Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Er zögerte, als sie vor der Schenke standen, aber selbst wenn die Preise in Der Königin Diener nicht so hoch waren wie in Markt Scheran, konnten sie sich doch keine Mahlzeit oder kein Zimmer leisten, weder beides zusammen noch eines davon.
Mat bemerkte seine Blickrichtung und klopfte sich auf die Tasche, in der er Thoms farbige Bälle aufbewahrte. »Ich kann gut genug sehen, solange ich nichts ganz Ausgefallenes versuche.« Seine Augen waren wieder besser geworden, doch er trug noch den Schal um die Stirn und hatte während des Tages immer blinzeln müssen, wenn er zum Himmel aufsah. Als Rand schwieg, fuhr Mat fort: »Es kann doch nicht in jeder Schenke bis Caemlyn Schattenfreunde geben. Außerdem will ich nicht unter einem Busch schlafen, wenn ich ein Bett haben kann.« Er machte allerdings keine Anstalten, zur Schenke zu gehen, sondern stand nur da und wartete auf Rand.
Nach einem Augenblick nickte Rand. Er war so müde wie nie zuvor, seit er die Heimat verlassen hatte. Wenn er nur an eine Nacht im Freien dachte, schmerzten schon seine Knochen. Das wirkt sich alles jetzt erst aus. Die ganze Rennerei, das ständige Nach-hinten-Ausschauen. »Sie können nicht überall sein«, stimmte er zu.
Beim ersten Schritt in den Schankraum hinein fragte er sich, ob er einen Fehler begangen hatte. Es war sauber hier, aber voll. Jeder Tisch war besetzt, und einige Männer lehnten an der Wand, weil sie keinen Sitzplatz gefunden hatten. An der Art, wie sich die Kellnerinnen mit gehetztem Blick zwischen den Tischen durchzwängten — und auch der Wirt — sah man, daß die Menge größer war als gewohnt. Zu viele Leute für dieses kleine Dorf. Es war leicht, die Leute herauszupicken, die nicht von hier waren. Sie waren nicht anders als die anderen gekleidet, aber sie konzentrierten sich aufs Essen und Trinken. Die Einheimischen beobachteten dagegen vor allem die Fremden.
Die Luft war erfüllt vom Lärm unzähliger Gespräche, so daß der Wirt sie in die Küche mitnahm, nachdem Rand ihm klargemacht hatte, daß sie mit ihm sprechen mußten. Der Lärm war dort fast genauso schlimm. Der Koch und seine Helfer hantierten mit klappernden Töpfen, und alle rannten durcheinander.
Der Wirt wischte sich mit einem Taschentuch das Gesicht ab. »Ich schätze, ihr seid auf dem Weg nach Caemlyn, um genau wie jeder andere Narr in der Gegend den falschen Drachen zu sehen. Also, es schlafen immer sechs in einem Zimmer und zwei oder drei in einem Bett, und wenn euch das nicht paßt, habe ich nichts für euch.«
Rand zog seine Nummer mit einem unangenehmen Gefühl im Magen ab. Wenn so viele Menschen unterwegs waren, konnte ja jeder zweite ein Schattenfreund sein, und es gab keine Möglichkeit, sie von den anderen zu unterscheiden. Mat führte seine Jongleurkunststücke vor -er gebrauchte nur drei Bälle und war auch damit besonders vorsichtig -, und Rand holte Thoms Flöte heraus. Nach nur wenigen Noten von ›Der alte Schwarzbär‹ nickte der Wirt ungeduldig.
»Das reicht schon. Ich brauche etwas, um die Idioten von diesem Logain abzulenken. Es hat schon drei Raufereien gegeben, weil sich welche stritten, ob er nun wirklich der Drache ist oder nicht. Stellt eure Sachen in die Ecke, und ich schaffe euch drin etwas Platz, falls das irgendwo möglich ist. Die Welt ist voll von Narren, die nicht genug Hirn haben, um dort zu bleiben, wo sie sind. Deswegen gibt es einen solchen Wirbel. Leute, die nicht dort bleiben, wo sie hingehören.« Er wischte sich wieder die Stirn ab und eilte, leise vor sich hin brummend, aus der Küche.
Der Koch und seine Helfer beachteten Rand und Mat nicht. Mat rückte immer wieder an dem Schal um seine Stirn, schob ihn hoch, blinzelte ins Licht und zog ihn dann wieder runter. Rand fragte sich, ob er wirklich gut genug sehen konnte, um etwas Komplizierteres zu jonglieren als nur drei Bälle. Was ihn selbst betraf...
Das flaue Gefühl in seinem Magen wurde stärker. Er ließ sich auf einen niedrigen Hocker fallen und hielt den Kopf in beiden Händen. Die Küche erschien ihm kalt. Er zitterte. Dampf erfüllte die Luft; Herde und Öfen strahlten knackend Wärme ab. Sein Zittern wurde stärker; die Zähne klapperten. Er schlang die Arme um seinen Körper, aber es half nichts. Seine Knochen schienen einzufrieren.
Undeutlich bemerkte er, daß Mat ihn etwas fragte, seine Schulter rüttelte und daß jemand fluchte und aus dem Raum rannte. Dann war der Wirt da und an seiner Seite mit düsterer Miene der Koch, und Mat stritt sich lauthals mit beiden. Er konnte nicht verstehen, was sie sagten; die Worte verschwammen in seinen Ohren zu einem Summen, und dann konnte er überhaupt nicht mehr denken.
Plötzlich packte ihn Mat am Arm und zog ihn auf die Beine. Alle ihre Sachen — Satteltaschen, Deckenrollen, Thoms gebündelter Umhang und die Instrumentenkästen -hingen zusammen mit seinem Bogen an Mats Schulter. Der Wirt beobachtete sie und wischte sich ängstlich übers Gesicht. Torkelnd, mehr von Mat gestützt als aus eigener Kraft, ließ sich Rand von seinem Freund zur Hintertür bugsieren.
»T-t-t-ut mmmir l-l-eid, Mmmat«, brachte er heraus. Er konnte sein Zähneklappern nicht unterdrücken. »Mm-muß der R-r-r-egen gewe-sen sssein. Nnnoch 'ne N-n-nacht drrrrau-ßen werddden wir a-a-auch nnnoch übers-st-stehen, dddenke ich.« Der Himmel verdunkelte sich in der Dämmerung. Eine Handvoll Sterne funkelten.
»Keine Rede davon«, sagte Mat. Er bemühte sich, ermutigend zu klingen, aber Rand konnte die versteckten Sorgen durchaus heraushören. »Er hatte Angst, die anderen Leute würden herausfinden, daß ein Kranker sich in seiner Schenke aufhält. Ich sagte ihm, wenn er uns hinauswerfe, würde ich dich in den Schankraum bringen. Dann wäre die Hälfte seiner Zimmer innerhalb von zehn Minuten leer. Auch wenn er immer von Narren spricht, will er das dann doch nicht.« »W-w-wohin gehen w-w-wir?«
»Hierher«, sagte Mat und zog mit einem lauten Knarren der Scharniere die Stalltür auf.
Innen war es dunkler als draußen, und es roch nach Heu und Getreide und Pferden und durch alles hindurch drang der Gestank von Pferdemist. Als Mat ihn auf den strohbedeckten Boden sinken ließ, kauerte er sich mit angezogenen Beinen zusammen, die Brust an den Knien und die Arme um die Beine geschlungen, und er zitterte von Kopf bis Fuß. Alle Kraft schien in dieses Zittern zu fließen. Er hörte, wie Mat stolperte und fluchte und noch mal stolperte, und dann ein metallisches Klappern. Plötzlich erglühte ein Licht. Mat hielt eine zerbeulte alte Laterne hoch.
Wenn die Schenke voll gewesen war, dann aber auch der Stall. In jeder Box stand ein Pferd. Einige davon hoben die Köpfe und blinzelten ins Licht. Mat sah überlegend die Leiter zum Heuboden an und dann Rand, der am Boden kauerte, doch dann schüttelte er den Kopf.
»Dich krieg' ich da nie hinauf«, murmelte Mat. Er hängte die Laterne an einen Nagel, kletterte die Leiter hinauf und warf einen Armvoll Heu nach dem anderen hinunter. Dann kletterte er eilig wieder runter, bereitete ein Bett am hinteren Ende des Stalles und legte Rand darauf. Mat bedeckte ihn mit beiden Umhängen, aber Rand schob sie sofort wieder von sich.
»Heiß«, stöhnte er. Es war ihm undeutlich bewußt, daß er einen Moment vorher noch gefroren hatte, aber nun fühlte er sich wie in einem Ofen. Er riß an seinem Kragen und warf den Kopf zurück. »Heiß!« Er fühlte Mats Hand auf seiner Stirn.
»Ich bin gleich zurück«, sagte Mat und verschwand.
Er wälzte sich krampfhaft auf dem Heu herum — er wußte nicht, wie lange -, bis Mat mit einem gefüllten Teller in einer Hand und einem Krug in der anderen zurückkehrte. Zwei weiße Tassen hingen an den Griffen von seinen Fingern herunter.
»Hier gibt es keine Seherin«, sagte er, als er neben Rand auf die Knie fiel. Er füllte eine der Tassen und hielt sie an Rands Mund. Rand stürzte das Wasser hinunter, als habe er tagelang nichts mehr getrunken; jedenfalls fühlte er sich so. »Sie wissen nicht einmal, was eine Seherin ist. Was sie haben, ist jemand namens Mutter Brune, aber sie steckt irgendwo und befördert ein Kind auf die Welt, und niemand weiß, wann sie zurück sein wird. Ich habe ein wenig Brot und Käse und Wurst bekommen. Der gute Meister Inlow wird uns alles geben, solange wir außer Sicht seiner Gäste bleiben. Hier, versuch mal.«