Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Ich fühle mich schon wieder gut«, versicherte er ihr. »Es ist wirklich nicht nötig.«
Aber sie kam durch den Stall auf sie zu, hielt den Rock hoch und setzte vorsichtig einen in einen grauen Stoffschuh gehüllten Fuß vor den anderen. Sie verzog das Gesicht, als sie das Heu sah, kniete sich neben ihn und fühlte seine Stirn.
»Kein Fieber«, sagte sie und betrachtete ihn mit gerunzelter Stirn. Sie war hübsch, mit scharfgeschnittenen Gesichtszügen, aber in ihrem Gesicht lag keine Wärme. Es wirkte auch nicht direkt kalt; lediglich schien alles Gefühl darin zu fehlen. »Aber du warst auf jeden Fall krank. Ja. Ja. Und du bist jetzt noch schwach wie ein neugeborenes Kätzchen. Ich glaube...« Sie griff unter ihren Umhang, und dann geschah alles so schnell, daß Rand nur einen erstickten Schrei von sich geben konnte. Ihre Hand schoß unter dem Umhang hervor. Etwas glitzerte darin, als sie über Rand hinweg auf Mat lossprang.
Mat fiel zur Seite — die Bewegungen erfolgten zu schnell, als daß Rand ihnen hätte folgen können -, und man hörte ein sattes Tschank, als Metall in Holz getrieben wurde. Alles geschah in einem einzigen Augenblick, und dann war es ruhig.
Mat lag halb auf dem Rücken. Eine Hand hatte ihr Handgelenk gepackt, gleich oberhalb des Dolches, den sie in die Wand gestoßen hatte, wo seine Brust gewesen war, und die andere Hand hielt die Klinge aus Shadar Logoth an ihre Kehle.
Sie bewegte nur ihre Augen und versuchte, auf den Dolch hinunterzublicken, den Mat hielt. Ihre Augen weiteten sich; sie atmete röchelnd und versuchte, sich zurückzubeugen, weg von der Waffe. Doch er hielt die Schneide weiter an ihre Haut gedrückt. Danach war sie unbeweglich wie ein Stein.
Rand befeuchtete sich die Lippen und starrte die Szene über ihm an. Auch wenn er nicht so schwach gewesen wäre, hätte er sich wohl kaum bewegen können. Dann fiel sein Blick auf den Dolch, und sein Mund trocknete aus. Das Holz um die Schneide herum schwärzte sich; dünne Rauchfäden erhoben sich von den verkohlten Stellen.
»Mat! Mat, ihr Dolch!«
Mats Blick zuckte zu dem Dolch hinüber und dann zu der Frau zurück, doch sie hatte sich nicht bewegt. Nun leckte sie sich nervös die Lippen. Grob zerrte Mat ihre Hand vom Dolchgriff und gab ihr einen Stoß. Sie kippte nach hinten, weg von ihnen, und fing sich gerade noch mit den Händen hinter dem Körper ab. Sie beobachtete immer noch die Klinge in seiner Hand. »Nicht bewegen«, sagte er. »Ich werde das gebrauchen, wenn Ihr euch bewegt. Glaubt mir, ich werde nicht zögern.« Sie nickte mit langsamer Bewegung. Ihr Blick blieb an Mats Dolch haften. »Paß auf sie auf, Rand.«
Rand war sich nicht sicher, was Mat von ihm erwartete, wenn sie irgend etwas versuchte — vielleicht sollte er schreien, aber ganz sicher konnte er ihr nicht hinterherlaufen, wenn sie zu fliehen versuchte -, doch sie saß da, ohne auch nur zu zucken, während Mat ihren Dolch aus der Wand zog. Der schwarze Fleck wuchs nicht weiter, aber es stieg immer noch eine dünne Rauchfahne davon auf.
Mat sah sich nach einer Stelle um, an die er den Dolch legen konnte. Dann streckte er ihn Rand hin. Er nahm ihn vorsichtig in die Hand, als sei es eine lebendige Giftschlange. Er sah ganz gewöhnlich aus, freilich verziert, mit einem Griff aus bleichem Elfenbein und einer schmalen, schimmernden Schneide, die nicht länger war als seine Handfläche. Nur ein Dolch. Aber er hatte gesehen, wozu er fähig war. Der Griff war nicht einmal warm, doch in seiner Hand brach Schweiß aus. Er hoffte, er werde ihn nicht ins Heu fallenlassen.
Die Frau rührte sich nicht. Sie lag nur da und beobachtete Mat, der sich ihr langsam zuwandte. Sie betrachtete ihn, als frage sie sich, was er wohl als nächstes tun werde. Doch Rand sah, wie Mat plötzlich die Augen zusammenkniff und sich seine Hand um den Dolchgriff krampfte. »Mat, nein!«
»Sie versuchte, mich zu töten, Rand. Sie hätte dich auch getötet. Sie ist ein Schattenfreund.« Mat spuckte das Wort richtig aus.
»Aber wir sind keine«, sagte Rand. Die Frau keuchte, als habe sie gerade erst begriffen, was Mat vorgehabt hatte. »Wir sind keine, Mat.«
Einen Moment noch stand Mat wie erstarrt da. Der Laternenschein spiegelte sich auf der Klinge in seiner Hand. Dann nickte er. »Geht dort hinüber«, sagte er zu der Frau und zeigte mit dem Dolch auf die Tür zum Sattelraum.
Sie stand langsam auf und wischte sich das Heu vom Kleid. Selbst als sie in die Richtung ging, in die Mat gedeutet hatte, bewegte sie sich, als gebe es keinen Grund zur Eile. Aber Rand bemerkte, daß sie ganz wachsam den Dolch mit dem Rubingriff in Mats Hand beobachtete. »Ihr solltet wirklich aufhören, dagegen anzukämpfen«, sagte sie. »Es wäre schließlich das Beste. Ihr werdet ja sehen.«
»Das Beste?« sagte Mat trocken und rieb sich dort über die Brust, wo ihn ihr Dolch getroffen hätte, wenn er sich nicht bewegt hätte. »Dort rüber!«
Sie zuckte lässig die Achseln, als sie gehorchte. »Ein Fehler. Es herrschte eine beachtliche... Verwirrung, seit das mit diesem eingebildeten Narren Gode passierte. Ganz zu schweigen von dem Idioten, wer es auch immer gewesen sein mag, der die Panik in Markt Scheran auslöste. Niemand weiß genau, was dort geschah oder wie. Das macht es für euch noch gefährlicher; ist euch das nicht klar? Ihr werdet Ehrenplätze erhalten, wenn ihr aus freien Stücken zum Großen Herrn kommt, aber solange ihr wegrennt, werdet Ihr verfolgt, und wer weiß, was dann geschehen kann?«
Rand überlief es kalt. Meine Hunde sind eifersüchtig und werden mit euch vielleicht nicht sanft umspringen.
»Also habt Ihr Probleme mit ein paar Bauernjungen.« Mats Lachen klang grimmig. »Vielleicht seid Ihr Schattenfreunde doch nicht so gefährlich, wie ich immer gehört habe.« Er riß die Tür zum Sattelraum auf und trat zurück.
Sie blieb kurz stehen, als sie eingetreten war, und blickte ihn über die Schulter hinweg an. Ihr Blick war eisig und die Stimme noch kälter. »Ihr werdet noch herausfinden, wie gefährlich wir sind. Wenn der Myrddraal erst hier ist... «
Was immer sie noch zu sagen hatte, wurde abgeschnitten, als Mat die Tür zuknallte und den Riegel in seine Halterungen senkte. Als er sich umdrehte, war sein Blick besorgt. »Blasser«, sagte er mit angespannter Stimme. Er steckte den Dolch wieder unter seinen Mantel. »Und er kommt her, sagt sie. Wie steht es mit deinen Beinen?«
»Ich kann nicht tanzen«, murmelte Rand, »aber wenn du mir aufhilfst, kann ich gehen.« Er sah die Klinge in seiner Hand an und schauderte. »Blut und Asche, ich werde auch rennen.«
Mat hängte sich eilig all ihre Besitztümer über und zog Rand auf die Füße. Rands Beine gaben nach, und er mußte sich auf seinen Freund stützen, um nicht wegzusacken, doch er bemühte sich, Mat nicht aufzuhalten. Er hielt den Dolch der Frau ein Stück von sich weg. Vor der Tür draußen stand ein Eimer Wasser. Er warf den Dolch im Vorbeigehen hinein. Die Klinge traf zischend auf das Wasser; Dampf erhob sich von seiner Oberfläche. Er verzog das Gesicht und versuchte, schneller zu gehen.
Mit Anbruch des Tages hatten eine Menge Leute die Straßen betreten, auch wenn es noch so früh war. Aber sie gingen ihren eigenen Tätigkeiten nach und verschwendeten keinen Blick auf die beiden jungen Männer, die aus dem Dorf hinausgingen. Es waren ja so viele Fremde da. Trotzdem spannte Rand jeden Muskel an in dem Versuch, aufrecht zu gehen. Bei jedem Schritt fragte er sich, ob irgendwelche unter den vorbeihastenden Menschen Schattenfreunde waren. Warten welche davon auf die Frau mit dem Dolch? Auf den Blassen?
Eine Meile außerhalb des Dorfes war er mit der Kraft am Ende. Im einen Augenblick schleppte er sich noch schnaufend an Mats Arm voran, im nächsten lagen sie beide am Boden. Mat zog ihn hinüber an den Straßenrand.
»Wir müssen weiter«, sagte Mat. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und zog dann den Schal wieder über die Augen. »Früher oder später wird jemand sie herauslassen, und dann sind sie wieder hinter uns her.«