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Nach all den Jahrmilliarden

Электронная книга - «Nach all den Jahrmilliarden». Краткое содержание книги:

Dem jungen Archäologen Tom Rice erfüllt sich sein größter Wunsch, als er in das Team einer wissenschaftlichen Expedition aufgenommen wird, die rätselhafte Fundstätten von Artefakten einer Alienkultur untersuchen soll. Vor rund einer Milliarde Jahren haben die Fremden ein Sternenimperium geschaffen, aber eines Tages verschwanden sie von der Bildfläche. Ihre Kultur, ihr Werden und Vergehen, ist den Menschen ein Rätsel. Bis Tom Rice eines Tages ein Artefakt findet, das über die Kluft von Jahrmilliarden hinweg visuelle Aufzeichnungen aus dem Alltag der Fremden gespeichert hat. Die Wissenschaftler erfahren, daß irgendwo zwischen den Sternen ein von einem Roboter bewachter Außenposten existiert. Und von dort führt die Spur in das letzte Refugium der Fremden…
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Bisher war Kelly praktisch perfekt. Sie hat in eine eher unbedeutende Einlagerung hineingeschnitten, aber das ist verzeihlich. Bis auf diesen Schnitzer hat sie die Fundstelle wirklich gekonnt freigelegt. Ich nehme all das Zeug zurück, das ich im ersten Würfel über die Unzulänglichkeiten eines androidischen Operateurs von Unterdruck-Bohrkernen gesagt habe.

Wir waren den größten Teil der Woche damit beschäftigt, die Überlagerung beiseite zu schaffen, und es vergingen ein paar weitere Tage, bevor wir auf Artefakte zu stoßen begannen. Diese Fundstelle stellt das größte Lager der Erhabenen dar, das bisher entdeckt worden ist — es reicht mehr als hundert Meter in den Hügel hinein. Wir haben bisher eine Menge gewöhnlicher Dinge gefunden, am Rand des Camps verteilter Müll, solche Gegenstände wie…

Inschriftsknoten. Das sind Kunststofftuben von der Größe und Form einer Zigarre, meistens dunkelgrün, manchmal aber auch blau. An der einen Seite weisen sie eine Inschrift in den Hieroglyphen der Erhabenen auf, die für gewöhnlich aus fünfundsiebzig bis hundert Symbolen besteht. In unregelmäßigen Zeitabständen verblassen diese Inschriften, und dann entstehen neue. So etwas kann geschehen, wenn die Tube einer anderen Person übergeben oder verkantet wird oder derjenige, der sie in Händen hält, einen plötzlichen Stimmungswechsel erlebt, oder wenn es zu regnen beginnt oder aufhört. Andererseits aber ist es manchmal unmöglich, irgendeine Veränderung der Inschriften hervorzurufen, selbst wenn all diese Dinge gleichzeitig geschehen. In jeder Fundstelle der Erhabenen sind Hunderte solcher Inschriftsknoten zutage gefördert worden. Einige von ihnen wurden geöffnet: Sie besitzen keine beweglichen Teile und scheinen durch und durch aus massivem Kunststoff zu bestehen. Was diese Inschriften erscheinen läßt und verändert, verstehen wir so wenig, wie ein Neandertaler begreifen könnte, woher ein Fernsehbild kommt. Ebensowenig sind wir in der Lage, die Inschriften zu entschlüsseln.

Gedenkplaketten. Dabei handelt es sich gewissermaßen um Medaillen in der Form großer Münzen, die aus irgendeinem rostfreien, weißen Metall geprägt wurden. In jeder Erhabenen-Fundstelle sind eine ganze Menge davon verstreut. Auf der einen Seite weisen sie die Darstellung eines Wesens auf, das wir für einen Erhabenen halten: ein humanoides Geschöpf mit vier Armen, zwei Beinen und einem kuppelförmigen Kopf. Auf der Rückseite befindet sich eine Inschrift in den gleichen Symbolen wie auf den Knoten. Der Schmelzpunkt des Metalls, aus dem diese Plaketten bestehen, liegt über 3500 Grad. Das Metall ist so außerordentlich hart, daß wir uns nicht vorstellen können, wie man daraus die münzenähnlichen Gegenstände hat prägen können. Chemische Analysen haben keinen Aufschluß über die Beschaffenheit der verwendeten Legierung gegeben.

Rätselkästen. Genau wie der Name sagt: Es sind verschachtelte Bleche, die zu einer Vielzahl von verschiedenen und verwirrenden Mustern angeordnet sind. Bei den einfachsten handelt es sich um Möbiusschleifen. Das sind einfach nur flache Metallstreifen mit einer Verzerrung in der Mitte und zusammenlaufenden Enden, so daß man mit dem Finger an der einen Seite entlangfahren kann, durch die Verzerrung hindurch, und sich dann plötzlich auf der anderen Seite befindet, ohne den Finger von der einen Schleife fortbewegt zu haben. Denn weil die Möbiusschleife in Wirklichkeit zweidimensional ist, verfügt sie nur über eine Seite. Begriffen? Dann gibt es kleine Flaschen. Das sind dreidimensionale Behälter, die in sich selbst zurückgekrümmt sind, so daß sie nur eine Oberfläche besitzen. Darüber hinaus gehören zu dieser Gruppe von Artefakten auch die tesselarischen Mosaike, wobei es sich um Gebilde mit vier räumlichen Dimensionen handelt: Ein Tesselarmosaik ist für einen Würfel das, was ein Würfel gegenüber einem Quadrat darstellt — alles klar? Würdest du ein Tesselarmosaik von der richtigen Seite betrachten, dann könntest du verstehen, was ich meine. Aber ich würde dir nicht raten, es zu versuchen. Und dann gibt es noch Rätselkästen, die überhaupt keiner mathematischen Theorie entsprechen. Sie sind auf seltsame Weise zusammengesetzt: Man kann an der einen Seite herunter eine Linie verfolgen, an der anderen wieder hinauf… und dann kommt man plötzlich zu einer Stelle, an der die Oberfläche verschwindet, und man befindet sich ganz woanders. Über ein Dutzend verschiedene Arten von Rätselkästen sind bekannt. Vielleicht benutzten die Erhabenen sie als intellektuellen Zeitvertreib. Hier gibt es eine ganze Menge davon, in überraschend gutem Zustand.

Gemischte Artefakte. Zu dieser Kategorie gehören Nummernscheiben, Hebel, Tasten, die in der Dunkelheit glühen, kleine Gegenstände, die wir für Schmuck halten, Prismen, Zahnräder, Röhren, die sich am einen Ende erwärmen, wenn man den Finger am anderen hineinsteckt, und noch vieles mehr. Alles ist glänzend und Ausdruck großer Kunstfertigkeit, selbst die kleinsten Dinge. Und alles hat dem geologischen Druck von einer Milliarde Jahren gut standgehalten.

Während wir uns in Richtung des Zentrums der Fundstelle weitergraben, stoßen wir auf eine erstaunliche Vielzahl dieser Dinge. Die Verteilungsdichte der verstreuten Materialien ist höher als bei allen anderen Lagerstätten, und das gibt uns Anlaß zur Hoffnung, dies sei ein besonderer Ort gewesen, und daß wir etwas tiefer auf etwas von besonderer Bedeutung stoßen könnten. Auf eine Gruft etwa. Weißt du, wir sind noch nie auf die physischen Überbleibsel eines Erhabenen gestoßen. Natürlich kann selbst von einem versteinerten Skelett nicht erwartet werden, daß es eine Milliarde Jahre überdauert — jedenfalls nicht intakt. Aber nach den Überdauerungseigenschaften dieser Artefakte zu schließen, lag es sicher im Rahmen der technischen Möglichkeiten der Erhabenen, einen Metall- oder Kunststoffbehälter zu konstruieren, der dem Zahn der Zeit und allen anderen Umweltbedingungen standhalten konnte. Bisher jedoch sind wir bei keinem der dreiundzwanzig Fundorte auf eine Begräbnisstätte gestoßen, nicht einmal auf eine Spur davon. Und da sich die Erhabenen an jedem dieser Orte einige Dekaden lang aufhielten, ist es nicht unvernünftig anzunehmen, daß einige der Expeditionsmitglieder während ihrer Forschungseinsätze den Tod fanden.

Sind verstorbene Erhabene zu ihrem Heimatplaneten zurückgebracht worden, um dort bestattet zu werden?

Sind die Körper der Toten eingeäschert worden, bis hin zum letzten Atom?

Oder… besaßen die Erhabenen eine so enorme individuelle Lebensspanne, daß es für sie statistisch gesehen einfach unwahrscheinlich war, während eines nur fünfzig Jahre dauernden Aufenthalts an einem bestimmten Vorposten zu sterben?

Wir wissen es nicht. Aber wir würden gern eindeutig Aufschluß darüber gewinnen, wie die Erhabenen ausgesehen haben.

Wir kommen hier naturgemäß nur langsam voran. Wir sind alle an den Ausgrabungsarbeiten beteiligt, selbst die hohen Tiere, aber wir können nicht mehr als ein paar Kubikmeter pro Tag zur Seite schaffen. Zuerst kommt Mirrik und baggert die Überlagerung beiseite. Dann rückt Kelly mit ihren Unterdruck-Bohrkernen an und schneidet ein wenig vom Fels weg. Wir anderen legen uns schwer ins Zeug, um die Artefakte freizulegen, die sie ans Tageslicht fördert, was immer es auch sein mag. Doch bevor wir irgend etwas herausholen können, müssen wir es fotografieren und seine Position verzeichnen. Dann wird es zum Laboratorium gebracht, wo Saul Shahmoon chronologische Studien betreibt. Bis jetzt ist er noch nicht damit fertig, diese Fundstelle zu datieren, aber er hat bereits angedeutet, es sei eine ziemlich junge, nicht älter wahrscheinlich als neunhundert Millionen Jahre. Als nächstes wird alles, was die Inschriften aufweist, von Dr. Horkkk untersucht, der die Daten sammelt und damit seinen Computer füttert. 408b, dessen Spezialität die Paläotechnik darstellt, überprüft alle mechanischen Dinge und sucht nach einem Verständnis dafür, wie sie funktionieren. Unterdessen schnüffelt Pilazinool hier und dort herum und versucht, die verstreuten Hinweise zu finden, die ihn in die Lage versetzen, eine seiner intuitiven Beurteilungen zu treffen.

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