Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Laß uns in Ruhe«, sagte Rand. »Und sag deinen Freunden, sie sollen uns in Ruhe lassen. Wir wollen nichts von ihnen, und sie werden nichts von uns bekommen.«
»Wenn nicht«, fügte Mat leidenschaftlich hinzu, »werde ich dich als das entlarven, was du bist. Paß auf, was deine Freunde aus dem Dorf davon halten!«
Rand hoffte, daß er das nicht ernst gemeint hatte. Das könnte sie genauso in Schwierigkeiten bringen wie Paitr.
Paitr schien die Drohung ernst zu nehmen. Sein Gesicht wurde bleich. »Ich... ich hörte, was in Vier Könige geschehen ist. Zumindest einiges darüber. Es spricht sich herum. Wir haben unsere eigenen Quellen. Aber hier will euch niemand eine Falle stellen. Ich bin allein und... und ich will nur mit euch reden.«
»Worüber?« fragte Mat zur gleichen Zeit, als Rand sagte: »Wir interessieren uns nicht dafür.« Sie sahen sich an und Mat zuckte die Achseln. »Wir sind nicht interessiert«, sagte auch er.
Rand schluckte den Rest der Milch hinunter und stopfte sich den Rest seiner Brothälfte in die Manteltasche. Da ihr Geld beinahe verbraucht war, könnte das ihre nächste Mahlzeit werden.
Wie sollten sie die Schenke verlassen? Wenn Paitr bemerkte, daß Mat fast blind war, würde er es den anderen erzählen... anderen Schattenfreunden. Einmal hatte Rand beobachtet, wie ein Wolf ein verkrüppeltes Schaf von der Herde trennte. Es waren noch andere Wölfe da, und er konnte weder die Herde verlassen, noch hatte er freies Schußfeld mit dem Bogen. Sobald das Schaf allein war und angsterfüllt blökte, während es verzweifelt auf drei Beinen einherhumpelte, wurden aus dem einen verfolgenden Wolf wie durch Zauberei zehn. Die Erinnerung daran drehte ihm den Magen herum. Sie konnten nicht hierbleiben. Selbst wenn Paitr die Wahrheit sagte, daß er allein war: Wie lange würde das so bleiben?
»Es ist Zeit zum Aufbruch, Mat«, sagte er und hielt den Atem an. Als Mat aufstand, lenkte er Paitrs Aufmerksamkeit auf sich, beugte sich vor und sagte: »Laß uns in Ruhe, Schattenfreund. Ich sage es dir ein letztes Mal. Laß uns in Ruhe!«
Paitr schluckte und kauerte sich auf seinem Stuhl zusammen. Sein Gesicht schien völlig blutleer. Rand mußte an einen Myrddraal denken. Als er sich wieder nach Mat umsah, stand dieser bereits, und seine Hilflosigkeit war nicht zu sehen. Rand hängte sich hastig die eigenen Satteltaschen und anderen Bündel um, wobei er sich bemühte, den Umhang über das Schwert zu ziehen. Vielleicht wußte Paitr bereits davon; vielleicht hatte Gode Ba'alzamon davon erzählt, und Ba'alzamon hatte es Paitr gesagt, aber er glaubte das eigentlich nicht. Er glaubte, Paitr habe nur eine ganz blasse Ahnung davon, was in Vier Könige geschehen war. Deshalb hatte er solche Angst.
Der relativ helle Umriß der Tür half Mat, in einer geraden Linie daraufzuzugehen, wenn auch nicht schnell, so doch auch nicht langsam genug, um unnatürlich zu wirken. Rand folgte dicht hinter ihm und betete, er möge nicht stolpern. Er war dankbar dafür, daß in Mats Weg keine Hindernisse wie Tische oder Stühle standen.
Hinter ihm sprang Paitr plötzlich auf. »Wartet«, sagte er verzweifelt. »Ihr müßt warten.«
»Laß uns in Ruhe«, sagte Rand, ohne sich umzuschauen. Sie waren schon fast an der Tür, und Mat hatte noch keinen falschen Schritt getan.
»Hört doch auf mich«, sagte Paitr und legte eine Hand auf Rands Schulter, um ihn aufzuhalten.
Bilder wirbelten ihm durch den Kopf. Der Trolloc, Narg, der in seinem eigenen Haus auf ihn losging. Der drohende Myrddraal im Hirsch und Löwen in Baerlon. Überall Halbmenschen, Blasse, die sie bis Shadar Logoth hetzten und sie in Weißbrücke einfangen wollten. Überall Schattenfreunde. Er fuhr herum und ballte eine Hand zur Faust. »Ich sagte, du sollst uns in Ruhe lassen!« Seine Faust erwischte Paitr genau auf der Nase. Der Schattenfreund fiel auf den Hosenboden, saß da und blickte zu Rand hoch. Aus seiner Nase rann Blut. »Ihr könnt nicht entkommen«, fuhr er sie wütend an. »Ganz gleich, wie stark ihr seid, der Große Herr der Dunkelheit ist stärker. Der Schatten wird euch verschlingen!«
Aus dem Inneren des Schankraums hörte man ein Keuchen und das Geklapper eines zu Boden fallenden Besenstiels. Der alte Mann mit dem Besen hatte ihre Auseinandersetzung schließlich doch gehört. Er stand da und starrte Paitr mit weit aufgerissenen Augen an. Sein runzliges Gesicht erbleichte, und sein Mund bewegte sich, doch es kam kein Laut heraus. Paitr schaute ihn einen Moment lang ebenfalls an, fluchte dann wild, sprang auf die Füße und hetzte aus der Schenke und die Straße hinunter, als seien ihm hungrige Wölfe auf den Fersen. Der alte Mann wandte seine Aufmerksamkeit Rand und Mat zu, wobei er kein bißchen weniger verängstigt wirkte.
Rand schob Mat aus der Schenke hinaus, und sie verließen das Dorf, so schnell sie nur konnten. Die ganze Zeit über lauschte Mat, ob sich Geschrei erheben werde, doch auch wenn ein Dröhnen in seinen Ohren hallte, es kam nichts.
»Blut und Asche«, grollte Mat, »sie sind immer da, immer dicht auf unseren Fersen. So entkommen wir nie.« »Nein, sind sie nicht«, sagte Rand. »Wenn Ba'alzamon wüßte, daß wir hier waren, glaubst du, er hätte das diesem Burschen überlassen? Da wäre eher ein anderer Gode gekommen, mit zwanzig oder dreißig Schlägern. Sie jagen uns noch, doch sie werden nichts erfahren, bis Paitr es ihnen erzählt, und vielleicht ist er ja auch wirklich allein. Er muß möglicherweise den ganzen Weg nach Vier Könige zurücklaufen, denke ich mir.« »Aber er sagte... «
»Es ist mir gleich.« Er war nicht sicher, wen Mat mit ›er‹ meinte, aber es änderte auch nichts. »Wir werden nicht stillhalten und uns von ihnen fangen lassen.«
Im Laufe des Tages wurden sie sechsmal mitgenommen, wenn auch immer nur für ein kurzes Stück. Ein Bauer erzählte ihnen, daß ein verrückter alter Mann in der Schenke von Markt Scheran erzähle, es gebe Schattenfreunde im Dorf. Der Bauer konnte sich vor Lachen kaum halten. Er wischte sich immer wieder Tränen von den Wangen. Schattenfreunde in Markt Scheran! Das war die beste Geschichte, die er gehört hatte, seit Ackley Farren sich hatte vollaufen lassen und dann die Nacht auf dem Dach der Schenke verbringen mußte.
Ein anderer Mann — er war Wagner von Beruf, und an den Seitenwänden seines Karrens hingen Werkzeuge und hinten drauf lagen zwei Wagenräder — erzählte eine ganz andere Geschichte. Zwanzig Schattenfreunde hatten sich in Markt Scheran versammelt. Die Körper der Männer hatten ganz mißgestaltet ausgesehen, und die der Frauen noch schlimmer, und sie seien alle schmutzig gewesen und in Lumpen einhergegangen. Wenn sie einen nur anschauten, wurde man schwach in den Knien und der Magen drehte sich einem um, und wenn sie lachten, hallte einem das dreckige Gegackere noch stundenlang in den Ohren nach und der Kopf schien einem zu zerspringen. Er hatte sie selbst gesehen, wenn auch nur auf einige Entfernung, weit genug, um in Sicherheit zu sein. Wenn die Königin nicht bald etwas unternehme, sollte man eben die Kinder des Lichts um Hilfe bitten. Irgend jemand müßte unbedingt etwas dagegen tun.
Sie waren erleichtert, als der Wagner sie heruntersteigen ließ.
Mit der tiefstehenden Sonne im Rücken gelangten sie in ein kleines Dorf, das Markt Scheran sehr ähnlich sah. Die Straße nach Caemlyn teilte den Ort sauber in zwei Hälften, aber auf beiden Seiten der breiten Straße standen Reihen kleiner Backsteinhäuser mit strohgedeckten Dächern. Die Steine waren von Ranken überwuchert, doch nur wenige Blätter hingen daran. Das Dorf wies eine Schenke auf, ein kleines Gebäude, nicht größer als die Weinquellenschenke, von deren Vorderseite ein Schild herabhing, das im Wind hin- und herknarrte. Der Königin Diener.
Seltsam, nun auf einmal die Weinquellenschenke als klein zu betrachten. Rand konnte sich an Zeiten erinnern, als er geglaubt hatte, sie sei so groß, wie ein Gebäude überhaupt nur sein konnte. Jedes größere müsse bereits ein Palast sein. Aber mittlerweile hatte er ein paar Dinge gesehen, und so wurde ihm plötzlich klar, daß für ihn nichts mehr so sein würde wie früher, wenn er nach Hause käme. Falls das jemals geschieht.