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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Der Wirt war so sauber wie seine ganze Schenke. Er hatte eine leuchtendweiße Schürze umgebunden. Rand war froh, als er sah, daß er ein molliger Mann war; er bezweifelte, jemals wieder einem mageren Wirt trauen zu können. Er hieß Rulan Allwine. Das war ein gutes Omen, dachte Rand, denn der Name klang so sehr nach Emondsfeld. Er musterte sie von oben bis unten und machte sie höflich darauf aufmerksam, daß sie im voraus zu zahlen hätten. »Ich will damit nicht sagen, daß ihr zu der zweifelhaften Sorte gehört, aber heutzutage befinden sich doch einige auf der Wanderschaft, die nicht gerade scharf darauf sind, am nächsten Morgen zu bezahlen. Es scheint, daß eine Menge junger Leute auf dem Weg nach Caemlyn sind.«

Rand nahm keinen Anstoß an seinen Worten, so feucht und abgerissen, wie sie aussahen. Als Meister Allwine den Preis nannte, riß er allerdings die Augen auf, und Mat gab einen erstickten Laut von sich. Die fetten Backen des Wirts wackelten, als er bedauernd den Kopf schüttelte, aber er schien daran gewöhnt zu sein. »Die Zeiten sind schwer«, sagte er in bedauerndem Tonfall.

»Es gibt nicht viel, und das bißchen, was man bekommen kann, kostet fünfmal soviel wie früher. Nächsten Monat wird es wieder mehr kosten, darauf könnte ich wetten.«

Rand holte sein Geld heraus und sah Mat an. Mats Mund verzog sich unwillig. »Willst du unter einem Busch schlafen?« fragte Rand. Mat seufzte und leerte zögernd seine Taschen. Als er bezahlt hatte, schnitt Rand eine Grimasse. Es war so wenig übrig, was er mit Mat teilen konnte. Aber zehn Minuten später aßen sie Eintopf an einem Tisch in einer Ecke in der Nähe des Kamins. Sie schoben das Essen mit Brotstücken auf ihre Löffel. Die Portionen waren nicht so groß, wie Rand es gern gesehen hätte, aber sie waren heiß und nahrhaft. Langsam durchdrang ihn die Wärme vom Kamin her. Er gab vor, nur Augen für seinen Teller zu haben, aber er behielt die Tür ständig ganz genau im Auge. Diejenigen, die eintraten oder hinausgingen, sahen ausnahmslos wie Bauern aus, aber das reichte nicht, um ihm alle Angst zu nehmen.

Mat aß langsam und genoß jeden Bissen, obwohl er sich über die hellen Lampen beklagte. Nach einer Weile holte er den Schal heraus, den der Bauer ihm gegeben hatte, und wickelte ihn um die Stirn. Er zog ihn so weit herunter, daß seine Augen fast verborgen waren. Das zog einige Blicke nach sich, die Rand lieber vermieden hätte. Er leerte seinen Teller hastig, forderte Mat auf, es ihm gleichzutun, und bat dann Meister Allwine, ihnen ihr Zimmer zu zeigen.

Der Wirt schien überrascht, daß sie sich so früh zurückziehen wollten, aber er sagte nichts weiter dazu. Er holte eine Kerze und führte sie durch ein Labyrinth von Korridoren zu einem kleinen Zimmer mit zwei engen Betten, ganz hinten in einer Ecke des Gasthofes. Nachdem der Wirt sich entfernt hatte, ließ Rand sein Bündel neben das Bett fallen, warf seinen Umhang über einen Stuhl und sackte, angezogen, wie er war, auf die Bettdecke. Seine Kleider waren noch feucht, und er fühlte sich nicht wohl darin, aber er wollte vorbereitet sein, falls sie fliehen mußten. Er behielt auch den Schwertgürtel an und schlief mit einer Hand am Knauf.

Am Morgen wurde er von einem krähenden Hahn aus dem Schlaf gerissen. Er lag da, beobachtete, wie die Dämmerung das Fenster erhellte, und überlegte, ob er es wagen sollte, noch ein Weilchen zu schlafen. Am Tag zu schlafen, wenn sie eigentlich unterwegs sein sollten! Er gähnte, daß seine Kiefer knackten.

»He«, rief Mat, »ich kann ja sehen!« Er setzte sich in seinem Bett auf und blickte sich blinzelnd im Zimmer um. »Jedenfalls ein wenig. Dein Gesicht ist immer noch verschwommen, aber ich kann erkennen, wer du bist. Ich wußte, es würde wieder gut werden. Heute abend sehe ich besser als du, wart's nur ab.«

Rand sprang aus dem Bett und kratzte sich, als er seinen Umhang aufhob. Seine Kleidung war ganz zerknittert, nachdem er sie am Körper hatte trocknen lassen, und alles kratzte. »Wir verschwenden Tageslicht«, sagte er. Mat stand genauso schnell auf wie er, und auch er kratzte sich.

Rand fühlte sich wohl. Sie waren eine Tagesreise weit von Vier Könige entfernt, und es hatte sich noch keiner von Godes Männern gezeigt. Ein Tag weniger nach Caemlyn, wo Moiraine auf sie warten würde. Bestimmt würde sie warten. Wenn sie nur endlich wieder bei der Aes Sedai und dem Behüter wären, dann brauchten sie sich keine Sorgen wegen der Schattenfreunde mehr zu machen. Es war eigenartig, daß er sich so darauf freute, bei einer Aes Sedai zu sein. Licht, wenn ich Moiraine wiedersehe, werde ich sie küssen! Er lachte über seine Idee. Er fühlte sich so gut, daß er ein paar der Münzen aus ihrem schwindenden Vorrat in ein Frühstück investieren wollte — einen großen Laib Brot und eine Kanne Milch, kalt, direkt aus dem Kühlhaus.

Sie aßen im hinteren Teil des Schankraums, als ein junger Mann eintrat. Von seinem Aussehen her wirkte er wie ein Junge aus dem Dorf. Sein Gang war federnd und ein wenig geckenhaft, und an einem Finger wirbelte er eine Stoffmütze mit einer Feder daran herum. Der einzige Mensch ansonsten im Raum war ein alter Mann, der den Boden fegte. Er blickte nicht von seinem Besen auf. Der Blick des jungen Mannes wanderte unbekümmert durch den Raum, doch als er Rand und Mat sah, fiel ihm die Mütze vom Finger. Er starrte sie eine volle Minute lang an, bevor er die Mütze vom Boden aufhob. Dann starrte er noch ein bißchen weiter und fuhr sich mit den Fingern durch das dichte, dunkle, lockige Haar. Schließlich kam er mit zögerndem Schritt herüber an ihren Tisch.

Er war älter als Rand, stand aber schüchtern da und blickte auf sie herunter. »Habt ihr was dagegen, wenn ich mich zu euch setze?« fragte er und schluckte sofort, als fürchte er, etwas Falsches gesagt zu haben.

Rand dachte, er wolle vielleicht ein Frühstück schnorren, obwohl er so aussah, als könne er sich selbst eines kaufen. Sein blaugestreiftes Hemd hatte einen bestickten Kragen, und auch der Saum seines dunkelblauen Umhangs war rundherum bestickt. Seine Lederstiefel waren nie einer Arbeit zu nahe gekommen, bei der sie hätten abgestoßen werden können, jedenfalls soweit Rand das beurteilen konnte. Er nickte in Richtung eines Stuhls.

Mat starrte den Burschen angestrengt an, als er einen Stuhl zu ihrem Tisch herüberzog. Rand wußte nicht, ob Mat ihn böse ansah oder sich nur bemühte, ihn besser zu sehen. Jedenfalls tat Mats gerunzelte Stirn ihre Wirkung.

Der junge Mann erstarrte in der Bewegung, und er setzte sich nicht hin, bevor Rand ihm nicht noch einmal zugenickt hatte. »Wie heißt du?« fragte Rand.

»Wie ich heiße? Mein Name? Äh... nennt mich Paitr.« Sein Blick huschte nervös von einem zum anderen. »Äh... ich wollte das nicht, versteht ihr? Ich muß es tun. Ich wollte nicht, aber sie haben mich gezwungen. Das müßt ihr verstehen. Ich... «

Rand wurde allmählich nervös, und Mat zischte: »Schattenfreund!«

Paitr zuckte zusammen und erhob sich beinahe von seinem Stuhl. Er blickte sich verängstigt im Raum um, als wären da fünfzig Leute, die lauschen könnten. Der Kopf des alten Mannes war noch über seinen Besen gebeugt, und seine Aufmerksamkeit galt dem Fußboden. Paitr setzte sich wieder hin und sah erst Rand, dann Mat und dann wieder Rand unsicher an. Auf seiner Oberlippe bildeten sich Schweißtröpfchen. Die Beschuldigung reichte, um jeden zum Schwitzen zu bringen, aber er wehrte sich mit keinem Wort dagegen.

Rand schüttelte bedächtig den Kopf. Nach Gode war ihm klar, daß Schattenfreunde nicht unbedingt den Drachenfang auf der Stirn trugen, aber von seiner Kleidung abgesehen hätte Paitr auch gut nach Emondsfeld gepaßt. Nichts an ihm deutete auf Mord oder Schlimmeres hin. Niemand würde ihm gesteigerte Beachtung schenken. Gode war doch immerhin... anders gewesen.

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