Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand fuhr erwachend im Dunkel hoch. Wasser tropfte durch die Umhänge auf sein Gesicht. Seine Hand zitterte, als er seine Wangen berührte. Die Haut war überempfindlich wie bei einem Sonnenbrand.
Plötzlich wurde ihm bewußt, daß Mat sich im Schlaf herumwälzte und stöhnte. Er schüttelte ihn, und Mat erwachte wimmernd. »Meine Augen! Oh, Licht, meine Augen! Er hat mir meine Augen genommen!«
Rand drückte ihn an seine Brust, als sei er ein Kind. »Du bist in Ordnung, Mat. Es ist alles gut. Er kann uns nicht verletzen. Wir lassen das nicht zu.« Er fühlte, wie Mat zitterte und in seinen Mantel hineinschluchzte. »Er kann uns nicht verletzen«, flüsterte er und hätte es selbst gern geglaubt. Was dich schützt, macht dich verwundbar. Ich werde langsam wirklich verrückt.
Kurz vor der ersten Dämmerung ließ der Regen nach, und als der Morgen anbrach, verging auch das letzte Nieseln. Die Wolken blieben und drohten bis in den Vormittag hinein mit neuem Regen. Dann kam ein Wind auf, der die Wolken nach Süden verjagte, eine Sonne freilegte, die keine Wärme verbreitete, und mit Eisfingern durch ihre tropfnasse Kleidung griff. Sie hatten nicht mehr geschlafen, und nun hängten sie sich erschöpft die Umhänge um und brachen Richtung Osten auf. Rand führte Mat an der Hand. Nach einer Weile fühlte sich Mat sogar wieder gut genug, um sich darüber zu beklagen, was der Regen seiner Bogensehne angetan habe. Rand ließ ihn allerdings nicht anhalten und sie gegen eine trockene Sehne aus seiner Tasche austauschen — noch nicht.
Kurz nach Mittag erreichten sie ein anderes Dorf. Rand zitterte noch stärker beim Anblick der gemütlichen Backsteinhäuser und des Rauchs, der aus den Schornsteinen quoll, aber er machte einen Bogen um das Dorf und führte Mat durch Wälder und über Felder nach Süden. Ein einsamer Bauer, der in einem matschigen Feld mit einer Gabelhacke arbeitete, war der einzige Mensch, den er sah, und er bemühte sich, nicht von dem Mann gesehen zu werden. Geduckt schlichen sie zwischen den Bäumen hindurch. Der Bauer konzentrierte sich ganz auf seine Arbeit, aber Rand behielt ihn im Auge, bis er außer Sicht war. Falls noch welche von Godes Männern am Leben waren, würden sie vielleicht glauben, Rand und Mat hätten die Straße nach Süden von Vier Könige aus gewählt, jedenfalls wenn niemand sie in diesem Dorf gesehen hatte. Sie kehrten außer Sichtweite vom Dorf auf die Straße zurück und wanderten weiter, bis ihre Kleidung, wenn nicht gerade trocken, so doch wenigstens nur noch etwas feucht war.
Eine Stunde vor Anbruch der Abenddämmerung ließ ein Bauer sie auf seinem halbleeren Heuwagen mitfahren. Rand war von dem Wagen überrascht worden. Er war ganz in seine Sorgen um Mat versunken gewesen. Mat schützte sich mit der Hand vor der Sonne, so schwach sie diesen Nachmittag auch war, und blinzelte mit zusammengekniffenen Augen. Ständig beklagte er sich, wie hell die Sonne schiene. Als Rand das Poltern des Heuwagens hörte, war es zum Verstecken bereits zu spät. Die aufgeweichte Straße dämpfte alle Geräusche, und der Wagen mit seinem Zweiergespann befand sich nur noch etwa fünfzig Schritte hinter ihnen. Der Fahrer blickte sie bereits neugierig an.
Zu Rands Überraschung hielt er neben ihnen an und bot ihnen an, sie mitzunehmen. Rand zögerte, aber es war ja schon zu spät, um noch zu vermeiden, daß man sie sah, und falls sie nicht mitfuhren, würde das dem Mann um so mehr auffallen. Er half Mat auf den Sitz neben dem Bauern und kletterte hinten hinauf.
Alpert Mull war ein stämmiger Mann mit einem breiten Gesicht und breiten Händen, beides gealtert und von harter Arbeit und Sorgen zerfurcht. Er brauchte jemanden, mit dem er sich unterhalten konnte. Seine Kühe gaben keine Milch mehr, seine Hühner hatten das Eierlegen eingestellt, und es gab keine Weide mehr, die diesen Namen verdient hätte. Zum erstenmal seit Menschengedenken hatte er Heu kaufen müssen, und die halbe Wagenladung war alles, was ihm der ›alte Bain‹ zugestanden hatte. Er fragte sich, ob er wohl dieses Jahr überhaupt noch auf seinem eigenen Land Heu oder irgendein anderes Produkt ernten könne.
»Die Königin sollte etwas dagegen tun, das Licht erleuchte sie«, äußerte er sich, wobei er respektvoll, aber abwesend die Stirn mit dem Handgelenk berührte.
Er sah Rand und Mat kaum an, aber als er sie an dem tief durchfurchten Feldweg absetzte, der zu seinem Hof führte, zögerte er und sagte dann beinahe so, als führe er ein Selbstgespräch: »Ich weiß nicht, wovor ihr davonrennt, und ich will es auch nicht wissen. Ich habe Frau und Kinder. Versteht ihr? Meine Familie. Es ist eine schlechte Zeit, Fremden zu helfen.«
Mat versuchte, die Hand schon wieder unter seinen Mantel zu stecken, aber Rand hielt sein Handgelenk fest. Er stand auf der Straße und blickte den Mann wortlos an.
»Wenn ich ein guter Mensch wäre«, sagte Mull, »würde ich zwei Burschen, die bis auf die Haut naß sind, einen Platz zum Trocknen und Aufwärmen vor meinem Kamin anbieten. Aber die Zeiten sind schwer, und Fremde... Versteht ihr?«
»Ihr seid ein guter Mensch. Der beste, den wir in den letzten Tagen getroffen haben.«
Der Bauer blickte überrascht und dann dankbar drein. Er nahm seine Zügel auf und lenkte sein Gespann auf den engen Feldweg. Bevor er noch die Kurve genommen hatte, führte Rand Mat bereits wieder die Straße nach Caemlyn hinunter. Der Wind wurde schärfer, als die Dämmerung niedersank. Mat begann zu nörgeln, wann sie endlich anhielten, aber Rand ging weiter und zog Mat hinter sich her. Er suchte einen besseren Unterschlupf als einen Platz unter einem Busch. Ihre Kleidung war immer noch klamm, und der Wind wurde von Minute zu Minute kälter. Er war nicht sicher, ob sie eine weitere Nacht im Freien überleben könnten. Die Nacht brach herein, ohne daß er etwas Brauchbares entdeckte. Der Wind wurde eisig. Sein Umhang flatterte. Dann erblickte er in der Dunkelheit vor ihnen Lichter. Ein Dorf.
Seine Hand glitt in eine Tasche und fühlte nach den Münzen, die sich drin befanden. Mehr als genug für eine Mahlzeit und ein Zimmer für sie beide. Ein warmes Zimmer statt der kalten Nacht. Wenn sie im Freien blieben und in ihren feuchten Kleidern dem Wind und der Kälte ausgesetzt waren, würde jemand, der sie fand, vermutlich nur auf zwei Leichen stoßen. Sie mußten eben versuchen, nicht mehr Aufmerksamkeit zu erregen, als notwendig. Kein Flötenspiel, und bei seinen Augenschmerzen konnte Mat ganz gewiß nicht jonglieren. Er nahm wieder Mats Hand in seine und ging auf die lockenden Lichter zu.
»Wann werden wir uns endlich zur Nacht niederlassen?« fragte Mat wieder. So, wie er mit vorgeschobenem Kopf voranspähte, war sich Rand nicht sicher, ob Mat ihn überhaupt sehen konnte, geschweige denn die Lichter des Dorfes.
»Wenn wir an einem warmen Ort sind«, antwortete er.
Aus den Häusern fiel heller Lichtschein auf die Dorfstraße, und die Menschen schritten durch den Ort, ohne daran zu denken, was sich draußen im Dunkel befinden mochte. Die einzige Schenke war ein mächtiges Gebäude — alles auf einer Ebene -, das den Eindruck machte, als habe man im Laufe der Jahre planlos ganze Gruppen von Räumen einfach angebaut. Die Vordertür öffnete sich, um jemanden herauszulassen, und eine Welle des Gelächters schwappte ihm nach.
Rand erstarrte draußen auf der Straße. Das betrunkene Gelächter aus dem Tanzenden Fahrer klang in seinem Kopf nach. Er beobachtete den Mann, der mit nicht mehr ganz sicheren Schritten die Straße hinunterging, atmete tief ein und stieß die Tür auf. Er achtete darauf, daß der Umhang sein Schwert verbarg. Gelächter und Lärm umgaben ihn.
Der Raum wurde durch Lampen erhellt, die von der Decke herabhingen, und vom ersten Moment an konnte er den Unterschied zu Saml Hakes Schenke sehen und fühlen. Zum einen gab es hier keine Betrunkenen. Der Raum war mit Menschen angefüllt, die wie Bauern oder Stadtbewohner aussahen. Sie waren vielleicht nicht ganz nüchtern, aber auch nicht weit davon entfernt. Das Gelächter wirkte echt, wenn auch manchmal etwas gezwungen. Diese Menschen lachten, um ihre Sorgen zu vergessen, aber ein wenig echte Heiterkeit lag auch darin. Der Schankraum selbst sah ordentlich und sauber aus, und er war warm. Am anderen Ende prasselte ein Feuer in einem großen Kamin. Das Lächeln der Kellnerinnen war genauso warm wie das Feuer, und wenn sie lachten, dann merkte Rand, daß es ungezwungen und fröhlich war.