Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich trug meine inzwischen getrockneten Kleider wieder und breitete die Hände flach auf den Oberschenkeln aus. Einer aus Silber, einer aus Gold – meine Eheringe waren beide noch da, und ich hatte keine Ahnung, was das bedeutete.
Jack Randall würde nie ein Kind zeugen. Dessen schien sich Jamie sicher zu sein, und ich hatte nicht vor, seine Worte in Frage zu stellen. Und doch trug ich nach wie vor Franks Ring, erinnerte mich an den Mann, der mein erster Ehemann gewesen war, konnte beliebige Erinnerungen daran heraufbeschwören, wer er gewesen war und was er tun würde. Wie war es dann möglich, dass er nie existieren würde?
Ich schüttelte den Kopf und schob mir die vom Wind getrockneten Locken hinter die Ohren. Ich wusste es nicht. Gut möglich, dass ich es auch nie herausfinden würde. Doch ob man die Zukunft ändern konnte oder nicht – und anscheinend hatten wir es ja getan –, ich war mir sicher, dass es mir nicht möglich war, die unmittelbare Vergangenheit zu ändern. Was geschehen war, war geschehen, und nichts, was ich jetzt unternahm, würde daran etwas ändern. Jack Randall würde keine Kinder zeugen.
Ein Stein rollte hüpfend hinter mir den Hang hinunter und löste kleine Kieslawinen aus. Ich drehte mich um und blickte hinauf. Jamie sah sich dort oben um.
Der Bergrutsch war noch nicht lange her. Man sah frische weiße Oberflächen, wo das fleckige Braun des verwitterten Kalksteins abgerissen war, und noch hatten nur ganz kleine Pflanzen in dem Durcheinander aus Felsen Fuß gefasst, während der Rest des Hügels mit dichtem Gestrüpp bewachsen war.
Jamie schob sich vorsichtig seitwärts, ganz darauf konzentriert, im Gewirr des Gerölls Halt zu finden. Ich sah, wie er sich um einen gigantischen Felsbrocken schob, in dem er sich dicht an den Stein presste, und das leise Schaben seines Dolches drang durch die stille Nachmittagsluft zu mir.
Dann verschwand er. Da ich damit rechnete, dass er auf der anderen Seite des Brockens wieder auftauchen würde, wartete ich und genoss die Sonne auf meinen Schultern. Doch er kam nicht wieder in Sicht, und nach einigen Momenten begann ich, mich zu sorgen. Es war ja möglich, dass er abgerutscht und gefallen oder sich den Kopf an einem Stein gestoßen hatte.
Es erschien mir wie eine Ewigkeit, bis ich die Verschlüsse meiner unpraktischen Schuhe wieder geöffnet hatte, und er war immer noch nicht wieder da. Ich raffte meine Röcke und begann, bergauf zu steigen, vorsichtig mit nackten Zehen auf den unebenen warmen Steinen.
»Jamie!«
»Hier, Sassenach«, sagte er hinter mir, und ich erschrak so sehr, dass ich fast das Gleichgewicht verloren hätte. Er fing mich am Arm auf und hob mich auf eine kleine freie Stelle inmitten der kantigen, abgestürzten Steine.
Er wandte mich der Kalksteinwand zu, die von Wasser und Rauch gefleckt war. Und von etwas anderem.
»Schau«, sagte er leise.
Ich blickte in die Richtung, in die er zeigte, an der glatten Höhlenwand empor, und der Anblick verschlug mir den Atem.
Gemalte Tiere galoppierten über mir mit fliegenden Hufen auf der Felsoberfläche dem Licht entgegen. Herden von Bison und Rotwild rasten mit wehenden Schwänzen dahin, und am Ende der Felsfläche schwebten zart gezeichnete Vögel mit ausgebreiteten Flügeln über dem Ansturm der Erdentiere dahin.
Mit filigraner Anmut in Rot, Schwarz und Ocker in die Linien des Felsens gefügt, donnerten sie geräuschlos dahin; die Hinterbeine kraftvoll angewinkelt, flogen sie durch die Spalten im Fels. Einst hatten sie im Dunkel einer Höhle gelebt, beleuchtet nur von den Flammen ihrer Schöpfer. Durch den Einsturz ihres Schutzdaches der Sonne preisgegeben, wirkten sie nicht minder lebendig als andere Tiere der Erde.
Ich war so in die Betrachtung der massigen Schultern versunken, die sich von den Felsen abzustoßen schienen, dass mir Jamies Fehlen gar nicht auffiel, bis er mich rief.
»Sassenach. Kommst du einmal her?« Sein Ton war seltsam, und ich eilte zu ihm hinüber. Er stand am Eingang einer kleinen Nebenhöhle und blickte in die Tiefe.
Sie lagen hinter einem Vorsprung des Felsens, als hätten sie Schutz vor dem Wind gesucht, der die Bisons jagte.
Sie waren zu zweit und lagen zusammen auf dem festen Boden der Höhle. Durch die trockene Höhlenluft versiegelt, hatten die Knochen überdauert, obwohl alles Gewebe längst zu Staub getrocknet war. Ein winziger Rest brauner Pergamenthaut klammerte sich noch an die Rundung des einen Schädels, und eine vom Alter rot verfärbte Haarsträhne regte sich sacht im Luftzug unserer Gegenwart.
»Mein Gott«, sagte ich leise, als könnte ich sie stören. Ich bewegte mich dichter an Jamie heran, und er ließ die Hand um meine Taille gleiten.
»Meinst du … man hat sie … hier getötet? Ein Opfer vielleicht?«
Jamie schüttelte den Kopf und blickte nachdenklich auf das Häuflein zerbrechlicher Knochen hinunter.
»Nein«, sagte er. Auch er sprach leise, als stünde er im Allerheiligsten einer Kirche. Er wandte sich um und wies mit der Hand auf die Wand hinter uns, auf der das Wild in die Luft sprang und sich die Kraniche in die Leere jenseits der Felsen aufschwangen.
»Nein«, sagte er noch einmal. »Die Menschen, die solche Tiere gemalt haben … zu so etwas waren sie nicht fähig.« Wieder wandte er sich den beiden Skeletten zu, die verschlungen zu unseren Füßen lagen. Er beugte sich über sie und zeichnete sachte mit dem Finger den Verlauf der Knochen nach, hütete sich aber, ihre Elfenbeinoberfläche zu berühren.
»Sieh doch, wie sie daliegen«, sagte er. »Sie sind nicht an diese Stelle gefallen, und es hat sie auch niemand aufgebahrt. Sie haben sich selbst hingelegt.« Seine Hand schwebte über den langen Armknochen des größeren Skeletts, ein dunkler Schatten, der wie ein großer Falter über dem Mikado aus Rippen flatterte.
»Er hatte die Arme um sie gelegt«, sagte er. »Er hat seine Oberschenkel hinter die ihren geschmiegt und sie festgehalten, und sein Kopf ruht auf ihrer Schulter.«
Seine Hand bewegte sich über die Knochen hinweg, um zu illustrieren, anzudeuten, sie noch einmal in die Haut der Vorstellungskraft zu kleiden, so dass ich sie sehen konnte, wie sie gewesen waren, ein letztes Mal umarmt, für immer. Die kleinen Fingerknochen waren auseinandergefallen, doch ein Hauch von Knorpel hielt die Mittelhandknochen noch zusammen. Die kleinen Fingerglieder lagen übereinander; sie hatten die Hände verschränkt, während sie auf das Ende warteten.
Jamie hatte sich aufgerichtet und betrachtete das Innere der Höhle, deren Wände von der späten Nachmittagssonne in Rot und Ocker getaucht wurden.
»Da.« Er zeigte auf eine Stelle in der Nähe des Höhleneingangs. Dort war das Gestein zwar von Staub und Alter braun gefärbt, aber nicht rostig von Wasser und Erosion wie weiter im Inneren der Höhle.
»Das war einmal der Eingang«, sagte er. »Es hat schon einmal einen Felssturz gegeben, und die Höhle wurde versiegelt.« Er wandte sich zurück und legte die Hand auf den Felsvorsprung, der die Liebenden vor dem Licht schützte.
»Sie müssen sich Hand in Hand durch die Höhle getastet haben«, sagte ich. »Und in der staubigen Dunkelheit nach einem Ausweg gesucht haben.«
»Aye.« Er legte die Stirn an den Felsen und schloss die Augen. »Und es gab kein Licht, und die Luft wurde knapp. Und so haben sie sich in der Dunkelheit niedergelegt, um zu sterben.« Die Tränen zogen feuchte Spuren durch den Staub auf seinen Wangen. Auch ich rieb mir die Augen, dann ergriff ich seine freie Hand und verwob meine Finger vorsichtig mit den seinen.
Wortlos wandte er sich mir zu, und der Atem entfuhr ihm, als er mich fest an sich zog. Unsere Hände tasteten im Licht der sterbenden Sonne umher, drängten nach Berührung und Wärme, nach Trost und Haut, durch die Härte des unsichtbaren Skeletts daran erinnert, wie kurz das Leben ist.
Fünfter Teil
»Ich bin Heim Gekehrt«