Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jenny verzog das Gesicht zu einer Mischung aus Ironie und Stolz. »Fängt gerade an zu laufen und ist der Schrecken des Hauses.« Sie blickte die verlassene Straße hinauf. »Seid ihr Ian begegnet?«
»Ja, Jamie, Murtagh und Fergus helfen ihm, die Schafe zu suchen.«
»Lieber sie als ich«, sagte sie und wies mit einer raschen Geste zum Himmel. »Es wird jede Minute regnen. Lass Rabbie die Pferde in den Stall bringen und hilf mir mit den Matratzen, sonst schlafen wir heute alle feucht.«
Es brach allgemeine Hektik aus, doch als der Regen kam, saßen Jenny und ich gemütlich in der Wohnstube und öffneten die Päckchen, die wir aus Frankreich mitgebracht hatten, während wir die kleine Maggie bewunderten, eine frühreife junge Dame von etwa zehn Monaten mit runden blauen Augen und einem rotblonden Wuschelkopf, und ihren älteren Bruder, den kleinen Jamie, einen kräftigen Jungen von knapp vier. Der nächste Ankömmling war noch nicht mehr als eine kleine Wölbung unter der Schürze seiner Mutter, doch hin und wieder sah ich ihre Hand liebevoll darauf ruhen, und der Anblick versetzte mir einen kleinen Stich.
»Du hast etwas von Fergus gesagt«, meinte Jenny. »Wer ist das?«
»Oh, Fergus? Er ist … nun ja, er ist …« Ich zögerte, denn ich war mir nicht ganz sicher, als was ich Fergus beschreiben sollte. Für einen Taschendieb schien es auf einem Bauernhof nur begrenzt Verwendung zu geben. »Er gehört zu Jamie«, sagte ich schließlich.
»Oh, aye? Nun, vermutlich kann er ja im Stall schlafen«, sagte Jenny resigniert. »Apropos Jamie …« Sie blickte zum Fenster, an dem jetzt der Regen hinunterströmte. »Ich hoffe, sie finden die Schafe bald. Ich habe etwas Besonderes zum Abendessen vorbereitet und möchte es nicht verderben, weil es lange steht.«
Am Ende war es schon dunkel, und Mary MacNab hatte den Tisch gedeckt, ehe die Männer zurückkehrten. Ich beobachtete sie bei der Arbeit; eine kleine, zierliche Frau mit dunkelbraunem Haar und einem etwas besorgten Blick, der sich in ein Lächeln verwandelte, als Rabbie aus dem Stall zurückkam und in die Küche ging, um hungrig zu fragen, wann es Essen geben würde.
»Wenn die Männer zurück sind, mo luaidh«, sagte sie. »Das weißt du doch. Geh dich waschen, damit du fertig bist.«
Als die Männer schließlich auftauchten, schienen sie Wasser und Seife um einiges nötiger zu haben als Rabbie. Vom Regen durchtränkt und bis zu den Knien voll Schlamm, schlurften sie langsam in die Stube. Ian schlang sich das nasse Plaid von den Schultern und hängte es über die Ofenschürze, wo es in der Hitze des Feuers dampfend vor sich hin tropfte. Fergus, den die abrupte Begegnung mit dem Landleben völlig erschöpft hatte, setzte sich einfach nur hin, wo er stand, und starrte dumpf auf den Boden zwischen seinen Beinen.
Jenny blickte zu ihrem Bruder auf, den sie seit fast einem Jahr nicht mehr gesehen hatte. Sie betrachtete ihn vom regennassen Haar bis zu den matschigen Füßen und zeigte zur Tür.
»Hinaus, und zieh dir die Schuhe aus«, sagte sie entschlossen. »Und wenn du oben auf der Lichtung gewesen bist, vergiss nicht, an die Türpfosten zu pinkeln, wenn du wieder hereinkommst. So hindert man einen Geist daran, ins Haus zu kommen«, erklärte sie mir mit gesenkter Stimme und warf einen hastigen Blick zur Tür, wo Mary MacNab verschwunden war, um das Essen zu holen.
Jamie, der zusammengesunken auf seinem Sessel saß, öffnete ein Auge und warf seiner Schwester einen dunkelblauen Blick zu.
»Da lande ich in Schottland, halbtot von der Überfahrt, reite tagelang über Berg und Tal, um hierherzukommen. Und als ich dann ankomme, ist es mir nicht vergönnt, das Haus zu betreten, um mir die ausgetrocknete Kehle mit einem Tropfen zu befeuchten; stattdessen darf ich los durch den Schlamm, entlaufene Schafe jagen. Und als ich dann doch endlich da bin, willst du mich zurück in die Nacht schicken, damit ich an die Türpfosten pinkle. Pah!« Er schloss das Auge wieder, verschränkte die Hände vor dem Bauch und ließ sich tiefer in den Sessel sinken, die sture Verweigerung in Person.
»Jamie, Schätzchen«, sagte seine Schwester liebenswürdig. »Möchtest du dein Abendessen, oder soll ich es den Hunden geben?«
Einen langen Augenblick saß er reglos mit geschlossenen Augen da. Dann erhob er sich mühsam und seufzte resigniert. Mit einem missmutigen Schulterzucken rief er Ian zu sich, und sie machten kehrt, um Murtagh zu folgen, der schon zur Tür hinaus war. Im Vorübergehen streckte Jamie seinen langen Arm aus, zog Fergus hoch und zerrte den Jungen im Halbschlaf hinter sich her.
»Willkommen daheim«, sagte Jamie griesgrämig, und mit einem letzten sehnsüchtigen Blick auf das Feuer und den Whisky stapfte er wieder in die Nacht hinaus.
Kapitel 31
Post aus Paris
Nach dieser wenig euphorischen Heimkehr wandten sich die Dinge schnell zum Besseren. Lallybroch saugte Jamie in sich auf, als wäre er nie fort gewesen, und auch ich fand mich ganz selbstverständlich inmitten der Strömung des Lebens auf dem Gutshof wieder. Es war ein unruhiger Herbst mit häufigen Regenfällen, aber auch mit klaren, sonnigen Tagen, die die Seele jubeln ließen. Auf dem Hof herrschte große Geschäftigkeit, denn alles hastete durch die Erntezeit und die Vorbereitungen, die für den kommenden Winter zu treffen waren.
Selbst für eine Farm in den Highlands war Lallybroch abgelegen. Es führten keine richtigen Straßen dorthin, doch die Post erreichte uns dennoch mit Hilfe von Boten, die über die heidebewachsenen Hänge der Hügel kamen und uns mit der Außenwelt verbanden. Es war eine Welt, die mir in der Erinnerung manchmal unwirklich erschien, als hätte ich nie unter den Spiegeln von Versailles getanzt. Doch die Briefe holten Frankreich zurück, und wann immer ich sie las, konnte ich die Pappeln an der Rue Tremoulins vor mir sehen oder den Widerhall der Kathedralenglocke hören, die über dem Hôpital des Anges hing.
Louises Kind kam gesund zur Welt; ein Sohn. Ihre Briefe, die von Ausrufezeichen und unterstrichenen Wörtern nur so strotzten, quollen über mit hingerissenen Beschreibungen des kleinen Engelchens Henri. Kein Wort von seinem Vater, weder dem vorgetäuschten noch dem echten.
Charles Stuarts Brief, der einige Zeit später eintraf, erwähnte das Kind mit keinem Wort, war jedoch Jamie zufolge noch wirrer als sonst und wimmelte von vagen Plänen und Prahlereien.
Der Graf von Mar schrieb nüchtern und umsichtig, doch es war nicht zu übersehen, wie sehr Charles an seinen Nerven zehrte. Der Bonnie Prince hatte keine Manieren. Seine getreuesten Anhänger behandelte er unhöflich und herablassend, ignorierte Menschen, die ihm von Nutzen sein konnten, beleidigte die falschen Personen, redete wild vor sich hin und trank – zwischen den Zeilen gelesen – bis zum Exzess. Angesichts der Gepflogenheiten dieser Zeit, wenn es um den Alkoholgenuss von Männern ging, musste Charles geradezu spektakulär saufen, um einen solchen Kommentar zu provozieren. Vermutlich war ihm die Geburt seines Sohnes also nicht entgangen.
Mutter Hildegarde schrieb hin und wieder kurze, interessante Briefe, wenn sie ihrem Tagesplan ein paar Minuten abringen konnte. Jeder Brief endete mit denselben Worten: »Auch Bouton lässt Euch grüßen.«
Meister Raymond schrieb zwar nicht, doch hin und wieder kam ein Päckchen, das an mich adressiert war, aber weder Absender noch Siegel trug und Kuriositäten enthielt: seltene Kräuter und kleine geschliffene Kristalle, eine Sammlung kleiner glatter Steinscheiben, die die Größe von Jamies Daumennagel hatten. In jedes Steinchen war eine winzige Figur geritzt, manchmal mit Buchstaben darüber oder auf der Rückseite. Und dann waren da die Knochen – eine Bärenzehe, an der noch die große runde Klaue hing; das vollständige Rückgrat einer kleinen Schlange, beweglich auf einem Lederriemchen aufgefädelt, so dass es sich wie lebendig bewegen ließ; diverse Zähne, von einer Reihe rundlicher Stifte, von denen Jamie sagte, sie stammten von einem Seehund, über einige lange, sichelspitze Rotwildzähne bis hin zu etwas, das verdächtig wie ein menschlicher Backenzahn aussah.