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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Kein Wort. — Desto schlimmer, denn wenn man nicht von mir sprach, so dachte man viel an mich, und dannbin ich in Verzweiflung.

Was ist Ihnen daran gelegen, da Fräulein Danglars nicht unter der Zahl derer war, die hier an Sie dachten? Ah! sie konnte allerdings zu Hause an Sie denken.

Oh! was dasbetrifft, nein, dessenbin ich gewiß; oder wenn sie an mich dachte, so geschah es auf dieselbe Weise, wie ich an sie denke.

Eine rührende Sympathie! Sie hassen sich also?

Hören Sie, sagte Morcerf, wenn Fräulein Danglars geeignet wäre, Mitleid mit dem Märtyrertum zu empfinden, das ich für sie erdulde, und mich außerhalbdes von unsern Familienbeschlossenen Ehebundesbelohnen wollte, so würde mir dies vortrefflich zusagen. Kurz, ich glaube, Fräulein Danglars wäre eine entzückende Geliebte, doch als Frau, Teufel!..

Das ist also die Art und Weise, wie Sie über Ihre Zukünftige denken? sagte Monte Christo lachend.

Oh! mein Gott, ja, zwar etwas roh, aber wenigstens klar. Da man jedoch aus diesem Traume keine Wirklichkeit machen kann, da, eines gewissen Zieles wegen, Fräulein Danglars meine Frau werden, das heißt mit mir leben, bei mir denken, bei mir singen, zehn Schritte von mir Verse und Musik machen muß, und dies mein ganzes Leben hindurch, so erschrecke ich. Eine Geliebte, lieber Graf, verläßt man, aber eine Frau, zum Teufel! das ist was anderes, diebehält man, und zwar ewig, nahe oder ferne; Fräulein Danglars aber stets zubehalten, und wäre es auch nur in der Ferne, ist in der Tat schrecklich.

Sie sind schwer zubefriedigen, Vicomte.

Ja, denn häufig denke ich an etwas Unmögliches. Ich wünsche, eine Frau für mich zu finden, wie mein Vater eine gefunden hat.

Monte Christo erbleichte und schaute Albert an, während er mit prächtigen Pistolen spielte, deren Federn er knacken ließ.

Ihr Vater ist also sehr glücklich gewesen? sagte er.

Sie wissen, wie ich von meiner Mutter denke, Herr Graf: ein Engel des Himmels, immer noch schön, besser als je. Ich komme von Treport zurück. Für einen andern Sohn wäre dieBegleitung seiner Mutter eine Gefälligkeit oder ein Frondienst gewesen, ich aber habe acht Tage unter vier Augen mit ihr zufriedener, ruhiger, poetischer, sage ich Ihnen, zugebracht, als wenn ich Titania nach Treport geführt hätte.

Das ist eine erschreckliche Vollkommenheit, und Sie machen denen, die Sie hören, große Lust, Junggesellen zubleiben.

Gerade weil ich weiß, daß es auf der Welt eine vollkommene Frau gibt, getraue ich mir nicht, Fräulein Danglars zu heiraten. Haben Sie zuweilenbemerkt, wie unsere Selbstsucht alles, was uns gehört, in glänzende Farben kleidet? Der Diamant, den wir im Schaufenster des Juweliers funkeln sahen, wird viel schöner, sobald er unser Diamant ist. Doch wie schmerzlich ist es, wenn man weiß, daß es einen von reinerem Wasser gibt, während man selbst verurteilt ist, den geringeren Diamanten ewig zu tragen?

Weltmensch! murmelte der Graf.

Deshalbwerde ich vor Freude springen an dem Tage, wo Fräulein Eugenie wahrnimmt, daß ich ein dürftiges Atombin und kaum so viele 100 000 Frankenbesitze als sie Millionen hat.

Monte Christo lächelte.

Ich hatte wohl einen Gedanken, fuhr Albert fort; Franz liebt das Exzentrische, und ich wollte ihn in Fräulein Danglars verliebt machen; doch obgleich ich ihm vierBriefe lockendsten Inhalts schrieb, antwortete er mir stets und unabänderlich: Ichbin allerdings exzentrisch, aber das gehtbei mir nicht so weit, daß ich mein Wort zurücknehme, wenn ich es einmal gegeben habe.

Das nenne ich eine aufopfernde Freundschaft, einem andern eine Frau geben, die man selbst nur zur Geliebten haben möchte.

Albert lächelte.

Wissen Sie, daß dieser liebe Franz zurückkommt? sagte Morcerf; doch es ist Ihnen wenig daran gelegen, Sie lieben ihn, glaube ich, nicht?

Ich! ei mein lieber Vicomte, woher glauben Sie denn, daß ich Franz nicht liebe? Ich liebe die ganze Menschheit.

Und ichbin in dieser Menschheit mit einbegriffen… Ich danke.

Wir wollen die Sache nicht verwirren, sagte Monte Christo, ich liebe die ganze Menschheit so, wie wir nach GottesBefehl unsern Nächsten lieben sollen, das heißt auf eine christliche Weise; doch ich hasse nur gewisse Personen. Kommen wir aber auf Herrn d'Epinay zurück. Sie sagen, er kehre zurück?

Ja, von Herrn von Villefort zurückgerufen, der, wie es scheint, ebensobegierig ist, Fräulein Valentine zu verheiraten, wie Herr Danglars, Fräulein Eugenie zu verehelichen. Der Zustand eines Vaters, der erwachsene Töchterbesitzt, muß recht angreifend sein; es scheint, er verursacht ihnen Fieber, und ihr Puls schlägt neunzigmal in der Minute, bis sie die Tochter los sind.

Herr d'Epinay gleicht Ihnen nicht, er nimmt, wie ich glaube, sein Unglück in Geduld hin.

Er tut noch etwasBesseres, er nimmt die Sache ernst, zieht weiße Halsbinden an und sprichtbereits von seiner Familie. Übrigens hegt er eine große Achtung vor den Villeforts.

Nicht wahr, eine wohlverdiente? Ich glaube, Herr von Villefort galt immer für einen strengen, aber gerechten Mann.

Das lasse ich mir gefallen, sagte Monte Christo, es ist doch wenigstens einer, den Sie nicht wie den armen Herrn Danglarsbehandeln.

Dies kommt vielleicht daher, daß ich nicht genötigtbin, seine Tochter zu heiraten, entgegnete Albert lachend.

In der Tat, mein Herr, sagte Monte Christo, ich wundere mich über Sie.

Und warum?

Weil Sie sich gegen eine Heirat mit Fräulein Danglars sträuben. Mein Gort! lassen Sie die Dinge ihren Gang gehen, und Siebrauchen vielleicht gar nicht zuerst Ihr Wort zurückzunehmen.

Bah! rief Albert mit großen Augen.

Allerdings, mein lieber Vicomte, man wird Ihnen nicht mit Gewalt den Kopf zwischen Tür und Angel stecken! Sprechen Sie im Ernste, sagte Monte Christo, den Ton ändernd, haben Sie Lust zubrechen?

Ich gebe 100 000 Franken dafür.

Wohl, so seien Sie froh! Herr Danglars istbereit, das Doppelte zu geben, um zu demselben Ziele zu gelingen.

Ist dieses Glück wahr? sagte Albert, der es indessen, während er so sprach, nicht verhindern konnte, daß eine unmerkliche Wolke über seine Stirn hinzog. Doch, mein lieber Herr Graf, Herr Danglars hat also Gründe?

Ah! hier kommt die stolze, selbstsüchtige Natur zu Tage. Gut, ich finde hier wieder den Menschen, der die Eitelkeit eines andern mit der Axt totschlagen will und schreit, wenn man die seinige mit einer Nadel ansticht.

Nein! doch es scheint mir, Herr Danglars…

Sollte von Ihnen entzückt sein, nicht wahr? Ei! Herr Danglars ist entschieden ein Mann von schlechtem Geschmacke und noch mehr entzückt von einem andern… Studieren Sie, schauen Sie, ergreifen Sie die Anspielungen im Fluge, und ziehen Sie Nutzen daraus!

Gut, ichbegreife; hören Sie, meine Mutter… nein! nicht meine Mutter, mein Vater hat den Gedanken gehabt, einenBall zu geben. — EinenBall zu dieser Jahreszeit? — DieBälle sind stets in der Mode. — Wären sie es nicht, so dürfte die Gräfin nur wollen, und sie würde sie in Modebringen.

Nicht übel; Siebegreifen, es sind Vollblutbälle; die, welche im Monat Juli in Parisbleiben, sind wahre Pariser. Wollen Sie eine Einladung für die Herren Cavalcanti übernehmen? — Wann wird derBall stattfinden? — Sonnabend. — Herr Cavalcanti Vater wird abgereist sein. — Doch Herr Cavalcanti Sohnbleibt; wollen Sie es übernehmen, Herrn Cavalcanti Sohn zubringen? — Hören Sie, Vicomte, ich kenne ihn nicht. — Sie kennen ihn nicht? — Nein, ich habe ihn vor drei oder vier Tagen zum erstenmal gesehen und stehe in keinerBeziehung zu ihm. — Doch Sie empfangen ihn?

Ja, das ist etwas anderes; er ist mir durch einenbraven Abbé empfohlen worden, den man getäuscht haben kann. Laden Sie ihn immerhin selbst ein, sagen Sie mir aber nicht, ich soll ihnbei Ihnen vorstellen. Sollte er später Fräulein Danglars heiraten, so könnten Sie mich eines Schleichwegsbeschuldigen und Lustbekommen, sich auf Leben und Tod mit mir zu schlagen; überdies weiß ich nicht, obich selbst auf IhrenBall kommen werde.

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