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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Ich weiß«, keuchte Rand. »Ich weiß. Hilf mir mal hoch.«

Mat zog ihn wieder hoch, doch er schwankte und wußte, daß es nicht ging. Beim ersten Schritt, den er wagte, würde er wieder stürzen.

Mat stützte ihn und wartete ungeduldig darauf, daß ein Pferdekarren, der vom Dorf her auf sie zu kam, an ihnen vorbeifuhr. Er brummte überrascht, als der Karren langsamer wurde und vor ihnen anhielt. Ein Mann mit einem Gesicht wie aus Leder blickte vom Bock auf sie herunter. »Stimmt etwas nicht mit ihm?« fragte der Mann, ohne den Pfeifenstiel aus dem Mund zu nehmen. »Er ist nur müde«, sagte Mat.

Rand sah ein, daß diese Erklärung nicht reichen würde, nicht, wenn er sich so auf Mat stützen mußte. Er ließ Mat los und tat einen Schritt von ihm weg. Seine Beine zitterten, doch er hielt sich mit äußerster Willenskraft aufrecht. »Ich habe zwei Tage nicht geschlafen«, sagte er. »Habe etwas gegessen, von dem mir schlecht wurde. Jetzt fühle ich mich besser, aber ich habe nicht geschlafen.«

Der Mann blies eine Rauchfahne aus dem Mundwinkel. »Ihr geht nach Caemlyn, nicht wahr? In eurem Alter, schätze ich, würde ich mich auch aufmachen, um diesen falschen Drachen selbst zu sehen.«

»Ja.« Mat nickte. »Das stimmt. Wir wollen den falschen Drachen sehen.«

»Also, dann klettert mal herauf. Dein Freund kommt hinten hinein. Wenn er sich noch mal erbrechen muß, dann besser auf dem Stroh als hier oben. Heiße Hyam Kinch.«

34

Das letzte Dorf

Sie erreichten Carysfurt nach Einbruch der Dunkelheit, später als Rand nach der Schilderung Meister Kinchs geglaubt hatte, als dieser sie absetzte. Er fragte sich, ob sein ganzes Zeitgefühl durcheinandergeraten sei. Es war nur drei Nächte her seit ihrer Begegnung mit Howal Gode in Vier Könige, und zwei, seit Paitr sie in Markt Scheran überrascht hatte. Nur ein einziger Tag war vergangen, seit die namenlose Schattenfreund-Frau versucht hatte, sie im Stall von Der Königin Diener zu töten, aber selbst das schien nun ein ganzes Jahr oder sogar ein ganzes Leben zurückzuliegen.

Was auch mit der Zeit los sein mochte, Carysford wirkte normal genug, jedenfalls an der Oberfläche. Saubere, mit Ranken bewachsene Backsteinhäuser und enge Gassen, außer natürlich der Straße nach Caemlyn, ruhig und nach außen hin friedlich. Aber was verbirgt sich unter der Oberfläche? fragte er sich. Auch Markt Scheran hatte einen friedlichen Anblick geboten und genauso das Dorf, wo die Frau... Er hatte nie ihren Namen erfahren, und er wollte nicht einmal mehr daran denken.

Licht drang aus den Fenstern der Häuser und fiel auf fast menschenleere Straßen. Das war Rand recht. Sie schlichen sich von Ecke zu Ecke und mieden so die wenigen Leute, die unterwegs waren. Mat marschierte Schulter an Schulter mit ihm. Sie erstarrten, wenn das Knirschen von Kieselsteinen ihnen die Annäherung eines Dorfbewohners ankündigte, und duckten sich von einem Schatten in den anderen, wenn die undeutlich sichtbare Gestalt an ihnen vorbei war. Der Fluß Cary war hier kaum dreißig Schritte breit, und das schwarze Wasser floß zäh dahin. Anstatt der Furt benützte man schon lange eine Brücke. Jahrhunderte von Regen und Wind hatten die steinernen Befestigungen verwittern lassen, bis sie nun beinahe wie natürliche Felsformationen wirkten. Jahrelanges Benützen der Brücke durch Frachtwagen und Wagenzüge von Händlern hatten die dicken Holzplanken ebenfalls beansprucht. Ihre Stiefelschritte hallten auf losen Brettern so laut wie Trommelschläge wider. Als sie schon lange aus dem Dorf hinaus und in die dahinter liegende Landschaft gewandert waren, wartete Rand immer noch darauf, daß eine Stimme sie auffordere, zu sagen, wer sie waren. Oder, noch schlimmer, daß jemand sie anhielt, der wußte, wer sie waren.

Je weiter sie gingen, desto dichter besiedelt erschien ihnen die sie umgebende Landschaft. Sie konnten zu jeder Zeit die Lichter von Bauernhöfen erkennen. Die Straße und die dahinterliegenden Felder wurden durch Hecken und Weidezäune abgegrenzt. Es waren immer Felder, aber keine Waldstücke in der Nähe der Straße zu sehen. Es schien ihnen, als befänden sie sich ständig am Rand eines Dorfes, auch wenn sie Wegstunden weit von der nächsten Ansiedlung entfernt waren. Ordentlich und friedlich. Und es gab niemals einen Hinweis darauf, daß irgendwo Schattenfreunde oder noch schlimmeres lauern könnten.

Plötzlich setzte sich Mat mitten auf die Straße. Er hatte den Schal ganz oben auf seinen Kopf hinaufgeschoben, denn die einzige Beleuchtung jetzt kam vom Mond her. »Zwei Schritte für jede Spanne«, murmelte er. »Tausend Spannen ergeben eine Meile, vier Meilen eine Wegstunde... Ich werde keine zehn Schritte mehr laufen, wenn sich am Ende kein Schlafplatz befindet. Etwas zu essen käme auch nicht ungelegen. Du hast nicht zufällig etwas in deinen Taschen versteckt, oder? Vielleicht einen Apfel? Ich nehme es dir nicht übel, wenn du was aufgehoben hast. Du könntest wenigstens mal nachsehen.«

Rand spähte nach beiden Seiten die Straße hinunter. Außer ihnen bewegte sich nichts in der Nacht. Er sah Mat an, der einen Stiefel ausgezogen hatte und sich den Fuß rieb. Seine Füße schmerzten ebenfalls. Ein Beben rann durch seine Beine, als wollten sie ihm mitteilen, daß er noch nicht soviel Kraft zurückgewonnen hatte, wie er glaubte.

Gerade vor ihnen erhoben sich dunkle Hügel in einem Feld. Heumieten, wohl geschrumpft wegen des Bedarfs an Winterfutter, doch immer noch Heumieten.

Er stupste Mat mit dem großen Zeh an. »Dort werden wir schlafen.«

»Wieder im Heu!« Mat seufzte, zog aber seinen Stiefel wieder an und stand auf. Der Wind frischte auf, und die Kälte der Nacht nahm zu. Sie kletterten über die glatten Querbalken des Zauns und gruben sich schnell in das Heu ein. Die Plane, die den Regen vom Heu abhielt, schützte auch gegen den Wind.

Rand drehte sich so lange in der Kuhle, die er gemacht hatte, hin und her, bis er eine bequeme Stellung erreicht hatte. Das Heu piekste ihn immer noch durch die Kleidung hindurch, aber er hatte gelernt, sich damit abzufinden. Er bemühte sich, die Heumieten zu zählen, in denen er seit Weißbrücke geschlafen hatte. Die Helden in den Geschichten mußten nie in Heumieten oder unter Hecken schlafen. Aber es fiel ihm auch nicht mehr gerade leicht, sich auch nur für kurze Zeit selbst für einen solchen Helden zu halten. Seufzend zog er seinen Kragen hoch. Er hoffte, daß so kein Heu an seinem Rücken herunterrutschen werde.

»Rand?« fragte Mat leise. »Rand, glaubst du, wir schaffen es?«

»Tar Valon? Der Weg ist noch weit, aber... «

»Caemlyn. Glaubst du, wir schaffen es bis Caemlyn?«

Rand hob den Kopf, doch es war dunkel in ihrem Bau. Er konnte sich nur nach Mats Stimme richten, wenn er feststellen wollte, wo sich der Freund befand. »Meister Kinch sagte, in zwei Tagen. Übermorgen oder am Tag danach kommen wir hin.«

»Falls nicht hundert Schattenfreunde an der Straße auf uns warten, oder ein Blasser, vielleicht auch zwei.« Einen Moment lang waren sie still, dann sagte Mat: »Ich glaube, wir sind als letzte übriggeblieben, Rand.« Er klang verängstigt. »Worum es auch immer gehen mag, jetzt sind nur noch wir zwei da. Nur wir.«

Rand schüttelte den Kopf. Er wußte, daß Mat dies im Dunkeln nicht sehen konnte, aber die Geste galt auch mehr ihm selbst als Mat. »Schlafe, Mat«, sagte er müde. Aber er selbst lag noch lange wach, bevor endlich der Schlaf kam. Nur wir.

Das Krähen eines Hahnes weckte ihn, und er krabbelte hinaus in die erste Dämmerung und wischte sich das Heu von den Kleidern. Trotz seiner Vorsicht war etwas seinen Rücken heruntergerieselt. Zwischen seinen Schulterblättern hing Heu, und es juckte gewaltig. Er zog den Mantel aus und das Hemd aus den Kniebundhosen, um heranzukommen. In dem Moment — er hatte eine Hand im Nacken, und mit der anderen kratzte er sich am Rücken -wurde er auf die Menschen aufmerksam.

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