Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Warum hat er das getan?«, wollte ich enerviert von Murtagh wissen. »Ich habe ihm doch gesagt, dass ich Laudanum für ihn habe.« Ich klopfte auf mein seidenes Handtäschchen. »Es würde ihn um einiges schneller betäuben.«
Murtagh blinzelte nur. »Aye. Er hat gesagt, wenn er am Ende schon Kopfschmerzen hat, kann er sie auch genauso gut mit Genuss bekommen. Und Whisky schmeckt nun einmal um einiges besser als das da.« Er wies kopfnickend auf das Täschchen, dann auf Jared. »Dann komm, wenn du vorhast, mir mit ihm zu helfen.«
In der vorderen Kajüte der Portia hatte ich dann auf der Kapitänskoje gesessen und dem rhythmischen Auf und Ab der schwindenden Küste zugesehen, während ich den Kopf meines Gatten auf den Knien hielt.
Ein Auge öffnete sich einen Spalt und blickte zu mir auf. Ich strich ihm das schwere, feuchte Haar aus der Stirn. Der Geruch nach Ale und Whisky umschwebte ihn wie Parfum.
»Du wirst dich furchtbar fühlen, wenn du aufwachst«, sagte ich zu ihm.
Das andere Auge öffnete sich und betrachtete die tänzelnden Wellen aus Licht, die über die Holzdecke huschten. Dann hefteten sich beide Augen auf mich, tiefe Becken aus klarem Blau.
»Wenn ich mir aussuchen kann, ob ich mich jetzt oder später furchtbar fühle, Sassenach«, sagte er mit gemessenen, präzisen Worten, »nehme ich auf jeden Fall später.« Seine Augen schlossen sich. Er rülpste leise, dann entspannte sich sein langer Körper, von der Wiege der Tiefe in den Schlaf geschaukelt.
Die Pferde schienen es genauso eilig zu haben wie wir; da sie die Nähe von Stall und Futter spürten, beschleunigten sie ihre Schritte ein wenig und hoben mit gespitzten Ohren die Köpfe.
Ich dachte gerade, dass auch mir eine Waschschüssel und ein Bissen zu essen guttun würden, als mein Pferd, das ein kleines Stück vorausging, die Hufe in den Boden stemmte und rutschend zum Halten kam, so dass es bis zu den Fesselgelenken im rötlichen Staub versank. Die Stute schüttelte heftig den Kopf und schnaubte.
»Heh, Kleine, was ist? Hast du eine Biene in der Nase?« Jamie schwang sich vom Pferd und packte die Schimmelstute hastig am Zaum. Da ich ihren breiten Rücken unter mir erschauern und zucken spürte, ließ ich mich ebenfalls zu Boden gleiten.
»Was ist denn mit ihr los?« Ich warf einen neugierigen Blick auf das Pferd, das rückwärts gegen Jamies Hand am Zaumzeug zog und mit rollenden Augen die Mähne schüttelte. Wie von ihrer Nervosität angesteckt, begannen auch die anderen Pferde, unruhig zu stampfen.
Jamie warf einen kurzen Blick auf die verlassene Straße.
»Sie sieht etwas.«
Fergus stellte sich in seine verkürzten Steigbügel und hielt sich die Hand über die Augen, um über den Rücken der Stute hinwegzuschauen. Dann ließ er die Hand sinken und sah mich achselzuckend an.
Ich erwiderte das Achselzucken; es schien nicht den geringsten Grund für die Verängstigung der Stute zu geben – Straße und Felder ringsum lagen verlassen, und die Ähren reiften und trockneten in der Spätsommersonne. Die nächste Baumgruppe stand über hundert Meter weit entfernt hinter einem kleinen Steinhaufen, der vielleicht einmal ein Schornstein gewesen war. Wölfe kamen auf gerodetem Land so gut wie nicht vor, und ein Fuchs oder Dachs würde einem Pferd aus so großer Entfernung wohl kaum Angst einflößen.
Jamie gab den Versuch auf, die Stute voranzutreiben, und führte sie im Halbkreis an; in die Richtung, aus der wir gekommen waren, ging sie gern zurück.
Er wies Murtagh mit einer Geste an, die anderen Pferde beiseitezuführen, dann schwang er sich in den Sattel und beugte sich vor, eine Hand an die Mähne geklammert, um sie langsam vorwärtszutreiben, während er leise auf sie einredete. Sie bewegte sich zögernd, aber ohne Gegenwehr, bis sie die Stelle erreichte, an der sie zuvor stehen geblieben war. Dort hielt sie wieder an und stand zitternd da, und nichts konnte sie überzeugen, auch nur einen Schritt weiterzugehen.
»Also schön«, sagte Jamie resigniert. »Wie du willst.« Er wendete das Pferd und führte es auf das Feld, wo ihm die gelben Ähren über das Zottelfell am Bauch strichen. Wir folgten ihnen raschelnd, und hier und dort senkten die Pferde die Hälse, um auf dem Weg durch das Feld ein Maul voll Getreide abzurupfen.
Als wir dicht unter dem Hügelkamm einen kleinen Granitvorsprung umrundeten, hörte ich vor uns warnendes Gebell. Wir bogen auf die Straße ein und sahen einen schwarz-weißen Schäferhund, der mit erhobenem Kopf und steifer Rute argwöhnisch Wache hielt.
Wieder kläffte er kurz, und ein zweites schwarz-weißes Wesen kam aus einem Erlenhain geschossen, langsamer gefolgt von einer hochgewachsenen, schlanken Gestalt in einem braunen Jagdplaid.
»Ian!«
»Jamie!«
Jamie warf mir die Zügel der Stute wieder zu und traf in der Mitte der Straße auf Ian. Prompt packten sich beide Männer bei den Schultern und hämmerten sich lachend gegenseitig auf den Rücken. Von der Pflicht zum Argwohn befreit, tobten die Hunde fröhlich mit wedelnden Ruten um sie herum und sprangen hin und wieder beiseite, um an den Beinen der Pferde zu schnuppern.
»Wir haben dich frühestens morgen erwartet«, sagte Ian und strahlte über das ganze lange, einfache Gesicht.
»Wir hatten guten Wind auf der Überfahrt«, erklärte Jamie. »Zumindest hat Claire mir das erzählt; ich habe selbst nicht viel davon mitbekommen.« Er sah mich grinsend an, und Ian trat zu mir, um meine Hand zu ergreifen.
»Schwägerin«, begrüßte er mich förmlich. Dann lächelte er, und seine sanften braunen Augen leuchteten warm. »Claire.« Impulsiv küsste er meine Finger, und ich drückte ihm die Hand.
»Jenny hat wie verrückt geputzt und gekocht«, sagte er, ohne den lächelnden Blick von mir abzuwenden. »Ihr könnt von Glück sagen, wenn ihr heute Abend ein Bett zum Schlafen habt; sie lässt gerade alle Matratzen draußen ausklopfen.«
»Nach drei Nächten unter freiem Himmel würde ich auch auf dem Boden schlafen«, versicherte ich ihm. »Geht es Jenny und den Kindern gut?«
»Oh, aye. Sie ist wieder schwanger«, fügte er hinzu. »Es kommt im Februar.«
»Schon wieder?«, sagten Jamie und ich wie aus einem Munde, und tiefe Röte stieg Ian in die hageren Wangen.
»Gott, Mann, die kleine Maggie ist doch noch kein Jahr alt«, sagte Jamie und zog tadelnd die Augenbraue hoch. »Hast du denn gar keine Hemmungen?«
»Ich?«, sagte Ian empört. »Du meinst, ich hatte irgendetwas damit zu tun?«
»Nun, wenn nicht, dann dürfte es dich doch interessieren, wer es sonst gewesen ist«, sagte Jamie, und sein Mundwinkel zuckte.
Die Röte nahm jetzt einen leuchtenden Rosenton an, ein hübscher Kontrast zu Ians glattem braunem Haar. »Du weißt ganz genau, was ich meine«, sagte er. »Ich habe zwei Monate mit dem kleinen Jamie auf dem Rollbett geschlafen, aber dann hat Jenny …«
»Oh, du willst also sagen, dass Jenny ein lüsternes Frauenzimmer ist, wie?«
»Ich will sagen, dass sie genauso stur ist wie ihr Bruder, wenn es darum geht zu bekommen, was sie will«, sagte Ian. Er wich zur Seite aus, ließ sich geschickt wieder zurückschnellen und versenkte einen Fausthieb in Jamies Magengrube. Jamie krümmte sich lachend vornüber.
»Dann ist es ja gut, dass ich wieder da bin«, sagte er. »Ich helfe dir, sie im Griff zu behalten.«
»Oh, aye?«, sagte Ian skeptisch. »Ich rufe die Pächter zum Zuschauen herbei.«
»Sind dir ein paar Schafe ausgebüchst?« Indem er mit einer Handbewegung auf die Hunde und Ians lange Krücke wies, die im Staub der Straße lag, wechselte Jamie das Thema.
»Fünfzehn Mutterschafe und ein Hammel«, sagte Ian und nickte. »Jennys Merinos, die sie der Wolle wegen züchtet. Der Hammel ist ein richtiges Mistvieh; hat das Tor aufgebrochen. Ich dachte, sie wären vielleicht hier oben im Getreide, aber keine Spur von ihnen.«
»Weiter oben haben wir sie auch nicht gesehen«, sagte ich.