Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Ergebt Euch«, verlangte Gode vom Flur aus, »oder verbringt die Ewigkeit damit, Euch zu wünschen, Ihr hättet Euch ergeben!«
»Wenn wir keine andere Wahl haben... « Unter Rands Blick leckte sich Mat die Lippen. Sein eigener Blick huschte umher wie der eines Dachses in der Falle. Sein Gesicht war blaß, und er atmete schwer beim Sprechen. »Wir könnten einwilligen und später zu entkommen versuchen. Blut und Asche, Rand, es gibt keinen Weg nach draußen!«
Die Worte schienen Rand wie durch eine Schicht von Watte zu erreichen, die er sich in die Ohren gestopft hatte.
Kein Weg führt nach draußen. Oben donnerte es wieder, und ein weiterer Blitz zuckte über den Himmel. Muß einen Weg finden. Gode rief nach ihnen, forderte, bat; die Tür rutschte wieder ein Stückchen nach innen auf. Ein Ausweg!
Licht erfüllte den Raum, blendete alle Sicht. Die Luft schrie auf und brannte. Rand fühlte, wie er hochgehoben und gegen die Wand geschleudert wurde. Er rutschte wie ein Häufchen Elend zu Boden. In seinen Ohren rauschte es, und jedes Haar an seinem Körper stand zu Berge. Betäubt taumelte er hoch. Seine Knie gaben nach, und er stützte sich mit einer Hand an der Wand ab. Er sah sich erstaunt um.
Die Lampe, die umgekippt am Rand eines der wenigen übriggebliebenen Regalbretter lag, brannte noch immer und erhellte den Raum ein wenig. All die Fässer und Kisten lagen, teilweise rußgeschwärzt und qualmend, irgendwo herum, wohin sie eben geschleudert worden waren. Das Fenster mit dem Gitter davor und auch der größte Teil der Wand waren verschwunden und hatten lediglich ein ausgefranstes Loch hinterlassen. Das Dach war eingesackt, und an den gesplitterten Kanten der Öffnung kämpften Rauchfäden gegen den Regen an. Die Tür hing schief in den Angeln und hatte sich so in ihrem Rahmen verkeilt. Alles erschien ihm verschwommen unwirklich. Er stellte die Lampe wieder auf. Es schien ihm das wichtigste auf der Welt, sich zu vergewissern, daß sie nicht zerbrechen konnte.
Ein Kistenstapel wölbte sich plötzlich und brach auf. Mitten drin stand Mat auf. Er wankte, blinzelte und befühlte seinen Körper, als wolle er nachprüfen, ob noch alles an seinem Platz sei. Er spähte in Richtung Rand. »Rand? Bist du das? Du lebst. Ich dachte, wir seien beide... « Er brach ab, biß sich auf die Lippe und zitterte. Rand brauchte einen Augenblick, um zu erkennen, daß er lachte, allerdings am Rande der Hysterie.
»Was ist geschehen, Mat? Mat? Mat! Was ist geschehen?«
Mats Körper wurde von einem letzten Zittern durchgeschüttelt und dann war er ruhig. »Ein Blitz, Rand. Ich habe gerade aus dem Fenster geschaut, als er in das Gitter einschlug. Blitz. Ich kann mir nicht denken, was... « Er brach ab, schielte zu der schief in den Angeln hängenden Tür hinüber, und seine Stimme wurde scharf. »Wo ist Gode?«
Nichts bewegte sich in dem Korridor vor der Tür. Es war weder von Gode noch seinen Begleitern ein Anzeichen zu entdecken — auch kein Laut -, obwohl sich in dieser Dunkelheit alles verbergen konnte. Rand ertappte sich dabei, daß er hoffte, sie seien tot; er hätte jedoch den Kopf nicht in den Flur hinausgesteckt, um das nachzuprüfen, und wenn man ihm dafür eine Krone geboten hätte. Auch draußen in der Nacht jenseits der ehemaligen Wand bewegte sich nichts, doch anderswo waren Menschen auf den Beinen und rannten herum. Verwirrte Schreie kamen aus dem oberen Stockwerk der Schenke, und man hörte das Getrampel rennender Füße.
»Gehen wir, solange wir noch können«, sagte Rand.
Er half schnell, ihre Besitztümer aus dem Schutt herauszusuchen, packte Mat am Arm und zog ihn teils, teils führte er ihn durch das klaffende Loch in die Nacht hinaus. Mat klammerte sich an seinen Arm und stolperte mit vorgestrecktem Kopf, um etwas sehen zu können, neben ihm her.
Als der erste Regentropfen Rands Gesicht traf, zuckte ein gespaltener Blitz über die Schenke hinweg, und er blieb verkrampft stehen. Godes Männer waren noch da. Sie lagen mit den Füßen zu der Öffnung hin am Boden. Ihre Körper wurden vom Regen überschüttet, und ihre geöffneten Augen starrten in den Himmel.
»Was ist los?« fragte Mat. »Blut und Asche! Ich kann kaum meine eigene verdammte Hand sehen!«
»Nichts«, sagte Rand. Glück. Die im Licht wandeln... Tatsächlich? Zitternd führte er Mat um die Leichen herum. »Nur der Blitz.«
Es gab keine andere Beleuchtung als die Blitze, und er stolperte in den Furchen der Straße, als sie von der Schenke wegtorkelten. Da Mat fast nur an ihm hing, führte jedes Stolpern beinahe zum Sturz, aber sie rannten eben taumelnd und schwer atmend weiter.
Einmal blickte er zurück. Einmal, bevor der Regen zu einem dichten Vorhang wurde, der den Tanzenden Fahrer vor ihm verbarg. Im Blitzschein erkannte er die Silhouette eines Mannes am Hinterausgang der Schenke, der ihnen oder dem Himmel mit der Faust drohte. Gode oder Hake -er wußte es nicht, aber einer war ihm so lieb wie der andere. Der Regen ergoß sich derart vom Himmel, daß sie wie in einer Wasserwand gefangen waren. Er eilte durch die Nacht und lauschte im Brausen des Sturms nach irgendwelchen Verfolgern.
33
Die Dunkelheit wartet
Der hochrädrige Karren rumpelte unter einem bleiernen Himmel die Straße nach Caemlyn entlang. Rand erhob sich aus dem Stroh, das hintendrauf lag, und blickte über die Seitenwand. Die Bewegung fiel ihm leichter als noch eine Stunde zuvor. Seine Arme fühlten sich an, als wollten sie sich strecken, anstatt ihn hochzuziehen, und eine kleine Weile lang wollte sein Kopf die Bewegung fortsetzen und wegfliegen, aber es war trotzdem leichter. Er hängte sich mit den Armen über den niedrigen Seitenbrettern ein und beobachtete das vorbeirollende Land. Die immer noch hinter stumpfbleiernen Wolken verborgene Sonne stand hoch am Himmel, aber der Karren rumpelte bereits in ein weiteres Dorf mit Häusern aus rotem Backstein, deren Wände von Ranken überwuchert wurden. Seit Vier Könige lagen die Ortschaften immer näher beieinander.
Einige der Menschen hier winkten Hyam Kinch zu oder riefen dem Bauern, auf dessen Karren sie lagen, etwas nach. Meister Kinch, wortkarg und mit ledernem Gesicht, rief jedesmal ein paar Worte zurück, was er eben mit dem Pfeifenstiel im Mund herausbringen konnte. Der um die Pfeife herum zugeklemmte Mund ließ die Worte fast unverständlich werden, aber sie klangen leutselig, und die Menschen waren es zufrieden. Sie kehrten zu ihrer Tätigkeit zurück, ohne den Karren eines zweiten Blickes zu würdigen. Keiner schien die beiden Passagiere des Bauern zu beachten.
Die Dorfschenke bewegte sich durch Rands Gesichtsfeld. Sie war weiß getüncht und hatte ein graues Schieferdach. Leute traten ein oder kamen heraus, nickten sich beiläufig zu oder winkten einander. Einige davon blieben stehen, um sich zu unterhalten. Sie kannten sich eben. Die meisten waren Dorfbewohner, nach ihrer Kleidung zu urteilen. Die Stiefel und Hosen und Mäntel unterschieden sich nicht sehr von dem, was er trug; allerdings liebten die Leute hier bunte Streifen sehr. Die Frauen trugen Hüte mit breiten Rändern, die ihre Gesichter verbargen, und weiße — gestreifte — Schürzen. Vielleicht waren alle Ortsansässige und Bauern aus dem Umland. Spielt das irgendeine Rolle?
Er ließ sich auf das Stroh zurückfallen und beobachtete, wie das Dorf zwischen seinen Füßen immer kleiner wurde. Eingezäunte Felder und beschnittene Hecken rahmten die Straße ein, und er sah kleine Bauernhäuser, aus deren roten Backsteinkaminen Rauch quoll. Die einzigen Bäume in der Nähe der Straße bildeten eine Art von Niederwald, stark ausgeforstet — man hatte wohl Brennholz geschlagen — und gartenähnlich. Aber die Äste streckten sich kahl dem Himmel entgegen, genauso kahl wie die in den wildwachsenden Wäldern im Westen.
Ein Wagenzug auf der gegenüberliegenden Seite rumpelte die Straße herunter und drängte den Karren zum Straßenrand hinüber. Meister Kinch schob seine Pfeife in den Mundwinkel und spuckte aus. Er behielt das Rad an der Außenseite im Auge, um sicher zu gehen, daß es sich nicht in der Hecke verfing, hielt aber nicht an. Sein Mund verzog sich, als er den Wagenzug der Kaufleute betrachtete.