Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Woher wollt ihr wissen, wie Schattenfreunde aussehen?« fragte Mat. Er schob sich rückwärts von dem Karren weg und seine Hand fuhr unter den Mantel. »Was wißt ihr von Schattenfreunden?«
Meister Kinchs Gesicht spannte sich. »Macht, was ihr wollt.« Er schnalzte mit der Zunge. Der Karren rollte den engen Pfad hinunter, und er sah sich nicht mehr um.
Mat sah Rand an, und sein finsteres Gesicht hellte sich auf. »Tut mir leid, Rand. Du brauchst einen Ort zum Ausruhen. Vielleicht, wenn wir ihm nachlaufen... « Er zuckte die Achseln. »Ich kann einfach das Gefühl nicht loswerden, daß jeder hinter uns her ist. Licht, ich wollte, ich wüßte warum. Ich wollte, es wäre alles vorbei. Ich wollte... « Mit gequältem Gesichtsausdruck brach er ab.
»Es gibt auch noch ein paar gute Menschen«, sagte Rand. Mat ging in Richtung des Pfades los. Er hatte die Zähne zusammengebissen, als sei es das allerletzte, was er tun wolle, aber Rand hielt ihn auf. »Wir können es uns nicht leisten, uns einfach auszuruhen, Mat. Außerdem glaube ich nicht, daß es irgendwo ein sicheres Versteck gibt.«
Mat nickte in offensichtlicher Erleichterung. Er versuchte, Rand etwas von seinen Lasten abzunehmen -die Satteltaschen und Thoms Umhang mit der darin eingewickelten Harfe -, aber Rand hielt sie fest. Seine Beine fühlten sich wirklich schon kräftiger an. Was uns auch verfolgt? dachte er, als sie die Straße entlanggingen.
Uns verfolgt nichts. Es wartet auf uns.
Der Regen hatte in dieser Nacht nicht aufgehört, als sie vom Tanzenden Fahrer weggetaumelt waren, sondern war in Strömen auf sie heruntergeprasselt, fast genauso schlimm wie der Donner, der aus dem von Blitzen zerrissenen Himmel auf sie herabdröhnte. Ihre Kleider waren nach wenigen Minuten völlig durchnäßt, und nach einer Stunde glaubte Rand, auch seine Haut sei mittlerweile aufgeweicht, doch wenigstens hatten sie Vier Könige inzwischen hinter sich gelassen. Mat war fast blind in dieser Dunkelheit. Er blinzelte unter Schmerzen in das harte Licht der Blitze, in dem sich für Momente die Umrisse der Bäume deutlich abhoben. Rand führte ihn an der Hand, aber Mat tastete sich trotzdem noch mit jedem Schritt unsicher voran. Rands Stirn war von Sorgenfalten durchfurcht. Wenn Mat nicht bald wieder sehen konnte, würde sie das zum langsamen Vorwärtskriechen verdammen. So könnten sie doch nie entkommen.
Mat schien seine Gedanken zu erraten. Trotz der Kapuze an seinem Umhang klebte Mats Haar regennaß an der Stirn. »Rand«, sagte er, »du verläßt mich doch nicht, oder? Wenn ich nicht mithalten kann?« Seine Stimme bebte.
»Ich werde dich doch nicht verlassen.« Rand faßte die Hand seines Freundes fester. »Ich verlasse dich nicht, gleich was geschieht.« Licht hilf uns! Über ihnen krachte der Donner, und Mat stolperte. Beinahe wäre er gestürzt und hätte Rand noch mitgerissen. »Wir müssen hierbleiben, Mat. Wenn wir weitergehen, brichst du dir noch ein Bein.«
»Gode.« Ein Blitz zerriß die Dunkelheit genau über ihnen, als Mat den Namen aussprach, und der Donnerknall rammte alle anderen Geräusche in den Boden hinein. Im Licht des Blitzes konnte Rand den Namen von Mats Lippen ablesen.
»Er ist tot.« Er muß tot sein. Licht, laß ihn tot sein.
Er führte Mat zu einigen Büschen hinüber, die er im Licht des Blitzes gesehen hatte. Sie hatten genug Blätter, um ihnen ein wenig Schutz vor dem strömenden Regen zu gewähren. Nicht so viel wie ein guter Baum, aber er wollte nicht riskieren, erneut von einem Blitz getroffen zu werden. Beim nächsten Mal hätten sie vielleicht nicht mehr soviel Glück.
Sie kauerten sich unter dem Busch eng zusammen und versuchten, ihre Umhänge so über die Zweige zu hängen, daß sie ein kleines Zelt bildeten. Es war viel zu spät, um auch nur daran zu denken, einen trockenen Fleck zu finden, aber es wäre schon gut, wenigstens das unaufhörliche Strömen des Regens aufzuhalten. Sie drückten sich aneinander, damit sie jedes bißchen Körperwärme, das noch in ihnen wart miteinander teilen konnten. Sie waren klatschnaß, und durch die Umhänge hindurch tropfte es weiter. So zitterten sie sich in den Schlaf.
Rand war sofort klar, daß es sich um einen Traum handelte. Er war wieder in Vier Könige, aber die Stadt war bis auf ihn ganz leer. Die Wagen waren da, aber keine Leute, keine Pferde, keine Hunde. Nichts lebte. Und doch wußte er, daß jemand auf ihn wartete.
Er schritt die zerfurchte Straße hinunter, und die Gebäude glitten verschwommen an ihm vorbei. Wenn er sich umdrehte, waren sie alle da, und zwar ganz erfaßbar, aber aus den Augenwinkeln betrachtet wurden sie undeutlich. Es war, als existiere nur das, was er sah, und auch nur, während er es sah. Er war sicher, sollte er sich ganz schnell umdrehen, dann würde er sehen... Er wußte selbst nicht genau, was, aber schon der Gedanke daran machte ihn nervös.
Vor ihm erschien der Tanzende Fahrer. Die grellen Farben wirkten irgendwie grau und leblos. Er ging hinein. Gode saß drinnen an einem Tisch.
Er erkannte den Mann nur an seiner Kleidung, der Seide und dem dunklen Samt. Godes Haut war rot, verbrannt und aufgerissen, und sie näßte. Sein Gesicht war fast nur noch ein Schädel. Die Lippen waren geschrumpft, so daß der blanke Kiefer mit gebleckten Zähnen sichtbar wurde. Als Gode den Kopf drehte, brach etwas von seinem Haar ab und fiel, zu Ruß zerbröckelt, auf seine Schulter. Die lidlosen Augen blickten Rand an.
»Also seid Ihr doch tot«, sagte Rand. Er war selbst davon überrascht, daß er keine Angst hatte. Vielleicht lag es daran, daß er diesmal wußte, es war ein Traum.
»Ja«, sagte Ba'alzamons Stimme, »aber er hat dich für mich aufgespürt. Dafür hat er eine Belohnung verdient, nicht wahr?«
Rand drehte sich um und entdeckte, daß er doch noch Angst empfinden konnte, obwohl er wußte, daß es ein Traum war. Ba'alzamons Kleidung hatte die Farbe getrockneten Blutes, und in seinem Gesicht stritten sich Wut und Haß und Triumph um die Vorherrschaft.
»Du siehst, Jüngling, du kannst dich nicht immer vor mir verbergen. Auf die eine oder andere Art finde ich dich. Was dich schützt, macht dich gleichzeitig auch verwundbar. Einmal versteckst du dich, und dann wieder entzündest du ein Signalfeuer. Komm zu mir, Jüngling.« Er hielt Rand die Hand hin. »Falls meine Jagdhunde dich auf die Knie zwingen müssen, gehen sie vielleicht nicht sehr sanft mit dir um. Sie sind eifersüchtig darauf, was du einst sein wirst, wenn du erst zu meinen Füßen gekniet hast. Das ist dein Schicksal. Du gehörst mir.« Godes verbrannte Zunge gab einen bösen, eifriglallenden Laut von sich.
Rand versuchte, seine Lippen zu befeuchten, doch ihm war der Speichel ausgegangen. »Nein«, brachte er heraus, und dann gingen ihm die Worte leichter von der Zunge. »Ich gehöre mir selbst. Nicht Euch. Niemals. Nur mir selbst. Wenn Eure Schattenfreunde mich töten, bekommt Ihr mich nie.«
Die Feuer in Ba'alzamons Augen erhitzten den Raum, bis die Luft flimmerte. »Tot oder lebendig, Jüngling, gehörst du doch mir. Das Grab ist mein. Leichter tot, aber besser lebendig. Besser für dich, Jüngling. Die Lebenden haben in den meisten Fällen mehr Macht.« Gode gab wieder einen erstickten Laut von sich. »Ja, mein guter Hund. Hier ist deine Belohnung.«
Rand sah gerade noch im rechten Moment zu Gode hinüber, um zu sehen, wie der Körper des Mannes zu Staub zerfiel. Einen Augenblick lang zeigte sich auf dem verbrannten Gesicht ein Ausdruck erhabenen Glücks, der sich im letzten Moment in Entsetzen verwandelte, als habe er etwas völlig Unerwartetes auf sich zukommen gesehen. Godes leere Samtkleider sanken inmitten der Asche auf den Stuhl und zu Boden.
Als er sich wieder zurückwandte, war Ba'alzamons ausgestreckte Hand zur Faust geballt. »Du bist mein, Jüngling, tot oder lebendig. Das Auge der Welt wird dir niemals dienen. Ich zeichne dich als mein eigen.« Seine Faust öffnete sich, und ein Feuerball schoß daraus hervor. Er traf Rand ins Gesicht, explodierte, brannte.