man, in meinem Alter habe man keine Tränen mehr; es scheint mir jedoch, solange man leidet, sollte man weinen können. Wo ist Valentine, mein Herr? Ihr zu Liebe kehrten wir zurück; ich will meine Valentine sehen.

Villefort mochte nicht antworten, Valentine sei auf einemBall, und sagte der Marquise mir, ihre Enkelin sei mit ihrer Stiefmutter ausgefahren, und man werde siebenachrichtigen. Auf der Stelle, mein Herr, auf der Stelle, ichbitte Sie, sagte die alte Dame.

Villefort nahm den Arm der Frau von Saint‑Meran unter den seinen und führte sie in ihre Wohnung.

Ruhen Sie aus, meine Mutter, sagte er.

Die Marquise schautebei diesen Worten empor, und als sie den Mann sah, der sie an ihre so sehrbeklagte Tochter erinnerte, die für sie in Valentine wieder auflebte, fühlte sie sich durch den Namen Mutter erschüttert, brach in Tränen aus und sank auf die Knie vor einem Polsterstuhl, in dem sie ihr ehrwürdiges Hauptbegrub.

Villefort empfahl sie der Sorge der Frauen, während der alteBarrois ganz erschrocken wieder zu seinem Herrn hinausstieg; denn nichts erschreckt die Greise so sehr, als wenn der Tod einen Augenblick ihre Seite verläßt, um einen andern Greis zu treffen.

Während Frau von Saint‑Meran immer noch knieend aus der Tiefe ihres Herzensbetete, ließ Villefort einen Wagen kommen und suchtebei Frau von Morcerf seine Frau und seine Tochter selbst auf, um sie nach Hanse zu führen.

Er war sobleich, als er auf der Schwelle des Salons erschien, daß ihm Valentine mit dem Ausruf entgegenlief: Oh, mein Vater! es ist irgend ein Unglück geschehen!

Deine gute Mama ist soeben angekommen, Valentine, sagte Herr von Villefort.

Und mein Großvater? fragte das Mädchen zitternd. Herr von Villefort antwortete nur, indem er seiner Tochter den Armbot.

Es war Zeit; Valentine wankte, vom Schwindel ergriffen; Frau von Villefortbeeilte sich, sie zu unterstützen, und half ihrem Manne sie nach dem Wagenbringen.

Das ist doch seltsam, sagte Frau von Villefort, wer hätte das vermuten können? Oh! das ist seltsam.

Und die ganze Familie entfernte sich so und warf einen traurigen Schatten wie einen schwarzen Mantel auf den übrigen Abend.

Unten an der Treppe fand ValentineBarrois, der auf sie wartete. — Herr Noirtier wünscht Sie heute abend zu sehen, flüsterte er ihr zu.

Sagen Sie ihm, ich werde zu ihm kommen, sobald ich meine gute Großmutter verlasse, sprach Valentine.

In seinem Zartgefühle hatte das Mädchenbegriffen, daß zu dieser Stunde Frau von Saint‑Meran am meisten seinerbedürfe. Valentine traf ihre Großmutter imBett; stumme Liebkosungen, schmerzhafte Herzenswallungen, unterbrochene Seufzer, brennende Tränenbegleiteten dieses Wiedersehen, dem am Arme ihres Gatten Frau von Villefortbeiwohnte, anscheinend voll Achtung für die unglückliche Witwe.

Nach einem Augenblick neigte sie sich an das Ohr ihres Gatten und sagte: Ich will mich mit Ihrer Erlaubnis entfernen, denn mein Anblick scheint Ihre Schwiegermutter noch mehr zubetrüben.

Frau von Saint‑Meran hörte dies und flüsterte Valentine zu: Ja, ja, sie mag gehen, aber dubleibst. Frau von Villefort entfernte sich, und Valentineblieballein amBette ihrer Großmutter; denn, bestürzt über diesen unvorhergesehenen Tod, folgte der Staatsanwalt seiner Frau.

Barrois war indessen wieder zu dem alten Noirtier hinausgegangen; dieser hatte den ganzen Lärm gehört und, wie gesagt, seinen Diener abgeschickt, um sich erkundigen zu lassen.

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