Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ich danke, sagte sie und schritt vorwärts.
So machten sie einen Gang durch den Garten, ohne ein einziges Wort zu sprechen.
Mein Herr, sagte plötzlich die Gräfin nach zehn Minuten einer schweigsamen Wanderung, ist es wahr, daß Sie so viel gesehen, so viele Reisen gemacht, so viel gelitten haben?
Ja, gnädige Frau, ich habe viel gelitten, antwortete er.
Aber nun sind Sie glücklich?
Allerdings, denn niemand hört mich klagen.
Und Ihr gegenwärtiges Glück hat Ihre Seelebesänftigt?
Mein gegenwärtiges Glück kommt meinem vergangenen Unglück gleich.
Sind Sie nicht verheiratet? fragte die Gräfin.
Ich verheiratet? entgegnete Monte Christobebend, wer konnte Ihnen dies sagen?
Man hat es mir nicht gesagt, aber man hat Sie wiederholt eine junge hübsche Person in die Oper führen sehen.
Es ist eine Sklavin, die ich in Konstantinopel gekauft habe; es ist die Tochter eines Fürsten, aus der ich meine Tochter mache, da ich keine andere Zuneigung auf Erden habe.
Sie leben also allein?
Ich lebe allein.
Sie haben keine Schwester… keinen Sohn… keinen Vater?
Ich habe niemand.
Wie können Sie so leben, ohne daß Sie etwas an das Daseinbindet?
Das ist nicht mein Fehler, gnädige Frau. In Malta hatte ich eine Geliebte, ich wollte sie heiraten, als der Krieg kam und mich wie ein Sturmwind von ihr fortführte. Ich hatte geglaubt, sie liebe mich hinreichend, um mich zu erwarten und sogar meinem Grabe treu zubleiben. Bei meiner Rückkehr war sie verheiratet. Das ist die traurige Geschichte des damals zwanzigjährigen Mannes. Ich hatte vielleicht ein schwächeres Herz als die andern und litt mehr, als andere an meiner Stelle gelitten haben würden.
Die Gräfinbliebeinen Augenblick stehen, alsbedürfe sie eines Haltes, um Atem zu schöpfen.
Ja, sagte sie, und diese Liebe ist Ihnen im Herzen geblieben… Man liebt nur einmal wirklich… Und Sie haben diese Frau nie wiedergesehen?
Nie, ichbin nicht nach Malta, wo sie war, zurückgekehrt. — Sie ist also in Malta? — Ich glaube. — Und haben Sie ihr die Leiden vergeben, die sie Ihnenbereitete? — Ihr, ja, — Doch nur ihr; Sie hassen immer noch die, welche Sie von ihr getrennt haben? — Ich, keineswegs; warum sollte ich sie hassen?
Die Gräfin stellte sich Monte Christo gegenüber; sie hielt noch ein Stück von der duftenden Traube in der Hand.
Nehmen Sie, sagte Mercedes.
Ich esse nie Trauben, erwiderte Monte Christo noch einmal.
Die Gräfin schleuderte die Traube mit einer Gebärde der Verzweiflung in das nächste Gebüsch.
Unbeugsam! murmelte sie.
Monte Christobliebso unempfindlich, als gälte der Vorwurf gar nicht ihm.
Albert lief in diesem Augenblick herbei und rief: Oh! meine Mutter, ein großes Unglück!
Was ist geschehen? fragte die Gräfin, und richtete sich, wie nach einem Traume zur Wirklichkeit erwachend, hoch auf; ein Unglück sagst du? In der Tat, es muß Unglück geschehen!
Herr von Villefort ist hier. — Nun? — Er kommt, um seine Frau und seine Tochter zu holen. — Warum?
Die Frau Marquise von Saint‑Meran ist mit der Nachricht in Paris angelangt, Herr von Saint‑Meran seibei seiner Abreise von Marseille auf der ersten Station gestorben. Frau von Villefort, die sehr heiter war, wollte dieses Unglück wederbegreifen, noch glauben, doch Fräulein von Villefort erriet, so vorsichtig ihr Vater auch zu Werke ging, bei den ersten Worten alles. Der Schlag traf sie wie der Donner, und sie sank ohnmächtig nieder.
Was ist denn Herr von Saint‑Meran für Fräulein von Villefort? fragte der Graf.
Ihr Großvater mütterlicherseits. Er wollte hierherkommen, um die Heirat seiner Enkelin mit Franz zubeschleunigen.
Ah! wirklich?
Franz hat nun Aufschub, fiel Albert ein. Warum ist Herr von Saint‑Meran nicht ebenso auch Fräulein Danglars' Großvater?
Albert! Albert! versetzte Frau von Morcerf im Tone zarten Vorwurfs, was sagst du da? Ah! Herr Graf, Sie, für den er so große Achtung hegt, sagen Sie ihm, daß er übel gesprochen habe!
Und sie machte einige Schritte vorwärts.
Monte Christo schaute sie so seltsam und mit einem zugleich so träumerischen und von liebevollerBewunderung erfüllten Ausdruck an, daß sie zurückkehrte.
Dann nahm sie seine Hand, drückte zugleich die ihres Sohnes und sagte, beide aneinander pressend: Nicht wahr, wir sind Freunde?
Oh! Ihr Freund, gnädige Frau? erwiderte Monte Christo, ich habe nicht diese Anmaßung, doch jedenfallsbin ich Ihr ehrerbietiger Diener.
Die Gräfin entfernte sich mit unaussprechlich gepreßtem Herzen, und ehe sie zehn Schritte gemacht hatte, sah sie der Graf ihr Taschentuch an die Augen drücken.
Sind Sie uneins, meine Mutter und Sie? fragte Albert erstaunt.
Im Gegenteil, da sie mir in Ihrer Gegenwart gesagt hat, wir seien Freunde, antwortete der Graf. Und sie kehrten in den Salon zurück, den Valentine und Herr und Frau von Villefort soeben verlassen hatten.
Es versteht sich von selbst, daß Morel gleich nach ihnen weggegangen war.
Frau von Saint‑Meran
Es war wirklich eine düstere Szene im Hause des Herrn von Villefort vorgefallen.
Nachdem die drei Damen auf denBall gegangen waren, wohin trotz allerBitten der Frau von Villefort ihr Gatte sie nichtbegleiten wollte, schloß sich der Staatsanwalt, seiner Gewohnheit gemäß, in sein Kabinett mit einem Haufen von Akten ein, der jeden andern erschreckt, der jedoch im gewöhnlichen Laufe der Dinge seinen kräftigen Arbeitshunger kaumbefriedigt hätte.
Doch diesmal waren die Aktenstöße nur Sache der Form, Villefort schloß sich nicht ein, um zu arbeiten, sondern um nachzudenken. Nachdem derBefehl gegeben war, ihn nurbei Vorfällen von großer Wichtigkeit zu stören, setzte er sich in seinen Lehnstuhl und fing noch einmal an, alles zu erwägen, was seit siebenbis acht Tagen denBecher seines finstern Kummers und seinerbittern Erinnerungen überströmen ließ.
Sodann öffnete er eine Schublade seines Schreibtisches und zog dasBündel mit seinen persönlichen Noten hervor,… wertvolle Manuskripte, auf denen er auch mit Ziffern, die nur ihmbekannt waren, die Namen aller derer verzeichnet hatte, die auf seiner politischen Laufbahn, bei seinen Finanzoperationen, bei seiner Tätigkeit als Staatsanwalt oderbei seinen geheimen Liebschaften seine Feinde geworden waren.
Ihre Zahl schien ihm heute, wo er zu zittern anfing, furchtbar, und doch hatten ihn alle diese Namen, so mächtig ihre Träger auch waren, oft lächeln lassen, wie der Reisende lächelt, der von dem höchsten Gipfel des Gebirges herabzu seinen Füßen die spitzigen Felsen, die rauhen, beschwerlichen Wege und die Ränder der Abgründe erblickt, an denen er, um auf die Höhe zu gelangen, so lange und so mühsam hatte umherklettern müssen.
Als er alle diese Namen durchgegangen, als er sie wiedergelesen, wohlerwogen und in seinen Listen mitBemerkungen versehen hatte, schüttelte er den Kopf und murmelte: Nein, keiner dieser Feinde hätte geduldig und in der Stille arbeitendbis zu dem Tage gewartet, zu dem wir nun gelangt sind, um mich jetzt erst mit diesem Geheimnis niederzuschmettern. Zuweilen, wie Hamlet sagt, dringt das Geräusch der am tiefsten verborgenen Dinge aus der Erde hervor und tanzt wie das Feuer des Phosphors, toll in der Luft umher; doch dies sind Flammen, die nur einen Augenblick leuchten, um irrezuleiten. Die Geschichte wird von dem Korsen irgend einem Priester erzählt worden sein, der sie seinerseits weiter erzählt hat. Herr von Monte Christo wird sie erfahren haben, und um sich aufzuklären…
Doch wozu sich aufklären? fuhr Herr von Villefort nach kurzem Nachdenken fort; welches Interesse kann Herr von Monte Christo, Herr Zaccone, der Sohn eines maltesischen Reeders, derBesitzer eines thessalischen Silberbergwerks, der zum erstenmal nach Frankreich kommt, welches Interesse kann er haben, sich über eine geheime Tat, wie diese, aufzuklären? Aus all den unzulänglichen Nachrichten, die mir von diesem AbbéBusoni und von diesem Lord Wilmore, von dem Freunde und dem Feinde, gegeben worden sind, ergibt sich eines klar und zweifellos: In keiner Zeit, in keinem Fall, unter keinen Umständen kann die geringsteBerührung zwischen ihm und mir stattgefunden haben.