Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Keiner der Fahrer, die ihre langen Peitschen in der Luft über den jeweils acht Pferden ihrer Gespanne knallen ließen, und keiner der Wachsoldaten mit ihren harten Gesichtern, die neben den Wagen einherritten, sah den Karren an. Rand beobachtete, wie sie weiterfuhren. In seiner Brust hatte sich etwas verkrampft. Seine Hand steckte unter dem Umhang und umklammerte den Griff seines Schwertes, bis der letzte Wagen vorbeigepoltert war.
Als der letzte Wagen in Richtung des Dorfes wegratterte, das sie gerade verlassen hatten, drehte sich Mat auf seinem Sitz neben dem Bauern um und lehnte sich zurück, bis er Rand in die Augen sehen konnte. Der Schal, mit dem er sich, wenn es notwendig war, gegen den Staub schützte, war tief und mehrmals gefaltet um seine Stirn gebunden. Er rutschte ihm fast in die Augen. Selbst so geschützt blinzelte er noch in das graue Tageslicht hinein. »Hast du da hinten irgendwas gesehen?« fragte er ruhig. »Was war mit dem Wagen?«
Rand schüttelte den Kopf, und Mat nickte. Er hatte ebenfalls nichts gesehen.
Meister Kinch beobachtete sie aus den Augenwinkeln, verschob dann wieder seine Pfeife im Mund und schüttelte die Zügel. Das war alles, aber es entging den beiden nicht. Das Pferd ging ein wenig schneller.
»Tun deine Augen immer noch weh?« fragte Rand.
Mat berührte den Schal an seinem Kopf. »Nein. Nicht sehr. Jedenfalls nicht, wenn ich nicht gerade in die Sonne schaue. Wie steht's mit dir? Fühlst du dich etwas besser?«
»Ein bißchen.« Er fühlte sich wirklich besser, merkte er zu seiner Überraschung. Es war ein Wunder, daß er die Folgen so schnell überwunden hatte. Mehr als nur das: Es war ein Geschenk des Lichts. Es mußte das Licht gewesen sein. Ganz bestimmt.
Plötzlich kam eine Gruppe von Reitern vorbei, die wie die Wagen der Kaufleute nach Westen zogen. Lange weiße Krägen hingen über ihre Kettenpanzer und Schulterplatten herab, und ihre Umhänge und Untermäntel waren rot wie die Uniformen der Torwächter in Weißbrücke, jedoch von feinerem Schnitt, und sie paßten auch besser. Der kegelförmige Helm eines jeden Mannes schimmerte wie Silber. Sie saßen hoch aufgerichtet auf ihren Pferden. Schmale rote Bänder flatterten gleich unterhalb ihrer Lanzenspitzen, und sie hielten ihre Lanzen alle im gleichen Winkel.
Einige von ihnen sahen in den Karren hinein, als sie in zwei Reihen vorbeiritten. Jedes Gesicht war in einem Käfig aus Stahlgitter eingesperrt. Rand war froh, daß sein Schwert von dem Umhang bedeckt war. Ein paar nickten Meister Kinch zu. Nicht, daß sie ihn kannten — es war eine Art neutraler Begrüßung. Meister Kinch nickte auf die gleiche Art zurück, aber obwohl sein Gesichtsausdruck sich nicht änderte, lag in seinem Nicken etwas von wohlwollender Zustimmung.
Sie ritten nur im Schrittempo, aber durch die zusätzliche Geschwindigkeit des Karrens waren sie schnell vorbei. Mit einem Teil seines Gehirns zählte Rand sie. Zehn... zwanzig... dreißig... zweiunddreißig. Er hob den Kopf und beobachtete, wie die beiden Reihen sich die Straße von Caemlyn hinunterbewegten. »Wer war das?« fragte Mat teils erstaunt, teils mißtrauisch.
»Die Garde der Königin«, sagte Meister Kinch um seinen Pfeifenstiel herum. Er behielt die Straße vor ihnen im Auge. »Kommen nicht mehr viel weiter als bis Breens Quelle, außer, man ruft sie herbei. Nicht so wie in den alten Tagen.« Er zog an seiner Pfeife und fügte dann hinzu: »Ich schätze, heutzutage gibt es Teile des Reiches, in denen man die Garde ein ganzes Jahr oder länger nicht zu sehen bekommt. Nicht wie in den alten Tagen.«
»Was machen sie?« fragte Rand.
Der Bauer blickte ihn an. »Den Frieden der Königin wahren und die Gesetze der Königin durchsetzen.« Er nickte vor sich hin, als gefalle ihm der Klang dieser Worte, und fügte hinzu: »Sie suchen nach Übeltätern und stellen sie vor Gericht. Mmmmmf!« Er ließ eine lange Rauchfahne aus dem Mund aufsteigen. »Ihr zwei müßt ja von ganz schön weit weg sein, wenn ihr nicht einmal die Garde der Königin erkennt. Wo kommt ihr denn her?«
»Von weit her«, sagte Mat im gleichen Augenblick, als Rand herausposaunte: »Von den Zwei Flüssen.« Er hätte es am liebsten zurückgenommen, kaum daß es gesagt war. Er konnte immer noch nicht klar denken. Versucht, sich zu verstecken, und gibt dann einen Namen preis, bei dem ein Blasser sofort hellhörig würde.
Meister Kinch sah Mat aus dem Augenwinkel an und paffte eine Weile schweigend seine Pfeife. »Das ist wirklich weit weg«, sagte er schließlich. »Beinahe an der Grenze des Reichs. Aber es muß schlimmer um das Reich stehen, als ich dachte, wenn es Gegenden darin gibt, deren Einwohner die Garde der Königin noch nicht einmal erkennen. Gar nicht wie in den alten Tagen.«
Rand fragte sich, was Meister al'Vere wohl dazu sagen würde, wenn jemand ihm gegenüber behauptete, die Zwei Flüsse gehörten zum Reich irgendeiner Königin. Der Königin von Andor wahrscheinlich. Vielleicht wußte der Bürgermeister Bescheid — er wußte eine Menge Dinge, die Rand überraschten -, und vielleicht auch andere, aber er hatte nie gehört, daß jemand das erwähnte. Die Zwei Flüsse waren die Zwei Flüsse. Jedes Dorf löste seine eigenen Probleme, und wenn etwas auftauchte, was mehr als ein Dorf betraf, dann wurde das von den Bürgermeistern und vielleicht noch den Gemeinderäten gemeinsam gelöst.
Meister Kinch zog die Zügel an, und der Karren blieb stehen. »Weiter fahre ich nicht.« Ein enger Pfad führte nach Norden. In dieser Richtung waren mehrere Bauernhäuser hinter Feldern sichtbar, die wohl gepflügt worden waren, auf denen sich aber noch keine Saat zeigte. »In zwei Tagen seid ihr in Caemlyn. Zumindest dann, wenn dein Freund wieder richtig laufen kann.«
Mat sprang herunter, hob seinen Bogen und die anderen Sachen vom Karren und half dann Rand, hinten abzusteigen. Rands Bündel lasteten schwer auf ihm, und seine Beine zitterten noch, aber er wehrte die helfende Hand seines Freundes ab und versuchte, ein paar Schritte weit allein zu laufen. Er fühlte sich noch unsicher, doch seine Beine trugen ihn. Sie schienen sogar kräftiger zu werden, je mehr er sie benützte.
Der Bauer fuhr nicht gleich weiter. Er betrachtete sie eine Weile und zog an seiner Pfeife. »Ihr könnt euch ein oder zwei Tage bei mir ausruhen, wenn ihr wollt. Werdet in der Zeit auch nichts versäumen, schätze ich. Von welcher Krankheit du dich auch erholen mußt, junger Bursche... na ja, die alte Frau und ich, wir hatten schon so ziemlich jede Krankheit, die du dir vorstellen kannst, und wir haben auch unsere Kinder durchgebracht. Ich denke, du bist über die ansteckende Phase hinweg.«
Mats Blick wurde mißtrauisch, und Rand ertappte sich dabei, daß er die Stirn runzelte. Nicht jeder gehört dazu. Es kann ja wohl nicht jeder verwickelt sein.
»Dankeschön«, sagte er, »aber ich bin schon in Ordnung. Wirklich. Wie weit ist es zum nächsten Dorf?«
»Carysfurt? Ihr könnt es zu Fuß noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen.« Meister Kinch nahm die Pfeife aus dem Mund und schürzte nachdenklich die Lippen, bevor er fortfuhr: »Zuerst habe ich euch für weggelaufene Lehrburschen gehalten, aber jetzt glaube ich, daß ihr vor etwas Ernsthafterem wegrennt. Ich weiß nicht, wovor. Es geht mich nichts an. Ich kann durchaus beurteilen, daß ihr keine Schattenfreunde seid und wohl kaum jemanden ausrauben oder verletzen werdet. Nicht so, wie andere, die heutzutage durchs Land ziehen. Als ich noch in eurem Alter war, bin ich auch ein oder zweimal in Schwierigkeiten gekommen. Wenn ihr einen Fleck sucht, an dem ihr ein paar Tage lang untertauchen könnt... Mein Hof liegt fünf Meilen entfernt in dieser Richtung« — er nickte mit dem Kopf zu dem Pfad hinüber — »und da kommt niemals jemand hin. Was euch auch verfolgt, es wird euch dort wohl kaum finden.« Er räusperte sich verlegen, als schäme er sich, soviel auf einmal gesagt zu haben.