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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Die Sonne stand noch nicht einmal richtig am Himmel, und schon wanderte ein stetiger Strom von Menschen allein oder zu zweit in Richtung Caemlyn. Einige trugen Rucksäcke oder Bündel auf dem Rücken, andere hatten nichts als einen Wanderstock oder noch nicht einmal das. Die meisten waren junge Männer, aber hier und dort befand sich auch ein Mädchen oder eine ältere Person darunter. Jeder einzelne wirkte von der Reise ermüdet und abgerissen, als habe er schon einen langen Weg hinter sich. Einige blickten immer nur auf ihre Füße hinunter, und ihre Schultern waren unter der Last der Erschöpfung eingesunken, obwohl es noch so früh war; andere schienen nach etwas in weiter Ferne vor ihnen Ausschau zu halten, in Richtung der Dämmerung.

Mat rollte aus der Heumiete heraus und kratzte sich lebhaft. Er unterbrach diese Tätigkeit nur lange genug, um den Schal um den Kopf zu wickeln. Heute morgen ließ er ihn weiter oben und schützte seine Augen nicht mehr so sehr. »Glaubst du, heute bekommen wir etwas zu essen?«

Rands Magen zeigte seine Zustimmung mit einem deutlichen Knurren. »Darüber machen wir uns Gedanken, wenn wir unterwegs sind«, sagte er. Er brachte hastig seine Kleidung in Ordnung und grub seinen Teil ihres Gepäcks aus dem Heu.

Als sie den Zaun erreichten, hatte Mat die Menschen ebenfalls bemerkt. Er zog die Stirn kraus und blieb auf dem Acker stehen, während Rand hinüberkletterte. Ein junger Mann, nicht viel älter als sie, sah sie im Vorbeilaufen an. Seine Kleidung war staubig, genau wie die Deckenrolle, die er sich auf den Rücken geschnallt hatte.

»Wohin gehst du?« rief ihm Mat zu.

»Na, nach Caemlyn natürlich, den Drachen sehen«, rief der Bursche zurück, ohne stehenzubleiben. Er zog die Augenbrauen hoch, als er die Decken und Satteltaschen sah, die an ihren Schultern hingen, und fügte hinzu: »Genau wie ihr.« Lachend ging er weiter, und seine Augen blickten bereits wieder eifrig nach vorn.

Mat stellte den Tag über dieselbe Frage einige Male, und die einzigen Leute, die nicht dieselbe Antwort gaben, waren die Bewohner der hiesigen Dörfer. Wenn die überhaupt antworteten, dann spuckten sie gewöhnlich aus und wandten sich angewidert ab. Sie wandten sich ab, beobachteten aber doch alles aufmerksam. Sie blickten alle Reisenden auf die gleiche Weise an: aus den Augenwinkeln. In ihren Gesichtern stand geschrieben, daß Fremde ja wohl alles anstellen könnten, wenn man sie nicht ständig beobachtete.

Die Menschen, die in diesem Gebiet wohnten, verhielten sich nicht nur mißtrauisch den Fremden gegenüber, sie schienen sogar in erheblichem Maße verärgert. Es waren gerade genug Menschen auf der Straße unterwegs und auch gerade richtig verteilt, um die ohnehin schon mäßige Geschwindigkeit der Bauernkarren und Wagen, die mit Sonnenaufgang erschienen, auch noch zu verringern. Keiner der Lenker war in der Stimmung, irgend jemanden mitfahren zu lassen. Wahrscheinlicher waren zornig verzogene Gesichter und dazu ein Fluch, weil man soviel Arbeitszeit vertrödeln mußte.

Die Wagen der Händler rollten mehr oder weniger unbehelligt vorbei — es wurden nur einige Fäuste geschwungen — gleich, ob sie nach Caemlyn fuhren oder von dort kamen. Als die ersten dieser Wagenzüge früh am Morgen erschienen und sich in schnellem Trab näherten -die Sonne hatte sich hinter ihnen kaum über den Horizont erhoben -, schritt Rand auf die Straße hinaus. Sie machten keine Anstalten, aus irgendeinem Grund langsamer zu fahren. Er sah, wie andere Leute sich durch einen schnellen Sprung in Sicherheit brachten. Er ging ganz außen am Straßenrand entlang, aber er ging eben weiter.

Nur eine blitzschnelle Bewegung warnte ihn, als der erste Wagen heranrumpelte. Er warf sich platt zu Boden, und die Peitsche des Wagenlenkers knallte durch die Luft, wo sich eben noch sein Kopf befunden hatte. Von dort unten, wo er lag, konnte er einen Moment lang in die Augen des Fahrers blicken, während der Wagen vorbeirollte. Harte Augen über einer angespannten Mundpartie. Es kümmerte ihn nicht, daß er ihm vielleicht eine blutende Wunde hätte zufügen können oder sogar ein Auge ausschlagen.

»Das Licht blende dich!« schrie Mat dem Wagen nach. »Das kannst... « Ein berittener Wächter traf ihn mit dem Schaft seines Speers an der Schulter. Der Stoß schleuderte ihn auf Rand. »Aus dem Weg, du schmutziger Schattenfreund!« brüllte der Wächter, ohne deswegen langsamer zu reiten.

Danach hielten sie Abstand von den Wagen. Es gab auch wirklich genug davon. Das Rattern und Klappern von einem war kaum verklungen, da hörte man schon den nächsten herankommen. Wächter und Lenker gleichermaßen sahen auf die nach Caemlyn marschierenden Wanderer herab, als seien sie der letzte Schmutz.

Einmal verschätzte sich Rand in bezug auf die Peitsche eines Wagenlenkers. Die äußerste Spitze erwischte ihn. Er legte die Hand auf den oberflächlichen Riß über der Augenbraue und mußte ein paarmal schlucken. Beinahe hätte er sich übergeben, als ihm klar wurde, wie nahe das am Auge vorbeigegangen war. Der Fahrer grinste ihn an. Mit seiner anderen Hand hielt er Mat davon ab, einen Pfeil aufzulegen. »Gehen wir«, sagte er. Er nickte mit dem Kopf in Richtung auf die neben den Wagen herreitenden Wächter. Einige von denen lachten, andere bedachten Mats Bogen mit einem harten Blick. »Wenn wir Glück hätten, wurden sie uns nur mit ihren Speeren zusammenknüppeln. Mit Glück!«

Mat knurrte mürrisch, aber er ließ es zu, daß Rand ihn die Straße hinunterzog.

Zweimal kamen Schwadronen der Garde der Königin die Straße heruntergetrabt. Die Bänder an ihren Lanzen flatterten im Wind. Einige der Bauern begrüßten sie und wollten, daß sie etwas gegen die Fremden unternähmen, und jedesmal hielten die Gardesoldaten geduldig an und hörten zu. Es war beinahe Mittag, als Rand stehenblieb, um einer solchen Unterhaltung zu lauschen.

Hinter den Gitterstäben seines Helms war der Mund des Gardehauptmanns eine schmale Linie. »Wenn einer von ihnen etwas stiehlt oder Euer Land unerlaubt betritt«, knurrte er den schlaksigen Bauern an, der mit finsterer Miene neben seinen Steigbügeln stand, »werde ich ihn vor den Magistrat schleppen. Aber sie brechen kein Gesetz der Königin, wenn sie ihre Straße betreten.«

»Aber sie sind einfach überall«, protestierte der Bauer. »Wer weiß denn, wer sie sind oder was sie sind? Dieses ganze Geschwätz von dem Drachen... «

»Licht, Mann! Ihr habt hier nur eine Handvoll von ihnen. Caemlyn platzt derentwegen aus allen Nähten, und jeden Tag kommen mehr.« Die Miene des Hauptmanns verfinsterte sich weiter, als er Rand und Mat entdeckte, die in ihrer Nähe auf der Straße standen. Er zeigte mit einem durch Stahlstücke verstärkten Handschuh die Straße hinunter. »Geht gefälligst weiter, oder ich nehme euch fest, weil ihr den Verkehr aufhaltet.«

Seine Stimme klang ihnen gegenüber nicht grober als bei dem Bauern, aber sie gingen doch lieber weiter. Eine Weile lang folgte ihnen der Blick des Hauptmanns; Rand fühlte ihn förmlich auf seinem Rücken. Er vermutete, daß die Garde nicht mehr viel Geduld mit den Wanderern haben werde und überhaupt keine Sympathie für einen hungrigen Dieb. Er beschloß, Mat davon abzuhalten, wenn er wieder Eier stehlen wollte.

Trotzdem hatten all diese Wagen und Menschen auf der Straße auch eine gute Seite — besonders all die jungen Männer, die nach Caemlyn wanderten. Für die Schattenfreunde, die nach ihnen suchten, würden sie bestimmt die Stecknadel im Heuhaufen darstellen. Wenn der Myrddraal in der Winternacht schon nicht genau gewußt hatte, wen er eigentlich suchte, würde sein Kollege hier hoffentlich auch nicht besser abschneiden.

Sein Magen knurrte einige Male vernehmlich und erinnerte ihn daran, daß sie fast kein Geld mehr hatten, jedenfalls nicht genug für eine Mahlzeit zu den Preisen, die hier in der Nähe von Caemlyn verlangt wurden. Einmal kam ihm zu Bewußtsein, daß er eine Hand auf den Flötenbehälter gelegt hatte, aber er schob ihn entschlossen zurück auf seinen Rücken. Gode hatte von dem Flötenspiel und dem Jonglieren gewußt. Man konnte ja nicht wissen, wieviel Ba'alzamon von ihm vor Godes Ende noch erfahren hatte — falls das, was Rand beobachtet hatte, wirklich sein Ende gewesen war — und wieviel davon an die anderen Schattenfreunde weitergegeben worden war. Er sah bedauernd zu einem Bauernhof hinüber, an dem sie gerade vorbeikamen. Ein Mann hielt mit zwei Hunden Wache am Zaun. Die Hunde knurrten und zerrten an ihren Leinen. Der Mann erweckte den Eindruck, als wünsche er nichts sehnlicher herbei, als eine Ausrede dafür, sie loszulassen. Nicht jeder Bauernhof wurde von Hunden bewacht, aber niemand bot den Reisenden irgendwelche bezahlten Arbeiten an. Vor Sonnenuntergang durchschritten Mat und er noch zwei weitere Dörfer. Die Dorfbewohner standen in Gruppen herum, diskutierten und beobachteten den stetigen Strom von Passanten. Ihre Gesichter waren keine Spur freundlicher als die der Bauern oder der Wagenlenker oder der Gardesoldaten. All diese Fremden, die den falschen Drachen sehen wollten. Narren, die einfach nicht genug wußten, um zu bleiben, wohin sie gehörten. Vielleicht Anhänger des falschen Drachen. Vielleicht sogar Schattenfreunde. Falls es zwischen den beiden überhaupt Unterschiede gab.

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