Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand drehte den Kopf von dem Essen weg. Der bloße Anblick, ja schon der Gedanke an Essen brachte ihn zum Würgen. Nach einer Minute seufzte Mat und setzte sich, um selbst zu essen. Rand hielt den Blick abgewandt und bemühte sich, nicht hinzuhören.
Der Schüttelfrost kehrte wieder und dann das Fieber, das wieder durch den Schüttelfrost ersetzt wurde, den das Fieber erneut ablöste. Mat deckte ihn zu, wenn er zitterte, und gab ihm Wasser zu trinken, wenn er über Durst klagte. Die Nacht dehnte sich, und der Stall schien sich im flackernden Laternenschein ständig zu verändern. Schatten nahmen Gestalt an und bewegten sich selbständig. Dann sah er Ba'alzamon durch den Stall schreiten. Seine Augen brannten, und an jeder Seite schritt ein Myrddraal. Ihre Gesichter waren in den Tiefen ihrer schwarzen Kapuzen verborgen.
Seine Finger griffen nach dem Schwertgriff, und er versuchte, auf die Beine zu kommen, wobei er schrie: »Mat! Mat, sie sind hier! Licht, sie sind hier!«
Mat erwachte und fuhr hoch. Er hatte mit überschlagenen Beinen an der Wand gelehnt. »Was? Schattenfreunde? Wo?«
Rand schwankte auf den Knien und zeigte verzweifelt auf etwas im Stall... dann riß er den Mund vor Erstaunen auf. Schatten bewegten sich, und ein Pferd stampfte im Schlaf auf. Sonst nichts. Er fiel auf das Heu zurück.
»Es ist niemand da außer uns«, sagte Mat. »Hier, laß mich das nehmen.« Er griff nach Rands Schwertgürtel, aber Rand hielt den Griff krampfhaft fest.
»Nein. Nein. Ich muß es behalten. Er ist mein Vater. Verstehst du? Er ist m-mein V-vater!« Der Schüttelfrost überkam ihn wieder, aber er klammerte sich an das Schwert wie an einen Rettungsring. »M-m-mein Vater!« Mat gab den Versuch auf und zog die Umhänge wieder über ihn.
Rand hatte diese Nacht noch weitere Visionen, während Mat döste. Er war nie sicher, ob sie wirklich vorhanden waren oder nicht. Manchmal sah er Mat an, dessen Kopf auf die Brust heruntergesunken war, und fragte sich, ob er sie auch sehen würde, falls er erwachte.
Egwene trat aus den Schatten hervor, das Haar zu einem langen, dunklen Zopf gebunden wie zuvor in Emondsfeld, das Gesicht bemalt und voller Trauer. »Warum hast du uns verlassen?« fragte sie. »Wir sind tot, weil du uns verlassen hast.«
Rand schüttelte schwach den Kopf auf dem Heu. »Nein, Egwene. Ich wollte euch nicht verlassen. Bitte.«
»Wir sind alle tot«, sagte sie traurig, »und der Tod ist das Reich des Dunklen Königs. Der Dunkle König hat uns, weil du uns verlassen hast.«
»Nein. Ich hatte keine andere Wahl, Egwene. Bitte. Egwene, geh nicht! Komm zurück! Egwene!«
Doch sie wandte sich den Schatten zu und war ein Schatten.
Moiraines Ausdruck war ruhig, doch ihr Gesicht war blaß und blutleer. Ihr Umhang hätte gut als Leichentuch dienen können, und ihre Stimme klang wie eine Peitsche. »Das stimmt, Rand al'Thor. Du hast keine Wahl. Du mußt nach Tar Valon gehen, oder der Dunkle König wird dich sein eigen nennen. Die Ewigkeit, im Schatten angekettet. Nur die Aes Sedai können dich jetzt noch retten. Nur die Aes Sedai.«
Thom grinste ihn boshaft an. Die Kleidung des Gauklers hing in verkohlten Lumpen herunter, so daß er die Lichtblitze vor Augen sah, als Thom mit dem Blassen gekämpft hatte, um ihnen Gelegenheit zur Flucht zu verschaffen. Das Fleisch unter den Lumpen war geschwärzt und verbrannt. »Vertraue den Aes Sedai, Junge, und du wirst dir wünschen, tot zu sein. Denk daran, der Preis für die Hilfe der Aes Sedai ist immer geringer, als du glauben kannst, und immer größer, als du dir vorstellen kannst. Und welche Ajah werden dich zuerst finden, he? Rote? Vielleicht schwarze. Am besten, du läufst weg, Junge. Renn!«
Lans Blick war hart wie Granit, und sein Gesicht blutverschmiert. »Eigenartig, eine Klinge mit dem Reiherzeichen in den Händen eines Schafhirten zu entdecken. Bist du sie wert? Es wäre besser, du wärst ihrer würdig. Jetzt bist du allein. Nichts hinter dir, woran du dich halten kannst, und nichts vor dir. Jeder kann ein Schattenfreund sein.« Er lächelte das Lächeln eines Wolfs, und Blut strömte aus seinem Mund. »Jeder.«
Perrin kam, brachte Anschuldigungen vor, bat um Hilfe. Frau al'Vere weinte um ihre Tochter, und Bayle Domon verfluchte ihn, weil er Blasse zum Angriff auf sein Schiff verleitet hatte. Meister Fitch stand händeringend in der Asche seiner Schenke, und Min schrie in den Klauen eines Trollocs. Menschen, die er kannte, und Menschen, die er nur kurz kennengelernt hatte. Am schlimmsten war es bei Tam. Tam stand über ihm, runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf, doch er sagte kein Wort.
»Du mußt es mir sagen«, bat Rand ihn. »Wer bin ich? Sag es mir, bitte! Wer bin ich? Wer bin ich?« schrie er. »Beruhige dich, Rand!«
Einen Augenblick lang glaubte er, Tam habe geantwortet, aber dann sah er, daß Tam weg war. Mat beugte sich über ihn und hielt ihm eine Tasse Wasser an die Lippen. »Ruhe dich nur einfach aus. Du bist Rand al'Thor, ganz gewiß, und hast das häßlichste Gesicht und den größten Dickschädel von ganz Zwei Flüssen. He, du schwitzt ja! Das Fieber ist weg.«
»Rand al'Thor?« flüsterte Rand. Mat nickte, und darin lag etwas so Beruhigendes, daß Rand einschlief, ohne das Wasser auch nur zu berühren.
Es war ein von Träumen unbelästigter Schlaf -jedenfalls erinnerte er sich später an keine -, aber leicht genug, daß er immer die Augen ein wenig öffnete, wenn Mat nach ihm sah. Einmal fragte er sich, ob Mat überhaupt keinen Schlaf bekäme, aber er schlief selbst wieder ein, bevor der Gedanke weit ausgesponnen war.
Das Quietschen der Türangeln weckte ihn auf, doch er lag einen Augenblick lang nur still im Heu und wünschte sich, noch schlafen zu können. Im Schlaf könnte er seinen Körper nicht fühlen. Seine Muskeln schmerzten höllisch und verliehen ihm ungefähr die Kraft eines ausgewrungenen Lumpens. Er unternahm den schwachen Versuch, den Kopf zu heben. Es gelang ihm beim zweiten Mal.
Mat saß an seinem gewohnten Platz an die Wand gelehnt und so nah, daß er Rand mit einem Griff erreichen konnte. Sein Kinn ruhte auf der Brust, und die hob und senkte sich im sanften Rhythmus tiefen Schlafes. Der Schal war ihm über die Augen gerutscht. Rand sah zur Tür hinüber.
Dort stand eine Frau und hielt die Tür mit einer Hand auf. Einen Moment lang erschien sie ihm nur als dunkle Gestalt in einem Kleid, die sich im schwachen Licht des frühen Morgens abhob, dann aber trat sie ein und ließ die Tür hinter sich zufallen. Er konnte sie nun im Laternenschein besser sehen. Er glaubte, sie müsse ungefähr so alt sein wie Nynaeve, aber sie war kein Dorfmädchen.
Die blaßgrüne Seide ihres Kleids schimmerte bei jeder Bewegung. Ihr Umhang glänzte sanftgrau, und ihr Haar wurde von einem feinen Spitzennetz zusammengehalten. Sie strich mit den Fingern über eine schwere goldene Halskette, während sie Mat und ihn nachdenklich anblickte.
»Mat«, sagte Rand, und dann lauter: »Mat!«
Mat schnaubte und kippte beinahe um, als er erwachte. Er rieb sich den Schlaf aus den Augen und sah die Frau an.
»Ich bin gekommen, um nach meinem Pferd zu sehen«, sagte sie und deutete unbestimmt in Richtung der Boxen. Sie wandte den Blick nicht von den beiden. »Bist du krank?«
»Er ist schon in Ordnung«, sagte Mat steif. »Er hat sich lediglich bei diesem Regen eine Erkältung geholt, das ist alles.«
»Vielleicht sollte ich ihn mir ansehen«, sagte sie. »Ich habe einige Kenntnisse... «
Rand fragte sich, ob sie eine Aes Sedai sei. Noch mehr als ihre Kleidung zeigte ihm ihr selbstsicheres Auftreten, die Art, wie sie den Kopf hielt, als wolle sie gerade einen Befehl erteilen, daß sie nicht hierher gehörte. Und falls sie eine Aes Sedai ist, welcher Ajah gehört sie dann an?