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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»Oh, das ist auch unwahrscheinlich«, sagte Ian und winkte ab. »Keins unserer Tiere geht weiter als bis zur Kate.«

»Kate?« Fergus, dem dieser Austausch von Höflichkeiten zu langweilig wurde, hatte sein Pferd an die Seite des meinen getrieben. »Ich habe keine Kate gesehen, Milord. Nur einen Haufen Steine.«

»Das ist auch alles, was noch von MacNabs Kate übrig ist, Junge«, sagte Ian. Er blinzelte zu Fergus auf, der die Nachmittagssonne im Rücken hatte. »Und ich rate dir, dich auch davon fernzuhalten.«

Trotz des warmen Wetters standen mir die Nackenhaare zu Berge. Ronald MacNab war der Pächter, der Jamie vor einem Jahr an die Männer der Wachpatrouille verraten hatte, der Mann, der seinen Verrat innerhalb eines Tages mit dem Leben bezahlt hatte, nachdem es herausgekommen war. Ich wusste, dass er in der Asche seines Hauses umgekommen war, das ihm die Männer von Lallybroch über dem Kopf angezündet hatten. Der Haufen Kaminsteine, der vor ein paar Minuten im Vorüberreiten noch so unschuldig gewirkt hatte, nahm jetzt das traurige Aussehen eines Grabhügels an. Ich schluckte den bitteren Geschmack herunter, der mir in die Kehle stieg.

»MacNab?«, sagte Jamie leise. Seine Miene war augenblicklich hellwach. »Ronnie MacNab?«

Ich hatte Jamie von MacNabs Verrat und von seinem Tod erzählt, aber nicht, wie er umgekommen war.

Ian nickte. »Aye. Er ist dort gestorben, am selben Abend, als du festgenommen wurdest, Jamie. Das Dach muss durch einen Funken Feuer gefangen haben, und er war wohl zu betrunken, um noch zu entkommen.« Er sah Jamie in die Augen, und sein Blick hatte jetzt nichts Scherzhaftes mehr.

»Ah? Und seine Frau und sein Kind?« Jamie sah Ian auf dieselbe Weise an, kühl und unergründlich.

»In Sicherheit. Mary ist Küchenmagd im Haus, und Rabbie arbeitet im Stall.« Ian blickte sich unwillkürlich in die Richtung der Ruine um. »Mary kommt hin und wieder nach hier oben; sie ist die Einzige auf dem Hof, die dort hingeht.«

»Dann hat sie an ihm gehangen?« Jamie hatte sich ebenfalls der Kate zugewandt, so dass ich sein Gesicht nicht sehen konnte, doch seine Haltung war angespannt.

Ian zuckte mit den Schultern. »Ich kann es mir nicht vorstellen. Ronnie war ein Trunkenbold und noch dazu brutal; nicht einmal seine alte Mutter hat viel von ihm gehalten. Nein, ich denke, Mary hält es für ihre Pflicht, für seine Seele zu beten – nicht, dass es ihm etwas nützen wird«, fügte er hinzu.

»Ah.« Jamie hielt einen Moment inne, als dächte er nach, dann legte er seinem Pferd die Zügel auf den Hals und wandte sich bergauf.

»Jamie«, sagte ich, doch er war bereits zurück zu der kleinen Lichtung neben dem Wäldchen unterwegs. Ich reichte Fergus, der mich überrascht ansah, die Zügel, die ich in der Hand hatte.

»Bleib hier bei den Pferden«, sagte ich. »Ich muss mit ihm gehen.« Ian setzte sich in Bewegung, um mitzukommen, doch Murtagh gebot ihm mit einem Kopfschütteln Einhalt, und ich ging allein weiter und folgte Jamie über den Hügelkamm.

Er hatte den langen, unermüdlichen Schritt eines Bergwanderers, und ich holte ihn erst ein, als er die kleine Lichtung schon erreicht hatte. Er stand am Rand dessen, was einmal die Außenmauer gewesen war. Der Vierkant des nackten Bodens der Kate war noch erkennbar, denn der frische Pflanzenwuchs war nicht so dicht wie die Gerste auf dem Feld, grüner und wild im Schatten der Bäume.

Die Spuren des Feuers waren kaum zu sehen; ein paar verkohlte Holzstücke ragten aus dem Gras neben der steinernen Feuerstelle, die jetzt entblößt lag wie ein Grabstein. Jamie, der sich hütete, den Grundriss der verschwundenen Wände zu betreten, begann, über die Lichtung zu schreiten. Dreimal umrundete er den Kaminstein und ging dabei gegen den Uhrzeigersinn, linksherum und linksherum und noch einmal linksherum, um das Böse zu verwirren, falls es ihm folgte.

Ich stand am Rand und sah ihm zu. Dies war eine persönliche Konfrontation, aber ich konnte nicht zulassen, dass er sie allein bewältigte, und obwohl er mich nicht ansah, wusste ich doch, dass er froh war über meine Gegenwart.

Schließlich blieb er vor dem zusammengefallenen Steinhaufen stehen. Er streckte den Arm aus, legte vorsichtig die Hand darauf und schloss einen Moment die Augen, als betete er. Dann bückte er sich, hob einen faustgroßen Stein auf und legte ihn sorgfältig auf den Haufen, als könnte er der rastlosen Seele des Geistes Halt verleihen. Er bekreuzigte sich, wandte sich ab und kam mit festem Schritt ohne Eile auf mich zu.

»Sieh dich nicht um«, sagte er leise und nahm meinen Arm, als wir uns der Straße zuwandten.

Ich sah mich nicht um.

Jamie, Fergus und Murtagh machten sich mit Ian und den Hunden auf die Suche nach den Schafen, so dass es mir überlassen blieb, allein mit den Pferden zum Haus zu gehen. Ich war zwar alles andere als eine Expertin im Umgang mit Pferden, glaubte aber, eine halbe Meile wohl bewältigen zu können, solange nichts Unerwartetes auf mich losging.

Dies war völlig anders als unsere erste Heimkehr nach Lallybroch; damals waren wir beide auf der Flucht gewesen. Ich vor der Zukunft, Jamie vor seiner Vergangenheit. Damals war unser Aufenthalt zwar glücklich gewesen, aber auch von Unsicherheit geprägt; es war stets möglich, dass wir entdeckt wurden und Jamie in Gefangenschaft geriet. Nun war Jamie dank der Hilfe des Herzogs von Sandringham hier, um sein Erbe anzutreten – und ich, um als seine Frau meinen rechtmäßigen Platz an seiner Seite einzunehmen.

Damals waren wir zerlumpt und unerwartet eingetroffen, eine abrupte Störung des häuslichen Lebens. Diesmal kamen wir angekündigt und hochoffiziell und hatten Geschenke aus Frankreich dabei. Ich war zwar sicher, dass man uns herzlich empfangen würde, doch ich fragte mich, wie Ian und Jenny wohl unsere dauerhafte Rückkehr aufnehmen würden. Sie lebten schließlich als Herr und Herrin auf dem Anwesen, seit Jamies Vater tot war und er selbst durch die furchtbaren Ereignisse in die Gesetzlosigkeit und ins Exil getrieben worden war.

Ich erklomm den letzten Hügel ohne Zwischenfälle, und das Gutshaus und seine Nebengebäude lagen unter mir. Die Schieferdächer schwärzten sich unter den heranrollenden Regenwolken. Plötzlich fuhr meine Stute zusammen, und mir ging es genauso. Ich versuchte, die Zügel nicht zu verlieren, während sie alarmiert auf der Stelle hüpfte.

Nicht, dass ich es ihr verübeln konnte; zwei große Plusterbälle waren um die Hausecke gekommen und rollten wie übergewichtige Wolken über den Boden.

»Aufhören!«, rief ich. »Hooh!« Alle Pferde zerrten jetzt an den Zügeln und waren dicht davor durchzugehen. Eine schöne Heimkehr, dachte ich, wenn ich zuließ, dass sich Jamies neue Zuchtstuten die gesammelten Beine brachen.

Eine der Wolken hob sich ein wenig, dann sank sie flach auf den Boden, und Jenny Fraser Murray kam mit wehenden Locken auf die Straße zugerannt, nachdem sie sich der Federmatratze entledigt hatte, die sie ins Freie geschleppt hatte.

Ohne jedes Zögern packte sie das Zaumzeug des nächsten Pferdes und riss fest daran.

»Hooh!«, sagte sie. Das Pferd, das offenbar die Stimme der Autorität erkannte, hielt inne. Auch die anderen Pferde waren schnell beruhigt, und wir bekamen Unterstützung von einer weiteren Frau und einem Jungen von neun oder zehn, der mir kompetent zur Hand ging.

Ich erkannte den kleinen Rabbie MacNab und vermutete, dass die Frau seine Mutter Mary sein musste. Während wir die Pferde, das Gepäck und die Matratzen verstauten, blieb keine Zeit für viele Worte, doch ich konnte Jenny zur Begrüßung kurz umarmen. Sie roch nach Zimt und Honig, dem sauberen Schweiß der Anstrengung und einem Hauch von Babyduft, dieser paradoxen Duftmischung aus ausgespuckter Milch, breiigem Kot und der unvergleichlichen Reinheit frischer, glatter Haut.

Einen Moment klammerten wir uns fest aneinander und dachten an unsere letzte Umarmung am Rand eines nachtdunklen Waldes – als wir uns trennten, ich, um Jamie zu suchen, sie, um zu ihrer neugeborenen Tochter zurückzukehren.

»Wie geht es der kleinen Maggie?«, fragte ich, als ich mich schließlich von ihr löste.

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