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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Als der Abend hereinbrach, wurde der Strom im zweiten Ort langsam dünner. Die paar mit Geld verschwanden in der Schenke, obwohl es Streit darum zu geben schien, ob man sie überhaupt einlassen solle, während andere sich daran machten, nach günstigen Hecken oder Feldern zu suchen, die nicht von Hunden bewacht wurden. Als die Sonne verschwand, hatten er und Mat die Straße für sich allein. Mat begann schon davon zu sprechen, daß sie wieder eine Heumiete suchen sollten, aber Rand bestand darauf, weiterzuziehen. »Solange wir die Straße sehen können«, sagte er. »Je weiter wir noch kommen, desto größer ist unser Vorsprung.« Falls sie dich überhaupt noch jagen. Warum sollten sie das tun, wenn sie mittlerweile darauf gewartet haben, daß du zu ihnen kommst?

Das war schwerwiegend genug für Mat. Er sah sich gelegentlich um und beschleunigte seine Schritte. Rand mußte sich beeilen, um mitzuhalten.

Die Nacht wurde immer dunkler, und nur ein wenig Mondlicht hellte sie etwas auf. Mats Energieausbruch verging, und seine Klagen begannen von neuem. In Rands Waden verknoteten sich die Muskeln und schmerzten. Er sagte sich, daß er an einem harten Arbeitstag mit Tam auf dem Hof mehr gelaufen sei, aber so oft er sich das auch einzureden versuchte, er konnte es nicht glauben. So knirschte er mit den Zähnen, ignorierte Muskelkater und Schmerzen und ging weiter.

Bei Mats ewigen Klagen und seiner ständigen Konzentration auf den jeweils nächsten Schritt waren sie schon beinahe im Dorf, bevor sie die Lichter bemerkten. Er blieb taumelnd stehen. Plötzlich bemerkte er das Brennen, das sich von einem Fuß das ganze Bein hinaufzog. Er glaubte, er habe am rechten Fuß eine Blase.

Als er die Lichter des Dorfes sah, sank Mat stöhnend auf die Knie. »Können wir jetzt Schluß machen?« schnaufte er. »Oder willst du eine Schenke suchen und für die Schattenfreunde ein Schild hinaushängen? Oder für einen Blassen?«

»Auf der anderen Seite des Orts«, antwortete Rand Er betrachtete die Lichter. Aus dieser Entfernung in der Dunkelheit hätte es auch Emondsfeld sein können. Was erwartet uns hier? »Nur noch eine Meile, das ist alles.«

»Alles? Ich gehe keine Spanne weiter!«

Rands Beine brannten wie Feuer, doch er quälte sich einen Schritt weiter und dann noch einen. Es wurde nicht leichter, aber er machte weiter, immer einen Schritt nach dem anderen. Bevor er zehn Schritte getan hatte, hörte er, wie Mat ihm hinterherwankte, wobei er leise fluchte. Er sagte sich, es sei schon gut, daß er nicht verstehen könne, was Mat sagte. Es war spät genug, um leere Dorfstraßen anzutreffen, aber in den meisten Häusern brannte zumindest in einem Fenster ein Licht. Die Schenke in der Dorfmitte war hell beleuchtet und von einem goldenen Lichtsee umgeben, der die Dunkelheit zurückdrängte. Musik und Lachen, von dicken Wänden gedämpft, drangen aus dem Gebäude. Das Schild über der Tür knarrte im Wind. Am ihnen zugewandten Ende der Schenke standen ein Karren und ein Pferd auf der Straße nach Caemlyn. Ein Mann überprüfte gerade das Geschirr. Zwei Männer standen am hinteren Ende des Gebäudes an der Kante der beleuchteten Zone. Rand blieb im Schatten eines unbeleuchteten Hauses stehen. Er war zu müde, um sich durch die umliegenden Gassen hindurchzufinden. Es konnte nicht schaden, sich eine Minute auszuruhen. Nur eine Minute. Nur, bis die Männer weggingen. Mat sackte mit einem dankbaren Seufzer gegen die Wand und lehnte sich daran, als wolle er gleich hier einschlafen.

Etwas an den beiden Männern, die am Rand des Schattens standen, machte Rand mißtrauisch. Er wußte zunächst selbst nicht, warum, aber er stellte fest, daß es dem Mann am Karren genauso erging. Er überprüfte den Gurt, den er in der Hand hatte, bis zum Ende, rückte ein wenig an der Trense des Pferdes und ging dann ein Stück nach hinten, um wieder von vorne anzufangen. Er hielt die ganze Zeit über den Kopf gesenkt, blickte auf das, was er gerade zu tun hatte, und vermied es, die anderen Männer anzusehen. Es hätte sein können, daß er sich ihrer Gegenwart gar nicht bewußt war, obwohl sie weniger als fünfzehn Schritt von ihm entfernt standen, aber er bewegte sich so steif und drehte sich manchmal so übertrieben bei der Arbeit um, als wolle er nicht in ihre Richtung blicken. Einer der Männer am Schattenrand war nur als schwarze Gestalt sichtbar, aber der andere stand weiter im Licht und drehte Rand den Rücken zu. Auch dann war allerdings klar, daß die Unterhaltung für ihn nicht gerade einen erfreulichen Verlauf nahm. Er rang die Hände und blickte zu Boden; manchmal nickte er ruckartig bei einer Äußerung seines Gegenübers. Rand konnte nichts verstehen, aber er gewann den Eindruck, daß der Mann im Schatten die Unterhaltung fast allein bestritt. Der nervöse Mann hörte nur zu und nickte und rang ängstlich die Hände.

Schließlich wandte sich der in Dunkelheit gehüllte Mann ab, und der nervöse Bursche kam weiter ins Licht. Trotz der Kälte wischte er sich mit seiner langen Schürze über das Gesicht, als sei er in Schweiß gebadet.

Rand hatte eine Gänsehaut, als er die Gestalt beobachtete, die in die Nacht hineinging. Er wußte nicht, warum, aber seine eigene Nervosität bezog sich ganz auf diesen Mann. Die Haut im Nacken juckte, und die Haare an den Armen stellten sich auf, als erkenne er plötzlich, daß sich etwas angeschlichen habe. Er schüttelte kurz den Kopf und rieb sich kräftig die Arme. Jetzt stelle ich mich auch schon so dumm an wie Mat.

In diesem Augenblick glitt die Gestalt an einem erleuchteten Fenster vorbei, und Rand lief ein kalter Schauder den Rücken hinunter. Das Schild über dem Eingang der Schenke knarrte unaufhörlich im Wind, doch der dunkle Umhang blieb unbeweglich hängen.

»Blasser«, flüsterte er, und das riß Mat hoch, als habe er geschrien.

»Was...?«

Er legte Mat die Hand auf den Mund. »Leise!« Die dunkle Gestalt verlor sich in der Nacht. Wohin? »Ich glaube, er ist jetzt weg. Ich hoffe es.« Er nahm die Hand wieder weg; der einzige Laut, den Mat von sich gab, war ein langes Einatmen.

Der nervöse Mann befand sich beinahe wieder am Eingang der Schenke. Er blieb stehen und glättete seine Schurze. Offensichtlich bemühte er sich, sich zusammenzureißen, bevor er hineinging.

»Seltsame Freunde habt Ihr, Raimun Holdwin«, sagte der Mann am Karren plötzlich. Es war die Stimme eines alten Mannes, aber sie klang kräftig. Der Sprecher richtete sich auf und schüttelte den Kopf. »Für einen Wirt seltsame Freunde im Dunkeln.«

Der nervöse Mann fuhr zusammen, als der andere ihn ansprach. Er blickte sich um, als habe er den Wagen und den anderen Mann vorher nicht bemerkt. Er atmete tief ein und rappelte sich auf. Dann fragte er scharf: »Und was meint Ihr damit, Almen Bunt?«

»Nur, was ich gesagt habe, Holdwin. Seltsame Freunde. Er kommt nicht aus dieser Gegend. Eine Menge fremdartiger Leute kommen seit ein paar Wochen hier durch. Eine ganze Menge sogar.«

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